{"id":113093,"date":"2016-05-25T16:03:43","date_gmt":"2016-05-25T16:03:43","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/05\/morger-06-2016\/"},"modified":"2023-08-23T23:09:47","modified_gmt":"2023-08-23T21:09:47","slug":"morger-06-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/05\/morger-06-2016\/","title":{"rendered":"Steuerabzug f\u00fcr Kinderdrittbetreuung steigert Besch\u00e4ftigung"},"content":{"rendered":"<p>Wie kann das inl\u00e4ndische Fachkr\u00e4ftepotenzial besser genutzt werden? Mit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative am 9. Februar 2014 ist diese Frage in den Vordergrund ger\u00fcckt. Bei einem Vergleich der OECD-Statistiken wird schnell klar, wo der Grossteil des noch inaktiven Potenzials in der Schweiz liegt: bei der weiblichen Erwerbsbev\u00f6lkerung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZwar f\u00e4llt die Besch\u00e4ftigungsquote der Frauen im internationalen Vergleich hoch aus. Dennoch sind die geleisteten Arbeitsstunden aufgrund des hohen Anteils an Teilzeiterwerbst\u00e4tigen im OECD-Vergleich gering: Lediglich in den Niederlanden arbeiten Frauen im Vergleich zu den M\u00e4nnern noch weniger als in der Schweiz.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>\u00a0Als Gr\u00fcnde f\u00fcr die hohe Teilzeitquote sieht die OECD ein unzureichend ausgebautes und \u2013 falls nicht subventioniertes \u2013 zu teures Kinderbetreuungssystem, geschlechterspezifische Lohnunterschiede, ungleiche Karrierem\u00f6glichkeiten und hohe Steuerbelastungen f\u00fcr Zweitverdiener.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKinderdrittbetreuungskosten stellen im \u00f6konomischen Sinne Kosten dar, die in Kauf genommen werden m\u00fcssen, um einer Erwerbst\u00e4tigkeit nachgehen zu k\u00f6nnen. Da sie nur teilweise steuerlich abziehbar sind (siehe <em>Kasten<\/em>), k\u00f6nnen sie die Kosten einer Erwerbsaufnahme oder einer Erwerbsausweitung zus\u00e4tzlich erh\u00f6hen und damit negative Erwerbsanreize f\u00fcr Eltern von kleinen Kindern verursachen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Gr\u00f6sstes Potenzial bei Eltern von Kleinkindern<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm Einsicht in die Verteilung der Kinderbetreuungskosten sowie deren steuerliche Abzugsf\u00e4higkeit zu erlangen, hat die Eidgen\u00f6ssische Steuerverwaltung Daten der Kantone Aargau und Bern ausgewertet.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nErwartungsgem\u00e4ss schwanken die Abz\u00fcge je nach Alter des Kindes stark (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Ins Gewicht fallen die Betreuungskosten vor allem f\u00fcr Eltern mit Kleinkindern: Die Kinderdrittbetreuungskosten \u00fcbersteigen bei den 1- bis 2-J\u00e4hrigen in mehr als zehn Prozent der F\u00e4lle den beim Bund maximal gew\u00e4hrten Betrag von 10\u2019100 Franken und fallen damit steuerlich teilweise ins Leere. Die grosse Abzugsspannweite innerhalb der gleichen Alterskategorie deutet aber auf unterschiedliche Betreuungs- und Erwerbssituationen hin. Ab dem Kindergartenalter scheint die Begrenzung des Betreuungsabzugs nur noch in den wenigsten F\u00e4llen ein Hindernis darzustellen.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 1: Inanspruchnahme des Bundessteuerabzugs (nach Alter des Kindes)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"morger_1_de\"><\/div>\n<script>\n\n$(function () {\nHighcharts.setOptions({\n       \n\/\/------->\n mit numerics Symbols, macht es hinter der Zahl auf der Y-Achse das was man dort eingibt. 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Die Steuererkl\u00e4rungen wurden nach H\u00f6he dieser Abz\u00fcge geordnet. Die obere Grenze (bzw. die untere Grenze) zeigt den Wert an, welcher in zehn Prozent der F\u00e4lle \u00fcberschritten (unterschritten) wird. Nur Kinder, f\u00fcr die ein Abzug geltend gemacht wurde und deren Eltern 2012 im Kanton Bern steuerpflichtig waren, sind aufgef\u00fchrt.