{"id":114815,"date":"2015-11-24T17:27:03","date_gmt":"2015-11-24T17:27:03","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/11\/indergand-12-2015-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:11:35","modified_gmt":"2023-08-23T21:11:35","slug":"indergand-12-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/11\/indergand-12-2015\/","title":{"rendered":"Die Ursachen der Fachkr\u00e4ftemigration in die Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Fachkr\u00e4fte braucht das Land. \u00dcber das gesamte politische Spektrum ist man sich einig, dass die Schweiz einen erh\u00f6hten Bedarf an gut qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften hat und dass diesbez\u00fcglich oft ein Mangel vorherrscht. So wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass Unternehmen oft Probleme haben, geeignetes Personal zu finden.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Mit entsprechend breiter Zustimmung lancierte das Departement f\u00fcr Wirtschaft, Bildung und Forschung 2011 die Fachkr\u00e4fteinitiative. Neben einer Reihe von Massnahmen zur besseren Aussch\u00f6pfung des Bildungspotenzials im Inland steht dabei auch die Zuwanderung von ausl\u00e4ndischen Fachkr\u00e4ften im Zentrum. Neu ist dieser Gedanke nicht: Bereits in der Botschaft zu den bilateralen Vertr\u00e4gen vom 23. Juni 1999 wies der Bundesrat auf den Mangel an Fachleuten und Spezialisten hin und darauf, dass das Freiz\u00fcgigkeitsabkommen (FZA) deutlich bessere Rekrutierungsm\u00f6glichkeiten mit sich bringen w\u00fcrde.&#13;<\/p>\n<h2>Anteil der Migranten mit Uniabschluss steigt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Abkommen mit der EU hielt dieses Versprechen. Die Zahl der neu eingewanderten Arbeitskr\u00e4fte erh\u00f6hte sich stark und entsprechend den Bed\u00fcrfnissen der Schweizer Unternehmen. W\u00e4hrend in den zehn Jahren vor Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit (1992\u20132002) der Wanderungssaldo rund 260\u2019000 Personen betrug, sind in den ersten zehn Jahren nach Einf\u00fchrung des FZA (2002\u20132012) netto rund 630\u2019000 Personen eingewandert. Die klare Mehrheit dieser Menschen trat eine Stelle an \u2013 von der Krankenschwester bis zum CEO. Der Anteil aus dem EU\/Efta-Raum erh\u00f6hte sich von praktisch null auf rund zwei Drittel aller Neuzugewanderten.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMindestens so eindr\u00fccklich ist die Ver\u00e4nderung der Bildungsstruktur der neu eingewanderten Arbeitskr\u00e4fte w\u00e4hrend der letzten Jahrzehnte. Um 1980 hatten weniger als 20 Prozent der Immigranten einen terti\u00e4ren Bildungsabschluss, w\u00e4hrend weit mehr als die H\u00e4lfte keinen oder nur einen Grundschulabschluss mitbrachte. In den letzten 20 Jahren wurde dieses Muster jedoch auf den Kopf gestellt. Heute ist es die Mehrheit der Neuzugewanderten, die einen Universit\u00e4tsabschluss mitbringt. Die Quote an Tiefqualifizierten hingegen sank auf 20 Prozent. Die restlichen ca. 25 Prozent sind Arbeitskr\u00e4fte mit Sekundarbildung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas FZA hat es den Unternehmen massiv erleichtert, Arbeitskr\u00e4fte aus der EU und insbesondere aus Westeuropa, das \u00fcber sehr hohe Bildungsstandards verf\u00fcgt, zu rekrutieren. Die Vermutung liegt daher nahe, dass diese \u00d6ffnung des Arbeitsmarktes zu einer Verschiebung der Ausbildungsstruktur hin zu mehrheitlich hoch qualifizierten Zuwanderern gef\u00fchrt hat. Bisher finden sich jedoch kaum Studien, welche diese Vermutung untermauern und die Situation in der Schweiz vertieft analysieren. Im Folgenden geben wir einen \u00dcberblick zu den Treibern der Ausbildungsstruktur der Migranten und vertreten die These, dass das FZA im Wesentlichen keinen oder sogar einen leicht negativen Effekt auf deren Bildungsniveau hatte.&#13;<\/p>\n<h2>Nicht nur ein Schweizer Ph\u00e4nomen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit Jahrzehnten existiert in den entwickelten L\u00e4ndern ein Trend hin zu einer immer besser qualifizierten Erwerbsbev\u00f6lkerung. Noch eindr\u00fccklicher ist dieser Trend unter den Migranten. <em>Abbildung 1<\/em> veranschaulicht diese \u00c4nderungen, jeweils separat f\u00fcr hoch, mittel und tief qualifizierte Immigranten im Falle von 18 Ziell\u00e4ndern.