{"id":115505,"date":"2015-09-24T09:07:58","date_gmt":"2015-09-24T09:07:58","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/09\/10-2015-guin-brown-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:12:41","modified_gmt":"2023-08-23T21:12:41","slug":"10-2015-guin-brown","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/09\/10-2015-guin-brown\/","title":{"rendered":"Eigenheimbesitzer nehmen langfristig hohe Zinsrisiken in Kauf"},"content":{"rendered":"<p>Der Schweizer Hypothekarmarkt ist in den letzten Jahren stark gewachsen. So verdoppelte sich das Volumen der vergebenen Hypothekarkredite zwischen den Jahren 2000 und 2012 auf 860 Milliarden Franken beinahe. Diese Expansion ist bemerkenswert, weil sich im gleichen Zeitraum das Bruttoinlandprodukt nur um rund ein Drittel erh\u00f6hte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas tiefe Zinsniveau und die gestiegenen H\u00e4userpreise bergen aber Risiken: Steigende Zinsen w\u00fcrden in einer verringerten Tragbarkeit der Kredite resultieren und k\u00f6nnten dazu f\u00fchren, dass Kreditnehmer ihren regelm\u00e4ssigen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen k\u00f6nnen. Fallende H\u00e4userpreise h\u00e4tten zudem einen h\u00f6heren Verschuldungsgrad der Kreditnehmer zur Folge. Dies k\u00f6nnte dazu f\u00fchren,\u00a0dass eine Anschlussfinanzierung f\u00fcr bestehende Hypotheken wirtschaftlich nicht mehr m\u00f6glich ist, wenn der Wert des Hauses unterhalb des ausstehenden Kreditvolumens f\u00e4llt. Da die Kreditportfolios der meisten inl\u00e4ndischen Banken zu grossen Teilen aus Hypothekarkrediten bestehen, w\u00fcrden umfangreiche Ausf\u00e4lle dieser Kredite den Schweizer Bankensektor stark treffen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine Studie der Universit\u00e4t St. Gallen<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>\u00a0versuchte, das mittel- wie auch das langfristige Ausmass dieser Zins- und Hauspreisrisiken abzusch\u00e4tzen. Zudem wurde untersucht, von welchen Faktoren die Wahl besonders riskanter Hypothekarkredite abh\u00e4ngt. Hierf\u00fcr verwendeten sie eine Zufallsstichprobe von 325 Hypothekarkreditanfragen f\u00fcr Eigenheime in der Deutschschweiz von September 2012 bis Januar 2014. In der Stichprobe sind junge Haushalte mit \u00fcberdurchschnittlich hohen Einkommen, die in urbanen Gegenden wohnen, \u00fcberrepr\u00e4sentiert. Es handelt sich also um jene Gruppe von Hypothekarkreditnehmern, die am st\u00e4rksten von sinkenden H\u00e4userpreisen betroffen w\u00e4re.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Ergebnisse f\u00fcr dieses Segment des Hypothekarkreditmarktes zeigen: Kurz- und mittelfristig w\u00fcrden ein starker Zinsanstieg und fallende H\u00e4userpreise nur zu geringen Kreditausf\u00e4llen f\u00fchren. Ein lang anhaltender Zinsanstieg und dauerhaft sinkende H\u00e4userpreise k\u00f6nnten hingegen umfangreiche Ausf\u00e4lle zur Folge haben. Auf individueller Ebene scheinen diese Risiko\u00fcberlegungen f\u00fcr Kreditnehmer bei der Auswahl der Hypothekarkredite aber nur eine geringe Rolle zu spielen. Relevanter scheinen die Kosten der jeweiligen Hypothek zu sein.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Ein F\u00fcnftel der Eigenheimbesitzer bei langfristigem Zinsanstieg gef\u00e4hrdet<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm das Zinsrisiko zu quantifizieren, analysierten die Autoren, ob die Eigenheimbesitzer ihre Hypothekarkreditzahlungen bei einem langfristen Anstieg des Zinsniveaus auf 5\u00a0Prozent noch bew\u00e4ltigen k\u00f6nnten. Kredite gelten in der Studie als nicht tragbar, wenn die j\u00e4hrlichen Hypothekarkosten \u2013 bestehend aus Zins- und Amortisationszahlungen \u2013 ein Drittel des j\u00e4hrlichen Haushaltseinkommens \u00fcbersteigen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm die Tragbarkeit eines Hypothekarkredits zu bestimmen, wurden in einer ersten Berechnung die Kosten der Hypothek bestehend aus Zinskosten (5% des Hypothekarkreditvolumens) und Instandhaltungskosten der