{"id":113059,"date":"2016-05-25T16:03:43","date_gmt":"2016-05-25T16:03:43","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/05\/burgener-06-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:09:28","modified_gmt":"2023-08-23T21:09:28","slug":"burgener-06-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/05\/burgener-06-2016\/","title":{"rendered":"Flache Hierarchien kommen an"},"content":{"rendered":"<p>Freizeitoptimierer, Multitasker, Selbstverwirklicher, Networker: Die Generation der heute 20- bis 35-J\u00e4hrigen hebt sich deutlich von den vorhergehenden ab. Sie hinterfragt Bestehendes und wirft Altbekanntes \u00fcber Bord, um Neues auszuprobieren. Die Frage \u00abWhy?\u00bb passt zur Generation Y.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Arbeitskontext legt diese Generation Wert auf ein ehrliches, konstruktives und zielorientiertes Feedback. Ypsiloner wissen, was sie zu bieten haben, und treten dementsprechend selbstbewusst auf. Ehrgeizig und leistungsorientiert denken, doch dabei den Spass nicht vergessen \u2013 so lautet die Devise. Der allt\u00e4gliche Job muss spannend und abwechslungsreich sein: Die Zugeh\u00f6rigen dieser Altersgruppe wollen eigene Bereiche und Projekte \u00fcbernehmen und sich zu guter Letzt selbst verwirklichen. Bei Monotonie und Langeweile z\u00f6gern sie nicht, sich nach neuen Herausforderungen umzusehen. Loyalit\u00e4t zum Arbeitgeber? Ja, solange es passt!&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nYpsiloner w\u00fcnschen sich an ihrem Arbeitsplatz flache Hierarchien, dar\u00fcber hinaus ein offenes Wissensmanagement, eine gute Fehlerkultur und ein menschlich hervorragendes Arbeitsklima, welches auf Respekt und Vertrauen basiert. Sie stellen viele, auch kritische Fragen, wovor auch Traditionen und bestehende Werte nicht verschont bleiben. Zum Beispiel: \u00abWarum kann ich in der Teamsitzung meinem Vorgesetzten eigentlich nicht direkt sagen, dass er den Kern des Problems nicht richtig erkennt?\u00bb&#13;<\/p>\n<h2><strong>F\u00fchrungskr\u00e4fte sind gefordert<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSolche Verhaltensweisen sind f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte reiferer Generationen oft nur schwer nachvollziehbar. Mitarbeitende, welche jede Handlung kritisch hinterfragen, mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg halten und ehrgeizig, aber keine Workaholics sind \u2013 wie soll man diese bloss f\u00fchren? Eines scheint klar: Mit harter Hand und strengen Regeln k\u00f6nnen F\u00fchrungskr\u00e4fte die jungen Mitarbeitenden nicht bei der Stange halten. Der Respekt vor der Hierarchie geht zwar nicht verloren, aber ein reger, wertsch\u00e4tzender Austausch mit viel Lob, aber auch kritischem Feedback ist gefragt. Nicht mehr nur top-down, sondern auch bottom-up. Ein Umdenken in der F\u00fchrungsetage ist wichtig.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSeit gut einem Jahr haben die Mitarbeitenden im Eidgen\u00f6ssischen Departement f\u00fcr Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) die M\u00f6glichkeit, am Programm \u00abMentoring Generation Y\u00bb teilzunehmen. Die urspr\u00fcngliche Idee eines Mentorings \u2013 alt und weise coacht jung und unerfahren \u2013 wurde dabei umgedreht: \u00c4ltere Mentees k\u00f6nnen sich mit dem F\u00fchrungsverst\u00e4ndnis der Generation Y vertraut machen und damit ihre zuk\u00fcnftige F\u00fchrungskompetenz erh\u00f6hen (siehe <em>Kasten<\/em>). Gleichzeitig erhalten die (j\u00fcngeren) Mentoren die M\u00f6glichkeit, ihre Erwartungen kundzutun und ihre Anliegen zu positionieren.&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Welche Anforderungen stellen die Ypsiloner an ihren Arbeitsplatz?