{"id":114536,"date":"2015-12-21T15:56:31","date_gmt":"2015-12-21T15:56:31","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/12\/jaeger-01-02-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:11:16","modified_gmt":"2023-08-23T21:11:16","slug":"jaeger-01-02-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/12\/jaeger-01-02-2016\/","title":{"rendered":"Tiefere Investitionen d\u00e4mpfen Produktivit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweizer Volkswirtschaft hat ihre Wachstumsschw\u00e4che der Neunzigerjahre und der ersten Jahre nach der Jahrtausendwende \u00fcberwunden und ist in den vergangenen zehn Jahren \u00fcberdurchschnittlich gewachsen. Diese st\u00e4rkere Zunahme des Bruttoinlandprodukts (BIP) basierte allerdings vor allem auf einem Anstieg des Arbeitsvolumens. Dagegen hat sich der Anstieg der Arbeitsproduktivit\u00e4t, gemessen als Output pro geleisteter Arbeitsstunde, im selben Zeitraum weiter verlangsamt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer im internationalen Vergleich schwache Zuwachs der Arbeitsproduktivit\u00e4t ist aber kein neues Ph\u00e4nomen. Auch wenn das Ausmass in der Literatur diskutiert wird, besteht wohl Konsens dar\u00fcber, dass die Schweizer Volkswirtschaft in den vergangenen f\u00fcnf Jahrzehnten ein unterdurchschnittliches Wachstum der Arbeitsproduktivit\u00e4t verzeichnet hat. W\u00e4hrend die Schweiz Anfang der Sechzigerjahre zusammen mit den USA die h\u00f6chste kaufkraftbereinigte Arbeitsproduktivit\u00e4t aufwies, haben mittlerweile andere Volkswirtschaften die Schweiz ein- oder sogar \u00fcberholt \u2013 darunter Deutschland, Frankreich und die Niederlande. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die schwache Entwicklung der Arbeitsproduktivit\u00e4t in der Schweiz sind bislang noch unzureichend erforscht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Rahmen einer Studie des Rheinisch-Westf\u00e4lischen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (RWI) und der Universit\u00e4t St. Gallen wurden die Entwicklung der Investitionen und deren Bedeutung f\u00fcr die Produktivit\u00e4tsentwicklung analysiert.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Da Investitionen zum einen den Kapitalstock erh\u00f6hen und damit einen st\u00e4rkeren Einsatz von Maschinen und Automation im Produktionsprozess erm\u00f6glichen und zum anderen positiv auf die Verbreitung und die Entstehung des technologischen Fortschritts wirken, sind sie eine der zentralen Gr\u00f6ssen f\u00fcr die gesamtwirtschaftliche Produktivit\u00e4tsentwicklung. Zum abnehmenden Produktivit\u00e4tswachstum passt daher die Beobachtung, dass die nominalen Investitionen im Verh\u00e4ltnis zur Wirtschaftsleistung in der Schweiz seit den Siebzigerjahren zur\u00fcckgehen. Zwar ist die Investitionsquote auch in anderen entwickelten Volkswirtschaften gefallen, der R\u00fcckgang war in der Schweiz allerdings besonders ausgepr\u00e4gt (siehe <em>Abbildung 1<\/em>).&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Bruttoinvestitionsquoten ausgew\u00e4hlter L\u00e4nder (1960 bis 2013)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"jaeruiabb1de\"><\/div>\n<script>\n$(function () {\n    $('#jaeruiabb1de').highcharts({\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        subtitle: {\n            text: ''\n        },\n        xAxis: {\n            categories: [ '1960', '1961', '1962', '1963', '1964', '1965', '1966', '1967', '1968', '1969', '1970', '1971', '1972', '1973', '1974', '1975', '1976', '1977', '1978', '1979', '1980', '1981', '1982', '1983', '1984', '1985', '1986', '1987', '1988', '1989', '1990', '1991', '1992', '1993', '1994', '1995', '1996', '1997', '1998', '1999', '2000', '2001', '2002', '2003', '2004', '2005', '2006', '2007', '2008', '2009', '2010', '2011', '2012', '2013']\n        },\n        yAxis: {\n            title: {\n                text: 'Bruttoanlageinvestitionen in % des BIP'\n            },\n        },\n        tooltip: {\n            valueSuffix: '%'\n        },\n  plotOptions: {\n            series: {\n                marker: {\n                    enabled: false\n                }\n            }\n        },\n        series: [{\n            name: 'Schweiz',\n            data: [30.2, 33.3, 35.1, 36.5, 37.4, 34.9, 33.4, 31.7, 31.1, 31.4, 33.5, 35.6, 36.1, 35.8, 33.6, 29.2, 25.1, 25.2, 26.1, 26.6, 28.9, 29.3, 28, 28.6, 28.4, 28.5, 29.1, 29.4, 31, 31.6, 31.1, 29.8, 26.8, 25.2, 25.5, 25.3, 24.3, 24.1, 24.9, 25.1, 25.3, 24.6, 24.6, 23.9, 24.5, 24.5, 24.4, 24.5, 24.2, 22.7, 22.8, 23.4, 23.6, 23.4]\n        }, {\n            name: 'Frankreich',\n            data: [22.5, 23.9, 23.6, 24.5, 25.4, 25.8, 26.1, 26.5, 26.2, 25.9, 25.6, 25.8, 25.9, 26.2, 26.8, 25.3, 24.9, 24, 23.6, 23.5, 24.4, 23.8, 23.2, 21.9, 21.2, 21.1, 21.1, 21.8, 22.5, 23.1, 23.3, 23.1, 22, 20.6, 20.3, 20, 19.8, 19.4, 19.8, 20.7, 21.4, 21.4, 20.9, 20.9, 21.3, 21.7, 22.4, 23.1, 23.6, 22, 22.1, 22.4, 22.5, 22.1]\n        }, {\n            name: 'Grossbritannien',\n            data: [17.3,18.3,18,18.2,19.7,19.8,19.8,20.3,21.3,21,22.6,22.7,22.7,23.7,23.9,21.6,20.9,20.5,21.2,22.2,21.4,20.1,20.2,20.3,21.4,21.6,21.5,22.9,24.7,26.3,25.4,22.9,21.1,20.3,19.8,19.6,20.2,18.9,19.2,19.2,19.1,18.7,18.7,18.2,18.1,18,18.2,18.5,17.9,16.1,16.1,16.1,16.2,16.4]\n        }, {\n            name: 'USA',\n            data: [21.1, 20.5, 20.8, 21.3, 21.9, 22.6, 22.3, 21.4, 21.6, 21.9, 21.2, 21.2, 21.8, 22.2, 21.7, 20.6, 21.1, 22.4, 23.7, 24.4, 23.5, 23.3, 22.5, 22.4, 23.5, 23.6, 23.5, 23, 22.4, 22, 21.2, 20.1, 19.8, 20, 20.3, 20.8, 21.3, 21.5, 22.1, 22.7, 23, 22.4, 21.4, 21.5, 22, 22.8, 22.8, 22.1, 21, 18.5, 18, 18.3, 18.8, 18.9]\n        },\n                {\n            name: 'EU-6',\n            data: [26.05, 26.99, 27.01, 26.37, 27.52, 27.77, 28.21, 27.8, 26.8, 26.42, 27.43, 27.67, 27.88, 27.43, 27.18, 26.64, 26.03, 26.12, 24.82, 24.47, 24.77, 23.06, 22.43, 22.17, 22.08, 22.92, 23, 23.49, 24.34, 25.41, 25.31, 23.86, 22.43, 20.87, 20.76, 21.07, 21.61, 21.94, 22.44, 22.6, 22.98, 22.73, 21.64, 21.53, 21.68, 21.99, 22.62, 23.3, 23.58, 21.89, 21, 21.53, 21.33, 20.74]\n        }]\n    });\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: EU-6: Durchschnitt der Staaten Belgien, D\u00e4nemark, Finnland, Niederlande, Schweden, \u00d6sterreich<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Ameco Database, Eurostat, eigene Berechnungen \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBetrachtet man nur das Niveau der Bruttoanlageinvestitionen, steht die Schweiz im internationalen Vergleich weiterhin gut da. In der Schweiz fliesst j\u00e4hrlich ein \u00fcberdurchschnittlich grosser Teil der Wirtschaftsleistung in Investitionsg\u00fcter. So lag dieser Anteil in der Schweiz im Jahr 2013 mit rund 23 Prozent mehr als 4 Prozentpunkte \u00fcber dem EU-Durchschnitt. Besonders viel wird in Ausr\u00fcstungen und immaterielle Investitionsg\u00fcter (z. B. Software) investiert, welche einen gr\u00f6sseren Effekt auf die Produktivit\u00e4t haben d\u00fcrften als beispielsweise Bauinvestitionen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Nettoinvestitionen als Schwachstelle<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin anderes Bild ergibt sich allerdings, wenn man die Nettoinvestitionen<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> betrachtet. Hier schneidet die Schweiz seit Mitte der Neunzigerjahre unterdurchschnittlich ab.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrund f\u00fcr die starke Diskrepanz zwischen Brutto- und Nettoinvestitionsquote sind zwei St\u00e4rken der Schweizer Volkswirtschaft: Zum einen ist der Kapitalstock (der gesamtwirtschaftliche Bestand an Investitionsg\u00fctern) im Vergleich zum BIP verh\u00e4ltnism\u00e4ssig hoch, wodurch j\u00e4hrlich relativ viel abgeschrieben werden muss. Zum anderen verlieren Investitionen in Ausr\u00fcstungen und immaterielle G\u00fcter, welche in der Schweiz \u00fcberdurchschnittlich viel get\u00e4tigt werden, im Gegensatz zu Bauten relativ schnell an Wert und m\u00fcssen daher