{"id":112724,"date":"2016-06-22T15:57:48","date_gmt":"2016-06-22T15:57:48","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/06\/gindroz-07-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:09:07","modified_gmt":"2023-08-23T21:09:07","slug":"gindroz-07-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/06\/gindroz-07-2016\/","title":{"rendered":"St\u00e4dte als Schl\u00fcssel einer \u00abintelligenten\u00bb Entwicklung in Europa"},"content":{"rendered":"<p>Drei von vier Europ\u00e4ern leben in St\u00e4dten. Dort werden fast 85 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) erwirtschaftet und 70 Prozent des Energieverbrauchs der EU beansprucht. Die St\u00e4dte sind Brennpunkte der Problementstehung und -l\u00f6sung. Sie sind Schmelztiegel von Wissenschaft und Technologie, Kultur und Innovation, individueller und kollektiver Kreativit\u00e4t. Strategisch spielen sie eine \u00fcberragende Rolle hinsichtlich Wirtschaftsentwicklung, Wachstum, Besch\u00e4ftigung, Investitionen und Innovation. Schliesslich bergen sie das gr\u00f6sste Potenzial f\u00fcr gesellschaftliche Verbesserungen, f\u00fcr einen sparsameren Umgang mit nat\u00fcrlichen Ressourcen und Energiequellen und f\u00fcr die Reduktion der Treibhausgase. Gleichzeitig konzentrieren sich dort Probleme wie Arbeitslosigkeit, Segregation und Armut.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie EU ist sich bewusst, dass die Entwicklung ihrer St\u00e4dte ihre wirtschaftliche, gesellschaftliche und geografische Zukunft entscheidend beeinflussen wird. Sie strebt deshalb ein besseres Verst\u00e4ndnis der Herausforderungen an, mit denen die St\u00e4dte in den kommenden Jahren konfrontiert sein werden. Es geht darum, die europ\u00e4ische Stadt neu zu denken und so anzupassen, dass sie \u00absmart\u00bb und nachhaltig wird. Die Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT), die im urbanen Raum zum Einsatz kommen, sind ein m\u00f6glicher Schl\u00fcssel dazu.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie EU kann die St\u00e4dte bei der Bew\u00e4ltigung gemeinsamer Herausforderungen unterst\u00fctzen \u2013 umgekehrt k\u00f6nnen die St\u00e4dte dazu beitragen, gewisse Priorit\u00e4ten der EU-Kommission umzusetzen. Dazu geh\u00f6rt die Entwicklung einer robusteren Energieunion dank einer fortschrittlichen Klimapolitik. Zum Erreichen ihrer Ziele st\u00fctzt sich die Kommission auf drei Pfeiler: Innovation, Gesetzgebung und Standardisierung. Auf der Grundlage der Anliegen, die in der \u00f6ffentlichen Konsultation genannt wurden, hat sie sechs Vorschl\u00e4ge gemacht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nErstens fordert die Kommission die <em>Konzentration auf ergebnisorientierte Priorit\u00e4ten<\/em> \u2013 namentlich hinsichtlich des \u00dcbergangs zu einer CO<sub>2<\/sub>-armen Wirtschaft, hinsichtlich der Widerstandskraft der St\u00e4dte gegen\u00fcber dem Klimawandel und hinsichtlich der sozialen Inklusion. Zweitens verlangt sie einen <em>effizienten Einsatz der Instrumente<\/em>. Das Ziel ist eine verbesserte Regulierung. Dazu geh\u00f6rt eine verbesserte Evaluation der Auswirkungen auf die st\u00e4dtischen R\u00e4ume unter st\u00e4rkerem Einbezug der Akteure. Drittens will sie die <em>Koh\u00e4renz und Koordination der EU-Politik f\u00fcr die St\u00e4dte verbessern<\/em> \u2013 beispielsweise mit der Innovationspartnerschaft \u00abEuropean Innovation Partnership on Smart Cities and Communities\u00bb. Nennenswert sind die Evaluation, die \u00dcberpr\u00fcfung, die Vereinfachung, die Rationalisierung und die gezieltere Ausrichtung der bestehenden Initiativen mit dem Ziel, deren Zug\u00e4nglichkeit, deren Wirksamkeit und deren Synergien zu verbessern. Viertens sollen die <em>urbane Intelligenz, die Vergleichsm\u00f6glichkeiten und die Leistungsbewertung der St\u00e4dte<\/em> erh\u00f6ht werden. Voraussetzung dazu sind die Bereitstellung neuer Daten sowie die Konsolidierung und die Harmonisierung bereits verf\u00fcgbaren Wissens aus bestehenden Datenquellen. Diese m\u00fcssen deshalb besser aufeinander abgestimmt und leichter zug\u00e4nglich sein. Die letzten beiden Punkte betreffen die<em> Organisation der Standardisierungsarbeiten<\/em> mit dem Zweck, die Ziele der EU umzusetzen und eine schnelle Verbreitung innovativer L\u00f6sungen zu erm\u00f6glichen (Replikation) sowie die <em>F\u00f6rderung der technologischen, organisatorischen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit<\/em>.