{"id":112741,"date":"2016-06-22T15:55:24","date_gmt":"2016-06-22T15:55:24","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/06\/schrofer-07-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:09:21","modified_gmt":"2023-08-23T21:09:21","slug":"schrofer-07-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/06\/schrofer-07-2016\/","title":{"rendered":"Schweizer St\u00e4dte verschlafen einen Trend"},"content":{"rendered":"<p>Im Sog der Digitalisierung ver\u00e4ndern sich die M\u00e4rkte schneller als je zuvor. Stellt man die Chancen, welche neue Technologien bieten, st\u00e4dtischen Herausforderungen wie Verkehrsproblemen, sozialem Ungleichgewicht oder beschr\u00e4nktem Budget gegen\u00fcber, wird klar: F\u00fcr eine Stadt ist die Entwicklung zur Smart City eine \u00dcberlegung wert. Denn: Erfolgreiche Smart-City-Projekte gehen von den Herausforderungen einer Stadt sowie von den Bed\u00fcrfnissen ihrer B\u00fcrger aus und antworten darauf mit Technologie. Durch Vernetzung bietet eine Smart City ihren Bewohnern eine h\u00f6here Lebensqualit\u00e4t bei niedrigerem Ressourcenverbrauch.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch f\u00fcr die Umsetzung neuer Gesch\u00e4ftsideen stellen intelligente St\u00e4dte den notwendigen N\u00e4hrboden bereit. Dass diese Chance genutzt werden muss, erkennen mittlerweile St\u00e4dte auf der ganzen Welt, wie beispielsweise Barcelona, Hamburg, Oslo oder Chicago. Allerdings stellt sich auch bei st\u00e4dtischen Strukturprojekten schnell die Frage, wie sie finanziert werden, welche Renditen sie abwerfen und wie das Gesch\u00e4ftsmodell dahinter aussehen soll.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Barcelona \u2013 mit smarter Vision voraus<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSpaniens zweitgr\u00f6sste Stadt Barcelona zeigt, wie sich eine Stadt mit einer ganzheitlichen Vision zur Smart City entwickeln kann und wie sich die Investitionen in dieses Unterfangen auf lange Sicht lohnen.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Seit Jahren setzt die Grossstadt Projekte zur intelligenten Vernetzung um. Durch den Einsatz technischer Mittel, wie beispielsweise Sensoren zur Messung des Verkehrsflusses oder des Wasserstandes, sammelt die Stadt relevante Daten und stellt diese als wertvolle Informationen zur Verf\u00fcgung. Daraus konnten bereits Projekte zur intelligenten Verkehrssteuerung, zum Wassermanagement oder f\u00fcr smartes Parking realisiert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZudem f\u00f6rderte die Grossstadt mit der Datenoffenlegung die Entstehung des, f\u00fcr eine Smart City typischen, innovationsgetriebenen \u00d6kosystems. Dieses \u00d6kosystem besteht aus Anwendungsentwicklern, L\u00f6sungsanbietern und Investoren. Bis zum Jahr 2022 rechnet Barcelona damit, durch die Entwicklung zur Smart City eine Wertsch\u00f6pfung in Milliardenh\u00f6he zu erreichen. Gleichzeitig bringt das neue \u00d6kosystem sch\u00e4tzungsweise 1500 neue Unternehmen und fast 50\u2019000 neue Arbeitspl\u00e4tze hervor.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die katalanische Hauptstadt ist Smart City die L\u00f6sung zur nachhaltigen Steigerung ihrer Attraktivit\u00e4t und Wirtschaftsst\u00e4rke. M\u00f6chte die Schweiz in Zukunft intelligente St\u00e4dte entwickeln, sollte sie sich deshalb ein Beispiel an Barcelona nehmen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Wifi-S\u00e4ulen in New York<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die intelligente Vernetzung von \u00f6ffentlichen Infrastrukturen bestehen verschiedene Finanzierungsmodelle. Je nach Ziel und Finanzlage einer Stadt stellt sich die Frage, ob die \u00f6ffentliche Hand die Kosten selbst tragen kann oder ob sie die Projekte von privaten Investoren finanzieren l\u00e4sst.