auch nach k\u00fcrzerer Zeit abgeschrieben werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAufgrund dieser Wirtschaftsstruktur ben\u00f6tigt die Schweiz damit im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften eine h\u00f6here Bruttoinvestitionsquote, um den Kapitalstock weiter zu erh\u00f6hen. Im Jahr 2013 betrug das Verh\u00e4ltnis von Abschreibungen zum BIP 20,7 Prozent (Frankreich 18,1%, Grossbritannien 13,2%, EU-6 18,1%, USA 15,7%). Voraussichtlich ben\u00f6tigt die Schweiz auch in Zukunft Investitionsquoten von \u00fcber einem F\u00fcnftel, um den Kapitalstock lediglich konstant zu halten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei der nominalen Investitionsquote ist auch deshalb ein R\u00fcckgang zu beobachten, weil die Investitionsg\u00fcterpreise \u2013 insbesondere die Preise f\u00fcr Maschinen und Anlagen \u2013 im Vergleich zu den Konsumg\u00fcterpreisen seit l\u00e4ngerer Zeit zur\u00fcckgehen (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Dies l\u00e4sst sich vor allem darauf zur\u00fcckf\u00fchren, dass die Qualit\u00e4tsverbesserungen von Investitionsg\u00fctern wie Computern nicht in gleichem Masse zu Preissteigerungen f\u00fchren. Bei einer realen Betrachtung d\u00fcrfte der R\u00fcckgang der Investitionsquote daher deutlich geringer sein als bei der nominalen Quote.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Entwicklung der relativen Preise f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Investitionsg\u00fcterarten in der Schweiz<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"jaeruiabb2de\"><\/div>\n<script>\n\n$(function () {\n    $('#jaeruiabb2de').highcharts({\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        subtitle: {\n            text: ''\n        },\n        xAxis: {\n            categories: [ '1990', '1991', '1992', '1993', '1994', '1995', '1996', '1997', '1998', '1999', '2000', '2001', '2002', '2003', '2004', '2005', '2006', '2007', '2008', '2009', '2010', '2011']\n        },\n        yAxis: {\n            title: {\n                text: 'Relative Investitionsg\u00fcterpreise, Index (1990=100)'\n            },},\n\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ' %'\n        },\n  plotOptions: {\n            series: {\n                marker: {\n                    enabled: false\n                }\n            }\n        },\n        series: [{\n            name: 'Bruttoanlageinvestitionen',\n            data: [100, 96.8, 92.6, 89.4, 89.1, 85.2, 82.1, 79.6, 79.1, 79.2, 79.7, 80.7, 79.4, 78.5, 78.1, 78, 77.6, 77.9, 77.1, 77.1, 76.1, 76.3]\n        }, {\n            name: 'Nicht-Wohnbauten',\n            data: [100, 96.3, 89.9, 85.1, 85.2, 84.3, 80.8, 77.7, 77.7, 79.5, 82.5, 85.1, 83.2, 82, 82.8, 84.3, 85.7, 87.8, 88.1, 87.5, 87.4, 89.4]\n        }, {\n            name: 'Fahrzeugausr\u00fcstungen',\n            data: [100, 97.2, 95, 93.4, 94.5, 91.8, 89.4, 87.9, 88.1, 88.4, 88.4, 89.1, 88.9, 89.3, 88.5, 89.3, 88.7, 87.6, 85.7, 86.4, 85, 83.9]\n        }, {\n            name: 'Ausr\u00fcstungen ohne Fahrzeuge',\n            data: [100, 97.3, 94.9, 93.4, 92.3, 84.3, 81.7, 79.2, 78.2, 76.6, 75.3, 74.9, 73.4, 72.3, 70.6, 68.8, 67.1, 66.3, 64.8, 64.4, 62.6, 60.8]\n        }]\n    });\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: OECD, eigene Berechnungen \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Strukturwandel und Demografie als Treiber<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer starke R\u00fcckgang der Investitionsquote wirft Fragen nach den Ursachen dieser Entwicklung auf. Im Rahmen der empirischen Studie wurden f\u00fcnf m\u00f6gliche Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze untersucht:&#13;<\/p>\n<h3>Demografischer Wandel<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie empirische Analyse hat ergeben: Zwischen der Alterung der Bev\u00f6lkerung und der Investitionst\u00e4tigkeit besteht ein negativer Zusammenhang. Eine Ursache daf\u00fcr k\u00f6nnte sein, dass infolge des demografischen