{"id":113481,"date":"2016-04-27T16:02:51","date_gmt":"2016-04-27T16:02:51","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/04\/foray-05-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:10:18","modified_gmt":"2023-08-23T21:10:18","slug":"foray-05-2016-deutsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/04\/foray-05-2016-deutsch\/","title":{"rendered":"Die Schweiz \u2013 ein innovationsstarkes Land"},"content":{"rendered":"<p>Eine kurze Analyse der wichtigsten Innovationsindikatoren \u2013 zusammengefasst oder einzeln betrachtet \u2013 zeigt: Die Schweiz ist bez\u00fcglich Innovationen gut aufgestellt.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Man k\u00f6nnte zwar einwenden, dass sich Innovationen mit diesen Indikatoren nicht richtig erfassen lassen. Doch aus zahlreichen aggregierten und partiellen Indikatoren sowie aus allen internationalen Rankings geht hervor, dass die Schweiz eine hohe Innovationskraft aufweist. Somit k\u00f6nnen die verwendeten Indikatoren als aussagekr\u00e4ftig betrachtet werden.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Ein Erfolg f\u00fcr die Bildung und die Wirtschaft<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZun\u00e4chst k\u00f6nnen die verschiedenen Komponenten der nationalen Innovationskapazit\u00e4t und ihre Vernetzung betrachtet werden, um ihren jeweiligen Beitrag an die Innovationsleistungen zu beurteilen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Schweiz hebt sich insbesondere bei den Innovationsleistungen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) von den Vergleichsl\u00e4ndern ab. KMU haben zwar gewisse Schwierigkeiten bei der Finanzierung von Innovationen und bei der Zusammenarbeit mit dem \u00f6ffentlichen Forschungssektor und den Hochschulen, doch insgesamt sind ihre Innovationsleistungen bemerkenswert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch die weltweit operierenden Grossunternehmen sind im Innovationsbereich sehr leistungsf\u00e4hig. Ihre globale Strategie ist \u2013 insbesondere dank umfangreichen F&amp;E-Investitionen im Ausland \u2013 auf wirksame Weise mit der Optimierung und Konsolidierung lokaler Wirtschaftsr\u00e4ume verkn\u00fcpft. Von diesen positiven externen Effekten profitieren auch andere Unternehmen, Hochschulen, Berufsbildung und Arbeitsmarkt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWas die Gr\u00fcndung innovativer Unternehmen betrifft, war in den letzten Jahren ein starker Aufschwung zu verzeichnen. Es ist jedoch nicht bekannt, ob die Schweiz diesbez\u00fcglich bessere Resultate vorzuweisen hat als L\u00e4nder wie Schweden, Israel usw. Zudem liegt die Schweiz bei den Risikokapitalaktivit\u00e4ten lediglich im europ\u00e4ischen Durchschnitt, was sich im Vergleich mit den USA bescheiden ausnimmt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Bildungs- und Forschungssektor ist eine wesentliche St\u00e4rke der Schweiz. Das Hochschulsystem, zu dem die Instrumente des Schweizerischen Nationalfonds zur F\u00f6rderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) hinzuzuz\u00e4hlen sind, erf\u00fcllt seine drei Hauptaufgaben effizient: Forschung auf hohem Niveau, Ausbildung des innovativen Nachwuchses und Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Bei der Art und Weise, wie diese verschiedenen Aufgaben kombiniert werden, weist jede Komponente des Bildungs- und Forschungssektors \u2013 die beiden ETH, Universit\u00e4ten und Fachhochschulen \u2013 ihre Besonderheiten auf, wobei das Gesamtergebnis bemerkenswert ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch der Wissens- und Technologietransfer erfolgt grunds\u00e4tzlich effizient. Doch vor allem beim Transfer zu den KMU besteht noch ein gewisses Steigerungspotenzial.