{"id":114332,"date":"2015-12-21T22:36:01","date_gmt":"2015-12-21T22:36:01","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/12\/dossier-notre-objectif-est-de-faire-de-la-suisse-un-centre-mondial-de-la-finance-durable\/"},"modified":"2023-08-23T23:11:09","modified_gmt":"2023-08-23T21:11:09","slug":"dossierartikel-unser-ziel-ist-es-die-schweiz-zu-einem-fuehrenden-zentrum-fuer-nachhaltige-finanzen-zu-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/12\/dossierartikel-unser-ziel-ist-es-die-schweiz-zu-einem-fuehrenden-zentrum-fuer-nachhaltige-finanzen-zu-machen\/","title":{"rendered":"\u00abUnser Ziel ist es, die Schweiz zu einem f\u00fchrenden Zentrum f\u00fcr nachhaltige Finanzen zu machen\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Frau D\u00f6beli, die Finanzbranche hat durch die Exzesse in den vergangenen Jahren an Vertrauen und Glaubw\u00fcrdigkeit verloren. Dient das neue Gesch\u00e4ftsfeld \u00abSustainable Finance\u00bb zur Imagepflege?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Imagepflege w\u00e4re aus unserer Sicht ein willkommener Nebeneffekt, aber wir sehen nachhaltige Finanzen ganz klar als Wachstumsmarkt der Zukunft. Die Wachstumsraten zeigen es heute schon: Die Nachfrage in diesem Bereich nimmt zu. Wir glauben auch, dass der Schweizer Finanzplatz in gewissen Bereichen ein neues Businessmodell suchen muss. Dazu z\u00e4hlt insbesondere das Private Banking, aber auch das Assetmanagement \u2013 da k\u00f6nnen nachhaltige Finanzdienstleistungen eine wichtige Rolle spielen.&#13;<\/p>\n<h3>Ein Paradigmenwechsel also?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nMan kann durchaus so weit gehen und von einem Paradigmenwechsel sprechen. Das Ziel ist nicht einfach, mehr nachhaltige Finanzprodukte f\u00fcr eine Nischenzielgruppe anzubieten. Im Hauptfokus steht, dass Nachhaltigkeitsaspekte breit in Finanzdienstleistungen integriert werden. Neben Standardprodukten in der Verm\u00f6gensverwaltung f\u00fcr private und institutionelle Kunden geh\u00f6ren die Kreditvergabe und die Firmenfinanzierungen genauso dazu.&#13;<\/p>\n<h3>Zur Definition: Was versteht man genau unter Sustainable Finance?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nGenerell gesprochen sind nachhaltige Finanzen s\u00e4mtliche Finanzprodukte, die in irgendeiner Form Umwelt-, Sozial und Gouvernanzkriterien einbeziehen, um damit einen Nutzen f\u00fcr die Kunden zu erzielen. Gleichzeitig wird damit die Nachhaltigkeit in der Wirtschaft gef\u00f6rdert, was einen gesellschaftlichen Nutzen darstellt.&#13;<\/p>\n<h3>Und wie sieht das konkret aus?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEs gibt verschiedene Ans\u00e4tze. In der Schweiz und auch in Europa sind Ausschlusskriterien am verbreitetsten, meist in Kombination mit anderen Ans\u00e4tzen. Dabei wird beispielsweise nicht in Atomkraft oder in die R\u00fcstungsindustrie investiert, oder es werden Firmen ausgeschlossen, die international g\u00fcltige Normen wie ILO-Richtlinien oder den Global Compact der Vereinten Nationen verletzen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWeiter gibt es die positive Auswahl. Bei Best-in-Class beleuchtet man beispielsweise, wie effizient ein Unternehmen selber mit den zur Verf\u00fcgung stehenden Ressourcen umgeht, und w\u00e4hlt die Besten aus. Gibt es etwa ein Umweltmanagementsystem? Hat es sich Ziele gesetzt f\u00fcr