{"id":113891,"date":"2016-03-23T15:46:17","date_gmt":"2016-03-23T15:46:17","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/03\/voegele-04-2016-franz\/"},"modified":"2024-04-18T14:48:22","modified_gmt":"2024-04-18T12:48:22","slug":"voegele-04-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/03\/voegele-04-2016\/","title":{"rendered":"Konsumenten treiben Innovation und Wachstum voran"},"content":{"rendered":"<p>Die Frage nach dem Verhalten der Konsumenten ist eng verbunden mit der Entwicklung der Konsumgesellschaft. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde ein grosser Teil des Einkommens f\u00fcr Nahrungsmittel ausgegeben. Das Aufkommen der Massenproduktion, die Entwicklung von \u00abConvenience-Food\u00bb, der zunehmende Import von Produkten sowie der tiefere \u00d6lpreis f\u00fchrten zu kontinuierlich sinkenden Kosten f\u00fcr den Grundbedarf und insbesondere f\u00fcr Lebensmittel. Dazu entwickelten sich auch neue Verkaufsformen. So entstanden in der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg die ersten Selbstbedienungsl\u00e4den. Das Einkaufen von Produkten wurde anonymer und der Konsument in seinen Entscheidungen souver\u00e4ner. Parallel dazu entwickelte sich die Werbeindustrie.<\/p>\n<p>Heute beeinflussen die Globalisierung sowie die technischen M\u00f6glichkeiten das Verhalten: Eine erh\u00f6hte Mobilit\u00e4t und das Aufkommen von Smartphones machen die Konsumenten unabh\u00e4ngiger von lokalen Kaufm\u00f6glichkeiten. Produkte k\u00f6nnen zu jeder Tageszeit \u00fcberall auf der Welt eingekauft werden. Neuartige Mechanismen im Zahlungsverkehr setzen das traditionell verwendete Bargeld unter Druck. Die Entwicklung des Internets der Dinge ver\u00e4ndert die Beziehung der Konsumenten zu den Produkten. Die Verf\u00fcgbarkeit und damit die Logistik und der Transport von Produkten werden wichtiger. Neue Businessmodelle entstehen. So steht in der Sharing Economy das Teilen gegen\u00fcber dem Besitzen im Vordergrund. Die Reputation und Bewertungsmodelle gewinnen f\u00fcr alle Marktteilnehmer an Bedeutung und gestehen dem Konsumenten eine aktive Rolle in der Produktwerbung zu. Gleichzeitig k\u00f6nnen die Konsumenten durch freiwillige Preisgabe ihrer Pr\u00e4ferenzen oder durch Individualisierung vorhandener Produkte st\u00e4rker in den Produktionsprozess integriert werden. Allerdings werden dabei auch viele Informationen \u00fcber die Konsumenten gesammelt. Der Schutz von pers\u00f6nlichen Daten und die Vertrauensw\u00fcrdigkeit der Marktteilnehmer werden zu zentralen Elementen.<\/p>\n<h2><strong>Konsum als Pfeiler der Volkswirtschaft<\/strong><\/h2>\n<p>Fachgerechte und objektive Information ist in diesem Umfeld eine wichtige Bedingung daf\u00fcr, dass Konsumenten souver\u00e4n und in Kenntnis der Sachlage Kaufentscheide treffen k\u00f6nnen. Mit der Ausrichtung von Finanzhilfen an die Konsumentenorganisationen unterst\u00fctzt das Eidgen\u00f6ssische B\u00fcro f\u00fcr Konsumentenfragen (BFK) deren wertvolle Arbeit im Bereich der objektiven Information im Sinne des Konsumenteninformationsgesetzes. Um das Vertrauen in die Marktakteure zu st\u00e4rken, informiert das BFK beispielsweise in Zusammenarbeit mit Markt\u00fcberwachungsbeh\u00f6rden und betroffenen Unternehmen \u00fcber Produkter\u00fcckrufe.<\/p>\n<p>Konsumpolitik ist somit auch Wirtschaftspolitik. Mit der Entstehung der Konsumgesellschaft entwickelten sich die Konsumenten zu einer wichtigen St\u00fctze der Volkswirtschaft. Ein besseres Verst\u00e4ndnis bez\u00fcglich des Verhaltens der Konsumenten erlaubt es der Politik, effiziente und zielgerichtete Massnahmen zu formulieren und legislative Leerl\u00e4ufe oder Fehltritte zu verhindern. Dies ist dem BFK ein wichtiges Anliegen. Denn dadurch werden die Konsumenten in der F\u00e4higkeit gest\u00e4rkt, in einem zunehmend komplexen Markt ihre Rolle als Motor f\u00fcr Innovation und Wettbewerbsf\u00e4higkeit konsequent wahrzunehmen.<\/p>\n<p>Im Rahmen des Committee on Consumer Policy der OECD hat das BFK aktiv an der Erarbeitung des Consumer Policy Toolkit mitgearbeitet: Dieses basiert auf der Annahme, dass der freie Wettbewerb ein Schl\u00fcsselelement f\u00fcr eine erfolgreiche Marktwirtschaft ist. Es anerkennt aber auch, dass komplement\u00e4re Politiken n\u00f6tig sind, um ein einwandfreies Funktionieren der M\u00e4rkte zu garantieren. Es handelt sich somit um ein Arbeitsinstrument, das Beh\u00f6rden dabei hilft, m\u00f6gliche Marktversagen zu definieren und deren Ausmass abzusch\u00e4tzen. Auf der Grundlage der Empfehlung der OECD von 2014 wird auch das BFK in seiner Arbeit vermehrt auf das Toolkit abst\u00fctzen. Dies wird es dem BFK erm\u00f6glichen, konsumrelevante Probleme und L\u00f6sungsans\u00e4tze zu identifizieren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage nach dem Verhalten der Konsumenten ist eng verbunden mit der Entwicklung der Konsumgesellschaft. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde ein grosser Teil des Einkommens f\u00fcr Nahrungsmittel ausgegeben. 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