Wandels weniger Personen im erwerbsf\u00e4higen Alter zur Verf\u00fcgung stehen \u2013 mit negativen Folgen f\u00fcr Potenzialwachstum und Investitionsrenditen. Zum anderen f\u00fchrt ein h\u00f6herer Anteil von Personen, die schon im Pensionsalter stehen, tendenziell zu einer geringeren gesamtwirtschaftlichen Ersparnis und damit \u00fcber den Kapitalmarkt unter Umst\u00e4nden wiederum zu einer niedrigeren Investitionst\u00e4tigkeit. Wie in den meisten entwickelten Volkswirtschaften altert auch die Schweizer Gesellschaft. So stieg der Anteil der \u00fcber 65-J\u00e4hrigen an der Gesamtbev\u00f6lkerung zwischen 1960 und 2013 von gut einem Zehntel auf fast 18 Prozent.&#13;<\/p>\n<h3><strong>\u00d6konomische Globalisierung <\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie zunehmende Konkurrenz durch Niedriglohnl\u00e4nder kann den R\u00fcckgang der Investitionsquote nicht erkl\u00e4ren. Dies ist m\u00f6glicherweise darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass in den Schwellenl\u00e4ndern auch bedeutende Absatzm\u00e4rkte f\u00fcr Schweizer Produkte entstehen. W\u00e4hrend somit die \u00f6konomische Globalisierung als Ursache wegf\u00e4llt, scheint die reale Aufwertung des Schweizer Frankens um fast die H\u00e4lfte in den letzten 50 Jahren jedoch die preisliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit von Unternehmen, die der Billiglohnkonkurrenz besonders ausgesetzt sind, geschw\u00e4cht zu haben \u2013 was sich negativ auf die Investitionsquote auswirken k\u00f6nnte.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Entwicklung hin zur Dienstleistungsgesellschaft<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEine weitere Ursache f\u00fcr den R\u00fcckgang der Investitionsquote k\u00f6nnte der \u00f6konomische Strukturwandel sein. In der Schweiz ist der Anteil der Besch\u00e4ftigten im Dienstleistungssektor von rund 45 Prozent Ende der Sechzigerjahre auf gut 74 Prozent im Jahr 2013 gestiegen. Die empirische Analyse zeigt: Diese Terti\u00e4risierung hat zum R\u00fcckgang der Investitionsquote beigetragen. Aus Sicht der \u00f6konomischen Theorie ist dies plausibel: Aufgrund der im Durchschnitt geringeren Kapitalintensit\u00e4t der Dienstleistungssektoren sollte ein steigender Dienstleistungsanteil mit einer sinkenden Investitionsquote einhergehen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Politische und \u00f6konomische Unsicherheit <\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nInvestitionen sind h\u00e4ufig firmenspezifisch und daher weitestgehend irreversibel, woraus sich eine besondere Rolle der Unsicherheit des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes in Bezug auf das Investitionsgeschehen ergibt. Die Untersuchung hat allerdings nur einen geringen negativen Effekt der Unsicherheit auf die Investitionsquote ergeben. Aus theoretischer Sicht ist ebenfalls unklar, inwieweit steigende Unsicherheit \u00fcber zuk\u00fcnftige Gewinne tats\u00e4chlich negativ auf die langfristige Investitionst\u00e4tigkeit wirkt.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Sinkende \u00f6ffentliche Investitionsquoten<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie \u00f6ffentliche Investitionsquote liegt mit knapp 3 Prozent leicht unterhalb des Durchschnitts vergleichbarer EU-L\u00e4nder und ist wie in vielen entwickelten Volkswirtschaften seit den Siebzigerjahren tendenziell r\u00fcckl\u00e4ufig. Allerdings hat die empirische Analyse keinen klaren Zusammenhang zwischen \u00f6ffentlichen und privaten Investitionen ergeben. Aus theoretischen \u00dcberlegungen k\u00f6nnte der R\u00fcckgang der \u00f6ffentlichen Investitionen sowohl positiv (\u00fcber eine Verringerung des Realzinses) als auch negativ (durch eine Abnahme der privaten Investitionsrenditen) auf die private Investitionst\u00e4tigkeit gewirkt haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVor allem der wirtschaftliche Strukturwandel hin zu mehr Dienstleistungen und die demografische Entwicklung tragen somit zu der r\u00fcckl\u00e4ufigen Investitionsquote bei. Diese Faktoren sind durch die allgemeine \u2013 und erw\u00fcnschte \u2013 Wohlstandszunahme getrieben und werden auch in Zukunft anhalten.