{"id":115487,"date":"2015-09-24T09:08:00","date_gmt":"2015-09-24T09:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/09\/2015-10-buehlmann-franz\/"},"modified":"2024-05-14T17:17:18","modified_gmt":"2024-05-14T15:17:18","slug":"2015-10-buehlmann-kmu-forum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/09\/2015-10-buehlmann-kmu-forum\/","title":{"rendered":"B\u00fcrokratische Vorschriften erh\u00f6hen den Druck auf KMU"},"content":{"rendered":"<p>Der Schweizer Wirtschaftsprofessor Bruno S. Frey hat k\u00fcrzlich gesagt: \u00abImmer mehr Personen sind unproduktiv t\u00e4tig. Unproduktiv bezieht sich auf einen Kontext, in dem nicht G\u00fcter oder Dienstleistungen hergestellt werden, sondern gearbeitet wird, ohne dass ein Beitrag zu Konsum und Investition geleistet wird.\u00bb<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Leider ist dies eine scheinbar unaufhaltbare Tendenz, die durch die Regulierungsflut in der Schweiz, ja weltweit, immer gr\u00f6ssere Ausmasse annimmt. Verordnungen und Dekrete fordern immer mehr solche unproduktive Arbeit im Gesch\u00e4ftsablauf jedes Unternehmens. Selbst der einzelne B\u00fcrger wird unerbittlich reguliert.<\/p>\n<h2><strong>KMU-Forum des Bundes gibt Gegensteuer<\/strong><\/h2>\n<p>Verordnungen k\u00f6nnen bekanntlich vom Parlament nicht mehr beurteilt und ge\u00e4ndert werden. Hier hat einzig das zust\u00e4ndige Bundesamt das Sagen. Mit einer Ausnahme: Im Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) ist eine kleine, aber effiziente Gruppe von Unternehmern in einer extraparlamentarischen Kommission, dem KMU-Forum, damit beauftragt, solche Texte auf die \u00abKMU-Tauglichkeit\u00bb \u2013 auf den potenziellen administrativen Mehraufwand \u2013 zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>David gegen Goliath? Na ja, diese Kommission hat in den letzten Jahren durch ihre pr\u00e4gnanten Stellungnahmen einige spektakul\u00e4re Artikel in Verordnungen und Gesetzen massiv ger\u00fcgt und ist teilweise mit Erfolg belohnt worden. So hat das Parlament auf Empfehlung des KMU-Forums die Schwellenwerte im Revisionsrecht erh\u00f6ht. Unternehmen k\u00f6nnen dadurch jedes Jahr ungef\u00e4hr 370 Millionen Franken sparen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><span style=\"color: #ff00ff;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Neben dem hausgemachten Verwaltungsaufwand, der teilweise auf die durch den Markt geforderte ISO-Zertifizierung und damit die\u00a0Einhaltung von oft schwammigen Normen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, belasten insbesondere EU-spezifische Vorschriften die exportierenden Unternehmen mit unz\u00e4hligen Kontrollen.<\/p>\n<p>Die Belastung durch Schweizer Vorschriften ist zwar heute noch ertr\u00e4glich. In den n\u00e4chsten Jahren k\u00f6nnte aber eine weitere unabsehbare Flut von Regulierungen auf Firmen und Private zukommen, ein Schritt in Richtung totale Regulierung. Als Beispiele sind etwa die Energiewende und die Initiative \u00abGr\u00fcne Wirtschaft\u00bb zu nennen. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die Idee, uns alle \u2013 B\u00fcrger und Unternehmer \u2013 umzuerziehen.<\/p>\n<h2>Neu geschaffene Regulierungen ersticken KMU<\/h2>\n<p>Woher kommt diese Regulierungswut? Einerseits wohl vom\u00a0immer trickreicheren Auffinden von Schlupfl\u00f6chern durch einzelne Personen, die sich Vorteile verschaffen wollen. Dann aber auch, weil Parlamente mithilfe neuer Gesetze \u00abmehr Gerechtigkeit\u00bb durch Auflagen und Umverteilung erzielen m\u00f6chten. Dadurch belasten wir aber alle Unternehmen und nicht nur die 2 bis 3 Prozent, welche sich bewusst falsch verhalten.<\/p>\n<p>Der mit Regulierungen gef\u00fchrte Druck auf kleine Unternehmen wird von den grossen nicht ganz ungern gesehen. Immer mehr KMU verschwinden, da sie die kritische Masse nicht mehr erreichen, um den administrativen Mehraufwand alleine bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Gr\u00f6ssere Firmen n\u00fctzen dies aus, um immer noch gr\u00f6ssere Konglomerate zu schaffen.<\/p>\n<p>Eigentlich w\u00e4re klar: Regulatorische Eingriffe in das Marktgeschehen d\u00fcrfen nur als Korrektur eines Marktversagens und nicht zum Zwecke einer Umverteilung oder einer Marktabschottung ergriffen werden.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>\u00a0Dennoch wird weiter fr\u00f6hlich reguliert \u2013 bis das Fass \u00fcberl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Ein Memorandum, wie es in der gr\u00fcnen Biotechnologie formuliert wurde, ist bei Regulierungen nicht umsetzbar. Wieso also nicht eine ungeschriebene Selbstdisziplin in Parlamenten durchsetzen: F\u00fcr jede neue Regulierung m\u00fcssen zwei andere gestrichen werden?<\/p>\n<p>Ohne Abkehr von der Regulierungssucht der Parlamente wird bis 2050 ein Chaos das Funktionieren unserer demokratischen Strukturen per se infrage stellen. Mit Energiewende oder ohne.<span style=\"color: #ff00ff;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Bruno S. Frey. Das \u00dcbel der unproduktiven Arbeit. Finanz und Wirtschaft 24.Juni 2015.<\/span><\/p><p><span>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Weitere umgesetzte Empfehlungen betreffen das Lebensmittel- und das Chemikalienrecht sowie das CO<sub>2<\/sub>- und das Humanforschungsgesetz usw. In den Zeitr\u00e4umen 2004\u20132007 und 2008\u20132011 wurden insgesamt 68 Prozent der vom KMU-Forum eingebrachten Empfehlungen umgesetzt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe Peter Buomberger, Avenir Suisse: Auswege aus dem Regulierungsdickicht, 2014.<\/span><\/p><p><span>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schweizer Wirtschaftsprofessor Bruno S. Frey hat k\u00fcrzlich gesagt: \u00abImmer mehr Personen sind unproduktiv t\u00e4tig. 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