\u00a0<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Die Y-Achse zeigt die absolute \u00c4nderung des Anteils einer Ausbildungsgruppe an der Gesamteinwanderung von 1980 bis 2010: Der Anteil an Terti\u00e4rausgebildeten stieg zwischen 5 Prozentpunkten (Finnland) und 33 Prozentpunkten (Vereinigtes K\u00f6nigreich) und hat sich im Durchschnitt \u00fcber alle Staaten um rund 19 Prozentpunkte erh\u00f6ht. Weniger stark fiel der Anstieg bei den Mittelqualifizierten aus mit durchschnittlich 8 Prozentpunkten, wohingegen der Anteil an Tiefqualifizierten im Durchschnitt um 27 Prozentpunkte zur\u00fcckging. Die X-Achse zeigt jeweils eine hypothetische \u00c4nderung dieser Anteile. Diese zeigt, wie sich die Anteile der hoch, mittel und tief qualifizierten Migranten ge\u00e4ndert h\u00e4tten, wenn sich deren Bildungsstand so entwickelt h\u00e4tte wie bei der Bev\u00f6lkerung in ihrem Heimatland. H\u00e4tte sich beispielsweise die Bildungsstruktur der Einwanderer in Grossbritannien genau gleich ver\u00e4ndert wie in deren Herkunftsl\u00e4ndern, so w\u00e4re der Anteil an hoch qualifizierten Migranten im Vereinigten K\u00f6nigreich nur um 10 Prozentpunkte gestiegen. Tats\u00e4chlich aber hat sich dieser Anteil rund dreimal st\u00e4rker erh\u00f6ht.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Tats\u00e4chliche und hypothetische \u00c4nderung der Bildungsstruktur bei Migranten (\u00c4nderung des Anteils am Total in Prozentpunkten)<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<\/p>\n<h2>Hochqualifizierte (Terti\u00e4r)<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/11\/Indergand_Beerli_Abb21.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-41913 size-full\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/11\/Indergand_Beerli_Abb21.png\" alt=\"\" width=\"534\" height=\"581\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Mittelqualifizierte\u00a0(Sekund\u00e4r)<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/11\/Indergand_Beerli_Abb11.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-41912\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/11\/Indergand_Beerli_Abb11.png\" alt=\"Indergand_Beerli_Abb1\" width=\"534\" height=\"581\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Tiefqualifizierte\u00a0(Grundschule und weniger)<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/11\/Indergand_Beerli_Abb3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-41916\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/11\/Indergand_Beerli_Abb3.png\" alt=\"Indergand_Beerli_Abb3\" width=\"534\" height=\"581\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Die Skalen zeigen die absolute \u00c4nderung der Anteile von hoch, mittel und tief qualifizierten Einwanderern an der Gesamteinwanderung zwischen 1980 und 2010 f\u00fcr die einzelnen Ziell\u00e4nder. Die Vertikale zeigt die tats\u00e4chlichen, die Horizontale die hypothetischen \u00c4nderungen, berechnet anhand der Ausbildung der Bev\u00f6lkerung in den Heimatl\u00e4ndern der Immigranten.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Eigene Berechnungen Indergand &amp; Beerli \/ Die Volkswirtschaft&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Grafiken zeigen, dass sich der Anteil von hoch qualifizierten Immigranten in fast allen Ziell\u00e4ndern viel st\u00e4rker erh\u00f6ht hat, als es die bessere Ausbildungsstruktur in deren Herkunftsl\u00e4ndern vorhergesagt h\u00e4tte. Fast alle Punkte liegen deshalb \u00fcber der roten 45-Grad-Linie, wo die \u00c4nderungen bei den Immigranten gleich hoch sind wie bei Besch\u00e4ftigten in den Heimatl\u00e4ndern. Das Umgekehrte l\u00e4sst sich f\u00fcr Migranten mit mittlerer Qualifikation feststellen. In den Herkunftsl\u00e4ndern stieg ihr Anteil meist sogar st\u00e4rker als der Anteil an Hochqualifizierten. Dies \u00fcbertrug sich aber kaum auf die migrierenden Arbeitskr\u00e4fte. Zwar stieg auch der Anteil der Migranten mit mittlerem Qualifikationsniveau, aber viel weniger deutlich als zu erwarten w\u00e4re: Fast alle Punkte liegen unter der 45-Grad-Linie. Im Falle von Tiefqualifizierten ist das Bild hingegen nicht eindeutig.