{"id":114849,"date":"2015-11-24T17:24:37","date_gmt":"2015-11-24T17:24:37","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/11\/graber-12-2015-franz\/"},"modified":"2024-04-18T15:11:18","modified_gmt":"2024-04-18T13:11:18","slug":"graber-12-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/11\/graber-12-2015\/","title":{"rendered":"Transparenz im Rohstoffhandel aus Sicht der Branche"},"content":{"rendered":"<p>Der Rohstoffhandel gilt traditionell als diskrete Branche mit undurchsichtigen Aktivit\u00e4ten. Deshalb fordern Konsumenten, Politiker, die Zivilgesellschaft, Nichtregierungsorganisationen und Gesch\u00e4ftspartner mehr Transparenz und Gouvernanz im Rohstoffhandel. Dabei sind jedoch die Anstrengungen der Rohstoffhandelsfirmen aus dem Blick geraten, welche kontinuierlich, konsequent und proaktiv auf mehr Transparenz, Offenlegung und Verantwortlichkeit hinarbeiten. Es ist daher unerl\u00e4sslich, die Bedeutung des Begriffs \u00abTransparenz\u00bb im Rohstoffhandel zu kl\u00e4ren, zumal sich dessen Akteure bereits heute an strenge Standards halten.<\/p>\n<p>Transparenzforderungen an den Rohstoffhandel zielen vornehmlich auf zwei Aspekte: Die Transparenz von Gesch\u00e4ftspraktiken nimmt Umwelt-, Menschenrechts-, Nachhaltigkeits- und Korruptionsprobleme sowie das Risikomanagement in den Blick, w\u00e4hrend die Zahlungstransparenz Finanz- und Zahlungsfl\u00fcsse genauer betrachtet.<\/p>\n<p>Der Branchenverband Swiss Trading and Shipping Association (STSA) unterst\u00fctzt diese Bem\u00fchungen und ist in mehrere entsprechende Initiativen involviert. Dazu z\u00e4hlt die Extractive Industries Transparency Initiative (EITI), welche auf mehr Zahlungstransparenz in der Rohstofff\u00f6rderung abzielt. Diese ist von besonderer Bedeutung, da Einnahmen aus der Rohstofff\u00f6rderung erheblich zur langfristigen Finanzlage eines Landes beitragen. Im Unterschied dazu sind die meisten Aktivit\u00e4ten im physischen Rohstoffhandel heute kurzfristiger Art und finden auf offenen und transparenten Rohstoffm\u00e4rkten statt.<\/p>\n<p>Die St\u00e4rke der EITI liegt in ihrer Verbindlichkeit: Sobald ein Land die Regeln umsetzt, sind dort Zahlungstransparenz und Offenlegung f\u00fcr alle Akteure verpflichtend. Deshalb halten sich die Rohstoffh\u00e4ndler in solchen Staaten schon heute an die EITI-Verpflichtungen. Das ist etwa im Irak der Fall, wo Rohstoffh\u00e4ndler ihre K\u00e4ufe beim Staat oder bei Unternehmen im Staatsbesitz wie etwa der staatlichen \u00d6lgesellschaft entsprechend offenlegen, obwohl sie selbst nicht der EITI angeh\u00f6ren.<\/p>\n<h2><strong>Regierungen und staatliche Unternehmen sind gefordert<\/strong><\/h2>\n<p>In der Tat sollten Rohstoffh\u00e4ndler als K\u00e4ufer von Rohstoffen nicht selbst bestimmen, inwieweit welche Informationen von Regierungen und Unternehmen im Staatsbesitz offengelegt werden. Es ist daher wichtig, dass Regierungen und Unternehmen im Staatsbesitz zusammen mit dem EITI-Sekretariat die Initiative daf\u00fcr ergreifen: Sie m\u00fcssen festlegen, wie der \u00abfirst sale\u00bb an Rohstoffh\u00e4ndler transparenter werden soll. Zu diesem Prozess k\u00f6nnen Rohstoffh\u00e4ndler beitragen, indem sie ihre Sachkenntnis technischer Aspekte des Rohstoffhandels sowie institutioneller Mechanismen zur Umsetzung und Einhaltung des EITI-Standards einbringen.<\/p>\n<p>Entsprechend bef\u00fcrworten die STSA und ihre Mitglieder die EITI, weil damit das \u00abUpstream\u00bb-Ende der Rohstoffkette transparent und r\u00fcckverfolgbar wird. Dank dieser Sorgfaltspflicht f\u00fcr die Herkunft von Rohstoffen k\u00f6nnen Gesundheits-, Sicherheits-, Umwelt- und Menschenrechtsfragen erkannt und angegangen werden, was diese Risiken und Probleme f\u00fcr alle folgenden Akteure in der Rohstoffkette mindert \u2013 inklusive der Rohstoffh\u00e4ndler, der Endverbraucher und der Konsumenten.<\/p>\n<p>Dies entspricht den Initiativen f\u00fcr gr\u00f6ssere Transparenz von Gesch\u00e4ftspraktiken wie den Guiding Principles on Business and Human Rights der UNO (\u00abRuggie-Prinzipien\u00bb). Indem Risiken identifiziert, gemindert und gemeldet werden, soll in Menschenrechts- und Umweltfragen die Transparenz erh\u00f6ht werden. Die STSA unterst\u00fctzt daher diese Initiativen und begr\u00fcsst die Fortsetzung des derzeit laufenden Multi-Stakeholder-Dialogs f\u00fcr mehr Transparenz im Rohstoffhandel.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Rohstoffhandel gilt traditionell als diskrete Branche mit undurchsichtigen Aktivit\u00e4ten. Deshalb fordern Konsumenten, Politiker, die Zivilgesellschaft, Nichtregierungsorganisationen und Gesch\u00e4ftspartner mehr Transparenz und Gouvernanz im Rohstoffhandel. Dabei sind jedoch die Anstrengungen der Rohstoffhandelsfirmen aus dem Blick geraten, welche kontinuierlich, konsequent und proaktiv auf mehr Transparenz, Offenlegung und Verantwortlichkeit hinarbeiten. 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