{"id":115336,"date":"2015-10-26T06:51:40","date_gmt":"2015-10-26T06:51:40","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/10\/2015-11-greuter\/"},"modified":"2024-05-14T17:16:09","modified_gmt":"2024-05-14T15:16:09","slug":"2015-11-greuter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/10\/2015-11-greuter\/","title":{"rendered":"Staat soll sich zur\u00fcckhalten"},"content":{"rendered":"<p>Der amerikanische \u00d6konom und Gesellschaftstheoretiker Jeremy Rifkin ist ein brillanter Denker und einer der einflussreichsten Kulturkritiker. Er ist \u00fcberzeugt, dass die Welt an der Schwelle einer industriellen Revolution steht. Solche Ver\u00e4nderungen, welche die Grundfesten von Gesellschaft und Wirtschaft ersch\u00fcttern, treten zwar h\u00f6chst selten auf. Aber wenn sie kommen, haben sie ihre Grundlage zumeist in einer neuen Technologie. Das war bei der Erfindung der Dampfmaschine und der Mechanisierung der Welt zu beobachten, jetzt ist es mit der Digitalisierung von Informationen wieder der Fall.<\/p>\n<p>Bereits heute \u2013 in der Fr\u00fchphase des digitalen Zeitalters \u2013 k\u00f6nnen wir erkennen, dass sich neue Formen der Kommunikation entwickeln. Ausserdem entstehen, begleitet von Stichworten wie \u00abSmart Grid\u00bb oder \u00abFlyable\u00bb, neue Formen der Energienutzung sowie bisher nicht gekannte Transport- und Logistikmechanismen. In dieser \u00abdritten industriellen Revolution\u00bb wird sich das Internet, so die naheliegende Prognose, in ein Super-Internet der Dinge verwandeln, in dem das Kommunikationsnetz mit Energie- und automatisierten Logistiknetzen zu einem grossen System verbunden wird.<\/p>\n<p>Es ist evident: Die Wirtschaft steht vor einschneidenden Umw\u00e4lzungen. Welche Rolle f\u00e4llt in einem solch grundlegenden Wandel dem Staat zu? K\u00f6nnen staatliche Interventionen einen dynamischen Strukturwandel nicht nur begleiten, sondern sogar nachhaltig f\u00f6rdern? Die Antwort ist eine zweifache.<\/p>\n<p>Zwar kann eine Volkswirtschaft in einem fr\u00fchen Stadium der Digitalisierung, dessen Wachstum typischerweise faktor- und investitionsgetrieben ist, durch Anreize stimuliert werden. So kann die Politik knappes Kapital in ausgew\u00e4hlte Branchen lenken, die Risikobereitschaft st\u00e4rken, den Erwerb ausl\u00e4ndischer Technologien anregen oder die Neugr\u00fcndung von Unternehmen f\u00f6rdern. Sp\u00e4testens wenn eine Volkswirtschaft vom fr\u00fchen investitionsbedingten zum innovationsbedingten Stadium aufsteigt, m\u00fcssen aber die Unternehmen zur eigentlichen Triebkraft der Entwicklung werden.<\/p>\n<p>Wie zahlreiche Untersuchungen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hinweg belegen, k\u00f6nnen n\u00e4mlich selbst die erfolgreichsten staatlichen Programme zur Wirtschaftsf\u00f6rderung in der Praxis bestenfalls gemischte Ergebnisse vorweisen. Staatliche Bem\u00fchungen sind etwa ungeeignet, weil sie versp\u00e4tet wirken oder zu allgemein ansetzen. Zudem sind einmal angelaufene Hilfsprogramme umso schwieriger wieder zu streichen, je einflussreicher Interessengruppen im politischen System mittun.<\/p>\n<p>Die Mahnung an die Politiker ist also eindeutig: Bei einer hoheitlich verordneten Innovationspolitik ist die Gefahr von Fehlleistungen wegen des beh\u00f6rdlichen (Nicht-)Wissens gr\u00f6sser als die Chancen einer stabilisierenden Steuerung der Wirtschaft \u2013 ausgenommen vielleicht im ersten Stadium eines strukturellen Wandels.<\/p>\n<h2><strong>Bildungssystem anpassen<\/strong><\/h2>\n<p>Ins Blickfeld f\u00fcr den Wohlstand von morgen ger\u00e4t zwangsl\u00e4ufig ein anderes, erprobtes und bew\u00e4hrtes wirtschaftspolitisches Terrain. Eine der wichtigsten und zugleich traditionellsten Aufgaben des Staates bleibt, den Boden f\u00fcr Unternehmen zu bereiten, die im internationalen Wettbewerb bestehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die kleine offene Volkswirtschaft Schweiz fundamental sind dabei etwa staatliche Initiativen zur Anpassung des Bildungs- und Forschungssystems an die technologischen Herausforderungen, die St\u00e4rkung des Wettbewerbs oder der Abbau b\u00fcrokratischer Hemmnisse. Eine tragende Rolle spielen ausserdem ein gesunder Staatshaushalt und eine tiefe Staatsquote, weil Letztere in aller Regel mit einem st\u00e4rkeren Wirtschaftswachstum einhergeht. Der Staat kann also in einem klar abgesteckten Rahmen bestenfalls die Rolle eines Katalysators \u00fcbernehmen \u2013 getreu dem gefl\u00fcgelten Wort \u00abSo viel Markt wie m\u00f6glich, so viel Staat wie n\u00f6tig\u00bb.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der amerikanische \u00d6konom und Gesellschaftstheoretiker Jeremy Rifkin ist ein brillanter Denker und einer der einflussreichsten Kulturkritiker. Er ist \u00fcberzeugt, dass die Welt an der Schwelle einer industriellen Revolution steht. Solche Ver\u00e4nderungen, welche die Grundfesten von Gesellschaft und Wirtschaft ersch\u00fcttern, treten zwar h\u00f6chst selten auf. 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