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Erfolgsrezept: Menschen, Internationalisierung und lokale Dynamik<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Forschungs- und Innovationssystem beruht auf vier Pfeilern. Der erste ist das hervorragende Humankapital, sowohl in den Bereichen Wissenschaft und Forschung als auch bei den Ingenieuren, Technikern und Entwicklern, und zwar auf allen Qualifikationsstufen und in allen Sektoren. Diese herausragende Qualit\u00e4t der Humanressourcen gr\u00fcndet auf der qualitativ hochstehenden Berufsbildung sowie auf der erfolgreichen Nutzung des weltweiten Talentpools.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin weiterer Pfeiler ist die Vielfalt der lokalen Wirtschaftsr\u00e4ume. Diese weisen eine sehr hohe Innovationskapazit\u00e4t auf, ohne dass sie das Ergebnis einer Clusterpolitik sind. Kennzeichnende Merkmale sind die engen Beziehungen zwischen den Akteuren und die institutionelle Vielfalt, die f\u00fcr das Wachstum und Innovationen erforderlich sind. Solche Wirtschaftsr\u00e4ume bieten den Unternehmen, insbesondere den KMU, die vielf\u00e4ltigen Ressourcen und erg\u00e4nzenden Kapazit\u00e4ten, die sie f\u00fcr ihre Innovationen ben\u00f6tigen. \u00abThey are [not] home alone\u00bb, k\u00f6nnte man in Abwandlung der Ausf\u00fchrungen der US-Politologieprofessorin Suzanne Berger \u00fcber KMU<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> sagen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer dritte Aspekt betrifft die F\u00e4higkeit der Wirtschaftsakteure, selbst f\u00fcr die Schaffung von f\u00fcr sie wichtigen privaten Institutionen zu sorgen. Diese Institutionen in den Bereichen Bildung und Forschung und Entwicklung (F&amp;E) stellen die ben\u00f6tigten kollektiven G\u00fcter bereit.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Wenn sich der Staat im Gegensatz zu diesen antiautoritaristischen Werten detailliert um alle Belange k\u00fcmmert, f\u00fchrt dies zu wenig koh\u00e4renten und kostenintensiven Institutionen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSolche Werte werden zwar nicht unbedingt mit sogenannten Serial Entrepreneurs assoziiert. Doch Innovationen h\u00e4ngen stark von den kollektiven Kapazit\u00e4ten, die von innovativen Akteuren selbst geschaffen werden, sowie von der Qualit\u00e4t der lokalen Institutionen und \u00d6kosysteme ab. Vor diesem Hintergrund sind diese Werte f\u00fcr die Realisierung von Innovationen von entscheidender Bedeutung<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSchliesslich sind die Rahmenbedingungen entscheidend. Insbesondere ein flexibler Arbeitsmarkt, eine starke finanzielle Entwicklung, solide politische und gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse sowie makro\u00f6konomische Stabilit\u00e4t (welche die Auswirkungen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses abgefedert hat) sind zentral.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Notwendige Anpassung des Schweizer Systems<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie hervorragenden Innovationsleistungen in der Schweiz sind eindeutig auf die qualitativ hochstehenden Institutionen, die g\u00fcnstigen Rahmenbedingungen und die allgemeinen Umst\u00e4nde w\u00e4hrend der letzten 30 Jahre zur\u00fcckzuf\u00fchren. Doch diese Umst\u00e4nde und Rahmenbedingungen sind einem raschen Wandel unterworfen. Deshalb muss das System in der Lage sein, sich angesichts neuer Rahmenbedingungen und Herausforderungen anzupassen oder gar tiefgreifend zu wandeln.