{"id":114294,"date":"2015-12-21T22:43:47","date_gmt":"2015-12-21T22:43:47","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/12\/le-modele-suisse-dapprentissage-une-solution-pour-lespagne\/"},"modified":"2023-08-23T23:10:59","modified_gmt":"2023-08-23T21:10:59","slug":"lehrlingsausbildungen-nach-schweizer-vorbild-als-weg-aus-der-jugendarbeitslosigkeit-fuer-spanien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/12\/lehrlingsausbildungen-nach-schweizer-vorbild-als-weg-aus-der-jugendarbeitslosigkeit-fuer-spanien\/","title":{"rendered":"Lehrlingsausbildungen nach Schweizer Vorbild als Weg aus der Jugendarbeitslosigkeit f\u00fcr Spanien"},"content":{"rendered":"<p>Spanien kennt neben den dominierenden vollschulischen und allgemeinbildenden Ausbildungsangeboten der Sekundar- und der Terti\u00e4rstufe auch die M\u00f6glichkeit einer \u00abdualen\u00bb Ausbildung, bei welcher Jugendliche in einem zweij\u00e4hrigen Ausbildungsgang einen Beruf mit schulischem und betrieblichem Zeitanteil erlernen k\u00f6nnen. Diese Ausbildungsalternative ist jedoch bei Firmen und Jugendlichen bislang auf kein nennenswertes quantitatives Interesse gestossen. Gerade die f\u00fcr dieses Ausbildungsmodell notwendige Bereitschaft der Wirtschaft, Ausbildungspl\u00e4tze anzubieten, ist bislang ausgeblieben, was es der Politik erschwert, den Ausbau dieser Ausbildungsalternative weiter zu f\u00f6rdern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAls Grund, warum sich die spanischen Betriebe mit der M\u00f6glichkeit, selbst Lernende auszubilden, schwertun, wird h\u00e4ufig angegeben, dass es betriebswirtschaftlich keinen Sinn mache, Ausbildungskosten zu \u00fcbernehmen, die der Staat \u00fcbernimmt, wenn er die gleichen Berufe in vollschulischen Berufsfachschulen ausbildet. Bei dieser Einsch\u00e4tzung durch die Firmen \u2013 die ja meist ohne Erfahrung in der Lehrlingsausbildung sind \u2013 ist nicht klar, inwieweit es sich um eine richtige Einsch\u00e4tzung oder eine Fehleinsch\u00e4tzung der Nettokosten einer Lehrlingsausbildung handelt, bildet doch eine durchschnittliche Schweizer Firma Lernende mit einem Nettonutzen aus. Weiter ist allerdings auch nicht klar, inwieweit die Einsch\u00e4tzung f\u00fcr das aktuell existierende spanische Ausbildungsmodell zutreffend ist oder ob die Nettokosten ganz anders aussehen w\u00fcrden, wenn Firmen in Spanien Lernende eher nach einem schweizerischen Modell ausbilden k\u00f6nnten und d\u00fcrften.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDies und der Umstand, dass die derzeit ausbildenden spanischen Firmen sicherlich nicht repr\u00e4sentativ f\u00fcr die spanische Wirtschaft sind, hat uns dazu veranlasst<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>, die Kosten und den Nutzen der Lehrlingsausbildung aus der Sicht einer spanischen Firma f\u00fcr den Fall zu simulieren, dass diese in Spanien nach schweizerischem Modell ausbilden w\u00fcrde<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>.&#13;<\/p>\n<h2>Welchen Nutzen haben Ausbildner von Lehrlingen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nKosten und Nutzen der Lehrlingsausbildung sind nicht die einzigen Faktoren, die entscheidend daf\u00fcr sind, ob eine Firma ausbildet oder nicht.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Ohne ein ausgeglichenes Verh\u00e4ltnis zwischen Kosten und Nutzen ist es f\u00fcr eine Firma jedoch schwierig, sich nachhaltig in der beruflichen Grundbildung zu engagieren. Dabei spielen sowohl die Kosten und der Nutzen w\u00e4hrend der Ausbildung eine Rolle als auch der Nutzen, den eine ausbildende Firma nach der Ausbildung potenziell noch generieren kann. Dieser Nutzen entsteht dadurch, dass eine ausbildende Firma bei einer Weiterbesch\u00e4ftigung ihrer Lernenden Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten sparen und damit ganz oder teilweise w\u00e4hrend der Ausbildungszeit aufgelaufene Nettokosten decken kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn unserer Simulation der Nettoausbildungskosten in Spanien sind wir davon ausgegangen, dass spanische Unternehmen w\u00e4hrend der Ausbildung vergleichbar operieren k\u00f6nnten wie Schweizer Unternehmen in derselben Branche und in einem gleichen oder \u00e4hnlichen Ausbildungsberuf \u2013 allerdings zu spanischen Lohnkosten. F\u00fcr die Zeit nach der Lehre hingegen h\u00e4tte es keinen Sinn gemacht, die Verh\u00e4ltnisse des schweizerischen Arbeitsmarktes auf Spanien \u00fcbertragen zu wollen. Deshalb wurden in verschiedenen Workshops mit \u00fcber f\u00fcnfzig spanischen Unternehmen Daten erhoben, welche eine Einsch\u00e4tzung erlauben, in welchem Umfang eine spanische Unternehmung heute Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten sparen k\u00f6nnte, wenn sie auf selbst ausgebildete Fachkr\u00e4fte zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnte.&#13;<\/p>\n<h2>M\u00f6gliche Ausbildungsszenarien simulieren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Simulationen wurden f\u00fcr zehn verschiedene Berufe aus sechs verschiedenen Wirtschaftszweigen vorgenommen: der Automobilindustrie, den Banken, der chemischen Industrie, dem Detailhandel, der Hotellerie und der Oliven\u00f6lproduktion. F\u00fcr alle Berufe wurden die Nettokosten f\u00fcr drei verschiedene Modelle berechnet (siehe <em>Kasten 1<\/em>). Die Modellvielfalt erkl\u00e4rt sich dadurch, dass die in der Schweiz bekannten Lehren nicht eins zu eins auf die spanischen Verh\u00e4ltnisse und Erwartungen umsetzbar sind und somit verschiedene Varianten infrage kommen k\u00f6nnten. In Spanien existieren derzeit nur zweij\u00e4hrige duale Ausbildungsprogramme, w\u00e4hrend vergleichbare Berufsausbildungen in der Schweiz mindestens drei Jahre dauern. Jedoch sehen spanische Ausbildungsvorschriften eigentlich keinen allgemeinbildenden Unterricht f\u00fcr Lernende in der Berufsbildung vor, weil in der Regel davon ausgegangen wird, dass Lernende erst nach Abschluss einer nachobligatorischen Ausbildung in die Lehre eintreten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Lehrlingslohn ist nicht nur eine wichtige Kostenkomponente, sondern auch ein hart umk\u00e4mpftes Politikum, sodass alle Simulationen f\u00fcr zwei bestimmte Lehrlingsl\u00f6hne durchgef\u00fchrt wurden. F\u00fcr spanische Leser des Berichtes ist die Interpretation dieser L\u00f6hne aber nicht ganz einfach, gehen diese doch davon aus, dass ein Lehrlingslohn nur dann bezahlt wird, wenn Lernende tats\u00e4chlich bei der Arbeit im Betrieb sind. Unsere Simulationen, gem\u00e4ss Schweizer Vorbild, gehen jedoch davon aus, dass der Lehrlingslohn in jedem Monat ausbezahlt wird (siehe <em>Kasten 2<\/em>). Um die bei den Sozialpartnern heiss umk\u00e4mpfte Frage des \u00abfairen\u00bb Lehrlingslohnes auf eine rationale Basis zu stellen, wurden die Simulationen auch um Break-even-Analysen erg\u00e4nzt (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Dabei wurden diejenigen Lehrlingsl\u00f6hne berechnet, bei welchen die Betriebe nach Lehrabschluss gerade eine schwarze Null schreiben k\u00f6nnten.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Break-even-Analyse f\u00fcr Lehrlingsl\u00f6hne am Beispiel eines Laboranten in der chemischen Industrie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"woltermuehlemannde1\"><\/div>\n<script>\n $(function () {\nHighcharts.setOptions({\n       \n lang: {\n            numericSymbols: [' 000']\n        }\n\n    });\n  \n    $('#woltermuehlemannde1').highcharts({\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        subtitle: {\n            text: ''\n        },\n        xAxis: {\n            title: {\n                text: 'Monatlicher Lehrlingslohn'\n            },\n            categories: ['-200','-100','0','100','200','300','400','500','600','700','800','900','1000']\n        },\n         \n        yAxis: {\n            title: {\n                