{"id":113716,"date":"2016-03-23T16:01:53","date_gmt":"2016-03-23T16:01:53","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/03\/walter-04-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:10:23","modified_gmt":"2023-08-23T21:10:23","slug":"walter-04-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/03\/walter-04-2016\/","title":{"rendered":"Die digitale Entbl\u00f6ssung \u2013 von den Risiken der Selbstvermessung des eigenen K\u00f6rpers"},"content":{"rendered":"<p>Quantified Self \u2013 der Begriff ist seit ein paar Jahren in aller Munde und bezeichnet die Selbstvermessung des eigenen K\u00f6rpers mittels Sensoren und Applikationen. Mittlerweile handelt es sich um eine weltumspannende Bewegung, der neben Fitnessbesessenen auch Gesundheitsbewusste und Wissenschaftler angeh\u00f6ren. Sie erfassen die zur\u00fcckgelegten Schritte und ihren Kalorienverbrauch, messen den Blutdruck oder zeichnen ihren Schlafrhythmus auf. Dazu verwenden sie ihr Smartphone oder sogenannte Wearables \u2013 am K\u00f6rper getragene Ger\u00e4te. Die Anbieter bringen j\u00e4hrlich neue Produkte und Apps mit zus\u00e4tzlichen Anwendungsm\u00f6glichkeiten auf den Markt. 2015 wurden nahezu 60 Millionen Armb\u00e4nder, Uhren und andere Fitnesstracker verkauft, Tendenz steigend. Entsprechend nimmt auch die Menge der anfallenden Daten drastisch zu.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Wunsch, den eigenen K\u00f6rper mittels technischer Hilfsmittel besser zu verstehen, ist nicht neu. Mit der fortschreitenden Digitalisierung erh\u00e4lt dieses Bed\u00fcrfnis jedoch eine neue Dimension. Der technologische Fortschritt macht die M\u00f6glichkeiten schier unbegrenzt. Die Ger\u00e4te und Anwendungen sind Teil eines intelligenten Netzwerks und \u00fcbermitteln die Informationen an den Server des Anbieters. Dort werden sie aufbereitet, analysiert und unter Umst\u00e4nden auch weitergegeben.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Belohnung f\u00fcr \u00abgute\u00bb Gesundheitsdaten<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nJe h\u00e4ufiger wir uns selbst vermessen und je mehr Ger\u00e4te wir dazu einsetzen, umso pr\u00e4ziser wird das Bild, das diese von uns zeichnen. Entscheidend f\u00fcr die Qualit\u00e4t der Aussagen sind insbesondere die Aktualit\u00e4t und die Richtigkeit der Daten. Aus der Kombination verschiedener Messwerte k\u00f6nnen R\u00fcckschl\u00fcsse auf das Verhalten, unsere psychische Verfassung oder m\u00f6gliche Krankheiten gezogen werden. Vor allem dann, wenn noch weitere Angaben zu unserer Person hinzugezogen werden, die wir auf sozialen Netzwerken, beim Onlinesurfen oder beim Einkaufen hinterlassen haben (Big Data). Die Nachfrage nach solchen Daten ist denn auch gross; ihr Marktwert entsprechend hoch. Interesse daran haben Marketingabteilungen, Arbeitgeber und zahlreiche andere Akteure.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSo gibt es bereits Versicherungen, die ihren Kunden Gesundheitsapps und Wearables zur Verf\u00fcgung stellen. Wer damit seinen K\u00f6rper vermisst und \u00abgute\u00bb Daten vorweisen kann, wird mit Gutscheinen und Rabatten belohnt. Auch im Arbeitsbereich kommen Gesundheitstracker vermehrt zum Einsatz \u2013 Unternehmen, die ihre Besch\u00e4ftigten beispielsweise dazu anhalten, ihre Schritte zu z\u00e4hlen, m\u00f6gen durchaus das Wohl der Belegschaft im Sinne haben. Doch besteht die Gefahr, dass einzelne Mitarbeiter benachteiligt werden, wenn sie schlechte Ergebnisse erzielen oder sich dem Programm verweigern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Einsatz von Wearables in der Medizin hat ebenfalls seine T\u00fccken: einerseits in Bezug auf die Aussagekraft der Daten, die der Patient selbst erfasst, und andererseits hinsichtlich der Sicherheit, wenn die Informationen in Clouds aufbewahrt und dem Arzt elektronisch \u00fcbermittelt werden.