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHinsichtlich der Probleme und Schwierigkeiten, mit denen Start-ups konfrontiert sind, wird in zahlreichen Artikeln eine gewisse Tr\u00e4gheit der politischen Verantwortlichen bem\u00e4ngelt. Diese Kritik ist zwar h\u00e4ufig \u00fcberzogen, doch die ge\u00e4usserten Auffassungen weisen durchaus auf wesentliche Probleme hin. Dazu geh\u00f6rt die Strukturschw\u00e4che im Bereich der Finanzierung von Start-ups, die durch die allgemeine finanzielle Entwicklung in der Schweiz nicht aufgewogen wird. Deshalb sollte die Frage diskutiert werden, wie sich ein gr\u00f6sserer Teil der Schweizer Spargelder in Richtung Innovation und Unternehmertum lenken l\u00e4sst.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs ist darauf zu achten, dass das Problem der Innovation nicht auf die akademischen Start-ups reduziert wird. Denn Start-ups kommen in vielen F\u00e4llen nicht nur durch unternehmerische Inspiration zustande, sondern h\u00e4ngen mit der grossen Zahl von gut ausgebildeten Hochschulabsolventen zusammen. Diese Vielzahl von Akademikern wiederum ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass in letzter Zeit signifikant mehr Gelder f\u00fcr die Grundlagenforschung zur Verf\u00fcgung gestellt wurden, insbesondere in den Biowissenschaften.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2><strong>St\u00e4rkere Verankerung der F&amp;E von Grossunternehmen in ihren Stamml\u00e4ndern<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGrossunternehmen haben in den L\u00e4ndern, in denen sie ihren Hauptsitz und ihre F&amp;E-Abteilungen haben, den gr\u00f6ssten Einfluss auf das Wachstum. Dies geht \u2013 entgegen der weitverbreiteten Meinung \u2013 aus den neuesten \u00f6konometrischen Arbeiten hervor.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDa Schweizer Grossunternehmen einen ausserordentlich hohen Anteil ihrer F&amp;E-Aktivit\u00e4ten im Ausland durchf\u00fchren, braucht es ein besseres Gleichgewicht: Die Schweizer Forschung im Ausland muss dadurch aufgewogen werden, dass die Forschung ausl\u00e4ndischer Unternehmen in unserem Land ausgebaut wird. Dies l\u00e4sst sich indessen nur realisieren, wenn die Schweiz f\u00fcr die ausl\u00e4ndische F&amp;E attraktiver wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDamit der Schweizerische Innovationspark zu einem Erfolg wird, darf er sich nicht darauf beschr\u00e4nken, nur f\u00fcr Spin-offs von Hochschulen eine hervorragende Plattform zu bieten. Er muss vielmehr auch f\u00fcr die F&amp;E von Schweizer und ausl\u00e4ndischen Grossunternehmen ein interessantes Umfeld gew\u00e4hrleisten.&#13;<\/p>\n<h2><strong>St\u00e4rkung der Position von innovativen KMU<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie F\u00e4higkeit, innovative Produkte zu vermarkten, ist nach wie vor ein grundlegendes Kriterium f\u00fcr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit von KMU. Gleichzeitig bestehen jedoch geringere Anreize f\u00fcr Innovationen, was mit den h\u00f6heren Kosten in diesem Bereich und mit der Aufwertung des Frankens zusammenh\u00e4ngt.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> Diese Entwicklung veranlasst die Unternehmen, ihre Innovationsausgaben zu reduzieren, bestimmte bedeutende Bereiche ihrer Aktivit\u00e4ten zu verlagern und sich auf kurzfristige Projekte zu konzentrieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSollte sich dieser Trend verst\u00e4rken, w\u00fcrde dadurch die hervorragende Qualit\u00e4t der gemeinsamen industriellen Basis und des technologischen Know-hows beeintr\u00e4chtigt, die zweifellos zu den wesentlichen St\u00e4rken der Schweiz im Innovationsbereich geh\u00f6rt. Denn diese kollektiven Kompetenzen und die entsprechenden Netzwerke bilden die technologische Basis, dank der sich eine Industrie wandeln kann. In vielen L\u00e4ndern werden diese Elemente im Zusammenhang mit Verlagerungen (Outsourcing und Weitergabe von Auftr\u00e4gen an Subunternehmen) und mit der neuen Logik der Finanz-Governance von Grossunternehmen zerlegt und aufgespalten.