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Investitionsquote liefert Erkl\u00e4rung<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGibt es in der Schweiz eine langfristige Beziehung zwischen der Investitionst\u00e4tigkeit und der Produktivit\u00e4tsentwicklung? In Modellen des Wirtschaftswachstums wird ein solcher positiver Zusammenhang betont. Zudem kommen empirische Studien f\u00fcr eine Vielzahl von L\u00e4ndern zu dem Ergebnis, dass die Investitionen einen positiven Effekt auf die Wirtschaftsleistung und die Produktivit\u00e4t haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch die empirische Analyse ergibt einen positiven und signifikanten Zusammenhang zwischen der Investitionsquote und dem Wachstum der Arbeitsproduktivit\u00e4t f\u00fcr die Schweiz: In diesem einfachen Ansatz erkl\u00e4rt der R\u00fcckgang der Investitionsquote etwa die H\u00e4lfte des R\u00fcckgangs des Arbeitsproduktivit\u00e4tswachstums seit den Sechzigerjahren.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Forschungsintensive Pharmabranche ist produktiv<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInvestitionen h\u00e4ngen auch deshalb eng mit der Produktivit\u00e4tsentwicklung zusammen, weil durch sie produktivit\u00e4tssteigernde Innovationen eingef\u00fchrt werden. Die gesamtwirtschaftliche Produktivit\u00e4t h\u00e4ngt also nicht nur von der H\u00f6he der Investitionen ab, sondern auch von der Rate des technischen Fortschritts, der in diesen Investitionsg\u00fctern enthalten ist. Diese wiederum wird in hohem Masse vom Anteil der Forschung und Entwicklung (F&amp;E) in einer Volkswirtschaft beeinflusst.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDieses Bild best\u00e4tigt sich auch auf der Branchenebene. Insbesondere in der Pharmabranche, aber auch im Bereich Hochtechnologieinstrumente gehen hohe F&amp;E-Ausgaben mit einer hohen Arbeitsproduktivit\u00e4t einher. Dementgegen sind in den Branchen Nahrungsmittel sowie Metallerzeugung und -verarbeitung geringe F&amp;E-Aufwendungen mit einer geringen Arbeitsproduktivit\u00e4t verbunden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei der Forschung und Entwicklung belegt die Schweiz seit vielen Jahren eine f\u00fchrende Position: In Relation zum BIP sind die Ausgaben im internationalen Vergleich relativ hoch. Dies ist jedoch kein Garant daf\u00fcr, dass die Schweiz auch beim Innovationsoutput f\u00fchrend bleibt. So hat sich der Anteil der Firmen mit Innovationen, insbesondere jener mit Produktinnovationen, in den vergangenen Jahren abgeschw\u00e4cht. Allerdings ist dieser Anteil ein relativ grobes Mass f\u00fcr die Innovationsergebnisse und sagt nichts \u00fcber die Qualit\u00e4t der Innovationen aus \u2013 und es lassen sich daraus keine direkten Schl\u00fcsse \u00fcber die Effekte auf die Produktivit\u00e4t ableiten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm den Zusammenhang zwischen F&amp;E und Produktivit\u00e4t genauer zu untersuchen, wurde ein zweistufiges Vorgehen gew\u00e4hlt. Zun\u00e4chst wurde empirisch aufgezeigt, dass der Zusammenhang zwischen den F&amp;E-Ausgaben der Unternehmen und dem Innovationsoutput besonders eng ist. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die Ausgaben f\u00fcr die experimentelle Forschung, die allerdings in den vergangenen Jahren deutlich reduziert wurden.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn einem zweiten Schritt wurde der Zusammenhang zwischen Innovationsoutput und der Produktivit\u00e4tsentwicklung ber\u00fccksichtigt. Auf Ebene der Branchen zeigt sich, dass der Anteil der Firmen, die Innovationen generieren, seit Mitte der Neunzigerjahre in der Tendenz abgenommen hat. Besonders deutlich zeigt sich diese Tendenz wiederum bei den Produktinnovationen (siehe <em>Abbildung 3<\/em>).