{"id":112941,"date":"2016-05-25T16:03:44","date_gmt":"2016-05-25T16:03:44","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/05\/wolter-05-2016-franzoesisch\/"},"modified":"2025-09-10T06:43:36","modified_gmt":"2025-09-10T04:43:36","slug":"wolter-5-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/05\/wolter-5-2016\/","title":{"rendered":"Schwerpunktpolitik bewirkt in der Bildungsforschung wenig"},"content":{"rendered":"<p>Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) verfolgt mit seinen Forschungsprogrammen einen thematischen Ansatz: Er unterst\u00fctzt Projekte mit grosser politischer und gesellschaftlicher Bedeutung (siehe <em>Kasten<\/em>). Je nach gef\u00f6rdertem Thema kann es aber sein, dass damit nur eine wissenschaftliche Disziplin in den Genuss dieser zus\u00e4tzlichen F\u00f6rdergelder kommt. Dies erkl\u00e4rt, weshalb wissenschaftliche Disziplinen, die einen Mangel an Forschungsgeldern beklagen, sich h\u00e4ufig eine Aufnahme in ein Nationales Forschungsprogramm (NFP) w\u00fcnschen. Die Bildungsforschung wurde dabei vom SNF zwischen 1980 und 2000 dreimal mit grossen NFP bedacht<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>, und in weiteren Programmen wurden Bildungsthemen spezifisch als wichtige Teilaspekte der Oberthematik mitgef\u00f6rdert<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>.<\/p>\n<p>Analysiert man die Herkunft der finanziellen Mittel aller in einem Jahr gestarteten Bildungsforschungsprojekte, so zeigt sich: In den Startjahren der Nationalen Forschungsprogramme mit spezifischem Bildungsfokus (1980, 1993 und 2000) ist der Anteil der durch den SNF finanzierten Projekte wesentlich h\u00f6her als in den \u00fcbrigen Jahren, in denen die Forschenden auf die Einzelprojektf\u00f6rderung durch den SNF angewiesen waren (siehe <em>Abbildung<\/em>). In den Jahren 2003 und 2005 l\u00e4sst sich allerdings kein Effekt auf den Anteil der durch den SNF gef\u00f6rderten Projekte beobachten. In diesen zwei Jahren hatten die Nationalen Forschungsprogramme die Bildungsforschung \u00abnur\u00bb mitgef\u00f6rdert.<span style=\"color: #ff00ff;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Nationalfondsgelder in der Bildungsforschung (Anteil in&nbsp;%, 1976 bis 2011)<\/h3>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"wolter_oggenfuss_FR1\"><\/div>\n<script>\n$(function () {\n    $('#wolter_oggenfuss_FR1').highcharts({\n        chart: {\n            type: 'column'\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        }, \n\n\/\/---------->\n  damit es beim tooltip&nbsp;% angibt,valueSuffix einf\u00fcgen. <-----------\/\/\ntooltip: {\n            pointFormat: '<b>{point.y}<\/b><br\/>',\n            valueSuffix: '%'\n        },\n\n\/\/-------------------------------------------------------------------------------\/\/\n        xAxis: {\n            categories: ['1976','1977','1978','1979','1980','1981','1982','1983','1984','1985','1986','1987','1988','1989','1990','1991','1992','1993','1994','1995','1996','1997','1998','1999','2000','2001','2002','2003','2004','2005','2006','2007','2008','2009','2010','2011'\n]\n        },\n        yAxis: {\n            min: 0,\n            title: {\n                text: ''\n            },\nlabels: {                \nformat: '{value}%'\n            },\n        },\n        legend: {\n            enabled: false,\n            color: '#e84066'\n        }, \n\n\n\/\/---------->\n  Damit der Farbwechsel funktioniert, muss man colorByPoint einf\u00fcgen   <----------\/\/\nplotOptions: {\n            series: {\n                colorByPoint: true\n                \n            },\n\/\/---------------------------------------------------------------------------------------------\/\/\n\n        },\n\n        series: [{\n\n            data: [9.1,9.1,10.6,9.5,24.1,7.8,17.7,17.6,16.7,11.2,16.0,9.5,12.9,7.9,10.5,15.2,6.5,35.1,22.4,7.7,7.6,20.7,7.9,8.8,30.9,10.4,8.5,14.0,7.1,12.0,15.9,10.0,12.7,7.8,11.5,3.1],\ncolors: ['#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#e84066','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#e84066','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#e84066','#d2d803','#d2d803','#e84066','#d2d803','#e84066','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803','#d2d803']      \n        }]\n    });\n});\n\n\n<\/script>\n<p><span class=\"text__legend\">Anmerkung: Rot = Jahre, in welchen ein Nationales Forschungsprogramm mit einem Bildungsfokus gestartet wurde. 2003 starteten zwei Forschungsprogramme mit teilweisem Bildungsfokus<em>.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: SKBF \/ Die Volkswirtschaft<\/span><\/p>\n<h2><strong>F\u00f6rdergeld ersetzt Eigenfinanzierung<\/strong><\/h2>\n<p>Auf den ersten Blick liesse sich also vermuten, dass die gezielte F\u00f6rderung durch den SNF Wirkung gezeigt hat. Anhand von Regressionsanalysen, welche multiple Einfl\u00fcsse auf die Zahl der in einem Jahr gesamthaft gestarteten Forschungsprojekte modellieren, zeigt sich aber: Nicht in allen Jahren mit einem NFP-Bildungsfokus wurden mehr Projekte gestartet als in anderen Jahren. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die ersten beiden Schwerpunktprogramme (\u00abBildung und das Wirken in Gesellschaft und Beruf\u00bb und \u00abWirksamkeit unserer Bildungssysteme\u00bb), welche relativ eng auf die Erziehungswissenschaften zugeschnitten waren, sowie f\u00fcr die beiden NFP mit einem Teilaspekt aus der Bildung (\u00abIntegration und Ausschluss\u00bb und \u00abKindheit, Jugend und Generationenbeziehungen im gesellschaftlichen Wandel\u00bb). Bei diesen Programmen substituierte die Finanzierung durch den SNF somit haupts\u00e4chlich die Eigenfinanzierung durch die Hochschulen.<\/p>\n<p>Lediglich durch die Schwerpunktprogramme \u00abBildung und Besch\u00e4ftigung\u00bb (Startjahr 2000) und \u00abSprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz\u00bb (Startjahr 2005), welche bildungsnah und doch stark auf andere wissenschaftliche Disziplinen \u2013 \u00d6konomie und Sprachwissenschaften \u2013 ausgerichtet waren, konnten zus\u00e4tzliche Projekte in der Bildungsforschung generiert werden.<\/p>\n<p>Ob es in diesen beiden Disziplinen im Gegenzug weniger Forschungsprojekte zu anderen Themen gab, k\u00f6nnen wir zwar nicht beantworten. Dass die spezifische Themensetzung eine Fokusverschiebung in diesen Disziplinen bewirkte, d\u00fcrfte aber durchaus im Sinne der Forschungsf\u00f6rderung gelegen haben. Trotz der ausgebliebenen quantitativen Wirkung auf den Forschungsoutput in den klassischen Bildungsforschungsdisziplinen k\u00f6nnen wir zudem eine qualitative Wirkung nicht ausschliessen: Es k\u00f6nnte durchaus sein, dass die dank dem SNF eingesparten Eigenmittel denselben oder anderen Projekten in Form einer Zusatzfinanzierung zugutekamen und so deren Qualit\u00e4t zu steigern vermochten.<\/p>\n<h2><strong>Geisteswissenschaften als Ganzes betroffen<\/strong><\/h2>\n<p>Die hier pr\u00e4sentierten Ergebnisse beschr\u00e4nken sich auf die Analyse eines einzigen Forschungsfeldes. Aus einer fr\u00fcheren Analyse der Determinanten der Einzelprojektf\u00f6rderung durch den SNF<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>\u00a0wissen wir aber, dass die Nationalen Forschungsprogramme auch generell die Zahl der Einzelgesuche an den SNF substituieren und dass die Geistes- und Sozialwissenschaften (im Gegensatz zu den anderen wissenschaftlichen Disziplinen) in der Regel auf eine Ausweitung der Finanzierungsm\u00f6glichkeiten nicht mit mehr Forschungsgesuchen reagieren. Mit anderen Worten l\u00e4sst sich die rein substitutive Wirkung der eng auf die Bildungsforschung fokussierten Forschungsprogramme wohl auch f\u00fcr andere Forschungsgebiete im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften generalisieren.