{"id":115327,"date":"2015-10-26T06:52:39","date_gmt":"2015-10-26T06:52:39","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/10\/2015-11-kyburz-franz\/"},"modified":"2024-04-18T15:36:58","modified_gmt":"2024-04-18T13:36:58","slug":"2015-11-kyburz-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/10\/2015-11-kyburz-2\/","title":{"rendered":"Der Druck im B\u00fcro nimmt zu"},"content":{"rendered":"<p>Die Digitalisierungswelle hat Berufsbilder und Branchen im gesamten kaufm\u00e4nnisch-betriebswirtschaftlichen Umfeld massgebend ver\u00e4ndert. Arbeitsprozesse werden automatisiert, Informationen sind einfacher und schneller verf\u00fcgbar und ausgewertet, Kommunikation ist orts- und zeitunabh\u00e4ngig m\u00f6glich. Unbestritten ist, dass die Digitalisierung aus Sicht der Arbeitnehmenden zahlreiche Chancen mit sich bringt. Nur: Die Herausforderungen und Gefahren sind ebenso vielf\u00e4ltig.<\/p>\n<p>Aufgrund der Digitalisierung fallen traditionelle B\u00fcroberufe der Computerisierung zum Opfer.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Gleichzeitig verlangt der Arbeitsmarkt nach neuen Kenntnissen und Kompetenzen. Daf\u00fcr bedarf es einer kontinuierlichen H\u00f6herqualifizierung der Arbeitnehmenden. Das \u00abVerharren\u00bb auf einem Abschluss auf Sekundarstufe II reicht im kaufm\u00e4nnischen Umfeld f\u00fcr den nachhaltigen Erhalt der Arbeitsmarktf\u00e4higkeit nicht mehr aus.<\/p>\n<h2>Entgrenzung von Berufs- und Privatleben<\/h2>\n<p>Digitalisierung erm\u00f6glicht zeit- und ortsunabh\u00e4ngiges Arbeiten. Diese zus\u00e4tzliche Flexibilit\u00e4t kann die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern. Gleichzeitig entstehen aufgrund der damit einhergehenden erweiterten Erreichbarkeit Rollenkonflikte innerhalb und zwischen der beruflichen und der privaten Welt. Auch hat die Ortsunabh\u00e4ngigkeit des Arbeitens im kaufm\u00e4nnischen Umfeld dazu gef\u00fchrt, dass mitunter Backoffice-T\u00e4tigkeiten vermehrt ins Ausland verlagert werden. Obschon die direkte Ursache daf\u00fcr wohl weniger die Digitalisierung als vielmehr Kostenvorteile im Zielland sein d\u00fcrften, hat doch die Digitalisierung erst die erforderlichen technischen Voraussetzungen geschaffen.<\/p>\n<p>Der Wandel in der Berufswelt, die Rollenkonflikte und die st\u00e4ndige Ausgesetztheit gegen\u00fcber Informationen sowie die immer k\u00fcrzeren Reaktionszeiten f\u00fchren zu einer kontinuierlichen Beschleunigung. Negative Nebenwirkungen dieses Wandels k\u00f6nnen Stress und Ersch\u00f6pfungsreaktionen sein (psychosoziale Risiken).<\/p>\n<p>Von Big Data spricht man meist im Kontext der Kundenbindung. Aber nicht nur Konsumentendaten, sondern auch Daten von Arbeitnehmenden sind heute in grossem Ausmass elektronisch verf\u00fcgbar \u2013 sei es \u00fcber Plattformen wie Xing, Linkedin und Facebook oder in den digitalisierten Personaldossiers. Arbeitgeber werden zuk\u00fcnftig noch st\u00e4rker nach M\u00f6glichkeiten suchen, um f\u00fcr die Personalrekrutierung auf Big Data zugreifen zu k\u00f6nnen. Aus Arbeitnehmerperspektive gilt es, diesen Daten den erforderlichen Schutz zu bieten.<\/p>\n<p>Die durch die Digitalisierung getriebene H\u00f6herqualifizierung und Spezialisierung wird sich zwangsl\u00e4ufig auch auf die Lohnstruktur und die Einkommensverteilung auswirken. Der Ersatz von Routinet\u00e4tigkeiten und auch von qualifizierten T\u00e4tigkeiten durch Computer d\u00fcrfte die Einkommenssituation im tiefen und mittleren Lohnsegment unter Druck setzen. Was diese Entwicklung f\u00fcr Auswirkungen auf die Einkommensverteilung im Allgemeinen haben wird, gilt es zu analysieren und antizipieren.<\/p>\n<h2>Staat muss sensibilisieren<\/h2>\n<p>Zur Minderung der negativen Digitalisierungseffekte muss der Staat einen wichtigen Beitrag leisten. So soll er die Angestellten sensibilisieren: Eine kontinuierliche Weiterbildung ist zum Erhalt der Arbeitsmarktf\u00e4higkeit wichtiger denn je. Aber auch beim Umgang mit Personendaten in der digitalisierten Arbeitswelt besteht ein verst\u00e4rkter Sensibilisierungsbedarf.<\/p>\n<p>Weitere staatliche Handlungsfelder sind Pr\u00e4vention (psychosoziale Risiken), Rahmenbedingungen und Strukturen (finanzielle Unterst\u00fctzung des \u00ablebenslangen Lernens\u00bb; sozialer Schutz f\u00fcr niedrig qualifizierte Arbeitnehmer) sowie Regulierung (Modernisierung der arbeitsrechtlichen Vorschriften; Gew\u00e4hrleistung des Schutzes von Mitarbeiterdaten im digitalen Arbeitsumfeld).<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Vgl. Studie von Carl Benedikt Frey and Michael A. Osborne, The Future of Employment: How Susceptible Are Jobs to Computerisation?, University of Oxford, 2013.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Digitalisierungswelle hat Berufsbilder und Branchen im gesamten kaufm\u00e4nnisch-betriebswirtschaftlichen Umfeld massgebend ver\u00e4ndert. Arbeitsprozesse werden automatisiert, Informationen sind einfacher und schneller verf\u00fcgbar und ausgewertet, Kommunikation ist orts- und zeitunabh\u00e4ngig m\u00f6glich. Unbestritten ist, dass die Digitalisierung aus Sicht der Arbeitnehmenden zahlreiche Chancen mit sich bringt. Nur: Die Herausforderungen und Gefahren sind ebenso vielf\u00e4ltig. 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