{"id":113076,"date":"2016-05-25T16:03:43","date_gmt":"2016-05-25T16:03:43","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/05\/fausch-06-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:09:38","modified_gmt":"2023-08-23T21:09:38","slug":"fausch-06-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/05\/fausch-06-2016\/","title":{"rendered":"Ruf nach Teilzeitarbeit und Eigenverantwortung hat Folgen \u2013 auch f\u00fcr KMU"},"content":{"rendered":"<p>In der Schweiz sind die heute 20- bis 35-J\u00e4hrigen mit dem Internet gross geworden, technikaffin und gr\u00f6sstenteils materiell abgesichert aufgewachsen. Allerdings sind diese Zugeh\u00f6rigen der Generation Y auch Krisenkinder \u2013 denken wir hier nur an die Klimaerw\u00e4rmung mit ihren dramatischen Folgen, Amokl\u00e4ufe, Kriege fanatische Gruppierungen, 11. September, leer gefischte Weltmeere, Umweltverschmutzung und Naturkatastrophen. Diese Ereignisse haben die Ypsiloner, auch wegen der multimedialen Omnipr\u00e4senz, gepr\u00e4gt. Ihre Wertewelt unterscheidet sich dadurch deutlich von denen der Nachkriegsgenerationen (Babyboomer und Generation X).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei der Rekrutierung von jungen Nachwuchstalenten tun Unternehmen gut daran, diese ver\u00e4nderten Bed\u00fcrfnisse zu respektieren. So fehlen in der Schweiz nicht nur Akademiker, sondern zunehmend auch Sanit\u00e4re, Elektriker, Lokf\u00fchrer, Pflegefachleute und Mechatroniker. F\u00fcr bestimmte Fachrichtungen beginnen einige grosse Konzerne schon fr\u00fch mit der Rekrutierung und holen sich ihre Fachkr\u00e4fte bereits auf dem Campus der Hochschulen ab. Diese multinationalen Firmen bieten inzwischen ausserdem flexible Personalkonzepte f\u00fcr alle Lebensphasen ihrer Mitarbeitenden \u2013 egal ob es um den Familienzuwachs geht, den Hausbau, die Pflege von Angeh\u00f6rigen oder ein Sabbaticaljahr.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNicht nur die Grossen, auch innovationsorientierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) brauchen ein fundiertes Wissen dar\u00fcber, was die heutige Generation junger Arbeitskr\u00e4fte von ihrem Arbeitgeber, der Karriere und der privaten Zukunft erwartet. Eine Onlineumfrage der Unternehmensberatung Praxis-Br\u00fccke aus Rheinfelden und des Weiterbildungszentrums Lenzburg bei Schweizer Firmen vom vergangenen Herbst (siehe <em>Kasten<\/em>) zeigt: Die Generation Y legt \u2013 nach Meinung der befragten Unternehmer und Personalzust\u00e4ndigen \u2013 Wert darauf, Freizeit und Beruf im Gleichgewicht zu halten. Die Jungen wollen nicht nach einem sturen Plan durchs Leben gehen, sondern viele verschiedene Dinge ausprobieren und am liebsten viele L\u00e4nder und Kulturen kennenlernen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWichtig sind\u00a0den Ypsilonern im Berufsalltag neben der bereits erw\u00e4hnten Work-Life-Balance und einem modernen Arbeitszeitmodell eine sinngebende T\u00e4tigkeit und eine freundliche Arbeitsatmosph\u00e4re (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Sicher h\u00e4tten die Babyboomer (1946 bis 1965) bei ihrem Berufseintritt noch deutlich anders abgestimmt. Das sieht man auch daran, dass der Lohn (\u00abwettbewerbsf\u00e4hige Verg\u00fctung\u00bb) von vielen der Generation Y nur mit \u00abwichtig\u00bb und nicht mit \u00absehr wichtig\u00bb angegeben wurde. Es gilt also nicht mehr die Pr\u00e4misse: \u00abMein Haus, mein Auto, mein Boot\u00bb, sondern eher das Motto: \u00abWir wollen nicht leben, nur um zu arbeiten\u00bb.