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u00dcbernimmt eine Stadt die Kosten selbst, plant sie \u00fcblicherweise, ihre Investitionen in Form von Renditen auszugleichen. Schnelle Renditen lassen sich etwa durch Werbung erzielen. Ein prominentes Beispiel hierf\u00fcr ist das Projekt \u00abLinkNYC\u00bb. Um ihren B\u00fcrgern kostenloses Wifi sowie weitere Services bieten zu k\u00f6nnen, ersetzt New York City zurzeit \u00fcber 7500 M\u00fcnztelefone durch Internet-Hotspots. Das Projekt finanziert sich durch Werbung, welche auf den fast drei Meter hohen Wifi-S\u00e4ulen geschaltet wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Entwicklung zur smarten Stadt ist nicht nur f\u00fcr die Stadt selbst und die daran beteiligten Unternehmen interessant. Auch f\u00fcr Investoren bieten entsprechende Projekte neue Chancen. Ein anschauliches Beispiel daf\u00fcr ist das Investitionsmodell, welches der Technologiekonzern Cisco zusammen mit der Investorgesellschaft Whitehelm Capital im Bereich \u00abSmart Lighting\u00bb umsetzt. Die Investoren finanzieren den St\u00e4dten intelligente Strassenbeleuchtungssysteme und erhalten als Rendite einen Teil der Einsparungen aus dem gesenkten Energieverbrauch. Das Angebot st\u00f6sst vielerorts auf Interesse. So pr\u00fcfen zurzeit 50 italienische St\u00e4dte das Konzept und dessen Umsetzung. Ein Modell, das auch f\u00fcr die Schweiz interessant sein k\u00f6nnte.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Die Schweiz steht noch am Anfang<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm kleinen Stil tut sich auch in der Schweiz etwas. So gibt es etwa in der Stadt Luzern kostenloses Wifi oder in Z\u00fcrich die Smartphone-App \u00abSauberes Z\u00fcrich\u00bb. Eine wichtige Treibkraft ist \u00abUrban Hive\u00bb<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>, ein Zusammenschluss innovativer Schweizer Unternehmen, welcher St\u00e4dte bei der Umsetzung von Smart-City-Projekten unterst\u00fctzt. Die heimischen Smart-City-Initiativen sind jedoch weder in einem vergleichbaren Umfang noch mit einer derart starken, langfristigen und bereichs\u00fcbergreifenden Vision verbunden wie etwa in Barcelona.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas m\u00fcsste nicht so sein. Denn die Schweiz verf\u00fcgt \u00fcber beste Voraussetzungen f\u00fcr die F\u00f6rderung innovativer Projekte. So besitzen die St\u00e4dte gute Infrastrukturen, die sich ausbauen und vernetzen liessen. Auch die Finanzierung von Bund, Kanton, St\u00e4dten oder Investoren w\u00e4re verh\u00e4ltnism\u00e4ssig einfach. Ferner f\u00fchrt die Schweiz seit Jahren Innovationsrankings, wie beispielsweise den Global Innovation Index, in Europa an. Es stellt sich also die Frage: Warum gehen Schweizer St\u00e4dte nicht schon lange gezielt Smart-City-Projekte an?&#13;<\/p>\n<h2><strong>Datenhoheit <\/strong><strong>und G\u00e4rtchendenken<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDaten sind der Schl\u00fcssel f\u00fcr die Entwicklung zur intelligenten Stadt. Allerdings liegt genau hier einer der gr\u00f6ssten Hemmschuhe f\u00fcr Smart-City-Vorhaben in der Schweiz. Denn obwohl die meisten Schweizer St\u00e4dte \u00fcber unz\u00e4hlige Daten zum Konsumverhalten oder der Mobilit\u00e4t ihrer B\u00fcrger verf\u00fcgen, sch\u00f6pfen sie das Potenzial nicht aus. Will eine Stadt zur Smart City werden, muss sie ihre Daten aktiv steuern, auswerten und vor allem nutzen. Verpassen St\u00e4dte diese Gelegenheit, werden private Unternehmen die L\u00fccken f\u00fcllen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin weiterer Grund ist die Tendenz zum G\u00e4rtchendenken in den Stadtverwaltungen. M\u00f6chte eine Stadt Smart-City-L\u00f6sungen erfolgreich umsetzen, ist aber Interdisziplinarit\u00e4t \u00fcber einzelne Departemente hinaus gefragt. Um bereichs\u00fcbergreifende Projekte steuern und die Vision voranbringen zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigt eine Stadt zudem einen Smart-City-Beauftragten. Dieser initiiert Projekte, bringt verschiedene Abteilungen