{"id":113909,"date":"2016-03-23T15:44:14","date_gmt":"2016-03-23T15:44:14","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/03\/zobrist-4-2016\/"},"modified":"2024-04-09T13:38:27","modified_gmt":"2024-04-09T11:38:27","slug":"zobrist-4-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/03\/zobrist-4-2016\/","title":{"rendered":"Konsumenten profitieren von Sharing Economy"},"content":{"rendered":"<p>Egal ob Auto, Geld oder Wohnung: Immer mehr G\u00fcter und Dienstleistungen werden geteilt oder vermietet.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>\u00a0\u00abNutzen statt besitzen\u00bb lautet die Devise, nicht zuletzt aus \u00f6kologischen Gr\u00fcnden. Was meist als Sharing Economy bezeichnet wird, ist im Grunde nichts anderes als eine Form der Marktwirtschaft \u2013 mit dem Unterschied, dass der Tausch oder der Kauf dank Smartphones und Tablets \u00fcberall und jederzeit \u00fcber Onlineplattformen stattfinden kann und die Unternehmen als Plattformdienstleister vor allem die Vermittlerrolle zwischen Angebot und Nachfrage einnehmen. Privatpersonen sind dabei nicht mehr nur Nachfrager, sondern werden zu Mikrounternehmern.<\/p>\n<p>Zu den Aush\u00e4ngeschildern der Sharing Economy geh\u00f6ren Technologieunternehmen wie der Fahrtenvermittler Uber und die \u00dcbernachtungsplattform Airbnb. Beide haben sich innerhalb von wenigen Jahren zu weltweit agierenden Unternehmen entwickelt: Uber ist in \u00fcber 300 St\u00e4dten auf der ganzen Welt aktiv, der Unternehmenswert wird auf \u00fcber 50 Milliarden Dollar gesch\u00e4tzt \u2013 ohne dass die Firma ein einziges Fahrzeug besitzt. Airbnb verf\u00fcgt ebenfalls \u00fcber keine eigenen Unterk\u00fcnfte, sondern vermittelt prim\u00e4r zwischen Anbietern und Nachfragern. Gleichwohl wird das Unternehmen als wertvoller eingesch\u00e4tzt als fast alle internationalen Hotelketten.<\/p>\n<p>Die Sharing Economy beschr\u00e4nkt sich aber l\u00e4ngst nicht mehr nur auf den Taxi- und den Hotelmarkt. So werden in den USA unter anderem Haushaltsgegenst\u00e4nde, Kredite, Mahlzeiten, Paketlieferungen oder Arbeiten jeglicher Art vermittelt. Allein in den letzten drei Jahren flossen weltweit \u00fcber 20 Milliarden Dollar an Risikokapital in Sharing-Economy-Start-ups.<\/p>\n<h2><strong>Mehr Auswahl, weniger Kosten<\/strong><\/h2>\n<p>F\u00fcr Konsumenten ist diese Entwicklung erfreulich. Die Sharing Economy erweitert nicht nur die Palette an G\u00fctern und Dienstleistungen, sie senkt auch die Such- und Transaktionskosten auf nahezu null: Ein Klick auf die App gen\u00fcgt, und der bestellte Fahrer steht in ein paar Minuten vor der T\u00fcr. Hinzu kommt, dass die Endpreise h\u00e4ufig deutlich tiefer liegen als bei herk\u00f6mmlichen Angeboten. Dabei setzen verifizierte Bewertungssysteme starke Anreize f\u00fcr vorbildliches Verhalten und sorgen f\u00fcr eine hohe Transparenz: Wer etwa eine schmutzige Wohnung vermietet oder einen riskanten Fahrstil hat, findet keine Nachfrager mehr. Aus dieser Selbstregulierung entsteht ein effizienter Konsumentenschutz.<\/p>\n<p>Es verwundert daher nicht, dass die Sharing Economy auch in der Schweiz Anklang findet: Gem\u00e4ss einer vom Beratungsunternehmen Deloitte im Jahr 2015 durchgef\u00fchrten repr\u00e4sentativen Konsumentenumfrage hat fast jeder F\u00fcnfte bereits G\u00fcter und Dienstleistungen \u00fcber Onlineplattformen geteilt, und in den n\u00e4chsten zw\u00f6lf\u00a0Monaten wird dies sogar mehr als jeder Zweite tun.<\/p>\n<h2><strong>Wachsender Widerstand<\/strong><\/h2>\n<p>Die Zukunftsaussichten sind allerdings nicht nur rosig. Das Wachstumspotenzial der Sharing Economy ist zwar gross, doch gleichzeitig w\u00e4chst auch der Widerstand, insbesondere aus den Reihen der bedrohten Unternehmen. Denn: Innovationen f\u00fchren zwangsl\u00e4ufig zu einem Strukturwandel \u2013 was in der Folge oftmals den Ruf nach staatlichen Eingriffen ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Es ist klar: Gewisse Anpassungen der staatlichen Rahmenbedingungen sind n\u00f6tig, um allf\u00e4llige Graubereiche zu regeln und Fehlverhalten zu unterbinden. Wer aber Sharing-Economy-Unternehmen mit einer Unmenge an neuen Vorschriften und Gesetzen einschr\u00e4nken oder gar verbieten will, verkennt einerseits die funktionierende Selbstregulierung und riskiert anderseits, die Innovationsdynamik und damit das Wachstumspotenzial im Keim zu ersticken. Statt f\u00fcr gleich lange Spiesse zwischen etablierten und neuen Unternehmen sollte der Staat deshalb vielmehr f\u00fcr gleich kurze Spiesse sorgen \u2013 die Konsumenten w\u00e4ren ihm daf\u00fcr dankbar.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Der Autor hat diesen Beitrag zusammen mit Luc Zobrist, Economic Analyst beim Beratungsunternehmen Deloitte, verfasst.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Egal ob Auto, Geld oder Wohnung: Immer mehr G\u00fcter und Dienstleistungen werden geteilt oder vermietet.\u00a0\u00abNutzen statt besitzen\u00bb lautet die Devise, nicht zuletzt aus \u00f6kologischen Gr\u00fcnden. 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