{"id":113284,"date":"2016-04-27T16:23:59","date_gmt":"2016-04-27T16:23:59","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/04\/meier-05-2016-franz\/"},"modified":"2024-04-09T16:10:38","modified_gmt":"2024-04-09T14:10:38","slug":"meier-05-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/04\/meier-05-2016\/","title":{"rendered":"Nachholbedarf bei KMU-F\u00f6rderung"},"content":{"rendered":"<p>Die Westschweizer Innovationsplattform Platinn<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>\u00a0unterst\u00fctzt seit 2008 \u00fcber 1200 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Start-ups. Die Erfahrungen zeigen: Innovationsmuster und -engp\u00e4sse stehen eng mit den Lebenszyklusphasen eines Unternehmens in Beziehung.<\/p>\n<p>In der <em>Gr\u00fcndungsphase<\/em> dominiert die Produkteinnovation. In dieser Phase weist die Schweiz ein attraktives F\u00f6rderangebot auf. Die Kooperation mit der Wissenschaft steht oftmals im Zentrum und kann durch die F\u00f6rderagentur f\u00fcr Innovation des Bundes (KTI) geeignet unterst\u00fctzt werden. Eine Vielzahl lokaler und regionaler F\u00f6rderinstrumente erg\u00e4nzt das Angebot und schliesst auch die Erstfinanzierung mit ein.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Jungunternehmen f\u00fchrt die weitere <em>Entwicklungsphase<\/em> in die Akquisition von Pilotkunden und in die Projektrealisierungsphase. Auch in diesem Stadium kommen die F\u00f6rderangebote insgesamt gut zum Tragen. Der marktorientierte Projektansatz erlaubt die \u00f6ffentliche Mitfinanzierung von Konsortien, in welche nebst Hochschulen auch weitere Unternehmen und Pilotkunden einbezogen werden. Allerdings zeichnen sich Probleme bei der Unternehmensfinanzierung ab.<\/p>\n<p>Die Innovationsengp\u00e4sse versch\u00e4rfen sich deutlich beim \u00dcbergang in die <em>Industrialisierungs- und Expansionsphase<\/em>. Viele Jungunternehmer werden dabei mit erstmaligen Herausforderungen konfrontiert: Distribution und Unternehmensorganisation m\u00fcssen aufgebaut, Gesch\u00e4ftsfelder segmentiert, Prozess und Produkt aufeinander abgestimmt und Partnerschaften eingegangen werden. Ein professionelles Coaching erfreut sich deshalb einer starken Nachfrage.<\/p>\n<p>Rund 35 Prozent der betroffenen und von Platinn unterst\u00fctzten Unternehmen bekunden in dieser Phase Probleme bei der Finanzierung: Einerseits kommt die \u00f6ffentliche Projektfinanzierung kaum zum Tragen, da Hochschulen selten als L\u00f6sungspartner wahrgenommen werden. Andererseits versch\u00e4rft sich die Finanzierungsl\u00fccke auch auf Unternehmensebene. F\u00fcr \u00f6ffentliche Investitionsfonds ist das Vorhaben zu fortgeschritten, f\u00fcr Privatinvestoren bleibt das Risiko in der Regel zu hoch.<\/p>\n<h2><strong>Erneuerungsphase schwierig<\/strong><\/h2>\n<p>Innovation ist auch f\u00fcr etablierte Unternehmen wichtig. Bei den KMU, welche sich in einer Phase der Marktkonsolidierung befinden, zeigt sich: Die Unterst\u00fctzung durch Hochschulen wird kaum in Erw\u00e4gung gezogen. Nachgefragt werden hingegen regionale Leistungsangebote wie Erfahrungsaustausch-Gruppen oder spezifisches Coaching. Die KMU sch\u00e4tzen zudem B\u00fcrgschaftskredite, Coaching, Clusters und kantonale Wirtschaftsf\u00f6rderung.<\/p>\n<p>Mit der Erneuerungsphase, wo Produkteinnovation und die Suche von neuen Kundensegmenten im Zentrum stehen, tun sich viele Unternehmen schwer. Etwa ein F\u00fcnftel ist mit Finanzierungsengp\u00e4ssen konfrontiert. Das Forschungsangebot von Hochschulen und die Projektfinanzierung von KTI oder dem europ\u00e4ischen Forschungs- und Entwicklungsprogramm Eurostars werden nur teilweise und oftmals erst nach l\u00e4ngeren Vorbereitungen genutzt.<\/p>\n<p>Die \u00abFelderfahrungen\u00bb zeigen: Die verschiedenen F\u00f6rderinstrumente erg\u00e4nzen sich insgesamt. Entscheidend ist, dass sie bekannt gemacht und gezielt in das Unterst\u00fctzungsdispositiv eingebaut werden. Dies d\u00fcrfte vor allem Aufgabe regionaler Innovationssysteme sein.<\/p>\n<p>Trotz dessen St\u00e4rken erweist sich das Schweizer Innovationssystem in einem zentralen Bereich als problematisch: Es ist generell auf externe Kompetenzentwicklung \u2013 insbesondere an den Hochschulen \u2013 ausgerichtet. Es fehlen F\u00f6rderinstrumente f\u00fcr die Entwicklung von unternehmensinternen Ressourcen. Davon betroffen sind vor allem Unternehmen in der Industrialisierungs- und Erneuerungsphase. In Anbetracht des starken Strukturdrucks auf unsere Industrie m\u00fcsste dieser Engpass st\u00e4rker ins Zentrum der Diskussion r\u00fccken.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Platinn ist eine \u00fcberkantonale Initiative im Rahmen der Neuen Regionalpolitik des Bundes, getragen von den Kantonen Freiburg, Waadt, Wallis, Neuenburg, Genf und Jura.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Westschweizer Innovationsplattform Platinn\u00a0unterst\u00fctzt seit 2008 \u00fcber 1200 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Start-ups. Die Erfahrungen zeigen: Innovationsmuster und -engp\u00e4sse stehen eng mit den Lebenszyklusphasen eines Unternehmens in Beziehung. In der Gr\u00fcndungsphase dominiert die Produkteinnovation. In dieser Phase weist die Schweiz ein attraktives F\u00f6rderangebot auf. 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