{"id":115045,"date":"2015-10-26T08:07:36","date_gmt":"2015-10-26T08:07:36","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/10\/2015-langenegger-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:11:59","modified_gmt":"2023-08-23T21:11:59","slug":"2015-11-langenegger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/10\/2015-11-langenegger\/","title":{"rendered":"Wirtschaft w\u00e4chst dank Digitalisierung"},"content":{"rendered":"<p>Durch den Prozess der Digitalisierung werden Informationen zunehmend digital gespeichert und verbreitet: Das Buch wird zum E-Book, die Zeitung lesen wir auf dem Smartphone, und viele Markttransaktionen finden heute im Internet statt. Die der Digitalisierung zugrunde liegende Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) ist als sogenannte Basisinnovation einzustufen. Solche grundlegende Neuerungen \u2013 wie etwa die Dampfkraft oder die Elektrizit\u00e4t \u2013 gestalten Gesellschaft und Wirtschaft tiefgreifend um.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Zuge der Digitalisierung kam es vor diesem Hintergrund zu erheblichen Ver\u00e4nderungen in der Musik- und der Fotoindustrie, dem Handel, der Kommunikationsbranche oder j\u00fcngst auch im Taxigewerbe. Derartige Umw\u00e4lzungen l\u00f6sen h\u00e4ufig Unbehagen und Abwehrreaktionen aus, wie etwa die Protestaktionen von Taxifahrern in verschiedenen St\u00e4dten der Welt gegen den Fahrdienstvermittler Uber illustrieren. Wie bei jedem strukturellen Wandel ist es gerade im Hinblick auf den Arbeitsmarkt zentral, wie viel Zeit f\u00fcr die Anpassungen zur Verf\u00fcgung steht.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWas bedeutet der durch die Digitalisierung ausgel\u00f6ste Ver\u00e4nderungsprozess nun f\u00fcr die Wirtschaftspolitik der Schweiz?&#13;<\/p>\n<h2>Investitionen und Produktivit\u00e4tssteigerung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZun\u00e4chst beeinflussen die tiefgreifenden Umw\u00e4lzungen der Digitalisierung das Wirtschaftswachstum. Vereinfacht gesagt kann eine Volkswirtschaft auf zwei Arten wachsen: Entweder wird der Einsatz von Arbeit und Sachkapital erh\u00f6ht, oder die vorhandenen Ressourcen werden effizienter genutzt, wodurch die Produktivit\u00e4t ansteigt. So k\u00f6nnen Innovationen, der technische Fortschritt oder eine bessere Ausbildung der Arbeitskr\u00e4fte zu einer effizienteren Verwendung der vorhandenen Ressourcen f\u00fchren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Digitalisierung kann das Wirtschaftswachstum demnach \u00fcber zunehmende Investitionen in Sachkapital wie Software, Server und Netzwerke, einen Produktivit\u00e4tsanstieg in der ICT-Produktion aufgrund des raschen technischen Fortschritts sowie \u00fcber eine Produktivit\u00e4tszunahme durch die Nutzung von ICT in den verschiedensten Industrie- und Dienstleistungszweigen beeinflussen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine Studie f\u00fcr Deutschland zeigt: Die zunehmende Nutzung von ICT zwischen 1998 und 2012 hat gut ein Drittel zum Wertsch\u00f6pfungswachstum im Nachbarland der Schweiz beigetragen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Auch eine Untersuchung f\u00fcr die EU und die USA f\u00fcr die Jahre 1995 bis 2007 &shy;kommt zu \u00e4hnlichen Schl\u00fcssen. In der EU stand in diesem Zeitraum ungef\u00e4hr ein Drittel des Wachstums des Bruttoinlandprodukts (BIP) im Zusammenhang mit der Digitalisierung; in den USA waren es sogar rund 40 Prozent.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Dabei waren Investitionen in ICT sowie die Erh\u00f6hung der Produktivit\u00e4t in der ICT-Produktion hauptverantwortlich f\u00fcr den Anstieg. Produktivit\u00e4tsgewinne durch den Einsatz digitaler Technologien spielten hingegen eine etwas weniger wichtige Rolle.