&#13;<\/p>\n<h2>Welche Faktoren beeinflussen den Bildungsmix bei Migranten?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas obige Beispiel macht deutlich, dass die Verbesserung des Ausbildungsniveaus in den Herkunftsl\u00e4ndern zwar ein wichtiger Bestimmungsfaktor f\u00fcr die Ver\u00e4nderung der Ausbildungsstruktur der Immigranten ist, aber bei Weitem nicht alleine die beobachteten Verschiebungen erkl\u00e4ren kann. Was sind weitere m\u00f6gliche Faktoren?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der \u00f6konomischen Literatur wird generell zwischen sogenannten Push- und Pull-Faktoren unterschieden.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Push- bzw. angebotsseitige Faktoren sind Begebenheiten im Heimatland von Migranten, z. B. die Bildungsstruktur, die wirtschaftliche Situation (Konjunkturlage, Wohlstandsniveau, Lohnungleichheit, Arbeitslosigkeit etc.) oder die politische Stabilit\u00e4t. Pull- bzw. nachfrageseitige Faktoren sind die Bedingungen im Zielland. Da wir hier ausschliesslich von Arbeitsmigration sprechen, sind vor allem Variablen entscheidend, welche die Arbeitsnachfrage der Firmen beeinflussen (Konjunkturlage, Wirtschaftsstruktur etc.). Daneben spielen auch die Migrationspolitik, Netzwerke ethnischer Gruppen, die Distanz zum Herkunftsland, eine gemeinsame Sprache und \u00e4hnliche Faktoren eine Rolle.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEntscheidend f\u00fcr die resultierende Bildungsstruktur unter den Immigranten sind jedoch die Lohnunterschiede zwischen Hoch-, Mittel- und Tiefqualifizierten sowohl im Zielland wie im Heimatland.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Erh\u00f6hen sich die L\u00f6hne f\u00fcr Hochqualifizierte relativ zu jenen von Mittelqualifizierten im Zielland st\u00e4rker als im Herkunftsland, so steigt f\u00fcr Erstere der Anreiz zu migrieren. Ver\u00e4nderungen der Lohnunterschiede wiederum sind stark beeinflusst von strukturellen Verschiebungen der Arbeitsnachfrage der Unternehmen.&#13;<\/p>\n<h2>Digitaler Wandel ersetzt Mittelqualifizierte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSo ist es denn vor allem eine stark ver\u00e4nderte Arbeitsnachfrage der Schweizer Unternehmen, welche die \u00fcberproportionale Zunahme bei Hoch- und die unterproportionale Zunahme bei Mittelqualifizierten (siehe <em>Abbildung 1<\/em>) gr\u00f6sstenteils erkl\u00e4ren d\u00fcrfte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZahlreiche Autoren haben f\u00fcr die OECD-L\u00e4nder nachgewiesen, dass sich die Arbeitsm\u00e4rkte polarisieren.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> W\u00e4hrend die Nachfrage nach mittel qualifizierten (mittel verdienenden) Arbeitskr\u00e4ften eher zur\u00fcckgeht, steigt sowohl die Nachfrage nach hoch qualifizierten (gut verdienenden) als auch nach niedrig qualifizierten (schlecht verdienenden) Arbeitskr\u00e4ften. Auch die Schweiz bildet hier keine Ausnahme.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> Der Hintergrund f\u00fcr diese Entwicklung ist die Verbreitung von Computern und Maschinen im Arbeitsprozess. Fliessbandarbeiter wurden vermehrt durch Roboterarme ersetzt, B\u00fcroassistenten durch Organisationssoftware. Maschinen haben vor allem dort Arbeitskr\u00e4fte ersetzt, wo Letztere Routinet\u00e4tigkeiten ausf\u00fchrten. Dabei sinkt besonders die Nachfrage nach mittel qualifizierten Arbeitnehmern, weil diese st\u00e4rker in Routinearbeiten engagiert sind. Im Gegensatz dazu zeigt sich, dass Maschinen analytische, kreative oder interaktive Berufe am oberen Rand der Qualifikationsstruktur, wie Management-, Forschungs- oder Lehrt\u00e4tigkeiten, nicht ersetzen konnten, sondern deren Nachfrage gar gesteigert haben. Ebenso wenig wurden T\u00e4tigkeiten im Dienstleistungsbereich, wie Pflegeberufe, Friseure oder Taxifahrer, von Robotern abgel\u00f6st \u2013 zumindest bis heute. Somit stieg die Nachfrage nach Hochqualifizierten, jene nach Tiefqualifizierten blieb trotz technischem Fortschritt zumindest stabil.