&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 3: Entwicklung der Firmen mit Produktinnovationen nach Branchen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"jaeruiabb3de\"><\/div>\n<script>\n\n\n\n\n\n$(function () {\n    $('#jaeruiabb3de').highcharts({\n        chart: {\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        subtitle: {\n            text: ''\n        },\n        xAxis: [{\n            categories: ['1997', '1998', '1999', '2000', '2001', '2002', '2003', '2004', '2005', '2006', '2007', '2008', '2009', '2010', '2011'],\n            crosshair: true\n        }],\n        yAxis: [{ \/\/ Primary yAxis\n            labels: {\n                format: '{value} %'\n                \n            },\n            title: {\n                text: 'Anteil an Unternehmen mit Produktinnovationen'\n                \n            }\n        }, { \/\/ Secondary yAxis\n            title: {\n                text: 'Arbeitsproduktivit\u00e4t pro vollzeit\u00e4quiv. 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Es ist durchaus m\u00f6glich, dass solche Ausgaben physische Investitionen zum Teil verdr\u00e4ngen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine Methodik der US-\u00d6konomen David Canning und Peter Pedroni<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> aus dem Jahr 2008 erlaubt eine grobe Einsch\u00e4tzung dar\u00fcber, ob die Forschungsausgaben zu hoch sind. Die Idee dabei ist, die empirischen Ergebnisse vor dem Hintergrund eines theoretischen Wachstumsmodells zu interpretieren. Insgesamt ergeben sich dabei keine Hinweise darauf, dass in der Schweiz bereits zu viel in Forschung und Entwicklung investiert wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAbschliessend l\u00e4sst sich sagen: In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Produktinnovationen abgeschw\u00e4cht. Dadurch d\u00fcrfte sich auch die Produktivit\u00e4t neuer Investitionen verringert haben. Da dies lange Zeit eine bedeutende Quelle f\u00fcr die hohen Produktivit\u00e4tszuw\u00e4chse in der Schweiz gewesen ist, k\u00f6nnte hier ein Hebel sein, um die Produktivit\u00e4t zu st\u00e4rken.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Auftraggeber der Studie war das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Bruttoanlageinvestitionen abz\u00fcglich des unterstellten j\u00e4hrlichen Verschleisses (Abschreibungen).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Wie zu erwarten, findet sich auch in der Schweiz ein positiver Zusammenhang zwischen der angewandten und der experimentellen Forschung und der Produktivit\u00e4tsentwicklung. Die Ausgaben f\u00fcr die Grundlagenforschung (da weit l\u00e4ngerfristiger Natur) weisen keinen direkten Zusammenhang mit der Produktivit\u00e4tsentwicklung auf.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Canning, D. und P. Pedroni (2008). Infrastructure, Long-Run Economic Growth and Causality Tests for Cointegrated Panels, Manchester School 76 (5): 504\u201327.<\/span><\/p><p><span>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweizer Volkswirtschaft hat ihre Wachstumsschw\u00e4che der Neunzigerjahre und der ersten Jahre nach der Jahrtausendwende \u00fcberwunden und ist in den vergangenen zehn Jahren \u00fcberdurchschnittlich gewachsen. 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Drei Faktoren \u2013 Bev\u00f6lkerungsalterung, steigender Dienstleistungsanteil sowie die reale Frankenaufwertung \u2013 k\u00f6nnen einen Grossteil dieser Entwicklung erkl\u00e4ren. Da h\u00f6here Investitionen in der Vergangenheit mit steigender Arbeitsproduktivit\u00e4t verbunden waren, tr\u00e4gt die schwache Investitionst\u00e4tigkeit rund die H\u00e4lfte zur Erkl\u00e4rung des geringen Produktivit\u00e4tszuwachses bei. Der Zusammenhang wird noch dadurch verst\u00e4rkt, dass sich die Produktivit\u00e4t der neuen Investitionen abgeschw\u00e4cht hat. Darauf deutet der R\u00fcckgang des Anteils der Unternehmen mit Produktinnovationen hin. 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