text: 'Nettokosten in Euro'\n            },\n            plotLines: [{\n                value: 0,\n                width: 1,\n                color: ''\n            }]\n        },\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ''\n        },\n        plotOptions: {\n            line: {\n                marker: {\n                    radius: false\n                }\n            }\n        },\n        \n        series: [{\n            name: 'Modell 1',\n            data: [-12328,-8728,-5128,-1528,2072,5672,9272,12872,16472,20072,23672,27272,30872]\n        }, {\n            name: 'Modell 2',\n            data: [-5381,-2981,-581,1819,4219,6619,9019,11419,13819,16219,18619,21019,23419]\n        }, {\n            name: 'Modell 3',\n            data: [-18285,-14685,-11085,-7485,-3885,-285,3315,6915,10515,14115,17715,21315,24915]\n        }]\n    });\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Aus der Grafik wird deutlich, dass nur gerade im Modell 3 ein Lehrlingslohn bis zu 300 Euro dem Ausbildungsbetrieb noch einen Nettonutzen generieren w\u00fcrde. Im Modell 2 m\u00fcsste der Lernende sogar kostenlos arbeiten, damit sich die Ausbildung f\u00fcr den Betrieb kurzfristig lohnen w\u00fcrde.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Wolter und M\u00fchlemann (2015) \/ Die Volkswirtschaft&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSimulationen, in welchen die Verh\u00e4ltnisse eines Landes auf ein anderes \u00fcbertragen werden, sind immer mit grossen Unsicherheiten in den Annahmen behaftet, die nicht leicht zu beseitigen sind. Die f\u00fcr das Kosten-Nutzen-Verh\u00e4ltnis wohl wichtigste Annahme ist, dass spanische Lernende gleich schnell und ebenso produktiv im Betrieb eingesetzt werden k\u00f6nnen wie bei Schweizer Unternehmen, die teilweise schon jahrzehntelange Erfahrung in der Ausbildung von Lernenden haben. Aus diesem Grund wurden f\u00fcr alle Berufe Sensitivit\u00e4tsanalysen gemacht, die zeigen, wie stark die Nettokosten auf Ver\u00e4nderungen in der zu voll ausgebildeten Fachkr\u00e4ften relativen Produktivit\u00e4t der Lernenden reagieren w\u00fcrden (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Insgesamt kann man sagen, dass die simulierten Nettokosten in einem geringen Ausmass auf solche Ver\u00e4nderungen reagieren und somit unsere Schlussfolgerungen nicht beeintr\u00e4chtigen.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Sensitivit\u00e4tsanalyse f\u00fcr unterschiedliche relative Produktivit\u00e4ten der Lernenden am Beispiel eines Laboranten in der chemischen Industrie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"woltermuehlemannde2\"><\/div>\n<script>\n $(function () {\nHighcharts.setOptions({\n       \n lang: {\n            numericSymbols: [' 000']\n        }\n\n    });\n  \n    $('#woltermuehlemannde2').highcharts({\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        subtitle: {\n            text: ''\n        },\n        xAxis: {\n            title: {\n                text: 'Produktivit\u00e4t im 1. 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Falls der Lernende im ersten Lehrjahr jedoch um 10 Prozentpunkte weniger produktiv w\u00e4re als sein Schweizer Pendant, w\u00fcrde dies f\u00fcr den Betrieb Nettokosten von rund 1000 Euro verursachen.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Wolter und M\u00fchlemann (2015) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Lehrlinge lohnen sich nicht in allen Berufen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr alle zehn Berufe wurden die zu erwartenden Nettokosten f\u00fcr drei Modelle und zwei verschiedene Lehrlingslohnszenarien berechnet. Aus den Ver\u00e4nderungen der Nettokosten hin zu Nettonutzen (siehe <em>Tabelle 1<\/em>) l\u00e4sst sich absch\u00e4tzen, unter welchen Bedingungen eine Ausbildung aus der Sicht des ausbildenden Unternehmens schon kurzfristig kostendeckend ausgestaltet werden kann. St\u00e4rker noch als auf die verschiedenen Ausbildungsmodelle reagieren die simulierten Nettokosten einer Ausbildung auf unterschiedliche Ausbildungsberufe. Das bedeutet, dass die Unterschiede, die sich ebenso in der Schweiz zwischen verschiedenen Berufen feststellen lassen, auch die wichtigste Erkl\u00e4rung f\u00fcr zu erwartende Unterschiede in Spanien sind.