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine Zunahme der Produktivit\u00e4t durch die Nutzung von ICT kann etwa dank der Automatisierung von Produktionsprozessen sowie dank der Reorganisation ganzer Wertsch\u00f6pfungsketten entstehen. Auch neuartige Gesch\u00e4ftsmodelle (insbesondere Internetplattformen), ein relativ schnelles Wachstum (dank der Nutzung des Internets als Absatzkanal) oder neue Erkenntnisse aus der Datenanalyse tragen dazu bei. Solche Effekte sind allerdings schwierig zu quantifizieren, und ihre Bedeutung ist in der \u00f6konomischen Literatur bis heute umstritten.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Digitalisierung als Wachstumstreiber in der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Schweiz liegt bisher keine umfassende Studie zu den gesamtwirtschaftlichen Effekten der Digitalisierung vor. Allerdings ergeben Berechnungen der OECD f\u00fcr die Jahre 1995 bis 2013: Alleine die Investitionen in ICT-Sachkapital haben dem BIP der Schweiz im Mittel zu einem Wachstum von j\u00e4hrlich 0,4 Prozentpunkten verholfen.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Bundesamt f\u00fcr Statistik rechnet f\u00fcr die Jahre 1998 bis 2012 mit einem Wachstumsbeitrag des ICT-Sektors zum BIP von durchschnittlich 0,3 Prozentpunkten.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> Auch diese Herangehensweise erfasst jedoch nur einen Teil der Wachstumseffekte der Digitalisierung, da die Auswirkungen in denjenigen Branchen, die nicht dem ICT-Sektor zugeordnet sind, ausgeblendet werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs kann folglich davon ausgegangen werden, dass die Wachstumseffekte des digitalen Wandels auch in der Schweiz substanziell sind. In diesem Zusammenhang ist es erfreulich, dass die Schweiz in verschiedenen Rankings, welche die Voraussetzungen von Wirtschaftsstandorten im Hinblick auf die Digitalisierung vergleichen, einen der vordersten Pl\u00e4tze einnimmt.<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Staat muss g\u00fcnstige Rahmenbedingungen schaffen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund der zentralen Bedeutung der Digitalisierung f\u00fcr das Wirtschaftswachstum stellt sich die Frage, welche Rolle dem Staat in diesem Umwandlungsprozess zukommt. Verschiedene europ\u00e4ische L\u00e4nder haben in den letzten Jahren teilweise gross angelegte Programme zur digitalen Transformation vorgestellt. Und im Mai dieses Jahres hat die EU-Kommission ihren Bericht zum Aufbau eines digitalen Binnenmarkts publiziert.<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch in der Schweiz f\u00f6rdert der Bundesrat die Informationsgesellschaft. Bez\u00fcglich der Wirtschaft schreibt er: \u00abDer Bund schafft g\u00fcnstige Rahmenbedingungen f\u00fcr die Nutzung von ICT in allen geografischen Regionen sowie in allen Wirtschaftsbereichen [\u2026].\u00bb<a href=\"#footnote_10\" id=\"footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor\">[10]<\/a> Dieser Fokus auf die allgemeinen Rahmenbedingungen basiert auf der \u00dcberzeugung, dass der Staat nicht direkt ins Wirtschaftsleben eingreifen, sondern m\u00f6glichst optimale Spielregeln f\u00fcr die privaten Akteure setzen soll. Gerade vor dem Hintergrund der grundlegenden Bedeutung der ICT sowie eines sich schnell ver\u00e4ndernden Umfelds ist eine gezielte F\u00f6rderung einzelner Branchen, Unternehmen oder Technologien nicht ratsam.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZu den wirtschaftsfreundlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz z\u00e4hlen eine grosse unternehmerische Freiheit, Rechtssicherheit, gut qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte, ein flexibler Arbeitsmarkt, hochwertige Infrastrukturen, eine nachhaltige Fiskalpolitik, eine relativ moderate Steuerbelastung sowie eine hohe Lebensqualit\u00e4t. Der Erhalt (beziehungsweise die Verbesserung) dieser Rahmenbedingungen f\u00fcr die unternehmerische T\u00e4tigkeit ist ein zentrales Anliegen der Wirtschaftspolitik.