die Reduktion von Klimaemissionen und diese dann auch erreicht? Bei den Sozialkriterien steht meist ein Anspruchsgruppenkonzept dahinter. Pr\u00fcft ein Unternehmen seine Zulieferer auf Nachhaltigkeit, und wird auch darauf geschaut, dass Mitarbeiter gut behandelt werden? Bei den Gouvernanzkriterien geht es in erster Linie um die Kontrolle durch einen unabh\u00e4ngigen Verwaltungsrat. Faire L\u00f6hne und Kompensationsmodelle, transparente Berichterstattung und die Gleichbehandlung aller Aktion\u00e4re sind ebenfalls wichtige Aspekte. Es soll keine Minderheitsaktion\u00e4re geben, die irgendwelche Sperrklauseln haben oder deren Stimmrechte mehr wert sind als die der anderen Aktion\u00e4re.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUnd dann gibt es noch den sogenannten integrierten Ansatz, bei dem Umwelt-, Sozial- und Gouvernanzkriterien ein Element der Finanzanalyse darstellen. Sie werden allerdings nur dann ber\u00fccksichtigt, wenn sie aus Sicht des Analysten finanziell relevant sind und einen Einfluss auf die Performance haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMit Ausschlusskriterien, Best-in-Class-Ans\u00e4tzen oder integrierten Ans\u00e4tzen trifft man mittels Filterung bereits einen Entscheid, bevor man investiert. Eine grunds\u00e4tzlich andere Variante ist es, breit zu investieren, z. B. durch den Kauf eines Index, und nachher aktiv auf Unternehmen Einfluss zu nehmen, indem man Stimmrechte aus\u00fcbt oder den direkten Dialog mit dem Unternehmen sucht, damit dieses Nachhaltigkeitsaspekte besser in seine Unternehmensstrategie integrieren.&#13;<\/p>\n<h3>Man spricht ja auch oft von Sustainable Finance im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Warum soll sich die Finanzbranche um den Klimawandel k\u00fcmmern?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAus unserer Sicht macht es ganz klar \u00f6konomischen Sinn, Klimarisiken \u2013 und nat\u00fcrlich auch andere Nachhaltigkeitsaspekte \u2013 bei Finanzentscheiden einzubeziehen. Wenn man bei der Analyse einer Firma zus\u00e4tzlich zu den Finanzkriterien Umwelt-, Sozial- und Gouvernanzfaktoren betrachtet, kann man besser eruieren, ob eine Firma gut positioniert ist und ob sie Wachstumspotenzial hat oder nicht. Man versteht auch besser, welche Risiken und Chancen sie im Markt hat. Wir sind \u00fcberzeugt, dass man damit letztlich auch einen finanziellen Mehrwert generiert. Das Klimathema steht im Zusammenhang mit der Klimakonferenz in Paris momentan im Vordergrund und beinhaltet sicher f\u00fcr viele Branchen materielle Risiken.&#13;<\/p>\n<h3>Dann sagen Sie also bez\u00fcglich der Performance, dass nachhaltige Anlagen profitabler sein sollten als konventionelle?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nWir sagen zumindest, dass nachhaltige Anlagen eine marktgerechte Rendite haben, d. h., sie rentieren im Durchschnitt genauso gut wie herk\u00f6mmliche Anlagen. Studien zeigen auch, dass es sich f\u00fcr ein Unternehmen lohnt, Nachhaltigkeitsaspekte einzubeziehen. Beispielsweise kann sich ein Unternehmen g\u00fcnstiger refinanzieren, wenn es eine gute Nachhaltigkeitsstrategie hat. Eine Metastudie der Deutschen Bank zeigt, dass 100 Prozent aller Studien, welche diesen Zusammenhang beleuchtet haben, zum Schluss kommen: Ja, ein Unternehmen, das Nachhaltigkeitsaspekte ber\u00fccksichtigt, kann sich g\u00fcnstiger refinanzieren.