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Tabelle 1: Nettokosten nach Modell und Lehrlingslohn am Beispiel eines Kochs in Hotels und Restaurants<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<table style=\"height: 145px;\" width=\"807\">&#13;<\/p>\n<tbody>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Lehrlingslohn<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Modell 1<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Modell 2<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Modell 3<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td style=\"text-align: center;\">Zus\u00e4tzlich eingesparte Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten f\u00fcr den Betrieb<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>300&nbsp;\u20ac<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>\u20132392&nbsp;\u20ac<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>871&nbsp;\u20ac<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>\u20136173&nbsp;\u20ac<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td style=\"text-align: center;\" rowspan=\"2\">\u00a05 Monatssal\u00e4re<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>530&nbsp;\u20ac<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>5888&nbsp;\u20ac<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>6391&nbsp;\u20ac<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>2107&nbsp;\u20ac<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tbody>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/table>\n<p>&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Aus den Simulationen wird hier deutlich, dass Hotels und Restaurants bei der Ausbildung von K\u00f6chen einen Nettonutzen (negative Nettokosten) nur gerade in jenen Ausbildungsmodellen erwarten k\u00f6nnen, bei welchen ein maximaler Lehrlingslohn von 300 Euro monatlich bezahlt w\u00fcrde. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnten die Ausbildungsbetriebe am Ende der Lehre Nettokosten im Umfang von f\u00fcnf Monatsl\u00f6hnen eines ausgebildeten Kochs einsparen, wenn sie es schafften, den selbst ausgebildeten Koch weiterzubesch\u00e4ftigen, und somit keinen Koch vom externen Arbeitsmarkt rekrutieren und einarbeiten m\u00fcssten.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Wolter und M\u00fchlemann (2015) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Erhebung der potenziellen Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten zeigt f\u00fcr f\u00fcnf der sechs untersuchten Wirtschaftssektoren, dass entweder als Kompensation zu relativ hohen Nettokosten in der Ausbildung jeweils auch sehr hohe Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten zu erwarten w\u00e4ren oder umgekehrt bei einer Ausbildung, die relativ schnell einen Nettonutzen verspricht, heute keine Arbeitsmarktsituation besteht, die eine Ausbildung nur zwecks Einsparung von Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten rechtfertigen w\u00fcrde.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine interessante Ausnahme bildet der Bankensektor. Eine nach schweizerischen Vergleichen aufgezogene Ausbildung w\u00fcrde den Banken kurzfristig in fast allen Simulationsmodellen substanzielle Nettokosten verursachen. Gleichzeitig liessen sich damit aber keine nennenswerten Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten einsparen. Die spanische Bankenwirtschaft \u2013 wie sich in den Unternehmerworkshops best\u00e4tigen liess \u2013 profitiert derzeit von der allgemein schlechten Arbeitsmarktlage f\u00fcr Ausbildungsabg\u00e4nger und kann zu geringen Kosten eigentlich \u00fcberqualifizierte Bewerber finden und \u00abon-the-job\u00bb in ihre Arbeit einf\u00fchren. In dieser Situation ist eine eigene Ausbildung \u2013 verbunden mit dem Risiko, dass die eigenen Leute von der Konkurrenz abgeworben w\u00fcrden \u2013 nicht lohnenswert. Inwieweit diese kurzfristig rationale Entscheidung der Banken, sich nicht stark in der Ausbildung zu engagieren, l\u00e4ngerfristig bei einer anderen Arbeitsmarktlage jedoch zu einem Problem bei der Zufriedenheit der Mitarbeitenden und den Fluktuationsraten werden k\u00f6nnte, wird sich noch zeigen.