{"id":114377,"date":"2015-12-21T16:43:09","date_gmt":"2015-12-21T16:43:09","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/12\/maerkte-und-menschen-zu-mehr-effizienz-schubsen\/"},"modified":"2023-08-23T23:11:05","modified_gmt":"2023-08-23T21:11:05","slug":"maerkte-und-menschen-zu-mehr-effizienz-schubsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/12\/maerkte-und-menschen-zu-mehr-effizienz-schubsen\/","title":{"rendered":"M\u00e4rkte und Menschen zu mehr Effizienz schubsen?"},"content":{"rendered":"<p>Die Frage geh\u00f6rt zu den Grabenk\u00e4mpfen der Wirtschaftspolitik: Wie effizient sind M\u00e4rkte wirklich? F\u00fcr das eine Lager sind sie grunds\u00e4tzlich die beste Organisationsform einer Volkswirtschaft: Der Tausch von G\u00fctern durch rationale Marktakteure f\u00fchrt bei einem gegebenen Einsatz knapper Ressourcen wie Boden, Arbeit oder Kapital zur maximalen Wohlfahrt. Die Opponenten betonen hingegen die beschr\u00e4nkte Rationalit\u00e4t unserer Spezies, indem sie das kurzsichtige Verhalten des Menschen beklagen: Sie verweisen beispielhaft auf die Umweltverschmutzung oder die Notwendigkeit einer weitsichtigen Altersvorsorge.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWieweit kann staatliches Eingreifen gerechtfertigt werden? Ist die Irrationalit\u00e4t der Menschen Grund genug, um allein aufgrund unserer limitierten Vernunft auf Marktversagen zu schliessen? Diese Fachdebatte \u00fcber die \u00abbegrenzte Rationalit\u00e4t\u00bb ist alt. Klar ist: Der Mensch agiert nicht st\u00e4ndig als maximierender Homo oeconomicus und gibt sich je nach Situation mit weniger zufrieden. So verzichten wir im Alltag h\u00e4ufig darauf, wirklich jede verf\u00fcgbare Information auszuwerten, um den bestm\u00f6glichen Kaufentscheid zu t\u00e4tigen; wir suchen eben nicht immer nach dem \u00abMaximum\u00bb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNeuerdings wird vermehrt argumentiert, dass wir selbst die Konsequenzen unseres Verhaltens bei vielen (Konsum-)Entscheidungen aus Unvernunft falsch einsch\u00e4tzten. Typische Beispiele sind der Konsum von Genussmitteln wie Alkohol, S\u00fcssigkeiten oder Tabak. Es ist bei dieser Betrachtungsweise naheliegend, dem Staat neue Aufgaben zu \u00fcbertragen: Als \u00abBesserwisser\u00bb muss er uns zu richtigen Entscheiden und zu mehr Markteffizienz schubsen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Raucher sollen rauchen d\u00fcrfen <\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Beispiel findet sich bei der aktuellen Debatte \u00fcber das neue Tabakproduktegesetz. Im Rahmen einer umfangreichen Regulierungsfolgeabsch\u00e4tzung zeigen die Autoren zwar auf, dass die \u00abklassischen\u00bb Externalit\u00e4ten des Rauchens \u2013 die \u00dcberw\u00e4lzung der Gesundheitskosten auf Dritte oder das sch\u00e4dliche Passivrauchen \u2013 schon durch die Tabaksteuern und das Rauchverbot in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen gedeckt sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDennoch rechtfertigten sich im Urteil der Autoren aufgrund von zeitinkonsistentem Verhalten der Verbraucher und dem Nutzen aus dem Verzicht des Tabakkonsums weitere Massnahmen. Denn letztlich habe das gegenw\u00e4rtige Ich negative Effekte auf das k\u00fcnftige Ich (\u00abnegative Internalit\u00e4ten\u00bb). Staatliche Regulierungen, die auf eine Reduktion des Tabakkonsums abzielen, werden in dieser Logik als wohlfahrtssteigernd betrachtet, weil sie die Selbstkontrolle st\u00e4rken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs ist offensichtlich, dass eine solche Argumentation staatlichem Interventionismus T\u00fcr und Tor \u00f6ffnet. Oder soll der Staat tats\u00e4chlich in das individuelle Verhalten eingreifen \u2013 nicht etwa, um Dritte oder die Umwelt zu sch\u00fctzen, sondern um das Individuum l\u00e4ngerfristig gl\u00fccklicher zu machen? Wohl kaum.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nD\u00e4nemark etwa f\u00fchrte eine Steuer auf Fettkonsum ein, um Menschen vor \u00dcbergewicht zu sch\u00fctzen. Mittlerweile musste die Fettsteuer aufgrund von Protesten wieder abgeschafft werden. Da zeigt sich: Auch die Politik und die Beh\u00f6rden sind nur beschr\u00e4nkt rational; staatliche Experten sind in ihrem Handeln nicht zeitkonsistent.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage geh\u00f6rt zu den Grabenk\u00e4mpfen der Wirtschaftspolitik: Wie effizient sind M\u00e4rkte wirklich? F\u00fcr das eine Lager sind sie grunds\u00e4tzlich die beste Organisationsform einer Volkswirtschaft: Der Tausch von G\u00fctern durch rationale Marktakteure f\u00fchrt bei einem gegebenen Einsatz knapper Ressourcen wie Boden, Arbeit oder Kapital zur maximalen Wohlfahrt. 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