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<\/p>\n<h3>Dann braucht eigentlich jedes Unternehmen heute eine Nachhaltigkeitsstrategie?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEs zahlt sich f\u00fcr ein Unternehmen aus, Nachhaltigkeitsthemen ganz gezielt strategisch anzugehen. Zur\u00fcckkommend auf diese Metastudie: Bei \u00fcber 80 Prozent der Studien zeigt sich ein positiver Zusammenhang zwischen guter Nachhaltigkeitsleistung und Indikatoren f\u00fcr den Unternehmenserfolg wie z. B. dem Aktienkurs oder dem \u00abReturn on Equity\u00bb.&#13;<\/p>\n<h3>Zahlt es sich auch f\u00fcr die Anleger aus?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDa haben wir nat\u00fcrlich noch mal einen Wertsch\u00f6pfungsschritt dazwischen. Es ist aufwendig, diese Informationen zu beschaffen und die ganzen Anlageprozesse so zu gestalten, dass diese Themen abgebildet sind. Das verursacht h\u00f6here Kosten, sodass am Schluss eine etwa gleich gute Rendite bleibt, wie wenn man es gar nicht gemacht h\u00e4tte. Dar\u00fcber hinaus bleibt nat\u00fcrlich der Vorteil, dass die Wirtschaft dadurch nachhaltiger wird. F\u00fcr Anleger zahlen sich vor allem Ans\u00e4tze aus, bei denen Nachhaltigkeitsaspekte Teilelemente der Finanzanalyse sind und auch ein gewisser Trade-off stattfinden kann. Dort kann ein Finanzanalyst beispielsweise zum Schluss kommen, dass ein Unternehmen in diesen Bereichen vielleicht nicht top ist, aber weil es unterbewertet ist, zahlt sich ein Kauf trotzdem aus. Bei solchen Ans\u00e4tzen zeigt sich jetzt schon ziemlich klar, dass man damit eine Outperformance generieren kann, aber es gibt noch nicht so viele solche Produkte, und es gibt sie noch nicht so lange.&#13;<\/p>\n<h3>Sie sagen, es gebe noch nicht so viele Produkte. Das Volumen nachhaltiger Anlagen in der Schweiz belief sich 2014 auf 71,3 Milliarden Franken. Im Fondsmarkt haben nachhaltige Fonds einen bescheidenen Marktanteil von 4 Prozent. Wie sch\u00e4tzen Sie das Wachstumspotenzial ein?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Wachstumspotenzial ist generell gross. Es hat in den vergangenen drei Jahren zweistellige Wachstumsraten gegeben. Im letzten Jahr waren es 26 Prozent. Dieses Wachstum liegt \u00fcber dem Marktdurchschnitt. Die 71,3 Milliarden zeigen aber noch nicht das ganze Bild f\u00fcr die Schweiz. Nicht darin abgebildet sind beispielsweise Pensionskassen oder Stiftungen, die ihre Anlagen selber verwalten und dabei auch Nachhaltigkeitskriterien ber\u00fccksichtigen. Der Marktanteil wird dadurch tendenziell untersch\u00e4tzt.&#13;<\/p>\n<h3>Im Juli vor einem Jahr wurde Swiss Sustainable Finance gegr\u00fcndet. Was f\u00fcr Ziele verfolgen Sie genau?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nUnser Ziel ist es, die Schweiz zu einem f\u00fchrenden Zentrum f\u00fcr nachhaltige Finanzen zu machen. Wir haben heute schon Teile davon erreicht, aber wir glauben, man kann bestehende St\u00e4rken noch besser verbinden und daraus noch Wachstumspotenzial kreieren.&#13;<\/p>\n<h3>Wie wollen Sie das angehen?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIndem wir besser \u00fcber das Thema informieren, Ausbildungen dazu f\u00f6rdern oder selber bereitstellen. Wenn Sie heute Finance studieren an der Hochschule St. Gallen oder an der Uni Z\u00fcrich, dann h\u00f6ren Sie mit grosser Wahrscheinlichkeit nichts zu Nachhaltigkeit im Finanzlehrgang. Das wollen wir \u00e4ndern.