<a href=\"#footnote_11\" id=\"footnote-anchor_11\" class=\"inline-footnote__anchor\">[11]<\/a> Daran d\u00fcrfte sich durch die Digitalisierung kaum etwas \u00e4ndern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDamit die Schweiz das wirtschaftliche Potenzial des digitalen Wandels optimal aussch\u00f6pfen kann, sind folgende Teilbereiche von besonderer Bedeutung:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li><em>Bildung und Weiterbildung<\/em>. Die Qualifikationen der Arbeitnehmer m\u00fcssen m\u00f6glichst mit den Anforderungen einer zunehmend digitalen Welt \u00fcbereinstimmen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li><em>Forschungsumfeld<\/em><em>.<\/em> Die Schweiz kann einen Spitzenplatz bei der Erforschung der technologischen M\u00f6glichkeiten der Digitalisierung und darauf aufbauender Anwendungen einnehmen (etwa beim 3-D-Druck).<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li><em>Datenschutz<\/em><em>.<\/em> In Bezug auf die neuen technologischen M\u00f6glichkeiten und den damit verbundenen Anstieg an gespeicherten Personendaten muss Rechtssicherheit bestehen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li><em>Leistungsf\u00e4hige und sichere ICT-Infrastrukturen.<\/em> Diese sind gewissermassen das R\u00fcckgrat der digitalen Welt. Der Betrieb und der Ausbau solcher Infrastrukturen erfolgen in der Schweiz prim\u00e4r marktgetrieben. Dennoch kommt der staatlichen Regulierung im Bereich dieser Netzwerkinfrastrukturen aufgrund ihrer zentralen Bedeutung f\u00fcr den digitalen Wandel ein hoher Stellenwert zu. Dabei sollten eine m\u00f6glichst fl\u00e4chendeckende Versorgung und ein m\u00f6glichst offener Zugang zu den Infrastrukturen angestrebt werden.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nSchliesslich sollten der digitale Wandel und die sich daraus ergebenden Chancen nicht durch vorschnelle Regulierung beeintr\u00e4chtigt werden. Staatliche Regulierung sollte insbesondere nicht dazu f\u00fchren, dass herk\u00f6mmliche Technologien oder traditionelle Gesch\u00e4ftsmodelle bevorzugt werden und diese dadurch m\u00f6gliche Innovationen behindern (siehe <em>Kasten 1 <\/em>und<em> 2<\/em>).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSpezifische Handlungsfelder f\u00fcr Bund, Kantone und Gemeinden im Zusammenhang mit der Digitalisierung sind in erster Linie bei den elektronischen Beh\u00f6rdendiensten auszumachen. Der Bundesrat hat hierf\u00fcr eine E-Government-Strategie verfasst. Sie hat zum Ziel, dass sowohl die Wirtschaft wie auch die Bev\u00f6lkerung Gesch\u00e4fte mit den Beh\u00f6rden \u2013 von Adress\u00e4nderungen bei den Einwohnerdiensten bis zur Abwicklung von Zollformalit\u00e4ten \u2013 elektronisch abwickeln k\u00f6nnen.<a href=\"#footnote_12\" id=\"footnote-anchor_12\" class=\"inline-footnote__anchor\">[12]<\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Vgl. Artikel von Ursina Jud Huwiler (Seco) in dieser Ausgabe.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Bitkom\/Prognos (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Bart van Ark et. al. (2013). Die ausgewiesenen Resultate beziehen sich auf die EU-15-Staaten.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Bei einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von 2,2 Prozent (1995\u20132007) betrug der Wachstumsbeitrag der Investitionen 0,4 Prozentpunkte, die Erh\u00f6hung der Produktivit\u00e4t in der ICT-Produktion 0,3 Punkte sowie die Erh\u00f6hung der Produktivit\u00e4t durch die Nutzung von ICT 0,1 Prozentpunkte.