{"id":115138,"date":"2015-10-26T07:51:38","date_gmt":"2015-10-26T07:51:38","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/10\/2015-11-gysin-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:12:03","modified_gmt":"2023-08-23T21:12:03","slug":"2015-11-gysin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/10\/2015-11-gysin\/","title":{"rendered":"Entwicklungsfonds des Bundes unterst\u00fctzt KMU"},"content":{"rendered":"<p>Weitverbreitete Arbeitslosigkeit und das Unverm\u00f6gen, gen\u00fcgend neue Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr die wachsende junge Bev\u00f6lkerung zu generieren, gelten als eine der Ursachen des Arabischen Fr\u00fchlings. Diese Problematik findet sich auch in vielen anderen Entwicklungs- und Transitionsl\u00e4ndern. Vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie schnell wachsenden Unternehmen mangelt es an Wachstumskapital, um weiter zu expandieren. Gerade f\u00fcr KMU ist es oft eine Herausforderung, die f\u00fcr ihr Wachstum n\u00f6tigen Finanzmittel zu beschaffen. Lokale Banken vergeben Kredite nur in beschr\u00e4nktem Masse und verlangen meist pers\u00f6nliche Garantien.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHier setzt der Entwicklungsfonds des Bundes, der Swiss Investment Fund for Emerging Markets (Sifem), an. Verwaltet werden die Bundesgelder von der privaten Investmentberatungsfirma Obviam (siehe <em>Kasten 2<\/em>). Der Fonds besteht seit zehn Jahren und investiert entweder in lokale und regionale Risikokapitalfonds oder stellt lokalen Banken, Leasingfirmen, Mikrofinanzgesellschaften und sonstigen Finanzinstitutionen langfristiges Kapital zur Verf\u00fcgung. Diese lokalen Fonds und Finanzinstitutionen stellen ihrerseits kommerziell existenzf\u00e4higen KMU in Entwicklungs- und Transitionsl\u00e4ndern Wachstumskapital zur Verf\u00fcgung und erlauben ihnen damit, sichere und formelle Arbeitsstellen zu schaffen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm vergangenen Jahr wurden rund 100 Millionen Dollar in 13 Fonds oder Finanzinstitutionen investiert. Typischerweise stellt der Sifem-Fonds zwischen 5 und 15 Millionen Franken pro Investition zur Verf\u00fcgung. Die Fonds sind unter anderem in den Sektoren erneuerbare Energien, Bau- und Produktionsgewerbe, Land- und Forstwirtschaft, Bildung oder Gesundheit t\u00e4tig. Der Sifem-Fonds investiert fast ausschliesslich in den Priorit\u00e4tsl\u00e4ndern der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit: in Lateinamerika, Afrika, Asien und Osteuropa.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Gegensatz zu Instrumenten der klassischen Entwicklungszusammenarbeit sollen die Investitionen angemessene Renditen generieren. Dieses haush\u00e4lterische Gesch\u00e4ftsmodell erlaubt die mehrfache Verwendung von Bundesmitteln f\u00fcr Entwicklungszwecke, da die Investitionsr\u00fcckfl\u00fcsse f\u00fcr die Finanzierung neuer Projekte verwendet werden.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Auswahl der Partner nach strengen Kriterien<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Fonds und Finanzinstitutionen, in welche investiert wird, werden sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlt. Die Gelder fliessen nur in Fondsgesellschaften, die sich verpflichten, international anerkannte Sozial-, Umwelt- und Gouvernanzstandards anzuwenden und die ihre Portfoliofirmen in die Pflicht nehmen, diese Standards umzusetzen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWichtig ist zudem, dass die Unternehmen Umweltschutzrichtlinien einhalten und die Ressourcen nachhaltig nutzen. Auch die Beachtung von sozialen Grunds\u00e4tzen ist unabdingbar. So m\u00fcssen alle Betriebe gesetzlich geregelte Arbeitszeiten einhalten, die Mitarbeitenden angemessen entl\u00f6hnen sowie gesundheitsvertr\u00e4gliche und unfallsichere Arbeitsbedingungen sicherstellen (f\u00fcr eine Fallstudie siehe <em>Kasten 3<\/em>).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAusgeschlossen sind gem\u00e4ss der Sifem-Ausschlussliste beispielsweise Investitionen in Firmen, die Waffen oder anderes Kriegsmaterial produzieren oder auf Zwangs- oder Kinderarbeit setzen. Der Fonds stellt Finanzierungen nur dann zur Verf\u00fcgung, wenn diese am Markt nicht oder nicht zu angemessenen Bedingungen (bzw. nicht in gen\u00fcgender H\u00f6he oder mit gen\u00fcgend langen Laufzeiten) erh\u00e4ltlich sind. In vielen F\u00e4llen mobilisiert der Sifem-Fonds mit seinen Investitionen zus\u00e4tzliches Kapital von institutionellen und privaten Anlegern.