&#13;<\/p>\n<h3>Was kann die Politik tun, um diese Investments in nachhaltige Finanzanlagen zu unterst\u00fctzen?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nVieles geschieht schon im Markt. Die Politik ist meiner Meinung nach nicht die erste Anlaufstelle. Bis anhin hatte ich den Eindruck, dass vielen Politikern gar nicht bewusst ist, dass die Finanzindustrie auch ein Ansatzpunkt f\u00fcr Nachhaltigkeitsziele sein k\u00f6nnte. Durch Informationen zur Rolle von Nachhaltigkeit im Finanzbereich kann man das sicher \u00e4ndern. F\u00fcr uns steht aber nicht im Vordergrund, weitere Vorschriften f\u00fcr die Finanzindustrie zu schaffen.&#13;<\/p>\n<h3>Sie sprechen die zunehmende Finanzmarktregulierung an. Wie wirkt sich das auf nachhaltige Finanzen aus?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAus meiner Sicht ganz klar negativ. Es wird \u00fcbers Ziel hinausgeschossen mit der momentanen Finanzmarktregulierung.&#13;<\/p>\n<h3>Was meinen Sie konkret damit?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEs beginnt schon damit, dass im Moment bei Banken kaum in Produktinnovation investiert wird, weil so viel hineingesteckt wird in Compliance und damit verbundene komplexere Prozesse, die keinen direkten Kundennutzen stiften. Richtlinien wie Mifid II in Europa und das Fidleg in der Schweiz f\u00fchren dazu, dass Kundenberatungsprozesse viel komplizierter und b\u00fcrokratischer werden und es schwieriger wird, den Kunden Produkte anzubieten, die ihren wirklichen Bed\u00fcrfnissen entsprechen. Generell k\u00f6nnen ja sowieso nur Produkte aktiv angeboten werden, die auch zum \u00f6ffentlichen Vertrieb zugelassen sind. Wir haben in der Schweiz das Gl\u00fcck, dass es einen Mikrofinanzfonds und einen nachhaltigen Agrarfonds gibt, welche diese Zulassung haben. \u00dcberall sonst in Europa gibt es gar keine zugelassenen Produkte. D. h., man kann sich eigentlich nur an qualifizierte Investoren wenden. Das macht es sicher schwieriger.&#13;<\/p>\n<h3>Was braucht es also?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJedenfalls nicht mehr Regulierung! In gewissen Bereichen vielleicht sogar eine gewisse Korrektur. Ein Beispiel sind hier die Infrastrukturinvestments. Mit der Versicherungsregulierung Solvency II ist es f\u00fcr eine Versicherung \u00e4usserst unattraktiv, in Infrastrukturanlagen zu investieren, weil sie diese illiquiden Anlagen stark mit Eigenmitteln unterlegen m\u00fcsste. Das f\u00f6rdert es nicht, dass private Gelder f\u00fcr Entwicklung mobilisiert werden.&#13;<\/p>\n<h3>Wie steht die Schweiz im Quervergleich mit anderen L\u00e4ndern da bez\u00fcglich Sustainable Finance?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Volumen im europ\u00e4ischen Ausland liegen viel h\u00f6her. Gem\u00e4ss Eurosif macht Sustainable Finance sch\u00e4tzungsweise die H\u00e4lfte des europ\u00e4ischen Marktes aus. Doch aufgepasst: Die Definition, was dort erfasst wird, geht sehr viel weiter. Es gibt gerade in Europa recht viele grosse staatliche Pensionskassen, welche Nachhaltigkeitsaspekte einbeziehen. Aber das sind dann verh\u00e4ltnism\u00e4ssig wenige und vielleicht auch nicht sehr strenge Kriterien, die einfach auf ein grosses Volumen angewandt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVom Angebot her sieht es in der Schweiz sehr gut aus. Es gibt viele sehr innovative Player in der Schweiz, die mit interessanten neuen L\u00f6sungen aufwarten.