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 1: Arbeitgeberwahl der Generation Y (Umfrage bei Unternehmen)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"fausch1_de\"><\/div>\n<script>\n\n$(function () {\n    $('#fausch1_de').highcharts({\n        chart: {\n            type: 'column'\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        },\n         yAxis: {\n            title: {\n                text: 'Anzahl Antworten'\n            }},\n        xAxis: {\n            categories: ['Freundliche <br> Arbeitsatmosph\u00e4re und <br>respektvoller Umgang','Ausgeglichene <br>Work-Life-Balance','Gesundheitsf\u00f6rdernde <br>Programme','Flache und wenig <br>hierarchische Organisation','Sinngebende <br>T\u00e4tigkeiten','Karriere- und <br>Weiterbildungsm\u00f6glichkeiten','Transparenz','Wettbewerbsf\u00e4hige <br>Verg\u00fctung','Modernes <br>Arbeitszeitmodell','Attraktive <br>Zusatzleistungen']\n        },\n        credits: {\n            enabled: false\n        },\n        series: [{\n            name: 'Weniger wichtig',\n            data: [6,4,34,21,6,29,13,27,12,25],\n                                    color: '#e84066'\n\n        }, {\n            name: 'Wichtig',\n            data: [61,47,83,88,51,83,87,93,39,72],\n                                    color: '#ffdd0c'\n\n\n        }, {\n            name: 'Sehr Wichtig',\n            data: [103,119,52,60,113,58,70,50,118,73],\n                        color: '#d2d803'\n\n\n        }]\n    });\n});\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Die Frage an die Unternehmen lautete: Wie gewichtet die Generation Y folgende Faktoren bei der Arbeitgeberwahl? Was denken Sie? (Anzahl Befragte = 363)<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Praxis-Br\u00fccke (2015) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Gesundheit der Arbeiter sch\u00fctzen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Vertr\u00e4glichkeit von Arbeit und Familie wird in allen Berufs- und Gesellschaftsgruppen in den n\u00e4chsten zehn Jahren somit st\u00e4rker nachgefragt werden. So werden Teilzeitstellen auch im Gewerbe an Priorit\u00e4t zunehmen. Allerdings sind flexible Arbeitszeitmodelle \u2013 etwa in kleinen Handwerksbetrieben, wo der Lehrling mit dem Meister auf die Baustelle geht \u2013 schwieriger umzusetzen als in kaufm\u00e4nnischen Berufen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren, setzen immer mehr Unternehmen auf ein in der Firmenstrategie verankertes betriebliches Gesundheitsmanagement. Denn die Firmen profitieren von motivierten und gesunden Mitarbeitern.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Kleine Handwerksbetriebe machen zudem seit L\u00e4ngerem gute Erfahrungen mit der Loyalit\u00e4t ihrer Mitarbeitenden, wenn sie in einen modernen Maschinenpark investieren, um einseitige k\u00f6rperliche Belastungen so zu minimieren, dass die Gesundheit von R\u00fccken und Bewegungsapparat der Mitarbeitenden bis zum Rentenalter erhalten bleibt.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Moderner F\u00fchrungsstil <\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBurn-out und andere Stresserkrankungen werden generell seltener werden, da die Generation Y nicht mehr so lange wartet, bis sie \u00abausgebrannt\u00bb ist. Jahresarbeitszeit ist hier ein Zauberwort \u2013 ein anderes ist Teilzeit. Sich f\u00fcr ein Unternehmen aufzuopfern, wie es f\u00fcr die Babyboomer noch selbstverst\u00e4ndlich war, ist out. Es gilt also nicht mehr: \u00abKarriere um jeden Preis\u00bb. Ein Grossteil der Generation Y setzt da ganz andere Priorit\u00e4ten. Das neue Statussymbol ist: \u00abHerr seiner eigenen Zeit zu sein\u00bb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie F\u00fchrungskr\u00e4fte, die Personen der Generation Y im Team haben, sollten ein Augenmerk sowohl auf Management als auch auf Leadership haben, denn Ypsiloner brauchen beides: die anleitende ebenso wie die inspirierende Seite der F\u00fchrung. Wer es also schafft, regelm\u00e4ssig einf\u00fchlsames und wertsch\u00e4tzendes Feedback zu geben, der kann die Jungen mit relativ geringem Aufwand zu mehr Leistungsbereitschaft bewegen, sie gar zu H\u00f6chstleistungen animieren. Bei der Umfrage stachen folgende Attribute mit Abstand am deutlichsten heraus: Offenheit, gegenseitiger Austausch und Authentizit\u00e4t. (siehe <em>Abbildung 2<\/em>).