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Beratung vor Ort<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Sifem-Fonds stellt nicht nur Finanzierungen zur Verf\u00fcgung, sondern ber\u00e4t und unterst\u00fctzt die lokalen Fondsgesellschaften auch aktiv: Die Schweizer Manager stehen deshalb in st\u00e4ndigem Kontakt mit ihren Partnern und machen sich regelm\u00e4ssig ein genaues Bild mit Besuchen vor Ort. Dabei gestalten sie die Investitionsstrategie mit, durchleuchten den Investitionsprozess und machen auf Schwachstellen aufmerksam. Zudem geben die Schweizer Fondsmanager Empfehlungen bez\u00fcglich des Profils von neuen Teammitgliedern ab. Meist verf\u00fcgt der Sifem-Fonds zudem \u00fcber einen Sitz im Beirat der Gesellschaften und kann damit bei strategischen Fragen mitreden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine unabh\u00e4ngige Wirkungsevaluation gab dem Sifem-Fonds im Jahr 2013 gute Noten.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Die befragten Fondsmanager in den Entwicklungsl\u00e4ndern lobten die Arbeit ihrer Schweizer Kollegen; die Beratungen h\u00e4tten zu einem Wachstum der Fondsgelder beigetragen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Sifem-Fonds und die lokalen Fondsmanager unterst\u00fctzen die Kleinunternehmen in ihrem Portfolio nicht nur mit Wachstumskapital, sondern beraten sie auch bei der Einf\u00fchrung neuer Technologien, bei Verbesserungen der Produktion, beim Marketing, Vertrieb und Kundendienst oder bei der Umsetzung von \u00f6kologischen, sozialen und Gouvernanzstandards. So erarbeitete eine Fondsgesellschaft in Kambodscha mithilfe von externen Experten ein Sicherheitsmanagementsystem inklusive Evakuationsplan im Brandfall f\u00fcr eine Schule.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nViele der unterst\u00fctzten KMU nehmen ihrerseits ihre soziale Verantwortung ernst. So vergibt beispielsweise ein Pharmaunternehmen in Uganda mehrere Stipendien an Pharmastudenten, um die Ausbildung von spezialisierten Fachkr\u00e4ften zu f\u00f6rdern. Eine Kautschukfarm in der C\u00f4te d\u2019Ivoire bietet Bauern wiederum Kurse an, wo sie lernen, wie Pflanzen auf nachhaltige Weise angebaut werden k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Indirekte Investitionen bew\u00e4hren sich<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie die meisten Entwicklungsfinanzierungsgesellschaften wendet auch der Sifem-Fonds das indirekte Investitionsmodell an, indem man sich auf Fondsgesellschaften vor Ort abst\u00fctzt, welche regional verankert sind und \u00fcber gute Kenntnisse des wirtschaftlichen, des regulatorischen und des kulturellen Umfeldes verf\u00fcgen. Dies erleichtert die Identifizierung von geeigneten Investitionsm\u00f6glichkeiten in KMU und die Betreuung der laufenden Investitionen. Eine direkte lokale Pr\u00e4senz durch den Sifem-Fonds w\u00fcrde demgegen\u00fcber f\u00fcr den Bund bedeutende Mehrkosten verursachen. Zudem gelingt es so auch besser, das Portefeuille optimal zu diversifizieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Entwicklungsfonds m\u00f6chte mit seinen Investitionen nicht nur eine akzeptable Rendite erwirtschaften, sondern gleichzeitig auch nachhaltige, langfristige Entwicklungseffekte generieren. Seit 2006 nutzt der Sifem-Fonds ein professionelles Projektrating<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>\u00a0f\u00fcr die Beurteilung und Messung der Entwicklungseffekte: Gemessen werden unter anderem die Anzahl der gef\u00f6rderten und geschaffenen Stellen, die H\u00f6he der Steuern, welche die Fondsgesellschaften und die Portfolio-Unternehmen an den Staat abgeben, das Angebot an Aus- und Weiterbildungsm\u00f6glichkeiten, welches den Mitarbeitenden zur Verf\u00fcgung steht, die Entwicklung der lokalen Portfolio-Unternehmen oder die Mobilisierung von zus\u00e4tzlichen Geldern f\u00fcr die Fonds.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVor einer Investition wird erhoben, welche Entwicklungseffekte erwartet werden k\u00f6nnen. W\u00e4hrend der Investition wird anschliessend alle zwei Jahre die tats\u00e4chliche Wirkung gemessen und mit den vorg\u00e4ngig erstellten Zielsetzungen verglichen. Dadurch wissen die Verantwortlichen, was die Investitionen bewirken und ob die erwarteten Entwicklungseffekte eintreffen. Im Fokus steht immer die Frage, ob und wie sich die Investition auf die lokale Wirtschaft und die Lebensqualit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung ausgewirkt hat.