&#13;<\/p>\n<h3>Gibt es auch eine entsprechend grosse Nachfrage nach solchen Produkten?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDa muss man etwas unterscheiden zwischen privaten und institutionellen Kunden. Rund ein Drittel des Schweizer Volumens nachhaltiger Finanzen liegt in privaten Depots, in Europa sind es nur rund f\u00fcnf Prozent. Im privaten Bereich ist die Schweiz also gut positioniert, auch deshalb, weil die Schweiz traditionell ein wichtiger Private-Banking-Standort ist. Etwas anders sieht es im institutionellen Bereich aus. Bisher gab es relativ wenig Nachfrage von institutionellen Kunden, weshalb der Anteil institutioneller Gelder deutlich tiefer liegt als im europ\u00e4ischen Durchschnitt.&#13;<\/p>\n<h3>Und wie sieht es ausserhalb Europas aus?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den USA sind die Pensionskassen schon seit l\u00e4ngerer Zeit aktivere Anleger. Sie sind verpflichtet, Stimmrechte auszu\u00fcben, und das Bewusstsein beim Thema Corporate Governance ist gr\u00f6sser. Es gibt dort ein paar sehr pr\u00e4gnant auftretende Pensionskassen. Die arbeiten zusammen und nehmen aktiver auf Unternehmen Einfluss. Das h\u00e4ngt wiederum mit der B\u00f6rsenrichtlinie zusammen. Es braucht in den USA nur gerade Aktien im Wert von 2000 Dollar, damit man an Generalversammlungen einen Antrag deponieren kann. Hier in der Schweiz ist die H\u00fcrde mit einem Nominalwert von 1 Million Franken viel gr\u00f6sser.&#13;<\/p>\n<h3>Die Schweiz hat also bez\u00fcglich des Anlegerpotenzials noch Aufholbedarf.<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa. Ein Grund daf\u00fcr ist auch die stark fragmentierte Struktur im Pensionskassenmarkt. Wir haben heute noch etwa 2000 Kassen in der Schweiz. Die meisten sind sehr kleine Kassen. Eine der gr\u00f6ssten ist die Publica mit ungef\u00e4hr 38 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Die kalifornische Lehrerpensionskasse Calpers verwaltet etwa 300 Milliarden Dollar. Die meisten der Pensionskassen haben enorm wenig Ressourcen f\u00fcr das Management von Anlagen. Vielfach werden Anlageentscheide vollst\u00e4ndig auf Empfehlungen von externen Beratern abgest\u00fctzt \u2013 und diese wollen das Risiko nicht eingehen, keine Standardl\u00f6sung zu w\u00e4hlen.&#13;<\/p>\n<h3>Wie kommt es, dass man in der Schweiz diesem Thema nachhaltige Finanzanlagen so sehr hinterherhinkt?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIch sp\u00fcre nach wie vor eine Abwehrhaltung von Pensionskassen. Schweizer Pensionskassen legen den Fokus vor allem auf Kostenminimierung, was sicher wichtig ist. Dabei sollte man aber n\u00f6tige Innovationen im Anlagebereich nicht aus den Augen verlieren. Die internationale Initiative Principles for Responsible Investments (PRI) haben global 1400 Institute unterzeichnet, darunter etwa 300 institutionelle Anleger, wovon 3 Unterzeichner Schweizer Vorsorgeeinrichtungen sind. Wir sind eigentlich nicht ein Land mit schlechten Umweltstandards oder einem schlechten Bewusstsein bei diesem Thema. Deshalb ist es f\u00fcr mich auch nicht zu hundert Prozent erkl\u00e4rbar, warum diese Zur\u00fcckhaltung noch besteht.&#13;<\/p>\n<h3>Besteht denn bei den Versicherten eine Nachfrage, dass solche Kriterien bei Pensionskassen integriert werden?