<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Welche Werte und Einstellungen sind ihnen wichtig?<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Wie verstehen sie Work-Life-Balance?<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Welche Erwartungen haben sie an Vorgesetzte?<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Was erwarten sie von \u00e4lteren Arbeitskollegen?<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nSolche und \u00e4hnliche Fragen k\u00f6nnen sich F\u00fchrungskr\u00e4fte von den Ypsilonern im direkten Austausch beantworten lassen. So erfahren sie hautnah, was die jungen Arbeitskr\u00e4fte von ihnen erwarten, um motiviert ihr Bestes zu leisten.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Grosse Akzeptanz auf beiden Seiten<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm ersten Jahr des Mentoringprogramms waren 27 Tandems unterwegs. Um zu vermeiden, dass die Hierarchie einen offenen Austausch behindert, stammten die Tandems im Normalfall aus verschiedenen Verwaltungseinheiten. Viele Mentees stammten aus dem Topkader, was von der guten Akzeptanz in der F\u00fchrungsebene zeugt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine zu Jahresbeginn durchgef\u00fchrte Evaluation zeigt erfreuliche Resultate. Ein grosser Teil der Teilnehmenden kann das Projekt weiterempfehlen; allein der Diskurs zwischen den Generationen wurde als Bereicherung empfunden. So sagte ein Mentee: \u00ab[Ich gewann] Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die junge Generation, ohne die Schwelle des Vorgesetztenverh\u00e4ltnisses, das gegen\u00fcber den eigenen Mitarbeitenden besteht.\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie jungen Mitarbeitenden der Generation Y empfanden wiederum schon alleine die Tatsache, dass sie als Mentoren angefragt wurden, als Wertsch\u00e4tzung. Viele Befragte wollen den Austausch auch nach einem Jahr noch weiterf\u00fchren, wie ein Mentor bei der Befragung mitteilte: \u00abWir haben uns mittlerweile sechs Mal getroffen und uns rege \u00fcber die t\u00e4gliche Arbeit und die Herausforderungen ausgetauscht. Auch haben wir uns intensiv mit den Erwartungen und Anliegen der eigenen Generation befasst. Dadurch ist eine gute Bekanntschaft entstanden, die wir weiterhin pflegen m\u00f6chten.\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs hat sich auch gezeigt, dass es eine starke Vereinfachung ist, wenn wir von <em>der<\/em> Generation Y sprechen: Bei Weitem nicht alle funktionieren gleich und haben dieselben Bed\u00fcrfnisse. Es gibt durchaus auch junge Mitarbeitende, die klare Karriereziele haben und sich auch sonst nicht sehr von den Babyboomern unterscheiden.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Erfahrungsschatz der \u00c4lteren als Stolperstein<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00dcberraschenderweise gab es bei den Mentees einige Stimmen, die sich eine engere Begleitung durch die Projektleitung w\u00fcnschten, weil sie das Gef\u00fchl hatten, etwas zu kurz zu kommen. Denn es besteht die Gefahr, dass sich das Mentoring wieder umkehrt und die J\u00fcngeren stark vom grossen Erfahrungsschatz der \u00c4lteren profitieren. Diese Problematik wird deshalb im zweiten Jahr des Programms verst\u00e4rkt thematisiert: Mentees und Mentoren sollen ihre Erwartungen aneinander bereits von vornherein gut kl\u00e4ren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch f\u00fcr die Vertreter der Generation Y war der Austausch teilweise eine Herausforderung: \u00abEs war nicht immer einfach, im Gespr\u00e4ch einen Input zu leisten, der f\u00fcr eine solch erfahrene und intellektuell brillante Person wie meinen Mentee wirklich einen Mehrwert bietet\u00bb, sagte ein Mentor r\u00fcckblickend.