{"id":114211,"date":"2016-02-24T15:06:50","date_gmt":"2016-02-24T15:06:50","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/02\/stern-03-2016\/"},"modified":"2023-08-23T23:10:53","modified_gmt":"2023-08-23T21:10:53","slug":"stern-03-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/02\/stern-03-2016\/","title":{"rendered":"Die Mehrheit der Unternehmen begr\u00fcsst Lohngleichheitsanalysen"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Scheitern des freiwilligen Lohngleichheitsdialogs m\u00f6chte der Bundesrat die Lohngleichheit zwischen Frauen und M\u00e4nnern mit zus\u00e4tzlichen Massnahmen auf Gesetzesstufe durchsetzen. So ist in der Vorlage zur \u00c4nderung des Gleichstellungsgesetzes etwa vorgesehen, dass Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden in regelm\u00e4ssigen Abst\u00e4nden eine Lohngleichheitsanalyse durchf\u00fchren m\u00fcssen, um die Lohngleichheit zwischen M\u00e4nnern und Frauen zu untersuchen. Zudem m\u00fcssen die Unternehmen eine unabh\u00e4ngige Pr\u00fcfstelle beauftragen, um die durchgef\u00fchrte Lohngleichheitsanalyse zu kontrollieren, und im Anschluss die Mitarbeitenden \u00fcber das Ergebnis informieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Durchf\u00fchrung der Lohngleichheitsanalyse stellt der Bund den Unternehmen kostenlos das Analyseinstrument Logib zur Verf\u00fcgung. Logib vergleicht die L\u00f6hne von Frauen und M\u00e4nnern mit gleichen Voraussetzungen mittels statistischer Regression und zeigt, ob es im Unternehmen unerkl\u00e4rte Lohnunterschiede gibt. Gem\u00e4ss Vorlage k\u00f6nnen auch andere anerkannte Analysemethoden verwendet werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Auftrag des Bundesamtes f\u00fcr Justiz hat das Beratungsunternehmen Infras eine Regulierungsfolgeabsch\u00e4tzung durchgef\u00fchrt (siehe <em>Kasten<\/em>). Das Ziel war es, die Auswirkungen der geplanten staatlichen Massnahmen auf die Unternehmen und die Volkswirtschaft sowie auf die Verringerung der Lohndiskriminierung absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen und m\u00f6gliche Optimierungsm\u00f6glichkeiten zu liefern.&#13;<\/p>\n<h2>Lob und Kritik an Logib<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Hauptstossrichtung der geplanten staatlichen Massnahmen besteht darin, dass Unternehmen mit 50 oder mehr Mitarbeitenden verpflichtet werden, periodisch eine betriebsinterne Lohnanalyse durchzuf\u00fchren und diese durch Dritte kontrollieren zu lassen. Gem\u00e4ss unseren Befragungen finden rund zwei Drittel der befragten Unternehmen die geplanten Massnahmen grunds\u00e4tzlich sinnvoll (siehe A<em>bbildung 1<\/em>). Die gr\u00f6ssten Bedenken der Unternehmen betreffen den erwarteten administrativen Mehraufwand.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abbildung 1: So beurteilen Unternehmen Lohngleichheitsanalysen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--minimal\" id=\"stern_abb1\"><\/div>\n<script>\n$(function () {\n    $('#stern_abb1').highcharts({\n        chart: {\n            type: 'bar'\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        },\ntooltip: {\n            valueSuffix: ' %'\n        },\n        xAxis: {\n            categories: ['mittlere Unternehmen <br> (50\u2013249 Mitarbeitende)', 'grosse Unternehmen<br> (250\u2013999 Mitarbeitende)', 'sehr grosse Unternehmen<br> (>=1000 Mitarbeitende)']\n        },\n        yAxis: {\n            min: 0,\n            title: {\n                text: 'Anteil Unternehmen'\n            },\n  labels: {\n                format: '{value}%'\n            }\n        },\n\n\n        legend: {\n            reversed: true\n        },\n        plotOptions: {\n            series: {\n                stacking: 'percent'\n            }\n        },\n        series: [{\n            name: 'weiss nicht',\n            data: [6, 5, 3],\ncolor: '#88c0d3'\n\n        },{\n            