{"id":114245,"date":"2016-02-24T15:02:43","date_gmt":"2016-02-24T15:02:43","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/02\/luetzelschwab-03-2016-franz\/"},"modified":"2024-04-09T13:39:55","modified_gmt":"2024-04-09T11:39:55","slug":"luetzelschwab-03-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/02\/luetzelschwab-03-2016\/","title":{"rendered":"Der Bund muss die freiwilligen Bem\u00fchungen der Arbeitgeber anerkennen"},"content":{"rendered":"<p>Unter dem Schlagwort \u00abLohndiskriminierung\u00bb werden immer wieder heftige Diskussionen \u00fcber die ungleiche Entl\u00f6hnung von Frauen und M\u00e4nnern ausgetragen. Sogar von \u00ab34 Jahren Verfassungsbruch\u00bb ist die Rede. Was dabei \u00fcbersehen wird: Lohndiskriminierung und Lohnunterschied sind nicht dasselbe.<\/p>\n<p>Gem\u00e4ss Bundesgericht liegt eine Lohndiskriminierung nur dann vor, wenn Frauen und M\u00e4nner mit gleichen F\u00e4higkeiten, gleichen T\u00e4tigkeiten und gleicher Arbeitsleistung im selben Unternehmen ungleich entsch\u00e4digt werden. Im Gegensatz dazu spricht der Bundesrat bereits dann von Diskriminierung, wenn bei der statistischen Untersuchung von Lohnunterschieden eine Restgr\u00f6sse verbleibt, die durch Merkmale wie Alter, Ausbildung oder T\u00e4tigkeitsbereich nicht erkl\u00e4rt werden kann. Diese von der Verwaltung selbst festgelegte, nicht abschliessende Auswahl von Merkmalen ist jedoch unzul\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Wie eine aktuelle Studie der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse aufzeigt, hat der so verbliebene Lohnunterschied andere Ursachen als die Diskriminierung von Frauen. Er l\u00e4sst sich auf gesellschaftliche Gepflogenheiten und Wertvorstellungen zur\u00fcckf\u00fchren, die schon bei der Berufswahl und sp\u00e4ter in der Aufteilung der Erziehungsarbeit in der Familie zum Tragen kommen. Dass Unternehmen diese Normen steuern k\u00f6nnen, ist illusorisch. Stattdessen sollten die Unternehmen ihre Bem\u00fchungen verst\u00e4rken, fr\u00fchzeitig das Interesse der Frauen an sogenannten Mint-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu wecken, damit diese \u00f6fter solche Berufe w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr braucht es auch die richtigen Rahmenbedingungen wie familienerg\u00e4nzende Tagesstrukturen und die volle steuerliche Abzugsf\u00e4higkeit von Kinderfremdbetreuungskosten im Sinne von Gewinnungskosten. Das erm\u00f6glicht es den Frauen, in Berufe und Positionen vorzudringen, die bisher tendenziell M\u00e4nnerdom\u00e4nen waren.<\/p>\n<h2>Die Versch\u00e4rfung des Gleichstellungsgesetzes ist unn\u00f6tig<\/h2>\n<p>Die vom Bund verwendete Analysemethodik zur Feststellung von Lohndiskriminierung ist nicht unbestritten und als Mittel f\u00fcr die betriebliche Lohnkontrolle unpr\u00e4zise. Dies best\u00e4tigt eine vom Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV) im April 2015 in Auftrag gegebene Studie des volkswirtschaftlichen Beratungsb\u00fcros BSS. Insbesondere bleiben lohnrelevante Kriterien wie effektive Berufserfahrung, F\u00fchrungserfahrung, Weiterbildung oder Sprachkenntnisse unber\u00fccksichtigt. Das f\u00fchrt zu falschen Resultaten. Deshalb hat der SAV bereits fr\u00fch davon abgeraten, den Unternehmen solche untauglichen Analyseinstrumente als zus\u00e4tzliche Pflicht\u00fcbung aufzub\u00fcrden.<\/p>\n<p>F\u00fcr den SAV ist nicht nachvollziehbar, weshalb in den Berichten des Bundes immer nur von den 51 Unternehmen gesprochen wird, die am Lohngleichheitsdialog teilgenommen haben. Die geringe Teilnahme hatte aus Arbeitgebersicht gute \u2013 und diskriminierungsfreie \u2013 Gr\u00fcnde. Von den rund 86\u2019000 L\u00f6hnen, die alleine im Sal\u00e4rvergleich der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie erfasst werden, ist dagegen nicht die Rede. Damit wird in der \u00d6ffentlichkeit das falsche Bild gezeichnet, dass die Arbeitgeber freiwillig nichts unternehmen, um betriebsintern f\u00fcr korrekte L\u00f6hne zu sorgen.<\/p>\n<p>Der Schweizerische Arbeitgeberverband lehnt Lohndiskriminierung in den Unternehmen ab. Er lehnt aber auch staatlich vorgeschriebene Lohnkontrollinstrumente, Meldestellen und schwarze Listen f\u00fcr Firmen ab. Die vom Bundesrat vorgelegte Versch\u00e4rfung des Gleichstellungsgesetzes ist aus den genannten Gr\u00fcnden nicht nur unverh\u00e4ltnism\u00e4ssig, sondern auch unn\u00f6tig und b\u00fcrokratisch. Sie stellt einen massiven Eingriff in den flexiblen Arbeitsmarkt dar. Eine solche Versch\u00e4rfung braucht es nicht.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Schlagwort \u00abLohndiskriminierung\u00bb werden immer wieder heftige Diskussionen \u00fcber die ungleiche Entl\u00f6hnung von Frauen und M\u00e4nnern ausgetragen. Sogar von \u00ab34 Jahren Verfassungsbruch\u00bb ist die Rede. Was dabei \u00fcbersehen wird: Lohndiskriminierung und Lohnunterschied sind nicht dasselbe. 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