an einen Tisch und \u00fcberwacht die Fortschritte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSchlussendlich spielt auch die Kommunikation f\u00fcr den Erfolg von Smart-City-Projekten eine entscheidende Rolle. Werden die geplanten Vorhaben sowie die fertigen Produkte und Services wie hierzulande nur zur\u00fcckhaltend kommuniziert, gehen sie an der Zielgruppe vorbei. Dies hat wiederum zur Folge, dass sich nur wenige Menschen \u2013 ob B\u00fcrger, Entscheidungstr\u00e4ger oder Investoren \u2013 des Potenzials in der Schweiz bewusst sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEines ist klar: Eine intelligente Stadt ist nicht nur nachhaltiger und b\u00fcrgerfreundlicher, sie ist auch wirtschaftlich erfolgreicher und birgt die Chancen f\u00fcr neue Gesch\u00e4ftsmodelle. Die Voraussetzung f\u00fcr das Gelingen ist jedoch eine klar formulierte und langfristige Vision, die mit den B\u00fcrgern zusammen entwickelt wird. Wenn Schweizer St\u00e4dte es schaffen, die Hindernisse wegzur\u00e4umen, stehen die T\u00fcren f\u00fcr die Stadt der Zukunft offen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Der Technologiekonzern Cisco ist Partner bei den im Beitrag erw\u00e4hnten Projekten.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\"><a href=\"http:\/\/urbanhive.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Urbanhive.ch <\/a>sowie <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/urbanhiveswitzerland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Facebook.com\/urbanhiveswitzerland<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sog der Digitalisierung ver\u00e4ndern sich die M\u00e4rkte schneller als je zuvor. 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Es stellt sich die Frage, warum die Schweiz auf diesem Gebiet keine Pionierin ist, obwohl Smart Cities interessante Gesch\u00e4ftsmodelle bieten. In Europa ist Barcelona eine Vorreiterin: Die Stadt stellt Daten zum Verkehrsfluss oder zum Wasserstand zur Verf\u00fcgung. Daraus entstehen Projekte zur intelligenten Verkehrssteuerung oder zum Wassermanagement. F\u00fcr St\u00e4dte bieten sich grunds\u00e4tzlich zwei Finanzierungsmodelle an: Entweder tragen sie die Kosten selbst. So ersetzt New York Telefonkabinen mit Wifi-Hotspots \u2013 und finanziert das Projekt durch Werbung. Oder die St\u00e4dte suchen private Investoren. Diese Variante wird in Italien etwa bei der intelligenten Strassenbeleuchtung gepr\u00fcft. Damit sich Schweizer St\u00e4dte erfolgreich zu Smart Cities wandeln k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie in erster Linie eine \u00fcbergreifende Vision und einen stichhaltigen Aktionsplan entwickeln.","magazine_issue":"07-2016","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20160623","original_files":[{"file":112756}],"external_release_for_author":"20160527","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/571e0d6934190"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112741"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4420"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=112741"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112741\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126599,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112741\/revisions\/126599"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4420"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157150"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156481"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/29081"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=112741"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=112741"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=112741"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=112741"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=112741"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=112741"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}