{"id":113626,"date":"2016-03-24T15:52:55","date_gmt":"2016-03-24T15:52:55","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/03\/schuepbach-04-2016\/"},"modified":"2023-08-23T23:10:20","modified_gmt":"2023-08-23T21:10:20","slug":"schuepbach-04-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/03\/schuepbach-04-2016\/","title":{"rendered":"Die Reform soll die Erg\u00e4nzungsleistungen in ihrer Kernaufgabe st\u00e4rken"},"content":{"rendered":"<p>Vor knapp zwei Jahren gab der Bundesrat bekannt, dass er das System der Erg\u00e4nzungsleistungen (EL) in verschiedenen Punkten revidieren m\u00f6chte. Er will damit erreichen, dass die breite Akzeptanz des EL-Systems erhalten bleibt und dass die Erg\u00e4nzungsleistungen ihre Kernaufgabe \u2013 die Gew\u00e4hrleistung einer menschenw\u00fcrdigen Existenzsicherung \u2013 auch in Zukunft erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Insbesondere soll die Reform die folgenden Ziele erreichen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>das Leistungsniveau erhalten;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>die Verwendung von Eigenmitteln f\u00fcr die Altersvorsorge verbessern, um das Risiko einer Abh\u00e4ngigkeit von EL im Alter zu minimieren;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Schwelleneffekte und unerw\u00fcnschte Anreize zum Verbleib im EL-System reduzieren.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Gesetzesentwurf, den der Bundesrat in die Vernehmlassung geschickt hat, tr\u00e4gt dem Bed\u00fcrfnis der Renten beziehenden Personen nach einer gesicherten Existenz und den Sorgen der Kantone angesichts der steigenden Kosten gleichermassen Rechnung.&#13;<\/p>\n<h2>Keine Sparvorlage<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kernaufgabe der Erg\u00e4nzungsleistungen l\u00e4sst sich in einem Satz zusammenfassen: Sie sollen Personen, deren Alters- oder Invalidenrente zum Leben nicht ausreicht, ein menschenw\u00fcrdiges Dasein erm\u00f6glichen. Dieses beinhaltet insbesondere die F\u00fchrung eines eigenen Haushaltes, die Teilnahme am sozialen Leben sowie die medizinische Grundversorgung. Die Ausgaben, die man einer Person daf\u00fcr zugesteht, sind bereits heute knapp bemessen. Im Bereich der Mietzinse sind sie teilweise sogar ungen\u00fcgend. Im Dezember 2014 hat der Bundesrat deshalb dem Parlament eine Botschaft zur \u00c4nderung der anrechenbaren Mietzinsmaxima \u00fcberwiesen. Die Massnahmen der EL-Reform sind so ausgestaltet, dass sich die EL-Bez\u00fcger in ihrer Lebensf\u00fchrung nicht noch weiter einschr\u00e4nken m\u00fcssen. Dadurch ist auch gew\u00e4hrleistet, dass es nicht zu einer Leistungsverschiebung in die Sozialhilfe und damit zu einer finanziellen Mehrbelastung der Kantone kommt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei der EL-Reform handelt es sich folglich nicht um eine Sparvorlage. Dennoch k\u00f6nnen die vorgesehenen Verbesserungen das System der Erg\u00e4nzungsleistungen auch finanziell nachhaltig entlasten. Im Jahr 2014 gaben Bund und Kantone rund 4,7 Milliarden Franken f\u00fcr Erg\u00e4nzungsleistungen aus. Als Folge der demografischen Entwicklung nehmen diese Kosten allj\u00e4hrlich um circa 2,3 bis 2,5\u00a0Prozent zu. Durch die vorgesehenen Massnahmen k\u00f6nnen die Ausgaben im Jahr 2022 um 171 bzw. 152 Millionen Franken gesenkt werden. Die finanziellen Auswirkungen h\u00e4ngen davon ab, welche Variante zur Beschr\u00e4nkung der Kapitalbez\u00fcge aus der zweiten S\u00e4ule man w\u00e4hlt (siehe <em>Tabelle<\/em>). Davon entfallen 51 bzw. 45 Millionen auf den Bund und 120 bzw. 107 Millionen auf die Kantone. Hinzu kommen Einsparungen im Pr\u00e4mienverbilligungssystem der Kantone in der H\u00f6he von 116\u00a0Millionen Franken. Damit sorgt die Reform daf\u00fcr, dass die EL f\u00fcr Bund und Kantone auch langfristig finanziell tragbar bleiben.