{"id":112792,"date":"2016-06-22T15:48:58","date_gmt":"2016-06-22T15:48:58","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/06\/moser-07-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:09:22","modified_gmt":"2023-08-23T21:09:22","slug":"moser-07-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/06\/moser-07-2016\/","title":{"rendered":"Einseitige Abschaffung der Industriez\u00f6lle lohnt sich"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz importiert haupts\u00e4chlich Industrieg\u00fcter: Im Jahr 2014 machten diese 95 Prozent aller Importe aus. \u00dcber 80 Prozent der Waren im Wert von insgesamt 240 Milliarden Franken stammten dabei aus L\u00e4ndern, mit denen die Schweiz ein Freihandelsabkommen (FHA) abgeschlossen hat (siehe<em> Abbildung<\/em>). Zollfrei sind die Importe allerdings nur, wenn sie die in den FHA festgelegten Ursprungsanforderungen erf\u00fcllen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine Studie der Autoren \u00fcber m\u00f6gliche Auswirkungen eines einseitigen Abbaus der Industriez\u00f6lle (siehe <em>Kasten 1<\/em>) zeigt: Insgesamt w\u00e4re ein F\u00fcnftel der Industrieimporte \u2013 im Wert von rund 45 Milliarden Franken im Jahr 2014 \u2013 von einem Zollabbau betroffen. Diese Zahl setzt sich aus Importen aus FHA-L\u00e4ndern (25 Mrd. Fr.) und Importen aus den \u00fcbrigen Staaten (rund 20 Mrd. Fr.) zusammen.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Warenimporte nach Herkunft und Produktgruppen (2014<\/strong><strong>) <\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"legacy_chart_custom\"><div class=\"chart chart--normal\" id=\"moser_werner_1_de\"><\/div>\n<script>\n\n$(function () {\n    $('#moser_werner_1_de').highcharts({\n        chart: {\n            type: 'column'\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        xAxis: {\n            categories: ['FHA-L\u00e4nder','Drittstaaten','FHA-L\u00e4nder','Drittstaaten']\n        },\n        yAxis: {\n            min: 0,\n            title: {\n            text: 'In Mrd. 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Bei Industrieg\u00fctern lag der durchschnittliche Zollsatz im Jahr 2012 in der Schweiz gem\u00e4ss der WTO bei 2,4 Prozent (siehe <em>Tabelle<\/em>). 17 Prozent der Zolltarifnummern sind zollfrei; bei 39 Prozent liegt der Satz bei 2 Prozent oder tiefer. Hohe Zolls\u00e4tze finden sich insbesondere bei Kleidern sowie bei Papier und Holz.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie H\u00f6he der Zolleinnahmen, welche bei einer Abschaffung der Z\u00f6lle verloren gingen, ergibt sich aus der H\u00f6he der betroffenen Zolls\u00e4tze und des entsprechenden Handelsvolumens. Im Jahr 2014 stammten rund 43 Prozent der schweizerischen Zolleinnahmen \u2013 fast eine halbe Milliarde Franken \u2013 von Z\u00f6llen auf Industrieg\u00fctern.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Durchschnittliche Zolls\u00e4tze und Zollertr\u00e4ge <\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<table width=\"732\">&#13;<\/p>\n<tbody>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td rowspan=\"2\" width=\"373\">Produktgruppen<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td rowspan=\"2\" width=\"143\">Durchschnittszollsatz in&nbsp;%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td colspan=\"2\" width=\"215\">Zollertrag<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"120\">in Mio. Fr.<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"95\">in&nbsp;%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"373\">Textilien, Bekleidung, Schuhe<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"143\">5,5<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"120\">265<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"95\">23,4<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"373\">Alle anderen Industrieg\u00fcter<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"143\">1,6<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"120\">219<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"95\">19,3<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"373\">Total