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie eingetretenen Entwicklungseffekte best\u00e4tigen: Der Entwicklungsfonds Sifem ist ein bew\u00e4hrtes und wirksames Instrument der Entwicklungsf\u00f6rderung. Aufgrund der angespannten Lage vieler Staatshaushalte wird dem Privatsektor in Zukunft eine entscheidende Rolle bei der nachhaltigen Entwicklung ihrer L\u00e4nder zukommen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Dalberg Global Development Advisors (2013), The Development Effects of SIFEM\u2019s Investment Interventions<\/span><\/p><p><span>\u00a0<\/span><\/p><p><span>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Das Sifem-Rating basiert auf dem Gesch\u00e4ftspolitischen Projektrating (GPR), welches von der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft entwickelt wurde.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weitverbreitete Arbeitslosigkeit und das Unverm\u00f6gen, gen\u00fcgend neue Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr die wachsende junge Bev\u00f6lkerung zu generieren, gelten als eine der Ursachen des Arabischen Fr\u00fchlings. 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Franken) der Investitionen in \u00fcber 60 L\u00e4ndern&#13;\n<h6><strong>417<\/strong><\/h6>&#13;\nZahl der Gesellschaften (Fonds, Finanzinstitutionen und deren Investitionen) im Portfolio per Ende 2014"},{"kasten_title":"Kasten 2: Privates Investmentunternehmen verwaltet Bundesgelder","kasten_box":"Der Bund ist alleiniger Eigent\u00fcmer des Entwicklungsfonds Swiss Investment Fund for Emerging Markets (Sifem). Die Aktion\u00e4rsrechte der privatrechtlichen Gesellschaft nimmt der Bundesrat wahr; er legt die strategischen Ziele f\u00fcr eine Vierjahresperiode fest. Der siebenk\u00f6pfige Verwaltungsrat ist f\u00fcr deren Umsetzung und die Berichterstattung an die parlamentarischen Aufsichtsgremien verantwortlich. Er trifft auch die Investitionsentscheide, die auf \u00f6ffentlich einsehbaren Richtlinien und Vorgaben basieren.&#13;\n&#13;\nDie Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und das Portfoliomanagement wurden mit Zustimmung des Bundesrats an die Berner Investmentberatungsfirma Obviam ausgelagert. Das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) steht im Auftrag des Bundes in engem Kontakt mit dem Sifem-Verwaltungsrat und Obviam. Es f\u00fchrt regelm\u00e4ssige Controllinggespr\u00e4che und Portfolio-Review-Meetings durch. Mit Richtlinien zum Controlling und Risikomanagement sowie einer mehrstufigen Aufsicht wird gew\u00e4hrleistet, dass der Fonds seinem Auftrag vollst\u00e4ndig nachkommt und die Bundesmittel zielgerichtet eingesetzt werden."},{"kasten_title":"Kasten 3: Caf\u00e9-Kette in Laos w\u00e4chst dank Risikofonds","kasten_box":"Die \u00abJoma Caf\u00e9 and Bakery\u00bb-Kette in Laos besch\u00e4ftigt marginalisierte Menschen. Fl\u00fcchtlinge, alleinerziehende M\u00fctter und Opfer h\u00e4uslicher Gewalt erhalten so die M\u00f6glichkeit, ein anst\u00e4ndiges Leben zu f\u00fchren, und profitieren von Weiterbildungen.&#13;\n&#13;\nDie Joma-Kette f\u00fchrt in Laos, Kambodscha und Vietnam inzwischen zehn Caf\u00e9s und besch\u00e4ftigt \u00fcber 500 Mitarbeitende. M\u00f6glich wurde diese Expansion unter anderem dank dem Schweizer Entwicklungsfonds Sifem, welcher in den wachstumsorientierten Risikokapitalfonds \u00abCambodia-Laos Development Fund\u00bb investiert. Die Gelder erm\u00f6glichen es Joma, weiter zu wachsen.&#13;\n&#13;\nDas s\u00fcdostasiatische Land Laos ist eines der am wenigsten entwickelten L\u00e4nder der Welt. Der Staat kontrolliert die Wirtschaft in hohem Mass; die Infrastruktur ist ungen\u00fcgend, und die Arbeiter sind weitgehend ungelernt. Die Landwirtschaft dominiert die Wirtschaft und besch\u00e4ftigt rund drei Viertel der Bev\u00f6lkerung. 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Der Entwicklungsfonds des Bundes, der Swiss Investment Fund for Emerging Markets (Sifem), unterst\u00fctzt solche Unternehmen in L\u00e4ndern des S\u00fcdens und des Ostens bei ihrem Wachstum und hilft dadurch, Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen und die Armut zu reduzieren. Sifem besteht seit zehn Jahren und hat in dieser Zeit rund 645 Millionen Franken investiert, wodurch \u2013 zusammen mit anderen Partnern \u2013 342\u2019000 Arbeitspl\u00e4tze erhalten oder geschaffen wurden. 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