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Mentoring Generation Y tr\u00e4gt dazu bei, die Attraktivit\u00e4t als Arbeitgeber zu steigern. Allein die Wertsch\u00e4tzung, die den jungen Mitarbeitenden gezeigt wird, d\u00fcrfte deren Verbleibdauer im WBF verl\u00e4ngern. Dies zeigen auch die fast ausschliesslich positiven R\u00fcckmeldungen der Mentoren in der Evaluation. Das gegenseitige Verst\u00e4ndnis verbessert das Arbeitsklima und damit die Zufriedenheit am Arbeitsplatz, was sich hoffentlich auch herumspricht und dem WBF einen Vorteil im Personalmarketing verschafft. Deshalb wird das Projekt, mit kleinen Anpassungen, mit viel Freude und Elan in diesem Jahr weitergef\u00fchrt.<strong>&#13;<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Y wird englisch \u02c8wa\u026a ausgesprochen.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freizeitoptimierer, Multitasker, Selbstverwirklicher, Networker: Die Generation der heute 20- bis 35-J\u00e4hrigen hebt sich deutlich von den vorhergehenden ab. Sie hinterfragt Bestehendes und wirft Altbekanntes \u00fcber Bord, um Neues auszuprobieren. 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Dies ist der Ansatz des Mentoringprogramms Generation Y, das seit einem Jahr im Eidgen\u00f6ssischen Departement f\u00fcr Wirtschaft, Bildung und Forschung l\u00e4uft. Eine erste Auswertung zeigt: Junge fordern flache Hierarchien und w\u00fcnschen sich von ihren Vorgesetzten Respekt und Vertrauen.","post_hero_image_description":"J\u00fcngere Mitarbeitende wollen ihrem Chef auf Augenh\u00f6he begegnen.","post_hero_image_description_copyright_de":"Fotolia","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":[{"kasten_title":"\u00abDienstwege spielen eine untergeordnete Rolle\u00bb","kasten_box":"<strong>Ist die Generation Y schwierig zu f\u00fchren?<\/strong>&#13;\n&#13;\n<strong>Daniel W\u00fcthrich (51, Mentee):<\/strong> Nein. Aber es ist wichtig, ihre Motivation und ihre Bed\u00fcrfnisse zu kennen, zu wissen, wie sie \u00abticken\u00bb. Eine Erkenntnis war zum Beispiel, dass sich die Generation Y rasch, unkompliziert und direkt die ben\u00f6tigten Informationen beschafft. Hierarchien und Dienstwege spielen dabei, wenn \u00fcberhaupt, eine untergeordnete Rolle. Ich finde das richtig und effizient, aber man muss sich als \u00abNicht-Ypsiloner\u00bb dessen bewusst sein, um damit umgehen zu k\u00f6nnen.&#13;\n&#13;\n<span style=\"color: #ffffff;\">-<\/span>&#13;\n&#13;\n<strong>Ihre rund 20 Jahre j\u00fcngere Mentorin hat weniger Erfahrung in der Arbeitswelt \u2013 was kann sie Ihnen dennoch mitgeben?<\/strong>&#13;\n&#13;\n<strong>W\u00fcthrich:<\/strong> Ihre Sicht auf Dinge und Zusammenh\u00e4nge aus einem anderen Blickwinkel. Ich habe mich mit ihr \u00fcber Vorhaben ausgetauscht und dabei wertvolle Erkenntnisse und R\u00fcckmeldungen erhalten, wie das auf sie wirkt und wie sie das erlebt. Meine Mentorin arbeitet in einem v\u00f6llig anderen Themengebiet als ich. Der fach\u00fcbergreifende Austausch zu Themen wie zum Beispiel der Innovation ist f\u00fcr mich spannend und erm\u00f6glicht mir Einblicke in Bereiche, die ich so nicht erhalten w\u00fcrde.&#13;\n&#13;\n<span style=\"color: #ffffff;\">-<\/span>&#13;\n&#13;\n<span class=\"text__quelle--kasten\">Dies ist ein Auszug aus einem Interview der Autoren mit Daniel W\u00fcthrich, 51-j\u00e4hrig, Leiter Human Resources im Generalsekretariat des Eidgen\u00f6ssischen Departements f\u00fcr Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF). 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