{"id":112608,"date":"2016-07-25T15:00:49","date_gmt":"2016-07-25T15:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/07\/kohl-08-09-2016-franz\/"},"modified":"2024-02-05T17:23:54","modified_gmt":"2024-02-05T16:23:54","slug":"kohl-08-09-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/07\/kohl-08-09-2016\/","title":{"rendered":"Die Industrie wird \u00fcberleben"},"content":{"rendered":"<p>Die schweizerische Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) ist ausgesprochen exportorientiert. Rund 80 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erzielt. Davon stammen 60 Prozent aus der EU und dabei haupts\u00e4chlich aus dem Euroraum. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank hat den Franken gegen\u00fcber dem Euro schlagartig um \u00fcber 15 Prozent aufgewertet. Solche abrupten Ver\u00e4nderungen der W\u00e4hrungsverh\u00e4ltnisse gef\u00e4hrden die preisliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit vieler Exporteure. Die Nachteile k\u00f6nnen weder schnell noch einfach kompensiert werden.<\/p>\n<p>Gemessen an der Kaufkraftparit\u00e4t ist der Franken seit \u00fcber f\u00fcnf Jahren \u00fcberbewertet, was mit der Aufhebung des Mindestkurses nochmals stark akzentuiert worden ist. Vor diesem Hintergrund wird h\u00e4ufig auf die Gefahr einer Deindustrialisierung hingewiesen. Gemeint ist damit ein erheblicher Verlust an industrieller Substanz, der sich beispielsweise in einem starken R\u00fcckgang der industriellen Besch\u00e4ftigung manifestiert.<\/p>\n<p>Ob sich die Schweiz tats\u00e4chlich in einem Deindustrialisierungsprozess befindet, l\u00e4sst sich zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt nicht feststellen. Daf\u00fcr ist der Beobachtungszeitraum zu kurz. Nach unseren Berechnungen besch\u00e4ftigt die MEM-Industrie gegenw\u00e4rtig rund 319\u2019000 Personen. Seit Anfang 2015 sind 11\u2019000 Stellen verloren gegangen, wobei die Aufhebung des Mindestkurses der Hauptgrund sein d\u00fcrfte. Der Mitarbeiterbestand liegt damit aber immer noch \u00fcber dem Niveau von 2005.<\/p>\n<p>Es gibt gute Gr\u00fcnde, anzunehmen, dass der \u00abFrankenschock\u00bb nicht zu einer Deindustrialisierung f\u00fchrt. Swissmem spricht deshalb vielmehr von einem \u00abbeschleunigten Strukturwandel\u00bb. Das heisst: Das Gros der industriellen Substanz wird in der Schweiz verbleiben. Stark ver\u00e4ndern werden sich jedoch die T\u00e4tigkeiten in der Industrie: W\u00e4hrend manuelle, einfach zu automatisierende Aufgaben zunehmend verschwinden, gewinnen wertsch\u00f6pfungsstarke T\u00e4tigkeiten, die eine Fachausbildung erfordern, an Gewicht.<\/p>\n<h2><strong>Flexibilit\u00e4t ist entscheidend<\/strong><\/h2>\n<p>Deindustrialisierung ist nie die Folge einer einzigen Ursache. Ob eine \u00fcber l\u00e4ngere Zeit \u00fcberbewertete W\u00e4hrung zu einem starken R\u00fcckgang der industriellen Wertsch\u00f6pfung f\u00fchrt, h\u00e4ngt entscheidend davon ab, welche Freiheitsgrade die Firmen besitzen, um sich an die neuen W\u00e4hrungsverh\u00e4ltnisse anzupassen. Allgemein gilt: Je flexibler die Firmen agieren k\u00f6nnen, desto geringer sind langfristig die Arbeitsplatzverluste.<\/p>\n<p>Die Swissmem-Mitgliedfirmen haben zahlreiche Massnahmen zur betrieblichen Effizienzsteigerung ergriffen und in die Innovation investiert. Ein weiterer Ansatzpunkt besteht in der Kostensenkung des Produktionsfaktors Arbeit pro Zeiteinheit \u2013 wobei die tempor\u00e4re Erh\u00f6hung der Arbeitszeit bei gleichem Lohn bedeutend h\u00e4ufiger von den MEM-Unternehmen gew\u00e4hlt wird als etwa eine direkte Senkung der L\u00f6hne. Welches Massnahmenb\u00fcndel optimal ist, muss aber jede Firma letztlich selbst entscheiden.<\/p>\n<p>Unternehmen sind flexibel agierende Organisationen, die sich auf neue Gegebenheiten rasch einstellen k\u00f6nnen. Diese Flexibilit\u00e4t muss jedoch politisch auch zugelassen werden. Diesbez\u00fcglich hat die Schweiz einen komparativen Regulierungsvorteil gegen\u00fcber ausl\u00e4ndischen Konkurrenzstandorten. Unser Arbeitsmarkt ist verh\u00e4ltnism\u00e4ssig flexibler ausgestaltet.<\/p>\n<p>Das liberale Schweizer Arbeitsrecht bietet den Unternehmen Spielraum, um mit Massnahmen im personellen Bereich einen Teil des aufwertungsbedingten Verlusts der Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu kompensieren. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise tempor\u00e4re Arbeitszeiterh\u00f6hungen oder die M\u00f6glichkeit, Jobs verh\u00e4ltnism\u00e4ssig rasch ab- und wieder aufzubauen. Der Abwanderungsdruck durch Standortverlagerung kann dadurch gemildert werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die schweizerische Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) ist ausgesprochen exportorientiert. Rund 80 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erzielt. Davon stammen 60 Prozent aus der EU und dabei haupts\u00e4chlich aus dem Euroraum. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank hat den Franken gegen\u00fcber dem Euro schlagartig um \u00fcber 15 Prozent aufgewertet. 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