<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDoch wer die Basis verliert, verliert auch die F\u00e4higkeit zur Entwicklung. Denn zuerst wird immer die Produktion verlagert, worauf anschliessend die Entwicklungsaktivit\u00e4ten und zahlreiche weitere Bereiche folgen. Wenn dieser Prozess erst einmal in Gang gekommen ist, l\u00e4sst er sich nicht mehr aufhalten. Die L\u00f6sung f\u00fcr die KMU besteht darin, dass sie ihre lokalen wirtschaftlichen \u00d6kosysteme ausbauen und verbessern. Diese m\u00fcssen in der Lage sein, ihnen die Kompetenzen und Innovationskapazit\u00e4ten zu bieten, die sie nicht selbst schaffen k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin solcher Ausbau l\u00e4sst sich jedoch nicht von oben verordnen und darf nicht zu einer Ansammlung von inkoh\u00e4renten und kostenintensiven Institutionen f\u00fchren. Er muss vielmehr von den Unternehmen selbst und ihren Forschungspartnern initiiert werden. Denn diese wissen am besten, welche Bed\u00fcrfnisse und Chancen im Zusammenhang mit ihren Aktivit\u00e4ten bestehen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Desinteresse von jungen Schweizern an einer akademischen Ausbildung<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas hervorragende Humankapital steht im Zentrum des Erfolgs, den die Schweiz in den Bereichen Forschung und Innovation vorweisen kann. Doch die ausserordentlich erfolgreiche Berufsbildung an Fachhochschulen hat in Verbindung mit dem harten Wettbewerb um akademische Stellen ein ganz neues Problem zur Folge: das relative Desinteresse der jungen Schweizer an einer akademischen Ausbildung. Daher ist die Schweiz gezwungen, immer mehr auf den weltweiten Talentpool zur\u00fcckzugreifen, um die weiter zunehmende Nachfrage nach hoch qualifizierten Personen f\u00fcr die Forschung, die Ingenieurwissenschaften und die wissensintensiven Dienstleistungen zu decken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDieser grosse Bedarf an akademisch ausgebildeten Personen aus dem Ausland ist f\u00fcr die Innovationskapazit\u00e4t der Schweiz an sich kein Problem und kann sogar als Bereicherung betrachtet werden. Die diesbez\u00fcgliche Abh\u00e4ngigkeit vom Ausland k\u00f6nnte jedoch zu einem Problem werden, wenn die Attraktivit\u00e4t der Schweiz abnehmen w\u00fcrde oder wenn sich herausstellen sollte, dass ein grosser Teil der jungen ausl\u00e4ndischen Hochschulabsolventen in ihr Herkunftsland zur\u00fcckkehren, nachdem sie ihre Ausbildung in der Schweiz abgeschlossen haben. Auf dem Arbeitsmarkt f\u00fcr h\u00f6chstqualifizierte Fachkr\u00e4fte, die f\u00fcr die Forschung, die Ingenieurwissenschaften und wissensintensive Dienstleistungen ben\u00f6tigt werden, k\u00f6nnte eine solche Entwicklung zu einem Nachfrage\u00fcberhang f\u00fchren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie F\u00e4higkeit der Fachhochschulen, Ausbildungen f\u00fcr k\u00fcnftige Forschende anzubieten, ohne die Ausbildungsg\u00e4nge zu stark zu akademisieren, ist zweifellos ein Schl\u00fcssel zur L\u00f6sung des Problems. Die zunehmende Nachfrage nach hoch qualifizierten Personen f\u00fcr die Forschung und wissensintensive Dienstleistungen k\u00f6nnte zu einem Teil auch mit personellen Ressourcen aus dem Inland gedeckt werden, die noch viel zu wenig genutzt werden. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die Frauen, die in der Forschung nach wie vor stark untervertreten sind.