Industrieg\u00fcter<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"143\">2,4<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"120\">485<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"95\">42,7<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"373\">Agrarprodukte<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"143\">29,0<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"120\">652<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"95\">57,3<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"373\"><strong>Total\u00a0<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"143\"><strong>9,2<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"120\"><strong>1137<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"95\"><strong>100<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tbody>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/table>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: WTO (2013), Trade Policy Review of Switzerland; EZV \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Administrativer Aufwand f\u00e4llt ins Gewicht<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNeben den Z\u00f6llen fallen bei grenz\u00fcberschreitenden Lieferungen nicht tarifarische Hemmnisse an. Dazu geh\u00f6ren unter anderem Zollabfertigungs- und Mehrwertsteuerabrechnungskosten. Aber auch Wartezeiten und der Nachweis des pr\u00e4ferenziellen Ursprungs bei FHA und Kosten der Produktzulassung fallen darunter. Diese Kosten liegen bei etwa 2 Prozent des Warenwertes.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVon besonderem Interesse sind die Kosten f\u00fcr die pr\u00e4ferenziellen Ursprungsnachweise, welche bei Importen aus FHA-L\u00e4ndern nachgewiesen werden m\u00fcssen. Die Sch\u00e4tzungen \u00fcber die Durchschnittskosten variieren hier von 0,2 Prozent (bei Schweizer Exportunternehmen) bis 3 Prozent (bei ausl\u00e4ndischen Unternehmen) des Warenwertes.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Falls ein Wechsel der Lieferanten vorgenommen wird, nehmen die Kosten weiter zu. Unternehmen verzichten deshalb manchmal auf solche aufwendigen Nachweise und bezahlen stattdessen den meist auch ohne Freihandelsabkommen bereits niedrigen Tarif (siehe <em>Kasten 3<\/em>).&#13;<\/p>\n<h2><strong>Unternehmen und Konsumenten profitieren <\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei einer einseitigen Abschaffung der Industriezolltarife entstehen potenziell drei Wirkungen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Senkung der Kosten aufgrund des Wegfalls der Zollzahlungen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Senkung der Kosten aufgrund administrativer Entlastung;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Senkung der Kosten und Preise aufgrund von Wettbewerbs- und Produktivit\u00e4tseffekten.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Relevanz dieser Effekte sch\u00e4tzen wir folgendermassen ein: Der Wegfall von rund einer halben Milliarde Franken entlastet Importeure und Konsumenten. Auch die Wohlfahrtswirkung ist insgesamt positiv. Die Gewinne f\u00fcr die Unternehmen und Konsumenten sind gr\u00f6sser als die Zolleinnahmen, auf die der Staat verzichten muss. Der Wohlfahrtsgewinn ist aber begrenzt, da die Zolls\u00e4tze im Bereich der Industrieg\u00fcter bereits gering und deshalb die heute bestehenden Verzerrungen klein sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin zweiter wesentlicher Vorteil einer Abschaffung der Industriez\u00f6lle entsteht durch Vereinfachungen bei den Zollformalit\u00e4ten. Eine administrative Entlastung entsteht aufgrund des teilweisen Wegfalls der pr\u00e4ferenziellen Ursprungsnachweise. Da s\u00e4mtliche Importz\u00f6lle der Schweiz auf null gesetzt werden, m\u00fcssen Firmen, welche aus FHA-L\u00e4ndern in die Schweiz importieren (etwa aus der EU oder aus China), keinen Ursprungsnachweis mehr f\u00fcr die Importzollbefreiung vorweisen. Damit f\u00e4llt bei den ausl\u00e4ndischen Lieferanten, welche diese Nachweise erbringen m\u00fcssen, der Aufwand weg. Wird diese Kostenerleichterung an die inl\u00e4ndischen Kunden weitergegeben, sinken die Preise.