{"id":112902,"date":"2016-06-22T15:48:57","date_gmt":"2016-06-22T15:48:57","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/06\/maudet-07-2016\/"},"modified":"2023-08-23T23:09:28","modified_gmt":"2023-08-23T21:09:28","slug":"maudet-07-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/06\/maudet-07-2016\/","title":{"rendered":"Genf: Eine Smart City auf dem gesamten Kantonsgebiet"},"content":{"rendered":"<p>Dank neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) \u2013 insbesondere dank der Speicherung und Verarbeitung von Daten \u2013 entstehen vielerorts in Europa, Asien und Nordamerika Projekte f\u00fcr die Entwicklung von sogenannten Smart Cities. Die st\u00e4dtischen Gebiete der Schweiz geh\u00f6ren dabei allerdings nicht zu den Vorreitern \u2013 obwohl es hier durchaus viele f\u00fchrende ICT-Unternehmen gibt, die kreative L\u00f6sungen anbieten. In der Schweiz beschr\u00e4nkt sich Smart City somit meist auf einzelne isolierte Pilotprojekte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas muss nicht so sein, denn die digitale Revolution er\u00f6ffnet der Wirtschaft neue Perspektiven. Sie erm\u00f6glicht eine Diversifikation, die Entwicklung neuer Branchen und Berufszweige, die Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen und hilft mit, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Ausserdem schafft die Digitalisierung die Voraussetzungen f\u00fcr eine Optimierung der Dienstleistungen \u2013 insbesondere in den Bereichen Verkehr, Mobilit\u00e4t, Verringerung der Umweltbelastung, Energieversorgung, \u00f6ffentliche Sicherheit, Bildung und Gesundheitswesen. Weiter kann sie die Lebensqualit\u00e4t verbessern und tr\u00e4gt dazu bei, der Bev\u00f6lkerung und den Unternehmen neue Leistungen anzubieten sowie die Ressourcen in einem bestimmten Gebiet nachhaltig zu nutzen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Das Projekt f\u00fcr eine \u00abintelligente\u00bb Metropolregion Genf<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEnde 2015 hat der Kanton Genf beschlossen, ein Projekt f\u00fcr eine intelligente Metropolregion zu lancieren (\u00abSmart Canton\u00bb). Dabei verfolgt er einen interdisziplin\u00e4ren Ansatz: Um den unterschiedlichen Anspr\u00fcchen gerecht zu werden, sollen die Standpunkte der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Bildung, der Beh\u00f6rden und des Umweltschutzes ber\u00fccksichtigt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDieses ambitionierte \u00d6kosystemprojekt wurde im Rahmen der kantonalen Wirtschaftsstrategie 2030 lanciert, wobei es im laufenden Jahr zu den priorit\u00e4ren Zielen geh\u00f6rt. Die Realisierung des Smart-Canton-Projekts setzt Folgendes voraus:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>die Umsetzung einer Strategie zur Nutzung digitaler Technologien;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>eine Infrastruktur auf der Basis des Internets der Dinge, d.\u00a0h. den Onlineaustausch von Informationen und Daten aus verschiedenen Systemen (Sensoren und Detektoren);<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>die Auswertung der erhobenen Daten, um Dienstleistungen zu verbessern oder neu festzulegen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>die Mitwirkung der staatlichen, halbstaatlichen und privaten Akteure sowie der B\u00fcrger.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2><strong>\u00abIntelligentes\u00bb Parkleitsystem in der Stadt Carouge<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDurch die Entwicklung und Verbreitung der digitalen Technologien wird die Zusammenarbeit von Unternehmen gef\u00f6rdert. Der l\u00f6sungsorientierte Wissenstransfer von Start-ups, KMU und multinationalen Unternehmen bedeutet einen erheblichen Zeitgewinn. Und: Die komplexen und innovativen Produkte k\u00f6nnten im Alleingang kaum entwickelt werden. Ein gutes Beispiel daf\u00fcr ist der Prozess, der zur Entwicklung des intelligenten Parkleitsensors