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Morger (2015a) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAusserdem zeigt sich, dass insbesondere Familien mit egalit\u00e4ren Familienkonstellationen (also solche, in welchen beide Ehepartner \u00e4hnlich viel verdienen) von der heutigen steuerlichen Situation negativ betroffen sind. Dasselbe gilt f\u00fcr Eltern mit hohen Erwerbseink\u00fcnften: Hier d\u00fcrfte dies auch damit zusammenh\u00e4ngen, dass die Betreuungstarife stark progressiv ausgestaltet sind und ab einer bestimmten Einkommensh\u00f6he der Eltern die Subventionen ganz entfallen. So reicht der derzeitige Bundessteuerabzug bei einem nicht subventionierten Platz in einer Kindertagesst\u00e4tte (Kita) f\u00fcr knapp zwei Betreuungstage pro Woche aus. Da der Abzug in den meisten Kantonen tiefer ausf\u00e4llt als auf Bundesebene, d\u00fcrften auf Kantons- und Gemeindeebene mehr Eltern von den derzeitigen Abzugsobergrenzen betroffen sein.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Wenn sich Erwerbst\u00e4tigkeit finanziell nicht lohnt<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Aufhebung der Abzugslimiten k\u00e4me somit vor allem Eltern von unter f\u00fcnfj\u00e4hrigen Kindern zugute. Genau hier d\u00fcrfte auch das gr\u00f6sste Potenzial liegen, da M\u00fctter mit Kleinkindern \u00fcberdurchschnittlich oft nicht oder nur mit geringen Pensen (weniger als 50 Prozent) erwerbst\u00e4tig sind. Gleichzeitig ist die Belastung durch Steuern, Abgaben und Betreuungskosten gerade f\u00fcr Familien mit kleinen Kindern hoch \u2013 oftmals ist diese so bedeutend, dass sich eine Erwerbsaufnahme oder -ausweitung des Zweitverdieners finanziell kaum lohnt oder sogar zu Lohneinbussen f\u00fchrt. Dies macht eine Vielzahl von Studien deutlich, welche f\u00fcr verschiedene Familienkonstellationen und diverse Wohnorte durchgef\u00fchrt wurden.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nExemplarisch wird dies f\u00fcr eine Familie mit zwei kleinen Kindern und Wohnsitz in der Stadt Z\u00fcrich aufgezeigt. Es wird f\u00fcr beide Partner ein Brutto-Potenzialeinkommen von je 100\u2019000 Franken unterstellt.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>\u00a0Untersucht wird, inwiefern sich eine Aufnahme oder Ausweitung der Besch\u00e4ftigung seitens der Ehefrau lohnt, wenn der Ehemann bereits einen Besch\u00e4ftigungsgrad von 100 Prozent aufweist und jede zus\u00e4tzliche Ausweitung des Erwerbsvolumens der Ehefrau eine Kita-Betreuung der Kinder in gleichem Umfang erfordert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Beispiel zeigt, dass sich f\u00fcr die Ehefrau eine Erwerbst\u00e4tigkeit finanziell nur beschr\u00e4nkt lohnt (siehe <em>Abbildung 2<\/em>): Bereits bei einer Erwerbsausweitung von 40 Prozent auf 60 Prozent verbleibt nur knapp ein Drittel (31%) des Bruttolohnzuwachses in der Familie. Fast die H\u00e4lfte des Lohnzuwachses wird in diesem Fall f\u00fcr die Kinderbetreuung wieder ausgegeben, und 15 Prozent werden der Familie via Steuern und Sozialabgaben entzogen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAb einem Besch\u00e4ftigungsgrad von 60 Prozent sinkt bei einer Ausweitung des Pensums sogar der Nettolohn. Der Hauptgrund daf\u00fcr sind die progressiven Kita-Tarife in der Stadt Z\u00fcrich. So muss bei einer Erwerbsausweitung von 80 auf 100 Prozent fast das komplette Zusatzeinkommen f\u00fcr die Kinderbetreuung ausgegeben werden. Aber auch aufgrund der zus\u00e4tzlichen Steuerbelastung lohnt sich eine Erwerbsausweitung finanziell nicht mehr.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2: Heute: Mehr arbeiten \u2013 was bleibt netto?&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"morger_2_de\"><\/div>\n<script>\n$(function () {\n    $('#morger_2_de').highcharts({\n        chart: {\n            type: 'column'\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        xAxis: {\n            categories: ['von 0% auf 20%','von 20% auf 40%','von 40% auf 60%','von 60% auf 80%','von 80% auf 100%']\n        },\n        yAxis: {\n            title: {\n                text: 'Zus\u00e4tzliche Eink\u00fcnfte\/Ausgaben des Zweitverdieners (in %)'\n            },\n            stackLabels: {\n                enabled: false,\n              \n            }\n        },\n        \n        tooltip: {\n            headerFormat: '<b>{point.x}<\/b><br\/>',\n            pointFormat: '{series.name}: {point.y}%'\n        },\n        plotOptions: {\n            column: {\n                stacking: 'normal',\n               \n            }\n        },\n        series: [{\n            name: 'Krippenkosten',\n            color: '#e84066',\n            data: [25,36,46,73,91]\n        }, {\n            name: 'Steuern',\n                        color: '#ae097f',\n            data: [5,9,9,19,20]\n        }, {\n            name: 'Sozialversicherungen',\n                                    color: '#88c0d3',\n\n\n            data: [6,6,6,6,6]\n        },\n        {\n            name: 'Berufliche Vorsorge',\n                                    color: '#ffdd0c',\n\n\n            data: [null,6,8,8,8]\n        },\n        {\n            name: 'Verf\u00fcgbar',\n                                                color: '#d2d803',\n\n\n            data: [64,42,31,-6,-25]\n        }]\n    });\n});\n<\/script>\n&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 3: Reformszenario: <strong>Mehr arbeiten \u2013 was bleibt netto?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"morger_3_de\"><\/div>\n<script>\n$(function () {\n    $('#morger_3_de').highcharts({\n        chart: {\n            type: 'column'\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        xAxis: {\n            categories: ['von 0% auf 20%','von 20% auf 40%','von 40% auf 60%','von 60% auf 80%','von 80% auf 100%']\n        },\n        yAxis: {\n            title: {\n                text: 'Zus\u00e4tzliche Eink\u00fcnfte\/Ausgaben des Zweitverdieners (in %)'\n            },\n            stackLabels: {\n                enabled: false,\n              \n            }\n        },\n        \n        tooltip: {\n            headerFormat: '<b>{point.x}<\/b><br\/>',\n            pointFormat: '{series.name}: {point.y}%'\n        },\n        plotOptions: {\n            column: {\n                stacking: 'normal',\n               \n            }\n        },\n        series: [{\n            name: 'Krippenkosten',\n            color: '#e84066',\n            data: [25,36,44,51,55]\n        }, {\n            name: 'Steuern',\n                        color: '#ae097f',\n            data: [5,9,8,7,6]\n        }, {\n            name: 'Sozialversicherungen',\n                                    color: '#88c0d3',\n\n\n            data: [6,6,6,6,6]\n        },\n        {\n            name: 'Berufliche Vorsorge',\n                                    color: '#ffdd0c',\n\n\n            data: [null,6,8,8,8]\n        },\n        {\n            name: 'Verf\u00fcgbar',\n                                                color: '#d2d803',\n\n\n            data: [64,42,33,28,25]\n        }]\n    });\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung zu <em>Abbildungen 2 und 3<\/em>: Angaben in Prozent des zus\u00e4tzlichen Erwerbseinkommens des Zweitverdieners. Annahmen: Familie mit zwei Kindern, Wohnort Z\u00fcrich, Steuerperiode 2013, Bruttoerwerbseink\u00fcnfte des Erst- und Zweitverdieners bei einem Besch\u00e4ftigungsgrad von 100 Prozent: je 100\u2019000 Franken. Im Reformszenario wird die Obergrenze der Drittbetreuungsabz\u00fcge auf 24\u2019000 Franken angehoben (Bundes- und Kantonssteuer).&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: ESTV (2015) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Reform bringt M\u00fctter auf den Arbeitsmarkt<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei einer Reform des Abzugs f\u00fcr Kinderdrittbetreuungskosten ergeben sich grunds\u00e4tzlich zwei Handlungsoptionen: Entweder wird die Obergrenze angehoben \u2013 oder Kinderdrittbetreuungskosten werden generell als berufsnotwendige Aufwendungen (sogenannte Gewinnungskosten) anerkannt und berechtigen unbeschr\u00e4nkt zum Abzug. W\u00fcrden diese im Steuerrecht als Gewinnungskosten anerkannt, m\u00fcssten sie sowohl bei Bund als auch bei Kantonen und Gemeinden effektiv zum Abzug zugelassen werden. Bei einer Erh\u00f6hung der Abzugsobergrenze bei der direkten Bundessteuer w\u00e4re es hingegen den Kantonen \u00fcberlassen, ob sie im kantonalen Einkommenssteuerrecht ebenfalls eine Anpassung vornehmen m\u00f6chten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBereits bei einer Erh\u00f6hung der Obergrenze auf 24\u2019000 Franken (Bundes- und Kantonssteuer) w\u00fcrde im vorliegenden Beispiel der Anreiz erh\u00f6ht, den Besch\u00e4ftigungsgrad zu erh\u00f6hen. So verblieben dem Zweitverdiener bei einer Ausweitung des Besch\u00e4ftigungsgrads von 60 Prozent auf 80 Prozent immerhin noch 28 Prozent des Zusatzlohnes (siehe <em>Abbildung 3<\/em>). Im Status quo wird hingegen mehr als der komplette Zusatzlohn (\u2013106%) entzogen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInteressanterweise nimmt infolge einer Erh\u00f6hung des Kinderdrittbetreuungsabzugs auf 24\u2019000 Franken bei Bund und Kantonen aber nicht nur die Steuerbelastung ab, sondern auch die Drittbetreuungskosten sinken. Denn diese h\u00e4ngen in vielen Kantonen vom nun tieferen steuerbaren Einkommen ab. Dieses Ergebnis f\u00fchrt vor Augen, welche Konsequenzen die fehlende Abstimmung des Steuersystems mit anderen (\u00e4usserst progressiven) Transfersystemen haben kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nK\u00f6nnten Kinderdrittbetreuungskosten unbeschr\u00e4nkt zum Abzug gebracht werden, dann w\u00e4re kurz- bis mittelfristig in der Schweiz mit einer Zunahme um sch\u00e4tzungsweise 4800 Vollzeitstellen zu rechnen.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>\u00a0Langfristig d\u00fcrften die Besch\u00e4ftigungswirkungen \u2013 gem\u00e4ss Erkenntnissen der internationalen Forschung<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a>\u00a0\u2013 deutlich positiver ausfallen. Der Grund liegt darin, dass wichtige Entscheidungen wie Kinderwunsch und Heirat oder Aus- und Weiterbildungsmassnahmen nach einer Ver\u00e4nderung der institutionellen Rahmenbedingungen angepasst werden. Dies wiederum beeinflusst die langfristige Erwerbsentscheidung.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Gesamtabw\u00e4gung erforderlich<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der politischen Diskussion werden verschiedene Argumente gegen eine Ber\u00fccksichtigung der Kinderdrittbetreuungskosten im Steuersystem genannt. Wie die im November 2013 an der Urne abgelehnte Volksinitiative \u00fcber einen Eigenbetreuungsabzug<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a>\u00a0gezeigt hat, wird die Diskussion insbesondere auf gesellschaftspolitischer Ebene gef\u00fchrt. So bestehen unterschiedliche Ansichten dar\u00fcber, wie die Betreuung innerhalb der Familie gegen\u00fcber der Fremdbetreuung steuerlich zu behandeln ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch aus f\u00f6deralistischen \u00dcberlegungen k\u00f6nnte eine uniforme Ausweitung des Abzugs abgelehnt werden, da die Kantone diese Kosten verschieden behandeln und eine unterschiedliche Politik hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf verfolgen. Schliesslich erfolgt die Debatte auch entlang verteilungspolitischer \u00dcberlegungen. Argumentiert wird, dass von einem Kinderdrittbetreuungsabzug haupts\u00e4chlich die oberen Einkommensgruppen profitieren w\u00fcrden und die uneingeschr\u00e4nkte Anerkennung der Betreuungskosten als Gewinnungskosten die Gefahr berge, dass auch Luxusbetreuungen zum Abzug berechtigen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese Aspekte sind \u2013 soweit sie geteilt werden \u2013 den positiven Effekten auf Volkswirtschaft und Gleichstellung gegen\u00fcberzustellen. Schliesslich sind in einer Gesamtabw\u00e4gung auch die finanziellen Auswirkungen auf den Fiskus zu ber\u00fccksichtigen: Berechnungen hierzu legen nahe, dass sich ein in der H\u00f6he unlimitiert gew\u00e4hrter Kinderdrittbetreuungsabzug infolge der positiven Besch\u00e4ftigungseffekte kurz- bis mittelfristig selber finanziert.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Vgl. OECD (2013), S. 34.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Vgl. Morger (2015a).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Vgl. z. B. B\u00fctler (2007); Bonoli et al. (2010); INFRAS (2012).