<\/p>\n<p>Von der spezifischen und zielgerichteten F\u00f6rderung von Forschungsthemen versprechen sich Forschungsf\u00f6rderungsagenturen einen kausalen Mehrwert. Wenn in dem gef\u00f6rderten Gebiet aber eine kurzfristig relativ beschr\u00e4nkte Zahl an f\u00f6rderungsw\u00fcrdigen Forschungsideen vorhanden ist, dann kann es durchaus sein, dass die Forschungsf\u00f6rderung einfach nur andere Finanzierungsquellen substituiert, welche ohne die neue F\u00f6rderung gebraucht worden w\u00e4ren. In diesem Falle \u00e4ndert sich die Finanzierungsquelle, nicht aber der Forschungsoutput. Wenn die quantitative Forschungsproduktion in einem bestimmten Gebiet nachhaltig gesteigert werden soll, m\u00fcssen demnach andere F\u00f6rderstrategien gesucht werden, die \u00fcber das rein Finanzielle hinausgehen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Bildung und das Wirken in Gesellschaft und Beruf (NFP 10); Wirksamkeit unserer Bildungssysteme (33) und Bildung und Besch\u00e4ftigung (43).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Integration und Ausschluss (NFP 51); Kindheit, Jugend und Generationenbeziehungen im gesellschaftlichen Wandel (52) und Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz (56).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe Wolter et al. (2007).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) verfolgt mit seinen Forschungsprogrammen einen thematischen Ansatz: Er unterst\u00fctzt Projekte mit grosser politischer und gesellschaftlicher Bedeutung (siehe Kasten). Je nach gef\u00f6rdertem Thema kann es aber sein, dass damit nur eine wissenschaftliche Disziplin in den Genuss dieser zus\u00e4tzlichen F\u00f6rdergelder kommt. 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An Empirical Analysis of the Demand for Individual Project Grants from the Swiss National Science Foundation, CESifo Working Paper No. 1953.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;","post_kasten":[{"kasten_title":"Nationale Forschungsprogramme (NFP)","kasten_box":"In den Nationalen Forschungsprogrammen (NFP) werden Forschungsprojekte durchgef\u00fchrt, die einen Beitrag zur L\u00f6sung wichtiger Gegenwartsprobleme leisten. Bundes\u00e4mter, Forschungsinstitute, Forschungsgruppen oder einzelne Personen schlagen dem Staatssekretariat f\u00fcr Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) die Thematik und m\u00f6gliche Schwerpunkte eines NFP vor. Der Bundesrat w\u00e4hlt die Themen definitiv aus und \u00fcbertr\u00e4gt diese dem Schweizerischen Nationalfonds zur Bearbeitung im Rahmen eines NFP.\r\n\r\n<span class=\"text__quelle--kasten\">Quelle: SNF \/ Die Volkswirtschaft<\/span>"}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":112944,"main_focus":"","serie_email":"","frontpage_slider_bild":112948,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"47950","post_abstract":"Staatliche und private Forschungsf\u00f6rderungsagenturen versuchen seit je durch gezielte finanzielle F\u00f6rderung spezifische, besonders wichtige oder bislang ungen\u00fcgend gef\u00f6rderte Forschungsthemen zu st\u00e4rken. Eine Untersuchung zu den Nationalen Forschungsprogrammen des Schweizerischen Nationalfonds im Bildungsbereich zeigt nun aber: Diese gezielten F\u00f6rdergelder f\u00fchren oftmals dazu, dass nicht mehr Forschung entsteht, sondern lediglich tempor\u00e4r auf andere Geldquellen verzichtet wird. 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