&#13;<\/p>\n<h2>L\u00e4ngere Lehrdauer setzt Anreize f\u00fcr beide Seiten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie von uns gemachten Simulationen zeigen nicht, ob sich das Schweizer Ausbildungsmodell eins zu eins auf Spanien \u00fcbertragen l\u00e4sst. Die Resultate zeigen hingegen, dass es bei einer \u00dcbertragung eines schweizerischen Modells der Lehrlingsausbildung f\u00fcr potenzielle Ausbildungsfirmen in Spanien praktisch immer ein realistisches Modell g\u00e4be, nach welchem sich eine Ausbildung auch in Spanien rentieren w\u00fcrde. In einzelnen Berufen ist der Nettonutzen kurzfristig schwieriger zu erzielen, und die Ausbildungsfirmen sind deshalb auf eingesparte Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten angewiesen. In anderen Branchen und Berufen w\u00fcrde sich eine Ausbildung schon kurzfristig lohnen. Weiter zeigen die Simulationen aber auch, dass sich die Lehrlingsausbildung nicht immer automatisch und unter allen Bedingungen f\u00fcr alle Betriebe lohnen muss. Die lohnenden Modelle finden sich mehrheitlich bei den dreij\u00e4hrigen Modellen, welche also von den in Spanien praktizierten zweij\u00e4hrigen Ausbildungen abweichen w\u00fcrden. Ein Umbau der Lehrdauer in Richtung der existierenden Ausbildungen in Deutschland, \u00d6sterreich oder der Schweiz w\u00e4re somit angezeigt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nLohnende Modelle finden sich sowohl f\u00fcr dreij\u00e4hrige Ausbildungen f\u00fcr Jugendliche ohne nachobligatorischen Abschluss als auch f\u00fcr dreij\u00e4hrige Ausbildungen f\u00fcr solche, die eine Berufsausbildung anstelle einer universit\u00e4ren Ausbildung w\u00e4hlen w\u00fcrden. Wie die Simulationen zeigen, w\u00fcrden letztere Modelle auch h\u00f6here Lehrlingsl\u00f6hne zulassen, was die Attraktivit\u00e4t der Lehrlingsausbildung als Alternative zu einer schulischen Fortbildung steigern d\u00fcrfte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSchliesslich zeigen Detailanalysen, dass kleinere Firmen aufgrund der ihnen eigenen Sal\u00e4rstrukturen \u2013 des Verh\u00e4ltnisses der L\u00f6hne von unqualifizierten zu qualifizierten Arbeitnehmenden \u2013 tendenziell immer h\u00f6here Nettokosten zu gew\u00e4rtigen h\u00e4tten als Grossfirmen. Wollte die duale Ausbildung in Spanien eine Breitenwirkung entfalten, dann m\u00fcsste sie aber auch f\u00fcr Kleinstfirmen attraktiv werden. Das w\u00e4re beispielsweise dadurch zu erreichen, dass sich entweder der Staat oder Berufsverb\u00e4nde finanziell st\u00e4rker an Gemeinschaftsaufgaben beteiligten, die allen ausbildungsaktiven Firmen zugutekommen und somit die Kleinstbetriebe entlasten w\u00fcrden.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Die Studie entstand im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung in Deutschland und wurde in Spanien durch die Fundaci\u00f3n Bertelsmann inhaltlich und logistisch unterst\u00fctzt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe Wolter und M\u00fchlemann (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe Wolter (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spanien kennt neben den dominierenden vollschulischen und allgemeinbildenden Ausbildungsangeboten der Sekundar- und der Terti\u00e4rstufe auch die M\u00f6glichkeit einer \u00abdualen\u00bb Ausbildung, bei welcher Jugendliche in einem zweij\u00e4hrigen Ausbildungsgang einen Beruf mit schulischem und betrieblichem Zeitanteil erlernen k\u00f6nnen. 