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Die Nachteile der geringen Gr\u00f6sse auf ein Mindestmass begrenzen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit dieser Herausforderung sind alle kleinen L\u00e4nder konfrontiert, welche stark auf Innovation angewiesen sind. Die Schweiz muss alles daransetzen, die mit ihrer geringen Gr\u00f6sse verbundenen Nachteile in Bezug auf die sogenannten Economies of Agglomeration, Scale und Scope sowie auf die wirtschaftlichen Auswirkungen (\u00abSpill-overs\u00bb) zu minimieren. Es ist allgemein anerkannt, dass es sich bei allen diesen Elementen um bestimmende Faktoren f\u00fcr die Produktivit\u00e4t der F&amp;E- und Innovationsaktivit\u00e4ten handelt. Da die Schweiz nicht Mitglied der EU ist, hat sie nicht viele Optionen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs stellt sich die zentrale Frage, wie vorgegangen werden muss, damit die Schweiz eine \u00abAgglomeration\u00bb mit acht Millionen Bewohnern wird \u2013 statt ein Land mit acht Millionen Einwohnern \u2013, die \u00fcber das ganze Staatsgebiet verstreut sind.<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a> In diesem Zusammenhang weist die Schweiz verschiedene Vorteile bzw. strukturelle Merkmale auf, die eine solche Agglomeration beg\u00fcnstigen: Grossunternehmen, unterschiedlich grosse innovative Unternehmen und die F\u00e4higkeit des Hochschulsystems, das Interesse von Koryph\u00e4en der Wissenschaft zu wecken.<a href=\"#footnote_10\" id=\"footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor\">[10]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDoch die Schweiz hat auch Schw\u00e4chen. Es gibt verschiedene Hinweise darauf, dass die Agglomeration auf das jeweilige Sprachgebiet begrenzt ist. Daraus resultieren Skalen- und Verbunddefizite sowie entsprechend negative Auswirkungen. Ausserdem wird sich die Begrenzung der Einwanderung, der das Volk bei der Abstimmung \u00fcber die Masseneinwanderungsinitiative zugestimmt hat, negativ auf diese Agglomerationsperspektiven auswirken. Durch diesen Volksentscheid wird die Innovationskapazit\u00e4t in dreifacher Hinsicht beeintr\u00e4chtigt: bei der \u00d6ffnung des Forschungssystems, auf der Ebene des Arbeitsmarkts und bei der Gr\u00fcndung innovativer Unternehmen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Verschiedene Innovationswelten<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus den Arbeiten zur Forschung und Innovation in der Schweiz l\u00e4sst sich insbesondere die Lehre ziehen: Ein einziges homogenes Innovationsumfeld in Bezug auf die Akteure, die Institutionen, die Kultur und die Herausforderungen gibt es nicht. Die Schweiz ist vielmehr durch eine Vielzahl von Innovationswelten gekennzeichnet: die Welt der multinationalen Unternehmen, jene der Start-ups, die einem universit\u00e4ren Campus angegliedert sind, sowie die Innovationswelt der international ausgerichteten KMU.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSelbstverst\u00e4ndlich bestehen zwischen diesen Innovationsumfeldern gewisse Durchl\u00e4ssigkeiten und sogar Wechselwirkungen. Doch sie sind sehr unterschiedlich, und jede Innovationswelt hat ihre eigene Identit\u00e4t. Somit ist die Vielzahl der Innovationswelten eine enorme Herausforderung f\u00fcr das gesamte politische System wie auch f\u00fcr das Bildungs- und Forschungssystem. Wie l\u00e4sst sich mit jeder dieser Innovationswelten effizient und wirksam interagieren, ohne dass das fragile Ger\u00fcst durch ein \u00dcbermass an Anreizen von einer Seite aus dem Gleichgewicht gebracht wird? Dies ist eine grosse Herausforderung \u2013 namentlich f\u00fcr das Bildungs- und Forschungssystem.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Foray und Hollanders (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Berger (2013) macht auf das Problem in den Vereinigten Staaten aufmerksam, wo die KMU in einigen Bundesstaaten in einem eigentlichen \u00abNo Man\u2019s Land\u00bb operieren m\u00fcssen.