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Vgl. Daron Acemoglu et al. (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Durchschnittliches BIP-Wachstum in der Schweiz 1995\u20132013: 2,0 Prozent. Die Werte aller OECD-L\u00e4nder liegen zwischen 0,2 und 0,6 Prozentpunkten. Vgl. OECD Productivity Database.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Wertsch\u00f6pfungsbasierter Ansatz. Der ICT-Sektor wird relativ breit definiert, sein Anteil am BIP betrug 2012 4,3 Prozent. Gem\u00e4ss der Definition von BFS\/OECD umfasst der Sektor T\u00e4tigkeiten, die Waren und Dienstleistungen produzieren, welche die Digitalisierung der Wirtschaft, d.h. die Umwandlung der verwendeten Informationen in Digitalinformationen erlauben. Vgl. <a href='http:\/\/www.infosociety-stat.admin.ch' target=\"_blank\">www.infosociety-stat.admin.ch<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Network Readiness Index des World Economic Forum (Platz 6); E-Friction Index der Boston Consulting Group (4); National Absorptive Capacity Index von Accenture\/Frontier Economics (2). Vgl. auch Seco\/IWSB, E-Economy in der Schweiz: Monitoring und Report, 2014.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">Vgl. Artikel von Barbara Montereale (Mission der Schweiz bei der EU) in dieser Ausgabe.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_10\" class=\"footnote--item\">Strategie des Bundesrates f\u00fcr eine Informationsgesellschaft in der Schweiz (2012), S. 10. Vgl. <a href='http:\/\/www.infosociety.admin.ch' target=\"_blank\">www.infosociety.admin.ch<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_11\" class=\"footnote--item\">Vgl. Eidgen\u00f6ssisches Departement f\u00fcr Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), Grundlagen f\u00fcr die neue Wachstumspolitik (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_11\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_12\" class=\"footnote--item\">Vgl. Artikel von Christian Weber (Seco) sowie Alessia C. Neuroni und Andreas Spichiger (beide Berner Fachhochschule) in dieser Ausgabe.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_12\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch den Prozess der Digitalisierung werden Informationen zunehmend digital gespeichert und verbreitet: Das Buch wird zum E-Book, die Zeitung lesen wir auf dem Smartphone, und viele Markttransaktionen finden heute im Internet statt. Die der Digitalisierung zugrunde liegende Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) ist als sogenannte Basisinnovation einzustufen. 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Wettbewerbspolitik: Herausforderung digitale M\u00e4rkte, Sondergutachten 68.<\/li>&#13;\n\t<li>OECD (2015). Hearing on Disruptive Innovation. Issues Paper by the Secretariat.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Kasten 1: Regulierung in der Sharing Economy","kasten_box":"Die Verbreitung digitaler Technologien und damit verbundener Gesch\u00e4ftsmodelle stellt die Wettbewerbspolitik vor Herausforderungen. Dienstleistungen der Sharing Economy \u2013 etwa der Fahrdienst Uber oder das \u00dcbernachtungsportal Airbnb \u2013 haben den Wettbewerb belebt. Nachfrager haben ein breiteres Angebot zur Auswahl und k\u00f6nnen die gew\u00fcnschten Dienstleistungen zu tieferen Preisen beziehen. Gleichzeitig beklagen sich traditionelle Anbieter \u00fcber ungleich lange Spiesse und unzul\u00e4ssigen Preisdruck seitens der neuen Anbieter. Die eingesessenen Anbieter machen dabei geltend, dass ihre digitalen Konkurrenten \u00fcber einen Wettbewerbsvorteil verf\u00fcgen, weil sie im Gegensatz zu den traditionellen Anbietern keiner Regulierung unterworfen sind.&#13;\n&#13;\nWettbewerbsbeh\u00f6rden k\u00f6nnen diese Diskussion im Rahmen ihrer Rolle als \u00abAnw\u00e4lte f\u00fcr den Wettbewerb\u00bb (sogenannte Advocacy) zum Anlass nehmen, um bestehende Regulierungen kritisch zu hinterfragen. Aus wettbewerbspolitischer Sicht problematisch sind Vorschriften, welche nicht mehr zeitgem\u00e4ss sind und den Eintritt neuer Anbieter auf den Markt erschweren.