Liegenschaft (1% des Hauspreises) in das Verh\u00e4ltnis zum j\u00e4hrlichen Gesamteinkommen des Kreditnehmers gesetzt. Hier zeigt sich: Nur 6\u00a0Prozent aller Kreditnehmer h\u00e4tten Zahlungsverpflichtungen, die ein Drittel ihres j\u00e4hrlichen Gesamteinkommens \u00fcbersteigen. Ber\u00fccksichtigt man jedoch zus\u00e4tzlich Amortisationszahlungen in H\u00f6he von 1 Prozent des Kreditvolumens, steigt dieser Anteil auf rund ein F\u00fcnftel (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Dieser Anteil steigt weiter auf rund ein Drittel, wenn man anstatt des Gesamteinkommens des Kreditnehmers lediglich das fixe Lohneinkommen ber\u00fccksichtigt.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>\u00a0Ber\u00fccksichtigt man im Fall von gemeinschaftlichen Kreditantr\u00e4gen lediglich das Hauptlohneinkommen (etwa eines Ehepartners), steigt das Risiko sogar auf zwei Drittel.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Tragbarkeit einer Hypothek f\u00fcr die Kreditnehmer (4 Szenarien)<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<div style=\"float: left; width: 48%;\">&#13;<\/p>\n<h3>Bei 5% Zinskosten plus 1% Instandhaltungskosten (relativ zum Gesamteinkommen)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span>&#13;<\/p>\n<pre><div class=\"chart chart--minimal\" id=\"guin1_de\"><\/div>\n<script>\n\n$(function () {\n\n    $(document).ready(function () {\n\n        \/\/ Build the chart\n        $('#guin1_de').highcharts({\n            chart: {\n                plotBackgroundColor: null,\n                plotBorderWidth: null,\n                plotShadow: false,\n                type: 'pie'\n            },\n            title: {\n                text: ''\n            },\n            tooltip: {\n                pointFormat: '<b>{point.percentage:.0f}%<\/b>'\n            },\n            plotOptions: {\n                pie: {\n                    allowPointSelect: true,\n                    cursor: 'pointer',\n                    dataLabels: {\n                        enabled: false\n                    },\n                    showInLegend: true\n                }\n            },\n            series: [{\n                \/\/name: \" \",\n                colorByPoint: true,\n                data: [{\n                    name: \"Nicht tragbar\",\n                    y: 19\n                }, {\n                    name: \"Tragbar\",\n                    y: 306\n                }]\n            }]\n        });\n    });\n});\n\n<\/script>\n<\/pre>\n<p>&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div style=\"float: left; width: 48%; margin-left: 4%;\">&#13;<\/p>\n<h3>Bei 5% Zinskosten plus 1% Instandhaltungskosten plus 1% Amortisation (relativ zum Gesamteinkommen)<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<pre><div class=\"chart chart--minimal\" id=\"guin2_de\"><\/div>\n<script>\n\n$(function () {\n\n    $(document).ready(function () {\n\n        \/\/ Build the chart\n        $('#guin2_de').highcharts({\n            chart: {\n                plotBackgroundColor: null,\n                plotBorderWidth: null,\n                plotShadow: false,\n                type: 'pie'\n            },\n            title: {\n                text: ''\n            },\n            tooltip: {\n                pointFormat: '<b>{point.percentage:.0f}%<\/b>'\n            },\n            plotOptions: {\n                pie: {\n                    allowPointSelect: true,\n                    cursor: 'pointer',\n                    dataLabels: {\n                        enabled: false\n                    },\n                    showInLegend: true\n                }\n            },\n            series: [{\n                \/\/name: \" \",\n                colorByPoint: true,\n                data: [{\n                    name: \"Nicht tragbar\",\n                    y: 72\n                }, {\n                    name: \"Tragbar\",\n                    y: 253\n                }]\n            }]\n        });\n    });\n});\n\n<\/script>\n<\/pre>\n<p>&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div