{"id":112855,"date":"2016-06-22T15:48:58","date_gmt":"2016-06-22T15:48:58","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/06\/scheidegger-aufgegriffen-07-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:09:28","modified_gmt":"2023-08-23T21:09:28","slug":"scheidegger-aufgegriffen-07-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/06\/scheidegger-aufgegriffen-07-2016\/","title":{"rendered":"Arbeit geht auch f\u00fcr \u00c4ltere nicht aus"},"content":{"rendered":"<p>Wer wie ich in den Achtzigerjahren \u00d6konomie studiert hat, kann sich gut an die heftig gef\u00fchrten Debatten \u00fcber die langfristige Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft erinnern. Diese drehten sich weniger um den drohenden Zusammenbruch der Sowjetunion oder um die sp\u00e4tere Gr\u00fcndung einer europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion \u2013 das hatte damals kaum jemand auf dem Radar. Vielmehr waren die demografische Entwicklung und ihre Auswirkungen auf die Volkswirtschaft Gegenstand kontroverser Auseinandersetzungen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHeute sind die dazumal erwarteten Verschiebungen Realit\u00e4t und setzen sich fort. Standen vor 30 Jahren einem Rentner noch 4,3 Erwerbst\u00e4tige gegen\u00fcber, verschlechterte sich das Verh\u00e4ltnis auf heute 3,3. Weil dieser Trend anh\u00e4lt, debattiert das Parlament unter dem Titel \u00abAltersvorsorge 2020\u00bb gegenw\u00e4rtig Anpassungen im Vorsorgesystem, welche man aufgrund der absehbaren Entwicklung ohne Zweifel schon viel fr\u00fcher h\u00e4tte umsetzen sollen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn diesem Kontext wird auch heftig diskutiert, ob \u00e4ltere Menschen in der Wirtschaft des 21. Jahrhunderts \u00fcberhaupt noch Arbeit f\u00e4nden. Die Angst geht um, dass die \u00abgrauen Panther\u00bb gemessen an der Qualifikation der j\u00fcngeren Konkurrenten (und ihrer tieferen Lohnkosten) nicht mehr wettbewerbsf\u00e4hig sind. Mit der Diskussion rund um die Digitalisierung der Wirtschaft scheint sich die Frage zu akzentuieren.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Besser qualifiziert als je zuvor<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie soll man da Zuversicht sch\u00f6pfen? Nun, die vermeintliche \u00ab\u00dcberalterung\u00bb ist auf dem Arbeitsmarkt schon seit L\u00e4ngerem eingetreten. Entgegen den Bef\u00fcrchtungen haben \u00e4ltere Erwerbst\u00e4tige jedoch deutlich an Terrain gewonnen: Waren in der Schweiz 1990 noch 24 Prozent der 15- bis 64-J\u00e4hrigen 50 Jahre alt oder \u00e4lter, so waren es 2013 bereits 29 Prozent. In zehn Jahren stellt diese Gruppe vermutlich sogar ein Drittel der Erwerbsbev\u00f6lkerung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nErfreulich ist, dass das Arbeitsangebot der \u00c4lteren in den letzten Jahren nicht nur aufgrund der demografischen Entwicklung gewachsen ist. Die Tatsache, dass bei den \u00fcber 55-J\u00e4hrigen das Arbeitsangebot allein seit 2010 um 40\u2019000 Vollzeitstellen zunahm, geht auf ihre gute Ausbildung zur\u00fcck: \u00c4ltere Erwerbst\u00e4tige sind heute besser qualifiziert als je zuvor. Ferner hat der Schweizer Arbeitsmarkt die bisherige Erh\u00f6hung des Rentenalters der Frauen problemlos absorbiert, und immer mehr Menschen arbeiten \u00fcbers Pensionsalter hinaus weiter.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDieses positive Gesamtbild wurde zuletzt durch die etwas gestiegene Erwerbslosenquote der 55- bis 64-J\u00e4hrigen getr\u00fcbt. So brauchen \u00e4ltere Stellensuchende im Durchschnitt deutlich l\u00e4nger als j\u00fcngere, bis sie wieder eine neue Stelle finden. Dennoch lag die Erwerbslosenquote 2015 mit 4,2 Prozent (gem\u00e4ss ILO) weiterhin unter dem Durchschnitt von 4,7 Prozent.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Technologischer Wandel und Alterung erg\u00e4nzen sich<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWas k\u00f6nnen wir aus diesen Entwicklungen lernen? Erstens: Der Arbeitsmarkt ist hierzulande ausserordentlich leistungsf\u00e4hig und integriert sowohl J\u00fcngere als auch \u00c4ltere in die Arbeitswelt. Da sich \u00e4ltere Erwerbst\u00e4tige durch Aus- und Weiterbildung fit und attraktiv halten, ist der Arbeitsmarkt auch gegen\u00fcber der demografischen Entwicklung widerstandsf\u00e4hig. Wichtig war es, den fr\u00fcheren Trend zu Fr\u00fchpensionierungen zu bremsen: Diese Wende ist vor allem dem Abbau von Fehlanreizen zum vorzeitigen R\u00fccktritt aus dem Arbeitsmarkt zu verdanken. So haben beispielsweise\u00a0Vorsorgeeinrichtungen der zweiten S\u00e4ule verschiedentlich \u00dcberbr\u00fcckungsrenten abgeschafft respektive reduziert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZweitens: Technologischer Wandel und demografische Entwicklung sind in einer alternden Gesellschaft keine doppelte Bedrohung. Im Gegenteil. Wenn der Anteil der j\u00fcngeren Arbeitnehmer an der Erwerbsbev\u00f6lkerung weiter abnimmt, werden \u00e4ltere Erwerbst\u00e4tige f\u00fcr die Arbeitgeber relativ attraktiver. Ferner wird der technologische Fortschritt die Arbeit von allen Arbeitskr\u00e4ften noch produktiver machen. Auch hier k\u00f6nnen wir der bisherigen Erfahrung vertrauen: In den letzten beiden Jahrzehnten verzeichnete die Schweiz ein beachtliches Besch\u00e4ftigungswachstum, trotz \u2013 oder eher dank \u2013 weitreichender Automatisierungstendenzen, beispielsweise in den B\u00fcros. Die Arbeit wird uns auch in Zukunft nicht ausgehen. Dies ist f\u00fcr Jung und Alt eine ermutigende Erkenntnis.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer wie ich in den Achtzigerjahren \u00d6konomie studiert hat, kann sich gut an die heftig gef\u00fchrten Debatten \u00fcber die langfristige Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft erinnern. Diese drehten sich weniger um den drohenden Zusammenbruch der Sowjetunion oder um die sp\u00e4tere Gr\u00fcndung einer europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion \u2013 das hatte damals kaum jemand auf dem Radar. 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