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Missbrauchsrisiko steigt<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin viel geh\u00f6rtes Argument, wonach unbescholtene Nutzer nichts zu bef\u00fcrchten h\u00e4tten, greift hier zu kurz. Denn: Je mehr Daten wir verbreiten und zug\u00e4nglich machen, desto gr\u00f6sser ist die Wahrscheinlichkeit, dass Personen und Organisationen mit unlauteren Absichten an diese Informationen gelangen. Ein wichtiges Stichwort ist in diesem Zusammenhang die Internetkriminalit\u00e4t, zu deren Facetten Identit\u00e4tsdiebstahl, Cybermobbing, Erpressung oder Betrug z\u00e4hlen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Datenschutzrecht fusst auf der Idee der Freiheit des Individuums, selber dar\u00fcber bestimmen zu k\u00f6nnen, was mit seinen pers\u00f6nlichen Informationen geschieht. Dieses Recht auf informationelle Selbstbestimmung wird aber ausgehebelt, wenn die Selbstvermessung zur Norm wird. Wer sich ihr \u2013 bewusst oder unbewusst \u2013 verweigert, wird zunehmend finanzielle oder berufliche Nachteile in Kauf nehmen m\u00fcssen. Zudem setzt man sich dem Verdacht aus, etwas zu verbergen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nProblematisch ist auch die ungen\u00fcgende Transparenz vieler Trackingdienste, die ihre Kunden nur vage \u00fcber die Art der stattfindenden Datenbearbeitungen informieren. W\u00e4hrend die Anbieter eine Unmenge an Informationen \u00fcber ihre Kunden erhalten, k\u00f6nnen diese im Gegenzug kaum mehr nachvollziehen, was mit ihren Daten geschieht. Diese Asymmetrie schw\u00e4cht nicht nur die Rechte der Nutzer, sondern l\u00f6st auch Verunsicherung aus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs ist die Aufgabe der Politik, den rechtlichen Rahmen so zu setzen, dass die B\u00fcrger auch k\u00fcnftig frei w\u00e4hlen k\u00f6nnen, ob und allenfalls welche Gesundheitsdaten sie von sich preisgeben. Die geplante Revision des Datenschutzgesetzes bietet die Gelegenheit dazu.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>\u00a0Sie allein gen\u00fcgt allerdings nicht, um die wachsenden Datenschutzrisiken im Zusammenhang mit den neuen Technologien in den Griff zu bekommen: So l\u00e4sst sich zum einen kaum absch\u00e4tzen, welche neuen M\u00f6glichkeiten der wissenschaftliche Fortschritt in Zukunft noch bringen wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZum andern m\u00fcssen es die Nutzer in weiten Teilen auch selber in der Hand haben, ihre Privatsph\u00e4re vor allzu neugierigen Blicken der Unternehmen und Beh\u00f6rden zu sch\u00fctzen. Sensibilisierung f\u00fcr Datenschutzrisiken und \u00dcbernahme von Eigenverantwortung tun also ebenso not, wenn sich ein freies Individuum selbstbestimmt daf\u00fcr entscheidet, einen Fitnesstracker anzulegen (siehe <em>Kasten<\/em>).<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Das Eidgen\u00f6ssische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) wird dem Bundesrat bis Ende August 2016 einen Vorentwurf f\u00fcr eine Revision des Datenschutzgesetzes unterbreiten. Dabei soll es den Datenschutzreformen in der EU und beim Europarat Rechnung tragen.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quantified Self \u2013 der Begriff ist seit ein paar Jahren in aller Munde und bezeichnet die Selbstvermessung des eigenen K\u00f6rpers mittels Sensoren und Applikationen. Mittlerweile handelt es sich um eine weltumspannende Bewegung, der neben Fitnessbesessenen auch Gesundheitsbewusste und Wissenschaftler angeh\u00f6ren. Sie erfassen die zur\u00fcckgelegten Schritte und ihren Kalorienverbrauch, messen den Blutdruck oder zeichnen ihren Schlafrhythmus [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":4386,"featured_media":30164,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[69,66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[213],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":4386,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Stv. Eidgen\u00f6ssischer Datenschutz- und \u00d6ffentlichkeitsbeauftragter (Ed\u00f6b), Bern","seco_author_post_occupation_fr":"Pr\u00e9pos\u00e9 f\u00e9d\u00e9ral