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Weder und Grubel (1993).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Diese kurzen \u00dcberlegungen zu den Werten beruhen zu einem grossen Teil auf dem Werk des Historikers T. Schlich (2002) \u00fcber das Aufkommen der modernen Medizinaltechnik in der Schweiz sowie auf anderen Beobachtungen aus der Praxis.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Dieses Ph\u00e4nomen wurde in den Vereinigten Staaten von Paula Stephan eingehend untersucht und analysiert (2012).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Lee et al., (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Arvanitis et al. (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Berger (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">Jaffe (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_10\" class=\"footnote--item\">Siehe Agrawal und Cockburn (2003) sowie Agrawal et al. (2010) zu den Auswirkungen dieser strukturellen Merkmale in Bezug auf die Agglomeration und die Innovation.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine kurze Analyse der wichtigsten Innovationsindikatoren \u2013 zusammengefasst oder einzeln betrachtet \u2013 zeigt: Die Schweiz ist bez\u00fcglich Innovationen gut aufgestellt. Man k\u00f6nnte zwar einwenden, dass sich Innovationen mit diesen Indikatoren nicht richtig erfassen lassen. Doch aus zahlreichen aggregierten und partiellen Indikatoren sowie aus allen internationalen Rankings geht hervor, dass die Schweiz eine hohe Innovationskraft aufweist. 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An Assessment of the Innovation Union Scoreboard as a Tool to Analyse National Innovation Capacities: the Case of Switzerland\u00bb, Research Evaluation, 2015.<\/li>&#13;\n\t<li>Jaffe A. (2015). Science and Innovation in Small Countries: Speculation and Research Agenda, Asia-Pacific Journal of Accounting &amp; Economics, 22:1.<\/li>&#13;\n\t<li>Lee K. (2013). Kim B.-Y., Park Y. und Sanidas E., Big Business and National Economic Growth \u2013 Identifying a Binding Constraint for Growth with Country Panel Analysis\u00bb, Journal of Comparative Economics, 41.<\/li>&#13;\n\t<li>Schlich T. (2002). Surgery, Science and Industry: a Revolution in Fracture Care, 1950s\u20131990s, Palgrave.<\/li>&#13;\n\t<li>Stephan P. (2012). How Economics Shape Science, Harvard University Press.<\/li>&#13;\n\t<li>Weder R. und Grubel H. (1993). The New Growth Theory and Coasean Economics: Institutions to Capture Externalities. Review of World Economics, Vol. 129, Nr. 3, 488\u2013513.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":113484,"main_focus":[156502,157165],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":113488,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"50569","post_abstract":"Punkto Innovationen befindet sich die Schweiz unter Ber\u00fccksichtigung aller Indikatoren in einer hervorragenden Position. Dies ist insbesondere auf ihre diversifizierte Wirtschaft, ihr ausgezeichnetes Bildungssystem, ihre starke Internationalisierung und die Dynamik auf lokaler Ebene zur\u00fcckzuf\u00fchren. F\u00fcr verschiedene Herausforderungen m\u00fcssen indessen geeignete L\u00f6sungen gefunden werden. Dazu geh\u00f6ren die Finanzierung von akademischen Start-ups, die Internationalisierung der Forschung und Entwicklung von Grossunternehmen und die neuen wirtschaftlichen Sachzw\u00e4nge, die innovative KMU \u00fcberwinden m\u00fcssen. Weitere Knackpunkte sind die Ausbildung des Humankapitals und die Frage der geringen Gr\u00f6sse der Schweiz. Im \u00dcbrigen ist darauf hinzuweisen, dass der Innovationsbereich \u00e4usserst vielf\u00e4ltig ist (Grossunternehmen, KMU, Start-ups). 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