{"id":112758,"date":"2016-06-22T15:52:25","date_gmt":"2016-06-22T15:52:25","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/06\/bernath-07-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:09:26","modified_gmt":"2023-08-23T21:09:26","slug":"bernath-07-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/06\/bernath-07-2016\/","title":{"rendered":"Winterthur entwickelt sich von der Energiestadt zur Smart City"},"content":{"rendered":"<p>Winterthur hat eine lange Industriegeschichte und ist Tr\u00e4gerin des Labels Energiestadt Gold. Diese europ\u00e4ische Auszeichnung geht an St\u00e4dte, welche ihre Energieeffizienz stark verbessern und auf erneuerbare Energien setzen. Hier kn\u00fcpft die gemeinsame Initiative aus Verwaltung, Wirtschaft und Forschung \u2013 \u00abSmart City Winterthur\u00bb \u2013 an: Zentrale Motive sind die Schonung nat\u00fcrlicher Ressourcen, die Digitalisierung und die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen sowie gesellschaftliche Entwicklungen wie die Flexibilisierung von Lebens- und Arbeitsformen (siehe <em>Kasten<\/em>).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Aktivit\u00e4ten von Smart City Winterthur orientieren sich am Grundsatzbeschluss f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung und den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft, die von der Winterthurer Stimmbev\u00f6lkerung im November 2012 verabschiedet wurden. Angestossen durch die trinationale St\u00e4dteinitiative \u00abD-A-CH \u2013 Energieeffiziente Stadt\u00bb, zu der sich Deutschland, \u00d6sterreich und die Schweiz bekannt haben, bildete sich im Jahr 2013 eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern der Stadtverwaltung, der Z\u00fcrcher Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und von Energie Bewegt Winterthur, dem Verein zur F\u00f6rderung des Wirtschaftsclusters Energie Region Winterthur.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Zusammenarbeit mit Genossenschaften im Talgut-Quartier<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDrei erste Projekte von Smart City Winterthur konnten mit der Unterst\u00fctzung des Bundesamtes f\u00fcr Energie (BFE) realisiert werden: Im Projekt \u00abSanierungsvorhaben smart gestalten\u00bb wurde beispielsweise versucht, die Idee auf die Ebene von Quartieren und Siedlungen zu \u00fcbersetzen. Dazu wurde anhand eines konkreten Fallbeispiels, des Winterthurer Talgut-Quartiers, mit den dortigen Wohnbaugenossenschaften zusammengearbeitet. Nach einer Quartieranalyse, welche die Rahmenbedingungen und Entwicklungsziele aufnahm, wurden Massnahmen entwickelt, die den Energie- und Ressourcenverbrauch reduzieren und die Lebensqualit\u00e4t erh\u00f6hen sollen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Fokus lag auf potenziellen Synergien und vorhandenen Ressourcen im Quartier. Aus einem breiten Spektrum an Ideen wurde die gemeinsame Nutzung der Gr\u00fcnfl\u00e4chen und der Freir\u00e4ume als besonders vielversprechend erachtet. Ebenfalls von grosser Bedeutung sind ein Mobilit\u00e4tsmanagement mit Angeboten bez\u00fcglich nachhaltiger Transportmittel und -infrastruktur sowie die Anzeige des Energieverbrauchs und eine nachbarschaftliche Energieberatung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Zusammenarbeit mit den Genossenschaften zeigte die vielen Anwendungsfelder im Quartier auf, die zu den Zielen Ressourcenschonung und Lebensqualit\u00e4t beitragen. Des Weiteren ist die Frage, wie man die Mieter sensibilisieren und begeistern kann f\u00fcr ein Projekt, f\u00fcr viele Genossenschaften von grossem Interesse, da sie sich damit auch in ihrem Alltag oft besch\u00e4ftigen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie technischen M\u00f6glichkeiten bez\u00fcglich Energieeffizienz in Geb\u00e4uden dagegen sind bei den Genossenschaften bereits gut bekannt und verankert. In der Projektevaluation wurde die Zusammenarbeit \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume als kritischer Faktor f\u00fcr Quartierentwicklungsprojekte genannt. Daher muss die Zusammenarbeit institutionalisiert werden, damit sie nicht am Engagement von Einzelpersonen h\u00e4ngt. Alle erarbeiteten Massnahmen und die Erkenntnisse aus dem Prozess werden im Leitfaden \u00abSmarte Quartiere\u00bb zusammengefasst, der Mitte 2016 erscheinen und unter <a href=\"http:\/\/smartcitywinterthur.