suppl\u00e9ant \u00e0 la protection des donn\u00e9es et \u00e0 la transparence, Berne","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"Die digitale Entbl\u00f6ssung","post_lead":"\u00dcber Smartphone-Apps und Wearables wie Fitness-Armb\u00e4nder geben wir immer mehr pers\u00f6nliche Informationen preis. Dadurch entstehen Risiken beim Datenschutz.","post_hero_image_description":"Smartphone-Apps und sogenannte Wearables messen beispielsweise den Kalorienverbrauch  \u2013 solche Daten sind auch f\u00fcr die Versicherungsbranche spannend.","post_hero_image_description_copyright_de":"Depositphotos","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":[{"kasten_title":"Tipps f\u00fcr den sicheren Umgang mit Wearables","kasten_box":"<ul>&#13;\n\t<li>\u00dcberlegen Sie sich, wem Sie Daten \u00fcber Ihren K\u00f6rper und Ihre Gesundheit preisgeben wollen. Den <em>Datenschutzbestimmungen<\/em> des Ger\u00e4ts oder einer App entnehmen Sie, wozu der Anbieter Ihre Daten verwendet und ob er sie an Dritte weitergibt. Hat dieser seinen Sitz in der Schweiz, ist es einfacher, Ihr Recht auf L\u00f6schung, Auskunft oder Berichtigung geltend zu machen.<\/li>&#13;\n\t<li>Stellen Sie die Dienste so ein, dass nur die Daten aufgezeichnet und \u00fcbermittelt werden, die f\u00fcr den angegebenen Zweck erforderlich sind.<\/li>&#13;\n\t<li>Das Ver\u00f6ffentlichen der eigenen Schritte, Kalorien, Herzfrequenz und anderer pers\u00f6nlicher K\u00f6rperdaten ist heikel. Verwenden Sie daher ein <em>Pseudonym<\/em>, wenn Sie Ihre Werte ins Internet stellen und dort mit anderen Usern teilen.<\/li>&#13;\n\t<li>Seien Sie skeptisch gegen\u00fcber Apps, die auch auf Ihre Kontakte und andere Informationen zugreifen, die f\u00fcr die Erbringung des Dienstes gar nicht erforderlich sind.<\/li>&#13;\n<\/ul>"}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":113719,"main_focus":[156516,157175],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":113723,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"49345","post_abstract":"Die Digitalisierung hat mittlerweile auch den Gesundheitsbereich erfasst. Mit intelligenten Waagen, elektronischen Blutdruckmessern und anderen Ger\u00e4ten kann jeder seinen K\u00f6rper vermessen und so zum Beispiel seinen Formstand festhalten. Eine F\u00fclle an Apps hilft dabei, die Informationen auszuwerten und mit anderen Menschen zu teilen. Die Daten, die dabei anfallen, geben nicht nur Aufschluss \u00fcber unsere Tagesform, sondern auch \u00fcber Gewohnheiten oder Gesundheitsprobleme und tangieren damit die Privatsph\u00e4re. Versicherungen, Arbeitgeber und zahlreiche andere Akteure haben ein Interesse an diesen Informationen. Die Risiken f\u00fcr die Nutzer sind deshalb erheblich.","magazine_issue":"20160401","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20160324","original_files":[{"file":113731}],"external_release_for_author":"20160224","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/56c347f28b7d4"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113716"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4386"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=113716"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113716\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126658,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113716\/revisions\/126658"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4386"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157175"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156516"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30164"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=113716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=113716"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=113716"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=113716"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=113716"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=113716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}