name: '\u00fcberhaupt nicht sinnvoll',\n            data: [11, 11, 13],\ncolor: '#e84066'\n\n        },\n        {\n            name: 'weniger sinnvoll',\n            data: [19, 16, 23],\ncolor: '#ee7452'\n\n        },\n        {\n            name: 'eher sinnvoll',\n            data: [40, 48, 52],\ncolor: '#d2d803'\n\n        },{\n            name: 'sehr sinnvoll',\n            data: [24, 19, 10],\ncolor: '#ffdd0c'\n        } ]\n    });\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">In der Onlinebefragung wurden Unternehmen, die noch keine Lohngleichheitsanalyse durchgef\u00fchrt haben, gefragt: \u00abFinden Sie eine Analyse der Lohnpraxis in Bezug auf die Gleichstellung von Frauen und M\u00e4nnern sinnvoll?\u00bb (Anzahl befragte Unternehmen = 954, davon 732 mittlere, 191 grosse und 31 sehr grosse Unternehmen).<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Stern et al. (2015) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch das vom Bund bereitgestellte Analysetool Logib wird von den befragten Unternehmen in der Mehrheit positiv beurteilt (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Gesch\u00e4tzt wird vor allem die Einfachheit des Instruments. Es gibt jedoch auch Kritik an Logib, insbesondere in Bezug auf die grobe Abbildung von Funktionsstufen. Weiter wird kritisiert, dass die Leistung oder Performance der Mitarbeitenden in der Analyse nicht ber\u00fccksichtigt wird. Viele befragte Experten<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>\u00a0w\u00fcrden es deshalb begr\u00fcssen, wenn neben Logib auch andere Analysemethoden zugelassen w\u00fcrden, wie es die Vorlage nun auch vorsieht.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abbildung 2: So beurteilen Unternehmen das Standardinstrument f\u00fcr Lohngleichheitsanalysen (LGA) Logib<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--minimal\" id=\"stern_abb2\"><\/div>\n<script>\n\n$(function () {\n    $('#stern_abb2').highcharts({\n        chart: {\n            type: 'bar'\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        xAxis: {\n            categories: ['Unternehmen ohne Erfahrung LGA', 'Unternehmen mit Erfahrung LGA']\n        },\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ' %'\n        },\n        yAxis: {\n            min: 0,\n            title: {\n                text: 'Anteil Unternehmen'\n            },\n  labels: {\n                format: '{value}%'\n            }\n        },\n\n\n        legend: {\n            reversed: true\n        },\n        plotOptions: {\n            series: {\n                stacking: 'percent'\n            }\n        },\n        series: [{\n            name: 'weiss nicht',\n            data: [30, 17],\ncolor: '#88c0d3'\n\n        },{\n            name: '\u00fcberhaupt nicht geeignet',\n            data: [4, 6,],\ncolor: '#e84066'\n\n        },\n        {\n            name: 'weniger geeignet',\n            data: [9, 13],\ncolor: '#ee7452'\n\n        },\n        {\n            name: 'eher geeignet',\n            data: [49, 55],\ncolor: '#d2d803'\n\n        },{\n            name: 'sehr geeignet',\n            data: [8, 9],\ncolor: '#ffdd0c'\n        } ]\n    });\n});\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--minimal\" id=\"stern_abb21de\"><\/div>\n<script>\n\n$(function () {\n    $('#stern_abb21de').highcharts({\n        chart: {\n            type: 'bar'\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        xAxis: {\n            categories: ['mittlere Unternehmen<br> (50\u2013249 Mitarbeitende)', 'grosse Unternehmen<br> (250\u2013999 Mitarbeitende)', 'sehr grosse Unternehmen<br> (>=1000 Mitarbeitende)']\n        },\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ' %'\n        },\n        yAxis: {\n            min: 0,\n            title: {\n                text: 'Anteil Unternehmen'\n            },\n  labels: {\n                format: '{value}%'\n            }\n        },\n\n\n        legend: {\n            reversed: true\n        },\n        plotOptions: {\n            series: {\n                stacking: 'percent'\n            }\n        },\n        series: [{\n            name: 'weiss nicht',\n            data: [30, 20,13],\ncolor: '#88c0d3'\n\n        },{\n            name: '\u00fcberhaupt nicht geeignet',\n            data: [4, 3,7],\ncolor: '#e84066'\n\n        },\n        {\n            name: 'weniger geeignet',\n            data: [8, 13,23],\ncolor: '#ee7452'\n\n        },\n        {\n            name: 'eher geeignet',\n            data: [50, 56,51],\ncolor: '#d2d803'\n\n        },{\n            name: 'sehr geeignet',\n            data: [8, 8,7],\ncolor: '#ffdd0c'\n        } ]\n    });\n});\n\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">In der Onlinebefragung wurden die Unternehmen gefragt: \u00abEin Teil der Lohndifferenzen zwischen Frauen und M\u00e4nnern kann durch verschiedene Faktoren erkl\u00e4rt werden. Im Fall des Standard-Analysemodells werden die folgenden Faktoren ber\u00fccksichtigt, um Lohndifferenzen zu erkl\u00e4ren: Ausbildungsniveau, potenzielle Erwerbserfahrung (d. h. ohne evtl. Erwerbsunterbr\u00fcche), Dienstalter, Anforderungsniveau der ausge\u00fcbten beruflichen T\u00e4tigkeit, berufliche Stellung: Als wie geeignet beurteilen Sie dieses Modell, um nicht gerechtfertigte Lohnungleichheiten zwischen Frauen und M\u00e4nnern im Unternehmen aufzudecken?\u00bb<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Auswertung nach Erfahrung Lohngleichheitsanalysen: (Anzahl befragte Unternehmen = 1082, davon 731 ohne Erfahrung und 351 mit Erfahrung).<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Auswertung nach Gr\u00f6sse des Unternehmens: (Anzahl befragte Unternehmen = 1\u2018300, davon 911 mittlere, 301 grosse und 88 sehr grosse Unternehmen).<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Stern et al. (2015) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Zwei bis acht Tage zus\u00e4tzlicher Aufwand<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMittlere Unternehmen mit 50 bis 249 Mitarbeitern, welche Erfahrung mit Logib haben, sch\u00e4tzen den Durchf\u00fchrungsaufwand auf 2 Tage. Grosse Unternehmen mit 250 bis 999 Mitarbeitern rechnen daf\u00fcr mit 3 Tagen und sehr grosse Unternehmen mit \u00fcber 1000 Mitarbeitern mit einem Arbeitsaufwand von 8 Tagen. Insgesamt belaufen sich die Umsetzungskosten f\u00fcr alle Schweizer Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden bei der ersten Durchf\u00fchrung auf rund 18 Millionen Franken. Die H\u00f6he des Aufwands h\u00e4ngt stark von den Voraussetzungen in den Unternehmen ab, beispielsweise ob sie \u00fcber eine ausformulierte Lohnpolitik verf\u00fcgen und in welchem Umfang und welcher Qualit\u00e4t sie ihre Personaldaten erfassen. Der gr\u00f6sste Aufwand entsteht bei der Datenaufbereitung und der Interpretation der Ergebnisse der Lohngleichheitsanalyse mit Logib. Bei einer wiederholten Durchf\u00fchrung \u2013 z. B. alle vier Jahre \u2013 d\u00fcrfte sich der Aufwand um rund die H\u00e4lfte auf 9 Millionen Franken pro Durchf\u00fchrung reduzieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung der Lohngleichheitsanalysen entsteht bei den Pr\u00fcfstellen ein weiterer Aufwand von circa\u00a0einem halben bis einem ganzen Arbeitstag pro gepr\u00fcftem Unternehmen. Insgesamt belaufen sich die Kosten der Pr\u00fcfstellen auf rund 4 Millionen Franken pro Durchf\u00fchrung. Der mit der Gesetzesvorlage verbundene Aufwand der Beh\u00f6rden h\u00e4ngt stark von der Ausgestaltung des Zulassungsverfahrens f\u00fcr die Pr\u00fcfstellen ab und konnte deshalb im Rahmen dieser Regulierungsfolgenabsch\u00e4tzung nicht quantitativ abgesch\u00e4tzt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Die H\u00e4lfte der Unternehmen passt Frauenl\u00f6hne an<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie geplanten Massnahmen w\u00fcrden rund 2 Prozent der Unternehmen und 54 Prozent der Besch\u00e4ftigten in der Schweiz betreffen. Bei den befragten Unternehmen, welche bereits auf freiwilliger Basis eine Lohngleichheitsanalyse durchgef\u00fchrt haben, hat die H\u00e4lfte in der Folge die L\u00f6hne der Frauen angepasst.