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Finanzielle Auswirkungen der Erg\u00e4nzungsleistungsreform, im Jahr 2022<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">in Millionen Franken zu Preisen von 2015<\/span>&#13;<\/p>\n<table style=\"height: 334px;\" width=\"923\">&#13;<\/p>\n<thead>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Massnahme<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Kostenfolgen<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>davon Bund<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>davon Kantone<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;\n<\/thead>\n<p>&#13;<\/p>\n<tbody>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td colspan=\"4\"><em>Kapitalbez\u00fcge aus der zweiten S\u00e4ule<\/em><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Variante 1: Ausschluss des Obligatoriums<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-38<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-11<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-27<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Variante 2: Beschr\u00e4nkung auf 50% des Obligatoriums<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-19<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-5<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-14<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Ausschluss Kapitalbezug bei selbstst\u00e4ndiger Erwerbst\u00e4tigkeit<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-8<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-2<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-5<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td colspan=\"4\"><em>Ber\u00fccksichtigung des Verm\u00f6gens in der EL-Berechnung<\/em><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Senkung der Freibetr\u00e4ge auf dem Gesamtverm\u00f6gen<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-56<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-17<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-39<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>\u00dcbrige Massnahmen<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-9<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-5<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-5<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td colspan=\"4\"><em>Reduktion von Schwelleneffekten<\/em><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Volle Anrechnung hypothetischer Erwerbseinkommen<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-17<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-11<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-6<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td colspan=\"4\"><em>EL-Berechnung von Personen im Heim<\/em><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Tageweise Ber\u00fccksichtigung der Heimtaxe<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-43<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-5<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-38<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Total aus Massnahmen (Variante 1)<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-171<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-51<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-120<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Total aus Massnahmen (Variante 2)<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-152<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-45<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>-107<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tbody>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/table>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: BSV \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Kapital der zweiten S\u00e4ule sch\u00fctzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls Bedarfsleistungen m\u00fcssen die Erg\u00e4nzungsleistungen gezielt jenen Personen zugutekommen, die ohne diese Unterst\u00fctzung unter dem Existenzminimum leben w\u00fcrden. Die EL-Reform soll sicherstellen, dass man die Eigenmittel der Versicherten bei der Berechnung der Leistungsh\u00f6he angemessen ber\u00fccksichtigt. Vor einem Heimeintritt sind Personen, die im Rentenalter eine ungek\u00fcrzte Rente der AHV und der beruflichen Vorsorge beziehen k\u00f6nnen, in der Regel nicht auf EL angewiesen. K\u00fcnftig soll das Kapital der zweiten S\u00e4ule deshalb m\u00f6glichst bis zum Erreichen des Rentenalters bewahrt und in Rentenform