&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2: Bevorzugter F\u00fchrungsstil der Generation Y (Umfrage bei Unternehmen)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"fausch2_de\"><\/div>\n<script>\n\n$(function () {\n    $('#fausch2_de').highcharts({\n        chart: {\n            type: 'bar'\n        },\nlegend: {\n            enabled: false\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        subtitle: {\n            text: ''\n        },\n        xAxis: {\n            categories: ['Unparteiischer F\u00fchrungsstil', 'Klare Anweisungen', 'Kontinuierliche Weiterbildungsangebote', 'Regelm\u00e4ssiges einf\u00fchlsames und <br>wertsch\u00e4tzendes Feedback', 'Einsatz moderner Medien in der <br>Kommunikation','Offenheit, gegenseitiger Austausch <br>und Authentizit\u00e4t','Anleitendes und inspirierendes <br>F\u00fchrungsverhalten'],\n            title: {\n                text: null\n            }\n        },\n        yAxis: {\n            min: 0,\n            title: {\n                text: 'Anzahl positive Antworten'\n            },\n            \n        },\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ''\n        },\n        plotOptions: {\n            bar: {\n                dataLabels: {\n                    enabled: false\n                }\n            }\n        },\n            \n        \n        series: [{\n            name: 'Zustimmung',\n            data: [110, 84, 105, 179, 161,292,147]\n        }]\n    });\n});\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Die Frage an die Unternehmen lautete: Welcher F\u00fchrungsstil, denken Sie, animiert die Generation Y zu H\u00f6chstleistungen? (Anzahl Befragte = 363)<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Praxis-Br\u00fccke (2015) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Demografischer Wandel<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss dem Bundesamt f\u00fcr Statistik wird im Jahr 2020 der Anteil der \u00fcber 50-J\u00e4hrigen ein Drittel der Belegschaft ausmachen. F\u00fcr das Personalerhaltungsmanagement steht daher eine effiziente und generations\u00fcbergreifende Zusammenarbeit im Vordergrund. Sp\u00e4testens dann, wenn die Babyboomer nach und nach den Arbeitsmarkt in den wohlverdienten Ruhestand verlassen, wird der Mangel an qualifiziertem Personal und Nachwuchskr\u00e4ften deutlich werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAus diesem Grund ist es wichtig, dass die Betriebe \u2013 und insbesondere die KMU \u2013 ihr Augenmerk zuk\u00fcnftig auf die systematische Mitarbeiterf\u00f6rderung von beiden Altersgruppen legen. Das ist der Schl\u00fcssel f\u00fcr den Erhalt der Motivation der \u00c4lteren und die Festigung der Loyalit\u00e4t zum Unternehmen bei den J\u00fcngeren. Investitionen in die altersgerechte Weiterbildung beider Generationen lohnen sich, denn sie helfen einerseits die Fluktuation tief zu halten und andererseits die Produktivit\u00e4t zu erh\u00f6hen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs gilt ausserdem ein Klima zu schaffen, in dem Arbeitnehmer aus den verschiedenen Generationen bereit sind, voneinander zu lernen. Durch diesen kollegialen Austausch von Wissen werden\u00a0vor allem intergeneratives Verst\u00e4ndnis, Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und Toleranz f\u00fcr die Unterschiede gef\u00f6rdert. Denn Talente haben Arbeitnehmer aller Alterskategorien. Um diese zu f\u00f6rdern, braucht es vor allem eine wertsch\u00e4tzende und transparente Unternehmenskultur.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Vgl. <a href='http:\/\/gesundheitsfoerderung.ch\/wirtschaft\/produkte-und-dienstleistungen\/s-tool.html' target=\"_blank\">Stress-Befragungsinstrument \u00abS-Tool\u00bb<\/a> auf der Internetseite der Stiftung Gesundheitsf\u00f6rderung Schweiz.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schweiz sind die heute 20- bis 35-J\u00e4hrigen mit dem Internet gross geworden, technikaffin und gr\u00f6sstenteils materiell abgesichert aufgewachsen. Allerdings sind diese Zugeh\u00f6rigen der Generation Y auch Krisenkinder \u2013 denken wir hier nur an die Klimaerw\u00e4rmung mit ihren dramatischen Folgen, Amokl\u00e4ufe, Kriege fanatische Gruppierungen, 11. 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