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWenn einzelne Produktionsschritte grenz\u00fcberschreitend zwischen der Schweiz und einem FHA-Land stattfinden, kann auf die Ursprungsnachweise beim Import allerdings nicht verzichtet werden. Bei solchen globalen Wertsch\u00f6pfungsketten, wo Vorleistungen beispielsweise aus Deutschland zun\u00e4chst importiert, weiterverarbeitet und dann wieder nach Deutschland exportiert werden, wird das Schweizer Unternehmen vom Lieferanten weiterhin Ursprungsnachweise einfordern m\u00fcssen, wenn dank dieser Kumulierung die Ursprungsanforderung erreicht werden kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDen Wohlfahrtsgewinn aufgrund des teilweisen Wegfalls der pr\u00e4ferenziellen Ursprungsnachweise k\u00f6nnen wir nicht pr\u00e4zise absch\u00e4tzen. Dieser d\u00fcrfte zwischen 160 Millionen und 2,4 Milliarden Franken liegen. Wenn wir mit einer mittleren Kostenentlastung aufgrund des Verzichts von Ursprungsnachweisen von 1 Prozent des Warenwertes rechnen, dann sind Kostenentlastungen bzw. Wohlfahrtsgewinne von knapp 800 Millionen Franken realistisch.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Mittel gegen Hochpreisinsel?<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin dritter Vorteil sind allf\u00e4llige Wettbewerbseffekte, welche dadurch entstehen, dass Firmen durch den Wegfall der Z\u00f6lle und durch den verminderten administrativen Aufwand bei den Zollabwicklungen ihre Kosten senken k\u00f6nnen. Zudem kann der Wegfall von administrativen H\u00fcrden dazu f\u00fchren, dass Preisdifferenzierung zulasten schweizerischer Nachfrager erschwert wird und damit der vielfach beobachtete \u00abAufpreis Schweiz\u00bb sinken k\u00f6nnte. Solche Auswirkungen auf Preisdifferenzierung und Wettbewerbseffekte k\u00f6nnen wir nur vereinzelt feststellen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Wegfall aller Importz\u00f6lle und der damit verbundenen Ursprungsnachweise f\u00fchrt zu einer Reduktion von Transaktionskosten, jedoch k\u00f6nnen wir im Rahmen unserer Untersuchung nicht belegen, dass alleine dadurch ein substanzieller Abbau der im europ\u00e4ischen Vergleich hohen Schweizer Preise m\u00f6glich wird. Dazu m\u00fcssten auch andere Handelshemmnisse beseitigt werden.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Paket zur administrativen Entlastung <\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund unserer Untersuchungsergebnisse kommen wir zum Schluss: Ein einseitiger Zollabbau bei Industrieg\u00fctern w\u00e4re nicht nur ein symbolisches Zeichen f\u00fcr eine Markt\u00f6ffnung in der Schweiz. Sondern von diesem Schritt w\u00e4ren auch substanzielle positive volkswirtschaftliche Effekte zu erwarten \u2013 insbesondere aufgrund der Entlastung bei den Ursprungsnachweisen. Die Gewinne f\u00fcr Unternehmen und Konsumenten sind gr\u00f6sser als die Ausf\u00e4lle bei den Zolleinnahmen. Zudem zeigt sich, dass in modernen Freihandelsabkommen der Abbau von nicht tarif\u00e4ren Handelshemmnissen im Vordergrund steht, weshalb Z\u00f6lle als Verhandlungsmasse an Bedeutung verloren haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJedoch sollte ein Zollabbau in ein Massnahmenpaket zur administrativen Entlastung beim Zoll eingebettet sein. Dazu geh\u00f6ren einfachere elektronische Zollverwaltungsm\u00f6glichkeiten, aber auch eine Vereinfachung bei der Abwicklung der Mehrwertsteuer. Das Paket sollte auch eine Modernisierung der pr\u00e4ferenziellen Ursprungsregelung umfassen. Der Anpassungsbedarf ist besonders beim Freihandelsabkommen mit der EU gross. Davon w\u00fcrde insbesondere die Textilindustrie in der Schweiz massgeblich profitieren, m\u00f6glicherweise aber auch andere Branchen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Minsch, Ruedi; Moser, Peter (2006), Teure Grenzen: Die Volkswirtschaftlichen Kosten der Zollschranken, Avenir Suisse.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Schaub, Matthias (2009); Pr\u00e4ferentielle Handelsabkommen in der Praxis: Herausforderungen bei der Umsetzung, Die Volkswirtschaft, Nr. 10, S. 16-19.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Vgl. Moser und Werner (2016), S. 6.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz importiert haupts\u00e4chlich Industrieg\u00fcter: Im Jahr 2014 machten diese 95 Prozent aller Importe aus. \u00dcber 80 Prozent der Waren im Wert von insgesamt 240 Milliarden Franken stammten dabei aus L\u00e4ndern, mit denen die Schweiz ein Freihandelsabkommen (FHA) abgeschlossen hat (siehe Abbildung). 