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss einer sehr groben Sch\u00e4tzung d\u00fcrfte sich der Umfang der Lohnanpassungen bei\u00a0Frauen mittelfristig auf 1 Milliarde Franken belaufen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>\u00a0Grundlage der Sch\u00e4tzung bilden die von Donz\u00e9 (2013) im Auftrag des Bundesamts f\u00fcr Statistik berechneten nicht erkl\u00e4rten Lohnunterschiede je Wirtschaftsbranche. Gem\u00e4ss dieser Studie betr\u00e4gt der nicht erkl\u00e4rte Anteil der Lohndifferenz zwischen M\u00e4nnern und Frauen in der gesamten Privatwirtschaft rund 8,7 Prozent. Bei diesem Anteil besteht der Verdacht, dass es sich um unbegr\u00fcndete Lohndiskriminierung handelt.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVolkswirtschaftlich gesehen handelt es sich bei diesen Lohnanpassungen nicht um eigentliche Regulierungskosten, sondern um einen Umverteilungseffekt zugunsten der Frauenl\u00f6hne. Kurzfristig kann es \u00dcbergangskosten geben, falls die Unternehmen gr\u00f6ssere Lohnanpassungen innerhalb einer kurzen Frist umsetzen m\u00fcssen. Dies kann aber abgemildert werden, indem den Unternehmen gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr die Anpassungen einger\u00e4umt wird. Die n\u00f6tigen Lohnanpassungen sind laut den befragten Unternehmen und Experten in der Regel im Rahmen der normalen Lohnrunden umsetzbar. Bei gr\u00f6sseren Anpassungen braucht es laut Experten eine l\u00e4ngere Umsetzungsfrist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUnternehmen, die bereits Lohngleichheitsanalysen durchgef\u00fchrt haben, berichten mehrheitlich von positiven Auswirkungen. So kann eine Lohngleichheitsanalyse die Diskussion \u00fcber L\u00f6hne versachlichen und diesbez\u00fcglich mehr Transparenz schaffen. Sie f\u00f6rdert auch die Motivation, die Zufriedenheit und die Produktivit\u00e4t der Besch\u00e4ftigten. Unternehmen, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, k\u00f6nnen potenziell auch negative Folgen der geplanten Massnahmen zu sp\u00fcren bekommen, indem sie z. B. vom \u00f6ffentlichen Beschaffungswesen ausgeschlossen werden.&#13;<\/p>\n<h2>Zur F\u00f6rderung der Erwerbst\u00e4tigkeit von Frauen nicht ausreichend<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch aus einer gesamtwirtschaftlichen Perspektive scheinen die geplanten Massnahmen sinnvoll. Laut empirischen Studien aus anderen L\u00e4ndern d\u00fcrfte sich die Lohngleichheit positiv auf Wohlfahrt und Wirtschaftswachstum auswirken. Dies in erster Linie \u00fcber Produktivit\u00e4tseffekte und vermiedene Wettbewerbsverzerrungen. Bez\u00fcglich der gesamtwirtschaftlichen Nettobesch\u00e4ftigungswirkung einer durchgesetzten Lohngleichheit sind die empirischen Ergebnisse hingegen nicht einheitlich. Es gibt sowohl Studien, die positive, wie auch solche, die negative Wirkungen auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen zeigen. Strukturelle Rahmenbedingungen, wie die Verf\u00fcgbarkeit von bezahlbaren und qualitativ guten Kinderbetreuungsangeboten, d\u00fcrften einen weit st\u00e4rkeren Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen haben als die Verminderung der Lohndiskriminierung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nLohndiskriminierung ist in der \u00f6konomischen Perspektive eine Folge von Marktversagen, das dazu f\u00fchrt, dass der Produktionsfaktor Arbeit nicht effizient eingesetzt wird. Studien auf internationaler Ebene weisen darauf hin, dass die mit Lohndiskriminierung verbundenen Wohlfahrtsverluste quantitativ bedeutend sein d\u00fcrften. Es ist deshalb aus \u00f6konomischer Sicht sinnvoll, wenn dieses Marktversagen durch eine geeignete Regulierung so weit wie m\u00f6glich verhindert wird. Dabei ist es wichtig, eine m\u00f6glichst schlanke und wirksame Regulierung umzusetzen, damit die erzielbaren Nettowohlfahrtseffekte auch tats\u00e4chlich positiv sind.