{"id":115159,"date":"2015-10-26T07:51:38","date_gmt":"2015-10-26T07:51:38","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/10\/foellmi-11-2015-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:12:09","modified_gmt":"2023-08-23T21:12:09","slug":"foellmi-11-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/10\/foellmi-11-2015\/","title":{"rendered":"Kampagne \u00abGeld bleibt hier\u00bb bewirkt Gegenteil"},"content":{"rendered":"<p>In der gegenw\u00e4rtigen wirtschaftspolitischen Debatte sind verschiedene Ideen im Umlauf, wie eine vorgebliche wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit vom Ausland verhindert werden k\u00f6nnte. So wird beispielsweise gefordert, den Selbstversorgungsgrad an Nahrungsmitteln zu erh\u00f6hen oder auf vermeintlich teure Energieimporte zu verzichten. In einer breiten \u00abGeld bleibt hier\u00bb-Kampagne<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> vermittelt das Komitee den Eindruck, es sei doch besser, einheimische Energien zu f\u00f6rdern, statt viel Geld f\u00fcr \u00d6l-, Gas- und andere Energieimporte auszugeben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDieses Anliegen scheint auf den ersten Blick vern\u00fcnftig. Wer kann schon gegen einheimische Energie und f\u00fcr Energieimporte sein, an denen sich wom\u00f6glich noch \u00d6lscheichs bereichern? So logisch sich die Argumente der Initianten auch anh\u00f6ren \u2013 bei genauer Betrachtung erweisen sie sich als Trugschluss. Denn bei einem Verzicht auf Importe m\u00fcssen wir die Energie selber produzieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nW\u00e4re diese Importsubstitution lohnend, w\u00fcrden wir ohne Lenkung durch die Politik jetzt schon im Inland mehr Energie produzieren bzw. durch Sparmassnahmen auf Importe verzichten. Produktion im Inland ist nicht gratis, oder wie \u00d6konomen sagen: Sie ist mit Opportunit\u00e4tskosten verbunden. Die ben\u00f6tigten Arbeitskr\u00e4fte und die \u00fcbrigen Ressourcen f\u00fcr den Energiesektor m\u00fcssen aus anderen Branchen oder durch Zuwanderung bzw. durch entsprechende Importe gewonnen werden. Denn: In anderen Wirtschaftsbereichen w\u00fcrden diese Fachkr\u00e4fte auch Einkommen erzielen, wahrscheinlich sogar ein h\u00f6heres. Dass diese Experten der Energiewirtschaft in anderen Sektoren nicht gebraucht w\u00fcrden und stattdessen arbeitslos w\u00e4ren, ist in der aktuellen Arbeitsmarktsituation schlicht Unsinn.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWenn man der Logik des Komitees nachleben w\u00fcrde, sollte ein Zweiverdienerhaushalt auf Kinderkrippen, Putzfrau, Handwerker etc. verzichten, weil man diese Arbeiten ja selber ausf\u00fchren und das Geld sparen k\u00f6nnte. Vergessen wird dabei, dass in der Zeit, in welcher solche Dienstleistungen erbracht werden, oft mehr Geld verdient wird, als diese kosten. Wer somit auf Importe verzichtet, muss alles selber produzieren, egal wie schlecht er das kann. Dies verhindert, dass sich die Volkswirtschaft auf ihre St\u00e4rken (komparative Vorteile) konzentriert; also in Branchen w\u00e4chst, wo sie relativ am meisten Wettbewerbsvorteile hat und mit geringstm\u00f6glichem Ressourceneinsatz am meisten Einkommen erzielen kann. So macht es mehr Sinn, g\u00fcnstigeren (auch beispielsweise \u00f6kologischen, vom deutschen Steuerzahler subventionierten) Strom aus Deutschland zu importieren und die Fachkr\u00e4fte hier in der Schweiz in anderen Sektoren, die ohne Unterst\u00fctzung wettbewerbsf\u00e4hig sind, einzusetzen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Schweiz spielt ihre Tr\u00fcmpfe<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz hat einen rekordhohen Export\u00fcberschuss und landet in\u00a0Innovationsrankings regelm\u00e4ssig auf einem der vordersten Pl\u00e4tze. Dieser beispiellose Erfolg ist ein Beleg daf\u00fcr, dass die Schweizer Volkswirtschaft im Ganzen ihre \u00abMake or buy\u00bb-Entscheidung gut trifft: Wir produzieren und exportieren dort, wo wir stark sind, und importieren, was wir nur teurer selber herstellen k\u00f6nnten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer ber\u00fchmte \u00d6konom und Nobelpreistr\u00e4ger Paul Samuelson wurde von einem Mathematiker ironisch gefragt, ob es eine Erkenntnis der Sozialwissenschaften gebe, die sowohl wahr als auch nicht trivial sei. Samuelson war nicht schlagfertig genug, eine passende Erwiderung zu geben. Erst viele Jahre sp\u00e4ter fiel ihm die treffende Antwort ein: die Theorie der komparativen Vorteile. In seinen Worten: \u00abEinem Mathematiker muss man nicht erkl\u00e4ren, dass [die Theorie] logisch und korrekt ist. Dass sie nicht trivial ist, beweisen Abertausende wichtige und intelligente Leute, die niemals in der Lage waren, die Theorie selber zu begreifen oder wenigstens daran zu glauben, nachdem sie ihnen erkl\u00e4rt worden war.\u00bb<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\"><a href='https:\/\/www.geldbleibthier.ch\/' target=\"_blank\">www.geldbleibthier.ch<\/a>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der gegenw\u00e4rtigen wirtschaftspolitischen Debatte sind verschiedene Ideen im Umlauf, wie eine vorgebliche wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit vom Ausland verhindert werden k\u00f6nnte. So wird beispielsweise gefordert, den Selbstversorgungsgrad an Nahrungsmitteln zu erh\u00f6hen oder auf vermeintlich teure Energieimporte zu verzichten. 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