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Die Smart-City-Partnerschaft \u2013 eine integrative Initiative<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie erw\u00e4hnte Smart-City-Innovationspartnerschaft vereint St\u00e4dte, Industrie, KMU, Banken, die Bev\u00f6lkerung, die Forschung und die \u00fcbrigen Akteure einer intelligenten Stadt. Dazu wird sie von der Kommission unterst\u00fctzt. Das Ziel ist es:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>die Wettbewerbsf\u00e4higkeit und die Attraktivit\u00e4t der St\u00e4dte zu erh\u00f6hen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>die Lebensqualit\u00e4t der Menschen zu verbessern;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Industrie zu steigern und die Innovationskraft der europ\u00e4ischen KMU zu f\u00f6rdern;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Wissen auszutauschen und so f\u00fcr eine schnellere Replikation guter Praktiken zu sorgen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>die Energie- und Klimaziele zu erreichen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>die Finanzierung der Projekte f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung der St\u00e4dte zu organisieren;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>einen ganzheitlichen Ansatz zur L\u00f6sung sozialer, \u00f6kologischer und wirtschaftlicher Fragen in den St\u00e4dten zu gew\u00e4hrleisten;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>den Einbezug der Zivilgesellschaft zu f\u00f6rdern (partizipative Gouvernanz);<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Rahmenbedingungen f\u00fcr einen nachhaltigen Markt in den St\u00e4dten zu entwickeln.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nZum Erreichen dieser Ziele lancierte die EU-Kommission im Jahr 2014 einen Aufruf bei allen Akteuren, die in das Konzept einer nachhaltigen Stadt involviert sind und sich f\u00fcr folgende Ziele interessieren und engagieren wollen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>die Entwicklung intelligenter Technologien im st\u00e4dtischen Umfeld vorantreiben, namentlich durch eine B\u00fcndelung der Forschungsressourcen in den Sektoren Energie, Verkehr und ICT;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>gemeinsam integrierte L\u00f6sungen f\u00fcr eine \u00absmarte\u00bb Stadt erarbeiten und umsetzen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>eine partnerschaftliche Vernetzung gew\u00e4hrleisten, Know-how sammeln und den Informationsaustausch erleichtern, um die Ressourcen und die Reproduzierbarkeit der L\u00f6sungen zu optimieren.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kommission hat 370 Projekte ausgew\u00e4hlt, an denen sich \u00fcber 3000 Partner in 32 L\u00e4ndern beteiligen. Die Federf\u00fchrung der Konsortien obliegt in 36 Prozent der F\u00e4lle \u00f6ffentlichen Beh\u00f6rden und in 26 Prozent der F\u00e4lle Unternehmen. Dies entspricht einer ausgewogenen Vertretung. Auf dieser Basis kann die Smart-City-Innovationspartnerschaft die Aktivit\u00e4ten im Rahmen von sechs strategischen Polen (\u00abaction clusters\u00bb) organisieren, die im Allgemeinen Schl\u00fcsselinitiativen zum Erreichen der festgelegten Ziele beinhalten:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li><em>Wirtschaftliche Modelle, Finanzierung und Beschaffung.<\/em><\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li><em>B\u00fcrgern\u00e4he.<\/em> Diese Achse soll die Mitsprache bei Entscheidungsprozessen und die partizipative Gouvernanz f\u00f6rdern, den Schutz der Daten und der Bev\u00f6lkerung gew\u00e4hrleisten und den Aufbau einer Plattform zur Kommunikation und zum Erfahrungsaustausch erm\u00f6glichen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li><em>Integrierte Infrastrukturen und Verfahren.<\/em> Hauptpunkt ist die Aufkl\u00e4rung der \u00d6ffentlichkeit und der Umgang mit Massendaten (Big Data).<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li><em>Regulierungspolitik, gesetzgeberische Instrumente und integrierte Planung.