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie <em>Abbildungen 2<\/em> <em>und 3<\/em> illustrieren diesen Sachverhalt f\u00fcr die Schweiz. In Arbeitsmarktregionen<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a>, deren Arbeitnehmende im Jahr 1980 stark in Routinet\u00e4tigkeiten<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a> mit hohem Substitutionspotenzial engagiert waren, hat sich der Anteil an Mittelqualifizierten verringert (<em>Abb. 2<\/em>). Spiegelbildlich stieg der Anteil an Hochqualifizierten in diesen Regionen st\u00e4rker (<em>Abb. 3<\/em>), und der Anteil an Niedrigqualifizierten ging weniger stark zur\u00fcck. Beispielsweise gingen 1980 in Z\u00fcrich rund 43 Prozent der Besch\u00e4ftigten routineintensiven T\u00e4tigkeiten nach, im Goms hingegen nur rund 18 Prozent. In den folgenden 30 Jahren erh\u00f6hte sich der Anteil Hochqualifizierter an der Gesamtbesch\u00e4ftigung in Z\u00fcrich um ca. 30 Prozentpunkte von 20 auf 50 Prozent im Jahr 2010. Im Goms stieg derselbe Anteil nur um rund 12 Prozentpunkte (von 4 auf 16 Prozent). Im Falle von Mittelqualifizierten hingegen fiel der Anteil in Z\u00fcrich deutlich, w\u00e4hrend dieser im Goms noch zulegte. Diese Verschiebung (Polarisierung) der Arbeitsnachfrage hat auch die Bildungsstruktur der Migranten stark beeinflusst.<a href=\"#footnote_10\" id=\"footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor\">[10]<\/a> So stieg der Anteil der hoch qualifizierten Neueinwanderer in Z\u00fcrich von 24 auf stolze 70 Prozent. Die Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit spielte eine klar untergeordnete Rolle.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Routineanteil der Besch\u00e4ftigung und \u00c4nderung bei Mittelqualifizierten (\u00c4nderung in Prozentpunkten)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/11\/Indergand_Beerli_Abb41.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-41966\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/11\/Indergand_Beerli_Abb41.png\" alt=\"Indergand_Beerli_Abb4\" width=\"1160\" height=\"988\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Eigene Berechnungen Indergand &amp; Beerli \/ Die Volkswirtschaft&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 3: Routineanteil der Besch\u00e4ftigung und \u00c4nderung bei Hochqualifizierten\u00a0(\u00c4nderung in Prozentpunkten)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/11\/Indergand_Beerli_Abb51.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-41968\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/11\/Indergand_Beerli_Abb51.png\" alt=\"Indergand_Beerli_Abb5\" width=\"1160\" height=\"829\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Eigene Berechnungen Indergand &amp; Beerli \/ Die Volkswirtschaft&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Geringer Effekt der Freiz\u00fcgigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDa die Personenfreiz\u00fcgigkeit nur f\u00fcr EU-B\u00fcrger eingef\u00fchrt wurde, das alte System jedoch f\u00fcr Drittstaaten weiterhin gilt, kann der Effekt des FZA durch Vergleich der beiden L\u00e4ndergruppen isoliert werden. Konkret l\u00e4sst sich mittels einer sogenannten <em>difference-in-differences-<\/em>Sch\u00e4tzung analysieren, ob sich die Bildungsstruktur der Migranten aus der EU nach Einf\u00fchrung des FZA signifikant anders entwickelt hat als diejenige der Migranten aus Drittstaaten. Die Resultate zeigen, dass dies nicht der Fall ist. Immigranten aus EU-L\u00e4ndern wiesen seit Einf\u00fchrung des FZA keine bessere Qualifikationsstruktur auf. Teilweise zeigt sich gar eine leicht schw\u00e4chere Zunahme von Hochqualifizierten und eine leicht st\u00e4rkere Zunahme von Mittelqualifizierten (bzw. eine schw\u00e4chere Abnahme bei Tiefqualifizierten). Das heisst, dass sich der Bildungsmix bei Einwanderern aus dem EU-Raum relativ zu jenen aus Drittstaaten gleich entwickelt oder sogar eher verschlechtert hat.