Presto Park des Genfer Unternehmens IEM f\u00fchrte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Sensor erfasst Informationen zu den Fahrzeugen, die auf den Parkpl\u00e4tzen der Stadt Carouge abgestellt sind. Die freien Parkpl\u00e4tze werden den Autofahrern in Echtzeit \u00fcber Leittafeln sowie im Navigationssystem ihres Fahrzeugs oder auf ihrem Mobiltelefon angezeigt. Auch die Gemeinden profitieren. Denn die Daten helfen, die Erwartungen und das Verhalten der Automobilisten zu verstehen. Dadurch k\u00f6nnen sie in einem zweiten Schritt deren spezifischen Bed\u00fcrfnissen \u2013 etwa in Form von Parkplatzkategorien \u2013 besser entsprechen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHintergrund der Innovation ist die Tatsache, dass es oft schwierig ist, einen Parkplatz in der Stadt zu finden. Aus Studien geht hervor, dass Automobilisten in urbanen Zentren bis zu einer Viertelstunde ben\u00f6tigen, um einen Parkplatz zu finden. W\u00e4hrend dieser Zeit legen sie rund 4,5 Kilometer zur\u00fcck und verursachen betr\u00e4chtliche CO<sub>2<\/sub>-Emissionen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Genfer Unternehmen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie \u00e4usserst sensiblen Ultraschall- und Magnetsensoren hat IEM dank seinen Kenntnissen in den Bereichen Engineering und Elektronik entwickelt. F\u00fcr die Herstellung des Sensorgeh\u00e4uses, das alle elektronischen Komponenten vor \u00e4usseren Einfl\u00fcssen sch\u00fctzt, kontaktierte die Westschweizer F\u00f6rderagentur Office de Promotion des Industries et des Technologies (OPI) das Unternehmen Dupont de Nemours. Dessen Forschungszentrum entwickelte darauf ein Geh\u00e4use aus polymeren Kunststoffen, das witterungsbest\u00e4ndig, stossfest und UV-best\u00e4ndig ist und dem auch das Gewicht von schweren Fahrzeugen nichts anhaben kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAnschliessend ging es darum, eine perfekte Abdichtung des Produkts zu gew\u00e4hrleisten, um eine Lebensdauer von etwa zehn Jahren zu erreichen. Gem\u00e4ss der Empfehlung des Unternehmens LEM, das auf diesen Bereich spezialisiert ist, wurde ein spezielles Additiv verwendet, wodurch der Sensor absolut wasserdicht ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSchliesslich gab das Start-up Orbiwise, das im Genfer Inkubator Fongit untergebracht ist, dem Ger\u00e4t den letzten Schliff, indem es die \u00dcbertragungstechnologie Lora integrierte. Damit k\u00f6nnen die Sensoren kleine Datenmengen an den zentralen Server \u00fcbermitteln und den Automobilisten die ben\u00f6tigten Informationen zur Verf\u00fcgung stellen. Dank einem geringen Energieverbrauch hat eine Batterie eine Lebensdauer von bis zu zehn Jahren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese technologische Meisterleistung konnte nur \u00fcber einen Wissensaustausch zwischen mehreren Genfer Unternehmen realisiert werden. Dank dem innovativen Parkleitsystem ist das Unternehmen IEM Marktf\u00fchrer auf diesem Gebiet und kann das Interesse anderer \u00abSmart Cities\u00bb f\u00fcr seinen Presto-Park-Sensor wecken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese Form der Zusammenarbeit, die innovative Akteure mobilisiert und die Kontakte zwischen Forschung, Unternehmen und Hochschulen f\u00f6rdert, wird in Zukunft zweifellos weiter zunehmen. Sie bietet umfangreiche Perspektiven f\u00fcr die Entwicklung von Produkten und die Durchf\u00fchrung von Forschungsprogrammen. Die k\u00fcnftige \u00abintelligente\u00bb Metropolregion Genf wird davon in Form von Anwendungen und Dienstleistungen profitieren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dank neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) \u2013 insbesondere dank der Speicherung und Verarbeitung von Daten \u2013 entstehen vielerorts in Europa, Asien und Nordamerika Projekte f\u00fcr die Entwicklung von sogenannten Smart Cities. 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