<\/em> Dies betrifft die grossfl\u00e4chige \u00dcbertragbarkeit, alle Etappen des Entscheidungsprozesses von der Planung bis zur Umsetzung, die Instrumente zur Entscheidungsfindung, zur integrierten Planung und zum Management, die Leistungsindikatoren und das Benchmarking sowie die Verwaltung der historisch gewachsenen Infrastruktur.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li><em>Nachhaltige Quartiere und bebaute Umwelt.<\/em> Hier sind Quartiere mit positiver Energiebilanz sowie mittelgrosse und kleine St\u00e4dte (unter 250\u2019000 Einwohner) angesprochen, in denen mehr als die H\u00e4lfte der Europ\u00e4er leben.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li><em>Nachhaltige urbane Mobilit\u00e4t.<\/em> Stichworte sind hier Elektroautos und neue Angebote.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Horizon 2020: Rahmenprogramm zur F\u00f6rderung der Innovation<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie europ\u00e4ischen Forschungs- und Innovationsprogramme sind im Rahmenprogramm Horizon 2020 zusammengefasst. Mit einem Budget von fast 80\u00a0Milliarden Euro von 2014 bis 2020 dient es der Unterst\u00fctzung von Projekten entlang der gesamten Innovationskette und einem rationelleren Finanzierungsprozess f\u00fcr Projekte, die dem Wachstum Impulse verleihen. Das Programm verbindet Kernpunkte des Wirtschaftsprogramms \u00abStrategie Europa 2020\u00bb und der Initiativen \u00abInnovationsunion\u00bb und \u00abEurop\u00e4ischer Forschungsraum\u00bb. Es ist vor allem eine Antwort auf die Wirtschaftskrise, da es in Besch\u00e4ftigung und Wachstum investiert. Ausserdem tr\u00e4gt es den Anliegen der Bev\u00f6lkerung in Sachen Lebensqualit\u00e4t, Sicherheit und Umwelt Rechnung. Schliesslich zielt es darauf ab, die globale Positionierung und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der EU in Forschung, Innovation und Technologie zu st\u00e4rken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Ausschreibungen zur nachhaltigen Entwicklung der St\u00e4dte und Gebiete gliedern sich in zwei Kategorien. Einerseits geht es um Leuchtturmprojekte zur Verbreitung erfolgreicher Modelle, andererseits um Initiativen zur Erarbeitung von Instrumenten f\u00fcr eine bessere Koordination und eine schnellere Verbreitung von Know-how. In den letzten zwei Jahren (2014 und 2015) belief sich das Budget zur Unterst\u00fctzung von Projekten f\u00fcr smarte St\u00e4dte und Gemeinden auf rund 200\u00a0Millionen Euro.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Standardisierung tr\u00e4gt zur nachhaltigen Stadtentwicklung bei&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Standardisierung ist ein effizientes Instrument zur Umsetzung nicht nur der \u00f6ffentlichen Politik, sondern vor allem auch der Innovation. Sie wird auch von der EU-Kommission gef\u00f6rdert und unterst\u00fctzt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKoordiniert werden die wichtigsten Initiativen zur Standardisierung im Kontext nachhaltiger St\u00e4dte und Lebensr\u00e4ume auf europ\u00e4ischer Ebene von der Koordinationsgruppe \u00abSmart and Sustainable Cities and Communities\u00bb<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> und auf globaler Ebene von der Internationalen Organisation f\u00fcr Normung (ISO) und ihrem technischen Ausschuss \u00abNachhaltige Entwicklung in St\u00e4dten und Kommunen\u00bb<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\"><a href=\"http:\/\/www.cencenelec.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cencenelec.eu<\/a>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">ISO\/TC 268&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei von vier Europ\u00e4ern leben in St\u00e4dten. 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Ihnen kommt daher in der EU eine zentrale Rolle zu: Ihre Entwicklung pr\u00e4gt die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Lebensr\u00e4ume. Die EU-Kommission orientiert sich dabei an drei Pfeilern: Innovation, Gesetzgebung und Standardisierung. Die europ\u00e4ische Innovationspartnerschaft \u00abSmart Cities and Communities\u00bb soll dazu beitragen, urbane R\u00e4ume in eine \u00c4ra der \u00abIntelligenz\u00bb \u00fcberzuf\u00fchren. Rund 3000\u00a0Partner aus 32 L\u00e4ndern haben ihr Interesse an diesem Projekt bekundet. Das Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 erg\u00e4nzt das Dispositiv auf wissenschaftlicher Ebene. 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