{"id":114120,"date":"2016-02-24T15:54:13","date_gmt":"2016-02-24T15:54:13","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/02\/spoerri-03-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:10:53","modified_gmt":"2023-08-23T21:10:53","slug":"spoerri-03-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/02\/spoerri-03-2016\/","title":{"rendered":"Ein Plan f\u00fcr S\u00fcdafrikas Armenviertel"},"content":{"rendered":"<p>St\u00e4dte sind in S\u00fcdafrika die Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung. Das damit zusammenh\u00e4ngende Bev\u00f6lkerungswachstum macht eine weitsichtige Planung unabdingbar. Dazu sind jedoch starke Institutionen und qualitativ hochstehende \u00f6ffentliche Dienstleistungen notwendig.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn Grossst\u00e4dten wie Johannesburg, Durban oder Kapstadt sind die \u00f6ffentlichen Institutionen und Dienstleistungen durch die starke r\u00e4umliche Segregation geschw\u00e4cht. Diese wurde durch die Apartheid geschaffen und hinterl\u00e4sst bis heute Spuren. Die arme (meist schwarze) Bev\u00f6lkerung lebt in einfachen H\u00fctten in sogenannten informellen Siedlungen: Dies sind Armenviertel am Stadtrand, welche nur ungen\u00fcgend mit Basisdienstleistungen versorgt werden und weit abgelegen von den wichtigsten Arbeitspl\u00e4tzen sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Herausforderung zeigt sich in Kapstadt exemplarisch, wo bereits jeder f\u00fcnfte Stadtbewohner in informellen Siedlungen lebt. Eine der gr\u00f6ssten Schwierigkeiten in diesen Quartieren ist das rasche Bev\u00f6lkerungswachstum. Trotz der Bem\u00fchungen, der Bev\u00f6lkerung neue Sozialwohnungen zur Verf\u00fcgung zu stellen, hinkt die Baut\u00e4tigkeit der Nachfrage hinterher.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDadurch entsteht ein Teufelskreis: Die Lebensqualit\u00e4t nimmt mit steigender Bev\u00f6lkerung ab, und die Erbringung der Grundversorgung wird erschwert. So haben 14 Prozent der Bev\u00f6lkerung von Kapstadt keinen Zugang zu sanit\u00e4ren Anlagen, und jeder vierte Einwohner lebt ohne Stromanschluss.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHinzu kommt, dass die Stadt generell M\u00fche bekundet, komplexe Projekte umzusetzen. Ein Grund daf\u00fcr sind unkoordinierte Verwaltungsabl\u00e4ufe: So sind oftmals mehrere \u00c4mter gleichzeitig involviert, was zu mangelhafter Budgetkontrolle und unklaren Verantwortlichkeiten f\u00fchren kann.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Kanalisation und \u00f6ffentlicher Verkehr als Grundlage<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDiese Herausforderungen werden von der s\u00fcdafrikanischen Regierung unter anderem durch das City-Support-Programm angegangen. Dieses hat zum Ziel, dass die acht gr\u00f6ssten s\u00fcdafrikanischen Metropolitanregionen nachhaltig wachsen und damit wettbewerbsf\u00e4higer und finanziell effizienter verwaltet werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDank einer innovativen und nachhaltigen Planung der \u00f6ffentlichen Finanzen und der st\u00e4dtischen Infrastruktur werden die Qualit\u00e4t und der Zugang zu \u00f6ffentlichen Dienstleistungen (z. B. im Wasser- und Abwassersektor) verbessert, wovon insbesondere die \u00e4rmsten Bev\u00f6lkerungsschichten profitieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWeitere Schwerpunkte sind Verbesserungen des \u00f6ffentlichen Transports und der Rahmenbedingungen f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen. Das Projekt setzt nicht nur in den einzelnen St\u00e4dten an, sondern ist direkt mit der nationalen Ebene \u2013 dem Finanzministerium \u2013 verkn\u00fcpft. Aus einzelnen Interventionen k\u00f6nnen so die Lehren f\u00fcr das ganze Land gezogen werden und in nationale Politikmassnahmen m\u00fcnden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Rahmen des Programms wurde die Expertise der Weltbank beigezogen. F\u00fcr Kapstadt schl\u00e4gt diese vor, die technischen Kenntnisse und das Wissen der st\u00e4dtischen Mitarbeiter zu st\u00e4rken und bei den \u00f6ffentlichen Dienstleistungen in informellen Siedlungen die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Verwaltungseinheiten der Stadt zu verbessern.