bezogen werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZwar k\u00f6nnen auch Versicherte, die ihr Altersguthaben der zweiten S\u00e4ule nicht als Rente, sondern in Kapitalform beziehen, ihren Lebensunterhalt grunds\u00e4tzlich aus eigenen Mitteln bestreiten \u2013 allerdings nur, bis das Kapital aufgebraucht ist. Zum Zeitpunkt des Kapitalbezugs weiss eine Person in der Regel nicht, wie lange sie noch leben wird. Sie geht somit das Risiko ein, dass das Kapital auch dann nicht bis ans Lebensende reicht, wenn es ausschliesslich zu Vorsorgezwecken verwendet wird. Diese Gefahr besteht bei einer lebensl\u00e4nglich ausgerichteten Rente nicht. Gerade kleine Altersguthaben werden \u00fcberdurchschnittlich oft in Kapitalform ausgerichtet. Sie sind auch bei gewissenhafter Verwendung rasch aufgezehrt. Sp\u00e4testens bei einem Heimeintritt, der f\u00fcr die betroffene Person regelm\u00e4ssig mit hohen Kosten verbunden ist, sind auch gr\u00f6ssere Kapitalien rasch verbraucht. In beiden F\u00e4llen muss die fehlende Rente durch die EL kompensiert werden, was f\u00fcr diese zu einer unn\u00f6tigen finanziellen Mehrbelastung f\u00fchrt. Der Bundesrat will deshalb den Kapitalbezug des Altersguthabens f\u00fcr den obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge ausschliessen oder auf 50 Prozent des Obligatoriums beschr\u00e4nken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVersicherte, die ihr Vorsorgekapital der zweiten S\u00e4ule f\u00fcr den Einstieg in die selbstst\u00e4ndige Erwerbst\u00e4tigkeit verwenden, laufen bei einem Misserfolg Gefahr, dieses Kapital ganz oder teilweise zu verlieren. Auch hier m\u00fcssen die L\u00fccken, die dadurch in der Altersvorsorge der betroffenen Personen entstehen, teilweise durch die Erg\u00e4nzungsleistungen gedeckt werden. Auch bei der Aufnahme einer selbstst\u00e4ndigen Erwerbst\u00e4tigkeit sollen deshalb in Zukunft keine Kapitalbez\u00fcge aus der obligatorischen beruflichen Vorsorge mehr m\u00f6glich sein. Da die Guthaben aus der zweiten S\u00e4ule f\u00fcr die Finanzierung neuer Unternehmen nur eine marginale Rolle spielen,<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>\u00a0sind durch diese Massnahme keine negativen Auswirkungen auf die Volkswirtschaft zu erwarten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKeine Einschr\u00e4nkungen sind bei den Vorbezugsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Erwerb von Wohneigentum vorgesehen. Diese Form des Kapitalbezugs stellt f\u00fcr die EL kein Problem dar, da das Kapital in Form einer Immobilie erhalten bleibt.&#13;<\/p>\n<h2>Verm\u00f6gen angemessen ber\u00fccksichtigen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der EL-Reform will man sicherstellen, dass die Versicherten ihre eigenen finanziellen M\u00f6glichkeiten in angemessener Weise aussch\u00f6pfen, bevor sie auf EL zur\u00fcckgreifen. In diesem Rahmen sollen unter anderem die Freibetr\u00e4ge auf dem Gesamtverm\u00f6gen angepasst werden. F\u00fcr alleinstehende Personen schl\u00e4gt der Bundesrat eine Senkung von 37\u2019500 auf 30\u2019000 Franken und f\u00fcr Ehepaare von 60\u2019000 auf 50\u2019000 Franken vor. Die Freibetr\u00e4ge auf selbst bewohnten Liegenschaften sollen unver\u00e4ndert bleiben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGleichzeitig m\u00f6chte man eine j\u00e4hrliche Grenze f\u00fcr den Verm\u00f6gensverbrauch einf\u00fchren. Ohne Rechtspflicht oder wichtigen Grund soll eine Person k\u00fcnftig pro Jahr maximal 10 Prozent ihres Verm\u00f6gens verbrauchen d\u00fcrfen. Ausgaben, welche diese Grenze \u00fcberschreiten, werden als Verm\u00f6gensverzicht behandelt. Ein solcher bedeutet, dass die Verm\u00f6genswerte, die dar\u00fcber hinaus verbraucht wurden, zum tats\u00e4chlich vorhandenen Verm\u00f6gen wieder hinzugerechnet werden, als w\u00e4ren sie noch vorhanden. Durch diese Massnahme verhindert man, dass ein unvern\u00fcnftiger Umgang mit dem Verm\u00f6gen zu h\u00f6heren EL f\u00fchrt.