<a href=\"#footnote_11\" id=\"footnote-anchor_11\" class=\"inline-footnote__anchor\">[11]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDieses Resultat ist nicht so \u00fcberraschend, wenn man bedenkt, dass das Gros der Immigranten schon vor dem FZA \u00abpositiv selektioniert\u00bb war. Dies bedeutet, dass es aufgrund der vorherrschenden Lohnunterschiede und der Migrationshemmnisse f\u00fcr Hochqualifizierte attraktiver bzw. einfacher war, in die Schweiz einzuwandern, als f\u00fcr Tieferqualifizierte.<a href=\"#footnote_12\" id=\"footnote-anchor_12\" class=\"inline-footnote__anchor\">[12]<\/a> Mit dem FZA wurden die H\u00fcrden stark abgebaut f\u00fcr Immigranten aus EU-L\u00e4ndern aller Ausbildungsgruppen. Es ist aber anzunehmen, dass sie f\u00fcr Immigranten mit tieferer Bildung de facto etwas st\u00e4rker fielen als f\u00fcr Hochqualifizierte, die schon unter dem Regime vor dem FZA eher willkommen waren (dies galt insbesondere f\u00fcr Personen aus osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern). Mit dem FZA d\u00fcrfte somit der Anreiz bzw. die M\u00f6glichkeit, in der Schweiz nach Arbeit zu suchen, f\u00fcr Tief- und Mittelqualifizierte eher st\u00e4rker gestiegen sein als f\u00fcr Hochqualifizierte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZweifelsohne hat die Personenfreiz\u00fcgigkeit dazu beigetragen, den Mangel an Fachleuten in der Schweiz rein quantitativ zu lindern, weil es f\u00fcr die Unternehmen leichter wurde, Arbeitskr\u00e4fte aus der EU zu rekrutieren.<a href=\"#footnote_13\" id=\"footnote-anchor_13\" class=\"inline-footnote__anchor\">[13]<\/a> So konnte der Fachkr\u00e4ftemangel gelindert werden, der sich durch die starke Nachfrage nach Hochqualifizierten im Zeitalter von Digitalisierung und Automatisierung ergibt. Die Vermutung, dass das FZA auch zu einer durchschnittlich h\u00f6her qualifizierten Einwanderung gef\u00fchrt hat, kann jedoch nicht best\u00e4tigt werden. Dies ist vielmehr auf die Ver\u00e4nderung der Ausbildungsstruktur in den Herkunftsl\u00e4ndern der Immigranten und auf eine verst\u00e4rkte Nachfrage nach Hochqualifizierten im Zielland Schweiz zur\u00fcckzuf\u00fchren. Migranten bilden dabei einen Pool von Arbeitskr\u00e4ften, der rasch auf die Ver\u00e4nderung der Arbeitsnachfrage reagiert. Das FZA spielte demgegen\u00fcber eine untergeordnete (oder eher zuwiderlaufende) Rolle f\u00fcr den gestiegenen Bildungsmix der Immigranten in der Schweiz.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe K\u00e4gi & Lobsiger (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href='http:\/\/www.seco.admin.ch\/aktuell\/00277\/01164\/01980\/index.html?lang=de&msg-id=49206' target=\"_blank\">Medienmitteilung<\/a> des Seco vom 11. 06. 2013 sowie die begleitende Literatur auf www.seco.admin.ch.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Hoch qualifiziert: Terti\u00e4rabschluss; mittel qualifiziert: Sekundarabschluss; tief qualifiziert: Grundschule oder weniger. Immigranten sind in dieser Grafik als im Ausland geborene Personen definiert und nicht als neu\/k\u00fcrzlich Eingewanderte. Im Falle Letzterer d\u00fcrften die beschriebenen Entwicklungen noch deutlich st\u00e4rker ausfallen.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Siehe Borjas (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Siehe Grogger & Hanson (2011).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Siehe Autor & Dorn (2013) f\u00fcr die USA und Goos, Manning & Salomons (2009) f\u00fcr europ\u00e4ische L\u00e4nder.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href='http:\/\/dievolkswirtschaft.ch2015\/05\/die-arbeitsmarktpolarisierung-nimmt-zu' target=\"_blank\">Infografik<\/a> in Die Volkswirtschaft 2015\/05.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Definition gem\u00e4ss BFS.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">Der Routinegehalt wird \u00fcber die Berufsstruktur der Erwerbsbev\u00f6lkerung im Jahr 1980 definiert.