style=\"clear: both;\"><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div style=\"float: left; width: 48%;\">&#13;<\/p>\n<h3>Bei 5% Zinskosten plus 1% Instandhaltungskosten plus 1% Amortisation (relativ zum fixen Lohneinkommen)<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<pre><div class=\"chart chart--minimal\" id=\"guin3_de\"><\/div>\n<script>\n\n$(function () {\n\n    $(document).ready(function () {\n\n        \/\/ Build the chart\n        $('#guin3_de').highcharts({\n            chart: {\n                plotBackgroundColor: null,\n                plotBorderWidth: null,\n                plotShadow: false,\n                type: 'pie'\n            },\n            title: {\n                text: ''\n            },\n            tooltip: {\n                pointFormat: '<b>{point.percentage:.0f}%<\/b>'\n            },\n            plotOptions: {\n                pie: {\n                    allowPointSelect: true,\n                    cursor: 'pointer',\n                    dataLabels: {\n                        enabled: false\n                    },\n                    showInLegend: true\n                }\n            },\n            series: [{\n                \/\/name: \" \",\n                colorByPoint: true,\n                data: [{\n                    name: \"Nicht tragbar\",\n                    y: 112\n                }, {\n                    name: \"Tragbar\",\n                    y: 213\n                }]\n            }]\n        });\n    });\n});\n\n<\/script>\n<\/pre>\n<p>&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div style=\"float: left; width: 48%; margin-left: 4%;\">&#13;<\/p>\n<h3>Bei 5% Zinskosten plus 1% Instandhaltungskosten plus 1% Amortisation (relativ zum Hauptlohneinkommen)<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<pre><div class=\"chart chart--minimal\" id=\"guin4_de\"><\/div>\n<script>\n\n$(function () {\n\n    $(document).ready(function () {\n\n        \/\/ Build the chart\n        $('#guin4_de').highcharts({\n            chart: {\n                plotBackgroundColor: null,\n                plotBorderWidth: null,\n                plotShadow: false,\n                type: 'pie'\n            },\n            title: {\n                text: ''\n            },\n            tooltip: {\n                pointFormat: '<b>{point.percentage:.0f}%<\/b>'\n            },\n            plotOptions: {\n                pie: {\n                    allowPointSelect: true,\n                    cursor: 'pointer',\n                    dataLabels: {\n                        enabled: false\n                    },\n                    showInLegend: true\n                }\n            },\n            series: [{\n                \/\/name: \" \",\n                \/\/colorByPoint: true,\n                data: [{\n                    name: \"Nicht tragbar\",\n                    y: 213\n                }, {\n                    name: \"Tragbar\",\n                    y: 112\n                }]\n            }]\n        });\n    });\n});\n\n<\/script>\n<\/pre>\n<p>&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div style=\"clear: both;\"><\/div>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Kredite gelten als nicht tragbar, wenn die j\u00e4hrlichen Hypothekarkosten \u2013 bestehend aus Zins- und Amortisationszahlungen \u2013 ein Drittel des j\u00e4hrlichen Haushaltseinkommens \u00fcbersteigen. N=325.<\/span>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Guin und Brown \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #ff00ff;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend kurzfristige Zins\u00e4nderungen keinen unmittelbaren Effekt auf die Tragbarkeit von Hypotheken mit langen Laufzeiten (und fixen Zinss\u00e4tzen) haben, k\u00f6nnen sie Hypotheken mit kurzen Laufzeiten (mit variabler Verzinsung oder festen Zinss\u00e4tzen) beeinflussen. Dabei zeigt sich: Mehr als 60 Prozent aller Kredite mit geringer Tragbarkeit weisen einen fixen Zinssatz und eine Laufzeit von mehr als f\u00fcnf Jahren auf. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass ein Zinsanstieg kurz- und mittelfristig nur einen geringen aggregierten Effekt auf die Zahlungsf\u00e4higkeit der Kreditnehmer h\u00e4tte. Ein dauerhafter Zinsanstieg k\u00f6nnte hingegen viele neue Eigenheimbesitzer in Bedr\u00e4ngnis bringen&#13;<\/p>\n<h2><strong>Ein Viertel der Kreditnehmer ist\u00a0hoch verschuldet<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm das Hauspreisrisiko zu bestimmen, sch\u00e4tzten die Autoren den Anteil der Kreditnehmer mit einem besonders hohen Verschuldungsgrad ab. Dazu setzten sie das Hypothekarkreditvolumen jedes Kreditnehmers in das Verh\u00e4ltnis zum Hauspreis (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Hierbei gelten diejenigen Kreditnehmer als hoch verschuldet, f\u00fcr welche dieses Verh\u00e4ltnis \u00fcber 80 Prozent betr\u00e4gt.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Verschuldungsgrad von Kreditnehmern<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<div style=\"float: left; width: 48%;\">&#13;<\/p>\n<h3>Hypothekarkreditvolumen relativ zum Hauspreis<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<pre><div class=\"chart chart--minimal\" id=\"guin5_de\"><\/div>\n<script>\n\n$(function () {\n\n    $(document).ready(function () {\n\n        \/\/ Build the chart\n        $('#guin5_de').highcharts({\n            chart: {\n                plotBackgroundColor: null,\n                plotBorderWidth: null,\n                plotShadow: false,\n                type: 'pie'\n            },\n            title: {\n                text: ''\n            },\n            tooltip: {\n                pointFormat: '<b>{point.percentage:.0f}%<\/b>'\n            },\n            plotOptions: {\n                pie: {\n                    allowPointSelect: true,\n                    cursor: 'pointer',\n                    dataLabels: {\n                        enabled: false\n                    },\n                    showInLegend: true\n                }\n            },\n            series: [{\n                \/\/name: \" \",\n                colorByPoint: true,\n                data: [{\n                    color: '#ae097f',\n                    name: \"Verschuldungsgrad >80% (hoch verschuldet)\",\n                    y: 84\n                }, {\n                    color: '#00b3d4 ',\n                    name: \"Verschuldungsgrad \u226480%\",\n                    y: 241\n                }]\n            }]\n        });\n    });\n});\n\n<\/script>\n<\/pre>\n<p>&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div style=\"float: left; width: 48%; margin-left: 4%;\">&#13;<\/p>\n<h3>Kreditvolumen relativ zum Hauspreis und weiteren Sicherheiten<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<pre><div class=\"chart chart--minimal\" id=\"guin6_de\"><\/div>\n<script>\n\n$(function () {\n\n    $(document).ready(function () {\n\n        \/\/ Build the chart\n        $('#guin6_de').highcharts({\n            chart: {\n                plotBackgroundColor: null,\n                plotBorderWidth: null,\n                plotShadow: false,\n                type: 'pie'\n            },\n            title: {\n                text: ''\n            },\n            tooltip: {\n                pointFormat: '<b>{point.percentage:.0f}%<\/b>'\n            },\n            plotOptions: {\n                pie: {\n                    allowPointSelect: true,\n                    cursor: 'pointer',\n                    dataLabels: {\n                        enabled: false\n                    },\n                    showInLegend: true\n                }\n            },\n            series: [{\n                \/\/name: \" \",\n                colorByPoint: true,\n                data: [{\n                    color: '#ae097f',\n                    name: \"Verschuldungsgrad >80% (hoch verschuldet)\",\n                    y: 67\n                }, {\n                    color: '#00b3d4 ',\n                    name: \"Verschuldungsgrad \u226480%\",\n                    y: 258\n                }]\n            }]\n        });\n    });\n});\n\n<\/script>\n<\/pre>\n<p>&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div style=\"clear: both;\"><\/div>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Guin und Brown \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss dieser Definition ist\u00a0rund ein Viertel aller Kreditnehmer hoch verschuldet. Ber\u00fccksichtigt man zus\u00e4tzlich Sicherheiten, wie zum Beispiel Wertschriften oder Lebensversicherungen, reduziert sich der Anteil der Kreditnehmer mit hohem Verschuldungsgrad auf rund einen F\u00fcnftel. Solche hoch verschuldeten Haushalte verf\u00fcgen dabei nur selten \u00fcber weitere Verm\u00f6genswerte, um sinkende H\u00e4userpreise auszugleichen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei sinkenden H\u00e4userpreisen sind diejenigen Kreditnehmer gef\u00e4hrdet, die ihre Hypothek kurzfristig refinanzieren m\u00fcssen und keine weiteren Verm\u00f6genswerte als Eigenkapital hinterlegen k\u00f6nnen. Um die Fristigkeit des Hauspreisrisikos zu analysieren, wurden deshalb sowohl die Laufzeit der Hypothek wie auch die \u00fcbrigen Verm\u00f6genswerte der Kreditnehmer untersucht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNur wenige Kreditnehmer weisen gleichzeitig eine Hypothek mit einer kurzen Laufzeit sowie wenige weitere Verm\u00f6genswerte auf. Daraus l\u00e4sst sich schliessen, dass stark sinkende H\u00e4userpreise in der kurzen und mittleren Frist nur relativ geringe Auswirkungen auf die Zahlungsf\u00e4higkeit der Kreditnehmer h\u00e4tten.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Zinsrisiken spielen untergeordnete Rolle<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVon welchen Faktoren h\u00e4ngt die Wahl besonders riskanter Hypothekarkredite ab? Die Autoren analysierten hierzu insbesondere die Rolle individueller Zinserwartungen, individueller Risikoaversion sowie regionaler H\u00e4userpreisentwicklungen. Kredite mit variablen Verzinsungen sowie solche mit Laufzeiten von weniger als f\u00fcnf Jahren gelten in der Studie als besonders riskant.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend individuelle Zinserwartungen keinen Einfluss auf die Wahl der Hypothek zu haben scheinen, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Haushalte in Regionen mit relativ hohen H\u00e4userpreisen tendenziell kurzfristige Hypotheken w\u00e4hlen. Da diese im Durchschnitt mit geringeren Zinskosten einhergehen, kann man davon ausgehen, dass bei der Wahl einer Hypothek somit eher Erschwinglichkeits\u00fcberlegungen als Risiko\u00fcberlegungen relevant sind.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Die Studie wurde in Kooperation mit dem unabh\u00e4ngigen Finanzdienstleister Moneypark.ch realisiert.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Bonuszahlungen wie auch Kapitaleinkommen werden hier ignoriert.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schweizer Hypothekarmarkt ist in den letzten Jahren stark gewachsen. So verdoppelte sich das Volumen der vergebenen Hypothekarkredite zwischen den Jahren 2000 und 2012 auf 860 Milliarden Franken beinahe. 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Zudem gingen die Autoren der Frage nach, von welchen Faktoren die Wahl besonders riskanter Hypothekarkredite abh\u00e4ngt. Hierf\u00fcr verwendeten sie eine Zufallsstichprobe von 325 Hypothekarkreditanfragen f\u00fcr Eigenheime im Zeitraum von September 2012 bis Januar 2014. Die Ergebnisse zeigen: Ein starker Zinsanstieg und fallende H\u00e4userpreise d\u00fcrften kurz- und mittelfristig nur zu geringen Ausf\u00e4llen von Hypothekarkrediten f\u00fchren. Im Gegensatz hierzu k\u00f6nnten ein lang anhaltender Zinsanstieg und dauerhaft sinkende H\u00e4userpreise umfangreiche Ausf\u00e4lle zur Folge haben. Auf individueller Ebene scheinen diese Risiko\u00fcberlegungen f\u00fcr Kreditnehmer bei der Auswahl der Hypothekarkredite nur eine geringe Rolle zu spielen. 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