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Interdisziplin\u00e4re Teams in der Stadtverwaltung<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit Juli 2015 unterst\u00fctzt das Seco im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit (siehe <em>Kasten 1<\/em>) das City-Support-Programm. Dank diesem Projekt ist Kapstadt besser ger\u00fcstet, die Grundversorgung in armen Stadtgebieten zu verbessern. Eine Zusammenarbeit \u00fcber die Verwaltungseinheiten hinweg hilft, die Planung und Umsetzung solcher Projekte \u00fcber ein koordiniertes Vorgehen zu verbessern. Gem\u00e4ss diesem Ansatz bringt die Weltbank die involvierten \u00c4mter an einen Tisch und unterst\u00fctzt die Bildung von interdisziplin\u00e4ren Teams, die \u00fcber die Grenzen der Departemente hinweg kooperieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie st\u00e4dtischen Mitarbeiter werden dazu in Trainings geschult. Denn: Effiziente Planungs- und Budgetprozesse gew\u00e4hrleisten die Grundversorgung in den informellen Siedlungen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas City-Support-Programm st\u00e4rkt somit die Institutionen und Dienstleistungen in den s\u00fcdafrikanischen St\u00e4dten. Dies manifestiert sich unter anderem in gesunden \u00f6ffentlichen Finanzen, mit welchen die n\u00f6tigen staatlichen Ausgaben finanziert werden, sowie in einer funktionierenden Infrastruktur mit Basisdienstleistungen f\u00fcr Bev\u00f6lkerung und Wirtschaft. Starke Institutionen f\u00fchren letztlich zu einem inklusiven Wachstum und damit zu einer Reduktion der Armut.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Engagement der Schweiz in den s\u00fcdafrikanischen St\u00e4dten ist bereits auf die Seco-Strategie 2017\u20132020 als Teil der neuen Bundesratsbotschaft \u00fcber die Internationale Zusammenarbeit ausgerichtet. <a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>\u00a0Diese sieht wirksame Institutionen und Dienstleistungen auch in Zukunft als wichtige Pfeiler f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Artikel von Patrick Stadler (Seco) in dieser Ausgabe.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>St\u00e4dte sind in S\u00fcdafrika die Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung. 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Nur eine effiziente \u00f6ffentliche Verwaltung kann die dringend ben\u00f6tigte Infrastruktur bereitstellen. Hier setzt die Entwicklungspolitik des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft an.","post_hero_image_description":"M\u00e4dchen tr\u00e4gt einen Eimer mit Wasser in ihre Wohnung im Armenviertel Nyanga in Kapstadt. Viele H\u00fctten verf\u00fcgen \u00fcber keinen Wasseranschluss.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":[{"kasten_title":"Strategie des Seco in S\u00fcdafrika","kasten_box":"Seit 2009 ist S\u00fcdafrika ein Partnerland des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco). Die Seco-Strategie f\u00fcr S\u00fcdafrika 2013\u20132016 definiert folgende Bereiche f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit:&#13;\n<ul>&#13;\n\t<li>Standortf\u00f6rderung von s\u00fcdafrikanischen St\u00e4dten und Regionen;<\/li>&#13;\n\t<li>klimafreundliches Wachstum;<\/li>&#13;\n\t<li>S\u00fcdafrika als Wirtschaftsmotor der Subsahara-Region st\u00e4rken.<\/li>&#13;\n<\/ul>&#13;\nDem Bund steht f\u00fcr die Umsetzung von Projekten und Programmen im Rahmen der Kooperationsstrategie f\u00fcr S\u00fcdafrika (2013\u20132016) ein Budget von rund 60 Millionen Franken zur Verf\u00fcgung. F\u00fcr die Jahre 2017 bis 2020 ist eine neue L\u00e4nderstrategie f\u00fcr S\u00fcdafrika geplant, welche sich an der neuen Botschaft \u00fcber die Internationale Zusammenarbeit orientiert und die Themenschwerpunkte der bisherigen Strategie weiter st\u00e4rkt."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":114123,"main_focus":[156530,157185],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":114127,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"46190","post_abstract":"Die Schweiz will in afrikanischen St\u00e4dten die Institutionen st\u00e4rken. Das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft unterst\u00fctzt deshalb das von der s\u00fcdafrikanischen Regierung entwickelte City-Support-Programm, welches die Abl\u00e4ufe in den Stadtverwaltungen optimiert. Gerade f\u00fcr die stark wachsenden Armenviertel ist das entscheidend. Denn viele Haushalte in diesen \u00abinformellen Siedlungen\u00bb verf\u00fcgen \u00fcber keinen Strom- oder Wasseranschluss. 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