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Kosten-Nutzen-Simulationen zeigen, dass dieses Modell sich auch f\u00fcr Firmen in Spanien rentieren k\u00f6nnte. Allerdings bestehen Unterschiede bez\u00fcglich der Sektoren.","post_hero_image_description":"Im Gastgewerbe lohnt sich die Ausbildung von Lehrlingen finanziell: Junger Koch trainiert im spanischen Santander f\u00fcr die Berufsolympiade.","post_hero_image_description_copyright_de":"Corbis","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"<ul>&#13;\n\t<li>Wolter, Stefan C. (2014). Wie kann man Betriebe f\u00fcr die Lehrlingsausbildung gewinnen? Die Volkswirtschaft, 9-2014, S. 8\u201311.<\/li>&#13;\n\t<li>Wolter, Stefan C. und Samuel M\u00fchlemann (2015). Apprenticeship Training in Spain \u2013 a Cost-effective Model for Firms? A Cost-benefit Simulation Study Commissioned by the Bertelsmann Stiftung and the Fundaci\u00f3n Bertelsmann, G\u00fctersloh: Bertelsmann Stiftung.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Kasten 1: Verschiedene Ausbildungsmodelle sind m\u00f6glich","kasten_box":"In den Simulationen der Nettoausbildungskosten aus Sicht des Betriebes wurden drei Modelle durchgerechnet. Allen drei Modellen gemeinsam ist, dass sie die 2000 Ausbildungsstunden der aktuellen spanischen Lehrpl\u00e4ne als Minimum einhalten. <em>Modell 1<\/em> ist dem Schweizer Modell am \u00e4hnlichsten. Dabei wird von einer dreij\u00e4hrigen Lehre ausgegangen, welche von Jugendlichen absolviert w\u00fcrde, die noch keinen nachobligatorischen Ausbildungsabschluss besitzen. Deshalb wird der Berufsfachschulunterricht auch um eine mit dem Schweizer Vorbild vergleichbare Zahl an Allgemeinbildungslektionen erg\u00e4nzt.&#13;\n&#13;\n<em>Modell 2<\/em> kommt hingegen dem aktuellen spanischen Modell am n\u00e4chsten und geht davon aus, dass Lernende schon einen nachobligatorischen Bildungsabschluss haben. Hier werden die 2000 Stunden des Ausbildungsplans je h\u00e4lftig auf die Berufsfachschule und den Betrieb verteilt. Dies erh\u00f6ht die Anwesenheitszeit der Lernenden im Betrieb gegen\u00fcber der vollschulischen Berufsbildung mit Praktika. Auch die Ausbildungskosten der Betriebe steigen so, da diese nun f\u00fcr den Teil der Kompetenzvermittlung, der vorher in der Schule stattgefunden hat, verantwortlich sind.&#13;\n&#13;\n<em>Modell 3<\/em> ist eine Erweiterung des Modells 2 um ein Lehrjahr und um die Annahme, dass spanische Ausbildungsbetriebe im dritten Lehrjahr gleich viel formale, innerbetriebliche Ausbildung anbieten w\u00fcrden wie vergleichbare Schweizer Betriebe. Modell 3 erh\u00f6ht gegen\u00fcber Modell 2 einerseits die Anwesenheitszeit im Betrieb und somit die M\u00f6glichkeit der Betriebe, einen Mehrnutzen aus der Arbeit der Lernenden zu ziehen. Zudem erh\u00f6ht es auch die Zeit f\u00fcr die Lernenden, ihre Kompetenzen anzuwenden und zu erweitern, und somit die Wahrscheinlichkeit, f\u00fcr den \u00dcbertritt in eine Festanstellung nach der Ausbildung gut vorbereitet zu sein."},{"kasten_title":"Kasten 2: Entsch\u00e4digt der Lehrlingslohn nur f\u00fcr geleistete Arbeit?","kasten_box":"In Spanien, wie auch in anderen L\u00e4ndern, werden Lernende in der Berufsbildung wie Praktikanten nur w\u00e4hrend der Zeit mit einem Lehrlingslohn bezahlt, in der sie in der Firma Arbeit leisten. W\u00e4hrend der schulischen Ausbildung erhalten sie hingegen keinen Lohn. In diesem Fall werden Lernende w\u00e4hrend der Arbeitszeit aber mit einem relativ hohen Monatslohn entsch\u00e4digt, der in Spanien bis zu 900 Euro betragen kann. Man kann sich fragen, ob ein paar wenige Monate mit einem hohen Lehrlingslohn nicht \u00e4quivalent zum Schweizer Modell sind, bei dem die Lernenden zwar w\u00e4hrend der ganzen Ausbildungszeit, daf\u00fcr aber im Vergleich zum Schweizer Fachkr\u00e4ftelohn nur mit einem relativ tiefen Lehrlingsgehalt entsch\u00e4digt werden.