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Vgl. f\u00fcr dieses Beispiel und weitere Fallkonstellationen ESTV (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Vgl. Morger (2015b).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Vgl. Keane (2011).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Eidgen\u00f6ssische Volksinitiative \u00abFamilieninitiative: Steuerabz\u00fcge auch f\u00fcr Eltern, die ihre Kinder selber betreuen\u00bb.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kann das inl\u00e4ndische Fachkr\u00e4ftepotenzial besser genutzt werden? Mit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative am 9. Februar 2014 ist diese Frage in den Vordergrund ger\u00fcckt. 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Unterschiedliche Behandlung von Ehepaaren und Konkubinatspaaren bei der direkten Bundessteuer und steuerliche Behandlung der Kinderdrittbetreuungskosten. Bern: ESTV.<\/li>&#13;\n\t<li>Infras (2012). Familienfreundliche Steuer- und Kinderbetreuungstarifsysteme. Vergleich der Kantone Basel-Stadt und Z\u00fcrich. Z\u00fcrich: Infras.<\/li>&#13;\n\t<li>Keane, Michael P. (2011). Labor Supply and Taxes: A Survey. Journal of Economic Literature, 49(4), S. 961-1075.<\/li>&#13;\n\t<li>Morger, Mario (2015a). Kinderdrittbetreuungskosten und steuerliche Abzugsf\u00e4higkeit \u2013 Erkenntnisse aus den Steuerdaten der Kantone Aargau und Bern. Bern: ESTV.<\/li>&#13;\n\t<li>Morger, Mario (2015b). Welche Besch\u00e4ftigungseffekte l\u00f6sen steuerliche Entlastungen f\u00fcr Ehepaare und Eltern aus? Bern: ESTV.<\/li>&#13;\n\t<li>OECD (2013). OECD Economic Surveys: Switzerland 2013. Paris: OECD Publishing.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Steuerabz\u00fcge f\u00fcr die Kinderbetreuung","kasten_box":"Der Abzug f\u00fcr Kinderdrittbetreuungskosten ist bei der <em>direkten Bundessteuer<\/em> auf 10\u2019100 Franken je Kind unter 14 Jahren beschr\u00e4nkt. Die Kantone kennen vom Bund abweichende Abzugsh\u00f6hen. So betr\u00e4gt der Maximalabzug f\u00fcr die Steuerperiode 2015 in den Kantonen Nidwalden und Wallis 3000 Franken, in Bern 3100 Franken, in Z\u00fcrich 10\u2019100 Franken und im Kanton Neuenburg 19\u2019200 Franken. 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Eine Aufhebung der Obergrenze beim Steuerabzug f\u00fcr Kinderdrittbetreuungskosten w\u00fcrde die Steuermehrbelastung, die bei einer Ausweitung der Erwerbst\u00e4tigkeit anf\u00e4llt, bei M\u00fcttern mit kleinen Kindern zum Teil deutlich senken. Damit verbunden w\u00e4re kurz- und mittelfristig mit einer Zunahme um sch\u00e4tzungsweise 4800 Vollzeitbesch\u00e4ftigte zu rechnen. Dank der Besch\u00e4ftigungsimpulse finanziert sich die Reform selber. Diesen volkswirtschaftlichen Vorteilen, welche eine Ausweitung des Steuerabzugs mit sich br\u00e4chte, sind allf\u00e4llige gesellschafts- und verteilungspolitische sowie f\u00f6deralistische Einw\u00e4nde gegen\u00fcberzustellen.","magazine_issue":"05-2016","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20160526","original_files":[{"file":113108},{"file":113112},{"file":113116}],"external_release_for_author":"20160422","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/56fe2e1baec6f"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113093"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3660"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=113093"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113093\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126619,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113093\/revisions\/126619"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3660"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/29469"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=113093"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=113093"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=113093"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=113093"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=113093"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=113093"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}