&#13;\n&#13;\n<span class=\"text__quelle--kasten\">Marc Blatter<\/span> <span class=\"text__quelle--kasten\"><span style=\"color: #999999;\">Leiter Kompetenzzentrum \u00d6konomie des Sekretariats der Wettbewerbskommission (Weko) <\/span><\/span>"},{"kasten_title":"Kasten 2: Monopolistische Plattformen","kasten_box":"Bei der Digitalisierung der Wirtschaft spielen internetbasierte Plattformen wie Suchdienste oder Vermittlungsplattformen eine entscheidende Rolle. Plattformen bringen als Vermittler verschiedene Nutzergruppen zusammen und sind durch indirekte Netzwerkeffekte gekennzeichnet: Eine Plattform ist f\u00fcr Verk\u00e4ufer umso attraktiver, je mehr potenzielle K\u00e4ufer die Plattform nutzen. Umgekehrt ist eine Plattform f\u00fcr potenzielle K\u00e4ufer umso attraktiver, je mehr Verk\u00e4ufer darauf aktiv sind.&#13;\n&#13;\nIndirekte Netzwerkeffekte f\u00fchren dazu, dass Plattformm\u00e4rkte zu hoher Konzentration neigen. So verf\u00fcgt zum Beispiel Google bei den Suchdiensten und Booking bei den Hotelbuchungen \u00fcber eine sehr starke Stellung. Stellt diese Konzentration aus wettbewerbspolitischer Sicht ein Problem dar?&#13;\n&#13;\nAus \u00f6konomischer Sicht ist eine monopolistische Plattform effizient, da dabei die Netzwerkeffekte maximiert werden. Aus wettbewerbspolitischer Sicht kann es aber problematisch sein, wenn ein marktbeherrschendes Unternehmen etwa durch eine B\u00fcndelung von Angeboten seine Marktmacht von einem Markt auf andere M\u00e4rkte \u00fcbertr\u00e4gt oder wenn Nutzer an ein bestimmtes System gebunden sind und dem entsprechenden Anbieter nicht ausweichen k\u00f6nnen.&#13;\n&#13;\nAllerdings ist zu ber\u00fccksichtigen, dass die herausragende Marktstellung den Markterfolg der jeweiligen Plattform abbildet. Unternehmen h\u00e4tten keinen Anreiz mehr, in neue Technologien und Gesch\u00e4ftsmodelle zu investieren, wenn sie nicht die Fr\u00fcchte ihrer Investitionen ernten k\u00f6nnten. Zudem sind digitale M\u00e4rkte durch eine sehr hohe Dynamik gekennzeichnet und heute dominante Anbieter k\u00f6nnen ihre Stellung rasch zu Gunsten von neuen, innovativen Anbietern einb\u00fcssen. F\u00fcr Wettbewerbsbeh\u00f6rden gilt es vor diesem Hintergrund, die richtige Balance zu finden zwischen dem Schutz des Wettbewerbs in der kurzen Frist und der Gew\u00e4hrleistung von Innovationsanreizen in der langen Frist.&#13;\n&#13;\n<span class=\"text__quelle--kasten\">Marc Blatter<\/span> <span class=\"text__quelle--kasten\"><span style=\"color: #999999;\">(Weko) <\/span><\/span>"}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":115048,"main_focus":[156573,157216],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":115052,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"33422","post_abstract":"Die Digitalisierung f\u00fchrt zu einer tiefgreifenden Ver\u00e4nderung vieler Industrie- und Dienstleistungsbranchen. Was bedeuten diese Umw\u00e4lzungen f\u00fcr die Wirtschaftspolitik der Schweiz? Studien und statistische Erhebungen legen nahe, dass der digitale Wandel in erheblichem Masse zum BIP-Wachstum beitr\u00e4gt. Gerade f\u00fcr ein ressourcenarmes Land wie die Schweiz ist die Nutzung dieses Wachstumspotenzials von grosser Bedeutung. Erfreulicherweise scheint die Schweiz daf\u00fcr gut aufgestellt zu sein. Um das Potenzial der Digitalisierung auch in Zukunft optimal aussch\u00f6pfen zu k\u00f6nnen, kommt der Ausgestaltung von g\u00fcnstigen, allgemeinen Rahmenbedingungen f\u00fcr die Wirtschaft eine grosse Bedeutung zu. Dies gilt im Besonderen f\u00fcr Bildung und Weiterbildung, das Forschungsumfeld, den Datenschutz sowie leistungsf\u00e4hige und sichere ICT-Infrastrukturen. 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