&#13;\n&#13;\nAuch wenn die Lernenden am Ende der Lehrzeit in der Summe einen \u00e4hnlichen Lohn nach Hause getragen haben, ist dem unserer Meinung nach aus mehreren Gr\u00fcnden nicht so. Aus Sicht der Firmen bedeutet ein relativ hoher Lehrlingslohn f\u00fcr die Monate, welche die Lernenden in einem Betrieb Arbeit leisten, dass sie die Lernenden in dieser Zeit vornehmlich oder gar ausschliesslich f\u00fcr Arbeit einsetzen. Allf\u00e4llige Kosten, die bei firmeninterner Ausbildung entstehen, werden m\u00f6glichst vermieden. F\u00fcr die Lernenden selbst kann der im Vergleich zum Fachkr\u00e4ftelohn immer noch tiefe Lehrlingslohn dennoch demotivierend sein, weil sie das Gef\u00fchl erhalten, nur als billige Arbeitskr\u00e4fte gebraucht zu werden. Nur ein Ausbildungsmodell, in welchem die Betriebe als Gegenleistung f\u00fcr einen tiefen Lehrlingslohn auch aktiv in die Ausbildung investieren und nicht nur \u00ablearning by doing\u00bb anbieten, verspricht, dass Lernende als gut bezahlte Studierende und nicht als schlecht bezahlte Arbeitskr\u00e4fte wahrgenommen werden."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":114297,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":114301,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"40713","post_abstract":"Aufgrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit bekundet Spanien grosses Interesse an einer Berufsbildung nach dem Vorbild deutschsprachiger L\u00e4nder. Allerdings wurde in den vergangenen Jahren dieses Modell der Lehrlingsausbildung kaum adaptiert. Die lokale Wirtschaft bekundet nur wenig Interesse daran, gen\u00fcgend Ausbildungspl\u00e4tze anzubieten. F\u00fcr diese Haltung der Wirtschaft mitentscheidend ist meistens die Furcht, Ausbildungskosten \u00fcbernehmen zu m\u00fcssen, die im schulisch dominierten Bildungssystem vom Staat getragen werden. Wie Kosten-Nutzen-Simulationen zeigen, gibt es aber durchaus umsetzbare Ausbildungsmodelle, nach welchen sich eine Ausbildung auch in Spanien rentieren w\u00fcrde. Insbesondere Modelle mit l\u00e4ngeren Lehrdauern bieten sich hierzu an, da es f\u00fcr die meisten Unternehmen in der kurzen Frist von zwei Jahren schwierig ist, einen Nettonutzen zu erzielen. Andererseits erlaubt eine l\u00e4ngere Lehrdauer auch attraktivere Lehrlingsl\u00f6hne. Um das Modell auch f\u00fcr Kleinfirmen attraktiv zu machen und so eine Breitenwirkung zu entfalten, m\u00fcssten sich der Staat oder Berufsverb\u00e4nde jedoch finanziell st\u00e4rker an Gemeinschaftsaufgaben wie der Entwicklung von firmeninternen Ausbildungsmodellen oder der Ausbildung von betrieblichen Ausbildnern beteiligen.","magazine_issue":"20160102","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":4139,"planned_publication_date":null,"original_files":[{"file":114309},{"file":114313}],"external_release_for_author":"20151203","external_release_for_author_time":"17:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/561bcdeddbe42"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/114294"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3061"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=114294"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/114294\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126700,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/114294\/revisions\/126700"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3060"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3061"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30810"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=114294"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=114294"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=114294"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=114294"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=114294"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=114294"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}