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_10\" class=\"footnote--item\">Beerli & Indergand (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_11\" class=\"footnote--item\">Dass der erleichterte Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt die Einwanderungsanreize f\u00fcr tiefere Bildungsschichten st\u00e4rker erh\u00f6ht hat als f\u00fcr Gutausgebildete, best\u00e4tigt auch eine Studie von Beerli & Peri (2015). Die Studie zeigt, dass der Anteil der Tiefausgebildeten in der Schweizer Grenzregion bis zu 10 Prozentpunkte weniger stark gesunken ist als in der Rest-Schweiz, die erst drei Jahre nach der Grenzregion komplett liberalisiert wurde f\u00fcr Immigranten aus EU-17-L\u00e4ndern.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_11\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_12\" class=\"footnote--item\">Der Einfluss von Immigrationskosten auf die Selektion von Immigranten wird auch in Borjas (2014) erl\u00e4utert.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_12\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_13\" class=\"footnote--item\">Siehe etwa M\u00fchlemann & Wolter (2013) oder Braun, K\u00e4gi & Morlok (2011).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_13\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fachkr\u00e4fte braucht das Land. \u00dcber das gesamte politische Spektrum ist man sich einig, dass die Schweiz einen erh\u00f6hten Bedarf an gut qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften hat und dass diesbez\u00fcglich oft ein Mangel vorherrscht. So wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass Unternehmen oft Probleme haben, geeignetes Personal zu finden. 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Which Factors Drive the Skill-Mix of Migrants in the Long-Run? UBS Center Working Paper Series, Working Paper No. 12, April 2015.<\/li>&#13;\n\t<li>Beerli, A. &amp; Peri, G. (2015). The Labor Market Effect of Opening the Border: New Evidence from Switzerland. NBER Working Paper Nr. 21319.<\/li>&#13;\n\t<li>Br\u00fccker H., Capuano, S. &amp; Marfouk, A. (2013). Education, Gender and International Migration: Insights from a Panel-Dataset 1980\u20132010. mimeo.<\/li>&#13;\n\t<li>Goos, M., Manning, A., &amp; Salomons, A. (2009). Job Polarization in Europe. The American Economic Review, Papers and Proceedings, 99(2), 58\u201363.<\/li>&#13;\n\t<li>Grogger, J. &amp; Hanson, G. H. (2011). Income Maximization and the Selection and Sorting of International Migrants. Journal of Development Economics, 95(1), 42\u201357.<\/li>&#13;\n\t<li>K\u00e4gi, W. &amp; M. Lobsiger (2014). Ein Indikatorensystem erm\u00f6glicht die Beurteilung der Fachkr\u00e4ftenachfrage in verschiedenen Berufsfeldern. Die Volkswirtschaft, Nr. 4.<\/li>&#13;\n\t<li>Braun, N., K\u00e4gi, W. &amp; M. Morlok (2011). Fachkr\u00e4ftemangel und Migration. Die Volkswirtschaft, Nr. 12.<\/li>&#13;\n\t<li>M\u00fchlemann, S. &amp; S. Wolter (2013). Personenfreiz\u00fcgigkeit d\u00e4mpft den Fachkr\u00e4ftemangel in der Schweiz. Die Volkswirtschaft, Nr. 6.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":114818,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":114822,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"39040","post_abstract":"Das Freiz\u00fcgigkeitsabkommen mit der EU hat die b\u00fcrokratischen H\u00fcrden f\u00fcr Schweizer Unternehmen, die Arbeitskr\u00e4fte aus dem Ausland rekrutieren m\u00f6chten, massiv gesenkt. Die ge\u00f6ffneten Grenzen haben somit dazu beigetragen, den Fachkr\u00e4ftemangel in der Schweiz zu d\u00e4mpfen. Dass im gleichen Zeitraum auch der Anteil der gut ausgebildeten Einwanderer auf rund 50 Prozent gestiegen ist, l\u00e4sst sich aber nicht kausal mit der erleichterten Einwanderung f\u00fcr EU-B\u00fcrger erkl\u00e4ren. Der beeindruckende Anstieg ist insbesondere auf zwei andere Faktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren. Einerseits ist die Bev\u00f6lkerung in den Herkunftsl\u00e4ndern der Zuwanderer insgesamt immer besser ausgebildet. Andererseits hat die Schweiz w\u00e4hrend den letzten Jahrzehnten eine sogenannte Arbeitsmarktpolarisierung erlebt. 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