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Smartcitywinterthur.ch<\/a> zum Herunterladen bereitstehen wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSmart City Winterthur initiiert und begleitet weitere Projekte, die zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen: Das \u00fcbergeordnete Ziel ist dabei immer die Entwicklung, Erprobung und Umsetzung von neuen L\u00f6sungen, welche technische und soziale Innovationen intelligent einsetzen und kombinieren. Hier vier Beispiele:&#13;<\/p>\n<h3><strong>Saisonspeicher f\u00fcr Brenngut<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kehrichtverwertungsanlage von Stadtwerk Winterthur nutzt die im Abfall enthaltene Energie zur Strom- und W\u00e4rmeproduktion. Damit die Nachfrage im Fernw\u00e4rmegebiet auch im Winter gedeckt werden kann, wurde in einer Machbarkeitsstudie der Bau eines Saisonspeichers f\u00fcr Brenngut gepr\u00fcft. Die Ergebnisse zeigen, dass dies grunds\u00e4tzlich machbar und die Energiebilanz positiv ist. Offene Fragen zur Wirtschaftlichkeit sowie zu planerischen Aspekten sind in weiteren Schritten zu kl\u00e4ren.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Stromverbrauchsanalyse<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nZur Einf\u00fchrung zuk\u00fcnftiger sogenannter Smart Grids wurden von der ZHAW School of Engineering in Zusammenarbeit mit der Stadt Winterthur und dem Stadtwerk Winterthur Stromverbrauchsmuster von rund 300 Haushalten ausgewertet und der Einfluss von sozio\u00f6konomischen Faktoren untersucht. In ersten Schritten konnte aufgezeigt werden, wie innerhalb der st\u00e4dtischen Verwaltung bereichs\u00fcbergreifende Daten in grossem Umfang erhoben und zusammengef\u00fchrt werden k\u00f6nnen (Stichwort: Big Data).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Auflagen des Datenschutzes \u2013 die Daten d\u00fcrfen nicht r\u00fcckverfolgbar sein \u2013 wurde eine L\u00f6sung gefunden. In einer Cluster-Analyse konnten die Haushalte neun Verbrauchertypen zugeordnet werden.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Grundlagenstudie Bicar<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie ZHAW hat ein Mobilit\u00e4tskonzept entwickelt, das auf einem Sharingsystem beruht. Dereinst sollen Benutzer dreir\u00e4drige Elektrofahrzeuge \u2013 sogenannte Bicars (von Englisch Bike und Car) \u2013 ausleihen k\u00f6nnen. Als n\u00e4chster Schritt wird nun ein Testbetrieb gepr\u00fcft. Dieser k\u00f6nnte aufzeigen, wie urbane Mobilit\u00e4t (energie)effizient und nutzerorientiert umgesetzt werden kann.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Social Power<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nSocial Power ist eine Kooperation zwischen Fachhochschulen, st\u00e4dtischen Energiebetrieben und der Privatwirtschaft. Das von der Gebert-R\u00fcf-Stiftung finanzierte Forschungsprojekt untersucht mit einer Spiel-App das Potenzial, Haushalte zu einer langfristigen Verhaltens\u00e4nderung beim Energiekonsum zu bewegen. Dabei kommen verschiedene Spielmechanismen zum Einsatz. Eine wichtige Rolle spielen soziale Interaktionen und ein Energie-Feedback.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Weitere Handlungsfelder wie Wohnen und Gesundheit<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDem globalen Megatrend Smart City wird ein Milliardenpotenzial an Wertsch\u00f6pfung zugesprochen. Das Konzept l\u00e4sst sich zudem auf die regionale und lokale Ebene \u00fcbertragen, wo beispielsweise ein \u00abSmart Home\u00bb oder eine \u00abSmart Mobility\u00bb Potenzial f\u00fcr wesentliche Energieeinsparungen und eine nachhaltige Entwicklung aufweisen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei Smart City Winterthur sollen zuk\u00fcnftige Projekte \u00fcber Energiethemen hinausgehen und weitere Handlungsfelder wie Mobilit\u00e4t, Wohnen, Gesundheit, Ausbildung, Verwaltung, Informations- und Kommunikationstechnologien umfassen. Entsprechend werden die Teilprojekte \u00fcber verschiedene Kan\u00e4le sowohl in Fachkreisen als auch in der \u00d6ffentlichkeit bekannt gemacht. Ein zentrales Instrument dazu ist die Website von Smart City Winterthur. F\u00fcr eine breitere Wirkung und Abst\u00fctzung des Prozesses wird die Beteiligung an der Initiative schrittweise erweitert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Entwicklung einer Smart City ist ein kontinuierlicher Prozess. Winterthur steht wie viele andere St\u00e4dte noch am Anfang. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, in welcher Form Smart City Winterthur dazu beitragen kann, technische und soziale Innovationen intelligent einzusetzen und damit die Lebensqualit\u00e4t zu steigern und den Ressourcenverbrauch zu reduzieren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Winterthur hat eine lange Industriegeschichte und ist Tr\u00e4gerin des Labels Energiestadt Gold. 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