{"id":114103,"date":"2016-02-24T15:56:21","date_gmt":"2016-02-24T15:56:21","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/02\/buehlmann-03-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:11:33","modified_gmt":"2023-08-23T21:11:33","slug":"buehlmann-03-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/02\/buehlmann-03-2015\/","title":{"rendered":"Unternehmergeist schafft Arbeitspl\u00e4tze"},"content":{"rendered":"<p>Arbeitspl\u00e4tze sind zentral, um der Armut langfristig zu entkommen. F\u00fcr viele Menschen bieten sichere Jobs zudem eine Alternative zur Migration, was angesichts der gegenw\u00e4rtigen Auswanderungswellen besonders relevant ist. Auf globaler Ebene werden Arbeitspl\u00e4tze zunehmend als Instrument f\u00fcr die Armutsreduktion gesehen: Eines der UNO-Ziele f\u00fcr nachhaltige Entwicklung nach 2015 (Sustainable Development Goals, SDG) setzt genau dort an, indem es die produktive Vollbesch\u00e4ftigung und menschenw\u00fcrdige Arbeit f\u00fcr alle anstrebt.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Im Rahmen der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit setzt sich auch das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) in seinen Partnerl\u00e4ndern unter dem neuen Rahmenkredit (2017\u20132020) gezielt f\u00fcr die Schaffung von mehr und besseren Arbeitspl\u00e4tzen ein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWas als Konzept einfach zu verstehen ist, stellt die Akteure in der Praxis vor grosse Herausforderungen. Die Frage, wie mehr und bessere Stellen geschaffen werden k\u00f6nnen, besch\u00e4ftigt Forscher und Praktiker gleichermassen. Da weltweit jede neunte Stelle durch den Privatsektor generiert wird, kommt ihm unumstritten eine zentrale Rolle zu: Neu gegr\u00fcndete und etablierte Firmen, die wachsen, ben\u00f6tigen Personal und schaffen Arbeitspl\u00e4tze. Um dieses Wachstum zu erm\u00f6glichen, bedarf es einer Vielzahl an lokalen Unterst\u00fctzungsmechanismen, angefangen bei Finanzierungsm\u00f6glichkeiten bis hin zu Beratungsdienstleistungen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Erfahrene Unternehmer als Mentoren<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBis vor Kurzem war relativ wenig dar\u00fcber bekannt, wie Regierungen und Geber den N\u00e4hrboden \u2013 das sogenannte Entrepreneurship-Ecosystem (siehe <em>Kasten 1<\/em>) \u2013 verbessern und damit zur Entstehung von wachstumsorientierten Unternehmen (\u00abhigh growth entrepreneurs\u00bb) beitragen k\u00f6nnen. In den vergangenen Jahren haben sich Forscher und Praktiker zunehmend mit diesem Ecosystem befasst. Dabei suchten sie nach Wegen, den Boden f\u00fcr innovative Gesch\u00e4ftsideen fruchtbar zu machen, damit diese nicht nach kurzer Zeit welken, sondern sich nachhaltig entwickeln und etablieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Erfahrung des auf Entwicklungsl\u00e4nder spezialisierten US-Beratungsunternehmens J. E. Austin Associates (JAA) zeigt: Die Qualit\u00e4t des Ecosystems h\u00e4ngt prim\u00e4r von erfahrenen Unternehmern ab, welche Wissen, Erfahrung und Kontakte an Jungunternehmer weitergeben und bestenfalls selber in junge Firmen investieren. Jungunternehmer erhalten durch den generationen\u00fcbergreifenden Austausch ein tiefer gehendes Verst\u00e4ndnis von M\u00e4rkten, Technologien, Industrien, Managementstrategien, Finanzierungsm\u00f6glichkeiten und haben bessere Aussichten, schneller und nachhaltiger zu wachsen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Unternehmen durchlaufen drei Entwicklungsphasen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAktuelle Forschungsergebnisse st\u00fctzen diese Erkenntnis: Unternehmer, welche von Experten beraten werden, verzeichnen mehr als dreimal h\u00f6here Wachstumsraten. Solche Mentoren sind gr\u00f6sstenteils Einheimische, k\u00f6nnen aber auch Mitglieder einer Diaspora im Ausland sein. Analog zum Menschen k\u00f6nnen drei grobe Phasen der Unternehmensentwicklung unterschieden werden: Kindheit, Jugend- und Erwachsenenalter. Die m\u00f6glichen Formen des Mentoring richten sich danach aus und umfassen unter anderen \u00abInkubatoren\u00bb und \u00abAcceleratoren\u00bb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInkubatoren begleiten neu gegr\u00fcndete Start-ups \u2013 die Kinder \u2013 in ihrer Anfangsphase, indem sie ihnen B\u00fcror\u00e4ume und grundlegendes Wissen zur Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit vermitteln, bis sie auf eigenen F\u00fcssen stehen. Acceleratoren nehmen sich der \u00abJugendlichen\u00bb an: In diesem oftmals schwierigen Entwicklungsstadium haben die Unternehmen bereits erste erfolgreiche Schritte gemacht, brauchen aber weiterhin Begleitung, um sich nicht im Tagesgesch\u00e4ft zu verlieren und um ihre langfristigen Ziele im Auge zu behalten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWeiter f\u00fcr den Erfolg verantwortlich ist die \u00f6ffentliche Wahrnehmung der selbstst\u00e4ndigen Unternehmer. Denn: Nicht \u00fcberall werden Unternehmensgr\u00fcnder wie im kalifornischen Silicon Valley als Helden gefeiert. Vielmehr herrscht oft die Ansicht vor, dass sich nur Leute in die Selbstst\u00e4ndigkeit begeben, die keinen gut bezahlten Job finden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGeberfinanzierte Programme k\u00f6nnen das Entrepreneurship-Ecosystem, welches im Endeffekt ein \u00f6ffentliches Gut darstellt, entscheidend verbessern. Daf\u00fcr m\u00fcssen die Geber aktiv die Rolle des \u00abMatchmaker\u00bb \u00fcbernehmen und Unternehmer mit Potenzial mit den passenden Mentoren und Investoren verlinken. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen dank solcher Programme Lernplattformen und Finanzierungsmechanismen zur Verf\u00fcgung gestellt oder verbessert werden. Weitere Felder sind die Mentorenausbildung und die Aufkl\u00e4rung von Unternehmern \u00fcber entsprechende Angebote. Nicht zuletzt k\u00f6nnen die Programme via Medien auf eine verbesserte \u00f6ffentliche Wahrnehmung des Unternehmertums hinarbeiten.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Bund finanziert Entrepreneurship-Programm <\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Seco f\u00f6rdert Start-ups und bestehende Unternehmen mit dem \u00abSeco Entrepreneurship Program\u00bb (siehe <em>Kasten 2<\/em>), welches von der Schweizer Stiftung Swisscontact vor Ort umgesetzt wird. Der Fokus liegt auf Firmen mit Innovationskraft und hohem Wachstumspotenzial, die Arbeitspl\u00e4tze schaffen. In allen sechs L\u00e4ndern, in denen das Programm l\u00e4uft, besteht bereits heute eine Gr\u00fcnderszene, und verschiedene Organisationen f\u00fchren dort regelm\u00e4ssig Start-up-Events und Wettbewerbe durch. Eine erste Bestandsaufnahme zeigt jedoch, dass ohne weiterf\u00fchrende Unterst\u00fctzungsmechanismen der Weg zum erfolgreichen Unternehmen selbst f\u00fcr die Gewinner solcher Veranstaltungen h\u00e4ufig bereits nach kurzer Zeit wieder endet. Wegen fehlender fachlicher Unterst\u00fctzung oder nicht vorhandener finanzieller Mittel wachsen Gesch\u00e4ftsideen trotz Potenzial und Innovation oft kaum \u00fcber das Gr\u00fcndungsstadium heraus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGenau da setzt das Entrepreneurship-Programm an: Mit verschiedenen Interventionen sollen lokale Unterst\u00fctzungsangebote gest\u00e4rkt und verbessert werden, damit Unternehmer in Zukunft gezielter und \u00fcber verschiedene Entwicklungsphasen eines Start-ups hinweg unterst\u00fctzt werden. Durch die Zusammenarbeit mit Inkubatoren, Acceleratoren, Investoren und Medien verfolgt das Programm einen Ansatz, der zwar indirekt, daf\u00fcr aber nachhaltig ist. Durch die St\u00e4rkung des gesamten Ecosystems sollen die Unternehmer auch \u00fcber das Programmende hinaus profitieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Entrepreneurship-Programm stellt in erster Linie Expertise f\u00fcr die Entwicklung oder Weiterentwicklung von Angeboten in Partnerorganisationen zur Verf\u00fcgung. Die Schl\u00fcsselkomponenten sind der Aufbau von Netzwerken mit gut trainierten lokalen Mentoren (vgl. <em>Kasten 3<\/em>) und das Lernen in Peergruppen. Weil Frauen in den Gr\u00fcnderszenen der Ziell\u00e4nder unterrepr\u00e4sentiert sind, sind spezifische Angebote f\u00fcr Unternehmerinnen mit innovativen Gesch\u00e4ftsideen geplant.&#13;<\/p>\n<h2>Potenzielle Investoren \u2013 auch aus der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Suche nach Partnerorganisationen hat bereits gezeigt, dass einige noch nicht auf einer stabilen Basis stehen. Hier unterst\u00fctzt das Entrepreneurship-Programm die Partner bei der Entwicklung eines nachhaltigeren Gesch\u00e4ftsmodells, das nicht ausschliesslich auf staatliche F\u00f6rdergelder oder Beitragszahlungen von Firmengr\u00fcndern abst\u00fctzt. Denn: Letztere sollen schliesslich profitieren k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSogenanntes Seed-Kapital, das in der fr\u00fchen Entwicklungsphase von Start-ups dazu dient, eine Gesch\u00e4ftsidee ausreifen zu lassen, ist f\u00fcr den Erfolg entscheidend, da Banken Jungunternehmen wegen des hohen Risikos oft keine Kredite gew\u00e4hren. Zudem verf\u00fcgen die Firmengr\u00fcnder selten \u00fcber Mittel f\u00fcr eine Eigenfinanzierung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn Schulungen sensibilisieren Experten deshalb potenzielle private Investoren. Weiter will das Entrepreneurship-Programm mit komplement\u00e4ren Finanzierungsmodellen zur Risikominimierung zus\u00e4tzliche Investitionen stimulieren. Potenzial verspricht sich das Programm zudem durch die Aktivierung der Diaspora in der Schweiz und in anderen L\u00e4ndern: Erfolgreiche Unternehmer und Berufsleute mit Wurzeln in einem der Ziell\u00e4nder sollen als Mentoren oder Investoren gewonnen werden. Auf die Resultate dieser Bem\u00fchungen darf man gespannt sein, denn der programmatische Versuch einer B\u00fcndelung privater Ressourcen aus der Diaspora f\u00fcr die wirtschaftliche F\u00f6rderung ausserhalb von Familienstrukturen ist ein Novum.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">SDG 8, <a href='https:\/\/sustainabledevelopment.un.org\/sdgs' target=\"_blank\">mehr unter<\/a> Sustainabledevelopment.un.org.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeitspl\u00e4tze sind zentral, um der Armut langfristig zu entkommen. 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