&#13;<\/p>\n<h2>Schwelleneffekte und Fehlanreize reduzieren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSowohl der Eintritt in das EL-System wie auch der Austritt sind f\u00fcr die Versicherten fast immer mit Ver\u00e4nderungen im verf\u00fcgbaren Einkommen verbunden. Diese Schwelleneffekte sind dann problematisch, wenn eine Person durch den Bezug von IV-Rente und EL finanziell bessergestellt ist als vor der Invalidit\u00e4t. Oder wenn ein Austritt aus dem EL-System mit einer erheblichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation verbunden ist. In diesen F\u00e4llen wirkt sich dieser Schwelleneffekt ung\u00fcnstig auf den Anreiz zur Erwerbst\u00e4tigkeit aus, da es sich f\u00fcr die betroffenen Personen nicht lohnt zu arbeiten. Die EL-Reform will diese Schwelleneffekte deshalb so weit wie m\u00f6glich reduzieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHeute erhalten EL beziehende Personen in den meisten Kantonen einen Betrag, welcher mindestens der durchschnittlichen Krankenversicherungspr\u00e4mie des jeweiligen Kantons oder der jeweiligen Pr\u00e4mienregion entspricht. Kleine Betr\u00e4ge werden somit stark angehoben. Der Ein- und Austritt aus dem EL-System erzeugt so einen Schwelleneffekt. Gleichzeitig f\u00fchrt diese Regelung dazu, dass Personen mit einer EL-Mindestgarantie im Vergleich zu anderen EL-Bez\u00fcgern ein h\u00f6heres verf\u00fcgbares Einkommen haben. Um diese unerw\u00fcnschten Effekte zu reduzieren, will man die EL-Mindesth\u00f6he auf den Betrag der h\u00f6chsten Pr\u00e4mienverbilligung f\u00fcr Personen ohne EL- und Sozialhilfeanspruch senken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei Personen, die ihre Erwerbsf\u00e4higkeit nicht voll aussch\u00f6pfen, wird bei der Berechnung der Leistungsh\u00f6he ein hypothetisches Erwerbseinkommen ber\u00fccksichtigt. Das heutige Recht behandelt dieses gleich wie ein tats\u00e4chlich erzieltes Erwerbseinkommen. Das bedeutet, dass es nach Abzug eines Freibetrages lediglich zu zwei Dritteln als Einnahme angerechnet wird. Dadurch verringert sich der Anreiz, die zumutbare Erwerbst\u00e4tigkeit voll auszusch\u00f6pfen. K\u00fcnftig will man hypothetische Erwerbseinkommen deshalb vollumf\u00e4nglich in der EL-Berechnung ber\u00fccksichtigen.&#13;<\/p>\n<h2>\u00dcberverg\u00fctungen verhindern<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Pr\u00e4mie f\u00fcr die obligatorische Krankenversicherung ist f\u00fcr jede Person eine zwingende Auslage. Die entsprechenden Kosten werden deshalb in der EL-Berechnung als Ausgabe anerkannt. Nach dem bisherigen Recht wird dabei in jedem Fall ein Pauschalbetrag ber\u00fccksichtigt. Um \u00dcberverg\u00fctungen zu verhindern, sollen die Kantone die M\u00f6glichkeit erhalten, bei der Berechnung der Leistungsh\u00f6he anstelle des Pauschalbetrages wahlweise die tats\u00e4chliche Pr\u00e4mie zu ber\u00fccksichtigen, falls diese tiefer ist als der Pauschalbetrag. Auch bei Personen im Heim soll nur noch die Heimtaxe f\u00fcr diejenigen Tage ber\u00fccksichtigt werden, die das Heim tats\u00e4chlich in Rechnung stellt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Vernehmlassungsfrist f\u00fcr die EL-Reform ist am 18. M\u00e4rz 2016 abgelaufen. Die Ergebnisse werden zurzeit ausgewertet. Der Bundesrat will bis Ende 2016 eine Botschaft zur Reform verabschieden, sodass das Parlament im kommenden Jahr mit den Beratungen beginnen kann.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Die ausbezahlten Vorsorgegelder f\u00fcr die Aufnahme einer selbstst\u00e4ndigen Erwerbst\u00e4tigkeit beliefen sich 2013 lediglich auf etwa 5 Prozent des Gesamtvolumens neuer Bankkredite an Selbstst\u00e4ndige und Unternehmen mit bis zu neun Mitarbeitenden. Bei einem Teil dieser 5 Prozent handelt es sich zudem um \u00fcberobligatorische Guthaben, die mit der vorgesehenen Regelung weiterhin bezogen werden k\u00f6nnen.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor knapp zwei Jahren gab der Bundesrat bekannt, dass er das System der Erg\u00e4nzungsleistungen (EL) in verschiedenen Punkten revidieren m\u00f6chte. Er will damit erreichen, dass die breite Akzeptanz des EL-Systems erhalten bleibt und dass die Erg\u00e4nzungsleistungen ihre Kernaufgabe \u2013 die Gew\u00e4hrleistung einer menschenw\u00fcrdigen Existenzsicherung \u2013 auch in Zukunft erf\u00fcllen k\u00f6nnen. 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