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Erg\u00e4nzend wurden Gespr\u00e4che mit ausgew\u00e4hlten Vertretern in Industrie und Handel gef\u00fchrt. Nicht untersucht wurden die R\u00fcckwirkungen eines einseitigen Liberalisierungsschrittes auf die Verhandlungsposition der Schweiz zu k\u00fcnftigen Freihandelsabkommen.&#13;\n&#13;\n<span class=\"text__quelle--kasten\"><sup>a<\/sup>Moser, Peter; Werner, Martin (2016). Auswirkungen einer einseitigen Abschaffung der Industriez\u00f6lle in der Schweiz, Gutachten zuhanden des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco).<\/span>"},{"kasten_title":"Kasten 2: Was sind Zolltarifnummern?","kasten_box":"Die achtstelligen Zolltarifnummern dienen der Kennzeichnung von Waren und f\u00fcr die Statistik. Importeure m\u00fcssen dem Zoll f\u00fcr jedes Produkt die entsprechende Nummer melden. Die ersten sechs Stellen der Codes sind weltweit einheitlich geregelt.&#13;\n&#13;\nDie Tarifnummern 1 bis 24 (<em>Agrarg\u00fcter<\/em>) reichen von H\u00fchnern (Nr. 0105.1100) bis Zigaretten (Nr. 2402.1000). Die Tarifnummern 25 bis 97 (<em>Industrieg\u00fcter<\/em>) beinhalten beispielsweise das Antibiotikum Penizillin (3003.1000) und Videospielkonsolen (9504.5000)."},{"kasten_title":"Kasten 3: Komplizierter Ursprungsnachweis im Textilbereich","kasten_box":"Im Textilbereich sind die Ursprungsnachweise aufgrund der ausgepr\u00e4gten Arbeitsteilung entlang der Wertsch\u00f6pfungsketten wesentlich komplizierter und aufwendiger. F\u00fcr ein Textil-KMU betr\u00e4gt der j\u00e4hrliche Aufwand etwa 20\u2019000 Franken. Ein weiteres Problem bei den Ursprungsnachweisen liegt in den Haftungsrisiken. Zwar gilt das Prinzip der Selbstdeklaration, aber schweizerische Firmen haften beim Weiterexport (z. B. in die EU) auch f\u00fcr den Ursprung ihrer ausl\u00e4ndischen Lieferanten. Zudem wird es immer schwieriger, die Ursprungsregeln \u2013 insbesondere im Freihandelsabkommen (FHA) mit der EU \u2013 zu erf\u00fcllen. Erstens verlangt die Ursprungsregel h\u00e4ufig gewisse (veraltete) Prozessschritte, die heute aufgrund der zunehmenden Spezialisierung entlang der Wertsch\u00f6pfungsketten nicht mehr in der Schweiz oder in der EU durchgef\u00fchrt werden. Zweitens sind Vorprodukte teilweise nicht mehr in der EU erh\u00e4ltlich (z. B. Garne), sodass der Ursprung nicht mehr erreicht werden kann.&#13;\n&#13;\nEs ist deshalb damit zu rechnen, dass die Nutzung des FHA abnimmt und die Schweizer Textil- und Bekleidungsindustrie immer seltener Waren mit pr\u00e4ferenziellem Ursprung in die EU exportiert. Dann fallen nicht nur vermehrt substanzielle Z\u00f6lle beim Reexport in die EU an, sondern auch in umgekehrter Richtung beim Import aus der EU, da die Produkte aus der EU ebenfalls den pr\u00e4ferenziellen Ursprung nicht erf\u00fcllen k\u00f6nnen und deshalb als Drittlandg\u00fcter gelten. Den zweiten Nachteil k\u00f6nnte die einseitige Abschaffung der Z\u00f6lle in der Schweiz verhindern."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":112795,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":112799,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"55088","post_abstract":"Eine Untersuchung der Hochschule f\u00fcr Technik und Wirtschaft Chur zuhanden des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) zeigt: Wenn die Schweiz alle noch bestehenden Z\u00f6lle auf Industrieg\u00fcter (ohne Agrarprodukte und Nahrungsmittel) abschafft, entlastet dies die importierenden Unternehmen und die Konsumenten und erh\u00f6ht die Wohlfahrt in der Schweiz leicht. Den wesentlichen Effekt bewirkt jedoch nicht der Wegfall der bereits tiefen Industriezolls\u00e4tze, sondern die dadurch m\u00f6gliche Vereinfachung bei den Zollformalit\u00e4ten \u2013 insbesondere bei den Ursprungsnachweisen. Die H\u00f6he der Kostenentlastung kann zwar nicht pr\u00e4zise gesch\u00e4tzt werden, jedoch sind die Wohlfahrtseffekte eines Abbaus der Transaktionskosten um ein Mehrfaches h\u00f6her als durch den eigentlichen Zollabbau selbst. 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