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nStudien zu sehr verm\u00f6genden Privatkunden zeigen, dass \u00fcber 60 Prozent aller Befragten mit ihrem Geld auch etwas Positives bewirken m\u00f6chten. Letztes Jahr f\u00fchrte GfS im Auftrag von Robeco SAM eine Befragung unter der Schweizer Bev\u00f6lkerung durch, bei der eine \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit w\u00fcnschte, dass ihre Pensionskasse auch Nachhaltigkeitskriterien ber\u00fccksichtigt.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Von Kundenseite ist der Bedarf also da. Die Produkte gibt es ebenfalls, aber sie werden oft zu wenig aktiv verkauft.&#13;<\/p>\n<h3>Weshalb ist das so?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nSicher gibt es bei Kundenberatern eine gewisse Barriere, das Thema anzusprechen. Vielleicht weil sie sich mit dem Thema noch etwas zu unsicher f\u00fchlen oder selber das Vorurteil haben, dass man mit solchen Anlagen eine schlechtere Performance hat.&#13;<\/p>\n<h3>Welches sind die kritischen Faktoren \u2013 abgesehen von Regulierungen und fehlendem Wissen \u2013, die den \u00dcbergang in ein nachhaltiges Finanzsystem behindern?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nGanz einfach gesagt: Wenn Externalit\u00e4ten den Preis h\u00e4tten, den sie verdienten, dann m\u00fcssten wir diese Diskussion gar nicht f\u00fchren. Dann w\u00fcrde das automatisch in Bewertungsmodelle integriert. Aber wie wir wissen, kann man immer noch Externalit\u00e4ten generieren, ohne daf\u00fcr bezahlen zu m\u00fcssen. Darum, glaube ich, ist es wichtig, \u00fcber einen Umweg solche Faktoren in die Finanzprozesse mit einzubeziehen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Deutsche Bank Climate Change Advisors (2012). Sustainable Investing, Establishing Longterm Value and Performance.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">gfs-z\u00fcrich (2014). Pensionskasse & ESG-Integration 2014. Bericht zur repr\u00e4sentativen Bev\u00f6lkerungsbefragung.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frau D\u00f6beli, die Finanzbranche hat durch die Exzesse in den vergangenen Jahren an Vertrauen und Glaubw\u00fcrdigkeit verloren. 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Seit \u00fcber zwanzig Jahren ist sie im Bereich der nachhaltigen Finanzanlagen t\u00e4tig, zuletzt als Leiterin Nachhaltigkeit bei Vontobel und zuvor bei der Z\u00fcrcher Kantonalbank. Sie absolvierte ihr Studium in Umweltnaturwissenschaften an der ETH Z\u00fcrich und schloss ein Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaft und Marketing an der Universit\u00e4t Basel daran an. Sie ist zudem Mitglied des beratenden Organs f\u00fcr Umweltforschung des Bundesamts f\u00fcr Umwelt."},{"kasten_title":"Swiss Sustainable Finance","kasten_box":"Swiss Sustainable Finance (SSF) wurde im Sommer 2014 mit dem Ziel gegr\u00fcndet, die Position der Schweiz im internationalen Markt f\u00fcr nachhaltige Finanzen durch Information, Ausbildung und die F\u00f6rderung von Wachstum zu st\u00e4rken. Aktuell geh\u00f6ren der Organisation 83 Mitglieder und Netzwerkpartner an, dazu z\u00e4hlen Banken und Assetmanager (z. B. UBS und Credit Suisse), spezialisierte Dienstleister (z. B. Ethos), Investoren, Universit\u00e4ten und Organisationen der \u00f6ffentlichen Hand (z. B. das Seco). 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