&#13;<\/p>\n<h2>Unternehmen brauchen gen\u00fcgend Spielraum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus unserer Sicht scheint es besonders wichtig, den Unternehmen gen\u00fcgend grossen Spielraum zu lassen und nicht zu starre Vorgaben zu machen. Die Unternehmen praktizieren in der Regel nicht bewusst direkte Lohndiskriminierungen. Diese erfolgen eher auf unbewusste und indirekte Weise. Es d\u00fcrfte deshalb bereits ein grosser Schritt in die richtige Richtung bedeuten, wenn sich die Unternehmen mit dem Thema Lohngleichheit vertieft auseinandersetzen und ihre Lohnsysteme kritisch unter die Lupe nehmen. Dies kann erreicht werden, indem die Unternehmen aus verschiedenen Analysemethoden ausw\u00e4hlen k\u00f6nnen und in ihren Bem\u00fchungen m\u00f6glichst gut unterst\u00fctzt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Aus Gr\u00fcnden der einfacheren Lesbarkeit wird im Folgenden f\u00fcr beide Geschlechter die m\u00e4nnliche Form verwendet.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Die Sch\u00e4tzung geht von einer heute geltenden Toleranzschwelle von 5 Prozent nicht erkl\u00e4rter Lohnungleichheit aus.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe auch Infras und Universit\u00e4t St. Gallen (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Scheitern des freiwilligen Lohngleichheitsdialogs m\u00f6chte der Bundesrat die Lohngleichheit zwischen Frauen und M\u00e4nnern mit zus\u00e4tzlichen Massnahmen auf Gesetzesstufe durchsetzen. 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Viele Unternehmen sprechen sich daf\u00fcr aus. Auch aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive scheint die Massnahme sinnvoll.","post_hero_image_description":"Studien zufolge wirkt sich die Lohngleichheit zwischen M\u00e4nnern und Frauen positiv auf die Wohlfahrt und das Wirtschaftswachstum aus.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"<ul>&#13;\n\t<li>Donz\u00e9 L. (2013). Analyse des salaires des femmes et des hommes sur la base des enqu\u00eates sur la structure des salaires 2008 et 2010, Fribourg.<\/li>&#13;\n\t<li>Stern, S.; J. Trageser; A. Schultheiss; B. Ruegge und R. Iten (Infras) (2015). Regulierungsfolgenabsch\u00e4tzung zu den geplanten Massnahmen zur Durchsetzung der Lohngleichheit. Mit einem Koreferat von N. Amstutz und E. L\u00fcthi (Fachhochschule Nordwestschweiz). Im Auftrag des Bundesamts f\u00fcr Justiz. Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n\t<li>Felfe, C.; J. Trageser und R. Iten (Infras und Universit\u00e4t St. Gallen) (2015). Studie zu den statistischen Analysen der Eidgenossenschaft betreffend die Lohngleichheit von Frau und Mann. Im Auftrag des Eidgen\u00f6ssischen B\u00fcros f\u00fcr die Gleichstellung von Frau und Mann. Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Forschungsdesign","kasten_box":"Das Beratungsunternehmen Infras hat die vorliegende Regulierungsfolgenabsch\u00e4tzung (RFA) im Auftrag des Bundesamts f\u00fcr Justiz durchgef\u00fchrt (siehe Stern et al. 2015). Die Fachhochschule Nordwestschweiz hat Infras dabei mit Koreferaten und Fachinputs unterst\u00fctzt. Methodisch basiert die RFA auf einem Mix aus unterschiedlichen Forschungsmethoden. Den Schwerpunkt bildeten eine Onlinebefragung und qualitative Interviews. Insgesamt haben 1305 Unternehmen die Onlineumfrage beantwortet, und es wurden 50 qualitative Interviews mit Unternehmen sowie weitere 26 qualitative Interviews mit Experten gef\u00fchrt. 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