{"id":114197,"date":"2016-02-24T15:30:21","date_gmt":"2016-02-24T15:30:21","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/02\/linterdiction-des-moyens-de-contraception-a-manille\/"},"modified":"2023-08-23T23:11:16","modified_gmt":"2023-08-23T21:11:16","slug":"artikel-dumas-deutsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/02\/artikel-dumas-deutsch\/","title":{"rendered":"Das Verbot von Verh\u00fctungsmitteln in Manila"},"content":{"rendered":"<p>Viele arme L\u00e4nder sehen sich mit einer Bev\u00f6lkerungsexplosion konfrontiert. Diese ist auf weiterhin hohe Geburtenraten zur\u00fcckzuf\u00fchren, w\u00e4hrend die Sterberaten dank den medizinischen Fortschritten und einer besseren Hygiene deutlich zur\u00fcckgegangen sind. F\u00fcr diese Entwicklung der Geburtenraten gibt es mehrere Gr\u00fcnde: Selbst wenn jede Frau weniger Kinder zur Welt bringt, bleibt der Anteil der Geburten pro tausend Einwohner sehr hoch, wenn die Bev\u00f6lkerung insgesamt jung \u2013 d.\u00a0h. im fortpflanzungsf\u00e4higen Alter \u2013 ist. Zu einer solchen Ausgangslage kommt es, wenn die Geburtenrate die Sterberate \u00fcbersteigt und so dieses Ph\u00e4nomen aufrechterh\u00e4lt. Die Bev\u00f6lkerung in den Entwicklungsl\u00e4ndern ist deutlich j\u00fcnger als in den Industriel\u00e4ndern: Ein Drittel der Einwohnerinnen und Einwohner ist weniger als 15\u00a0Jahre alt. Zudem ist die Geburtenkontrolle f\u00fcr viele Frauen schwierig. Entweder weil sie keinen Zugang zu verl\u00e4sslichen Verh\u00fctungsmethoden haben oder weil ihr Ehemann jegliche Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung ablehnt. In armen L\u00e4ndern haben Frauen im Durchschnitt ein Kind mehr als gew\u00fcnscht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTrotzdem wird der Zugang zu Verh\u00fctungsmitteln in einigen L\u00e4ndern oder an bestimmten Orten eingeschr\u00e4nkt. So hat in Manila, der Hauptstadt der Philippinen, der Stadtpr\u00e4sident nach seiner Wahl 1998 beschlossen, die Abgabe von empf\u00e4ngnisverh\u00fctenden Mitteln in den \u00f6ffentlichen Gesundheitszentren zu verbieten. W\u00e4hrend sich die Frauen zuvor zu sehr tiefen Kosten die Pille oder Verh\u00fctungsimplantate beschaffen konnten, ist ihnen der Zugang zu den gew\u00fcnschten Verh\u00fctungsmitteln seither verwehrt.&#13;<\/p>\n<h2>Eine Einschr\u00e4nkung mit gravierenden Folgen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn einem Arbeitspapier<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>\u00a0haben wir k\u00fcrzlich untersucht, wie sich das Verbot von Verh\u00fctungsmitteln auf die Bildung der Kinder auswirkt. Ein Vergleich zwischen Manila und den Nachbargemeinden hat Folgendes ergeben: In der Hauptstadt, die einen h\u00f6heren Entwicklungsstand aufweist als der Rest des Landes, wurden vor der Einf\u00fchrung des Verbots mehr Verh\u00fctungsmittel benutzt als in den anderen Gemeinden. Doch im Verlauf der Nullerjahre haben diese Gemeinden ihren R\u00fcckstand gegen\u00fcber Manila aufgeholt. Dies liegt daran, dass die Bewohnerinnen der Hauptstadt Schwierigkeiten haben, sich Verh\u00fctungsmittel zu beschaffen. Die Geburtenzahl steigt an, vor allem bei den j\u00fcngsten und somit fruchtbarsten Frauen. Dies hat sofortige Folgen: Die Zunahme der Kinderzahl pro Frau geht mit einem R\u00fcckgang des Bildungsniveaus einher. Die gesch\u00e4tzte Wirkung ist sogar verh\u00e4ltnism\u00e4ssig stark: Ein zus\u00e4tzliches Kind erh\u00f6ht die Wahrscheinlichkeit, dass das \u00e4lteste Geschwister eine Klasse wiederholen muss, um 13 Prozent. Dies liegt haupts\u00e4chlich daran, dass bei mehr Geschwistern weniger Ressourcen pro Kind zur Verf\u00fcgung stehen. Dabei geht es nicht nur um die finanziellen Mittel, sondern auch um die Zeit und die Aufmerksamkeit, die Eltern f\u00fcr ihre Kinder aufbringen k\u00f6nnen. Entsprechend verringern sich die Chancen auf schulischen Erfolg: entweder weil die Eltern das Schulgeld nicht bezahlen k\u00f6nnen oder weil die Mutter nicht in der Lage ist, den bereits eingeschulten Kindern zu helfen, da sie von ihren j\u00fcngeren Kindern vereinnahmt wird. Eine solche Politik wirkt sich somit negativ auf das Wohl der Frauen und auf die Bildung ihrer Kinder aus. L\u00e4ngerfristig werden dadurch auch die Einkommen abnehmen. Und letztlich leiden auch die menschliche Entwicklung und das wirtschaftliche Wachstum unter diesem Verbot.&#13;<\/p>\n<h2>Die Forschungst\u00e4tigkeit fortsetzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDeshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass der Zugang zu Verh\u00fctungsmitteln ausgebaut wird und mehr Informationen zu den Methoden zur Verf\u00fcgung stehen, die optimal auf die Bed\u00fcrfnisse der Frauen abgestimmt sind. In meiner neuesten Forschung besch\u00e4ftige ich mich mit dem Zugang zu Verh\u00fctungsmitteln in Indien. Die Sterilisation bei Frauen ist dort das h\u00e4ufigste Mittel zur Geburtenkontrolle. Dies wirft grundlegende Fragen zu den Menschenrechten, zur Gesundheit der M\u00fctter und der Rolle des Staates auf.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Diese Arbeit wurde in Zusammenarbeit mit Arnaud Lefranc verfasst: Sex in Marriage Is a Divine Gift: For Whom? Evidence from the Manila Contraceptive Ban, IZA Working Paper, 7503, 2013.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele arme L\u00e4nder sehen sich mit einer Bev\u00f6lkerungsexplosion konfrontiert. Diese ist auf weiterhin hohe Geburtenraten zur\u00fcckzuf\u00fchren, w\u00e4hrend die Sterberaten dank den medizinischen Fortschritten und einer besseren Hygiene deutlich zur\u00fcckgegangen sind. 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