{"id":115522,"date":"2015-09-24T09:07:58","date_gmt":"2015-09-24T09:07:58","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/09\/2015-10-cirigliano\/"},"modified":"2024-04-10T17:00:35","modified_gmt":"2024-04-10T15:00:35","slug":"2015-10-cirigliano","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/09\/2015-10-cirigliano\/","title":{"rendered":"Faire Globalisierung braucht arbeitsrechtliche Mindeststandards"},"content":{"rendered":"<p>Die langj\u00e4hrige Forderung der internationalen Arbeitsorganisation (ILO), Sozialstandards in Freihandelsabkommen zu integrieren, findet zusehends Geh\u00f6r. W\u00e4hrend vor 25 Jahren weltweit noch in keinem einzigen Freihandelsabkommen solche Sozialstandards enthalten waren, fanden sich solche Klauseln im Jahr 2014 immerhin in 69 Vertr\u00e4gen.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>\u00a0Damit verpflichten sich die Vertragspartner, v\u00f6lkerrechtliche Arbeitsrechtsnormen einzuhalten, wie sie vorrangig in den einschl\u00e4gigen ILO-\u00dcbereinkommen und Empfehlungen vereinbart worden sind.<\/p>\n<p>Voraussetzung f\u00fcr diese erfreuliche Entwicklung war die Definition verbindlicher Parameter f\u00fcr eine \u00abfaire Globalisierung\u00bb, wie sie die ILO 2004 mit der Einsetzung der Weltkommission f\u00fcr die soziale Dimension der Globalisierung gesetzt hat.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Im Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China konnten die ILO-Kernarbeitsnormen verankert werden, indem auf ein Memorandum of Understanding zur Zusammenarbeit in Arbeits- und Besch\u00e4ftigungsfragen von 2011 verwiesen wird. Ziel ist es, durch den Austausch von Informationen menschenw\u00fcrdige Arbeit zu f\u00f6rdern. Instrumente daf\u00fcr sind etwa Arbeitsinspektionen, Massnahmen zur F\u00f6rderung von Arbeitssicherheit und Gesundheit sowie Pr\u00e4vention am Arbeitsplatz. Als Mittel f\u00fcr diesen Austausch sieht das Abkommen insbesondere Projekte der technischen Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch vor \u2013 etwa im Rahmen gegenseitiger Besuche.<\/p>\n<p>Ein Beispiel ist das sogenannte Score-Projekt<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>, welches von der ILO \u2013 unter Mitwirkung der Schweiz \u2013 entwickelt wurde: Mithilfe von speziellen Schulungen sollen chinesische KMU in Schulungen dazu gebracht werden, fundamentale Arbeitsnormen zu respektieren und menschenw\u00fcrdige Arbeitsbedingungen anzubieten.<\/p>\n<h2><strong>Mitwirkung der Arbeiter noch ungen\u00fcgend<\/strong><\/h2>\n<p>Der Besuch dieser von der ILO durchgef\u00fchrten Projekte vor Ort in China durch eine tripartite Delegation<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>, in der auch der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) vertreten war, zeigt die Chancen und Grenzen eines solchen Instrumentariums: W\u00e4hrend die Unfallverh\u00fctung und der Gesundheitsschutz dadurch eindeutig optimiert wurden, konnte die Mitwirkung der Arbeitnehmenden in den Betrieben nicht immer verbessert werden.<\/p>\n<p>Dies ist sowohl konzeptionellen Schw\u00e4chen der einschl\u00e4gigen Score-Module wie auch der allgemeinen politischen Situation in China geschuldet. Hier w\u00e4re deshalb von der ILO zu erwarten, dass die entsprechenden Schulungen verbessert werden. Dies muss prim\u00e4r erreicht werden, indem die demokratische Mitwirkung der Arbeitnehmenden in allen Modulen gest\u00e4rkt wird. Erst diese Mitwirkung ist n\u00e4mlich Voraussetzung und Garantin f\u00fcr eine nachhaltige Verbesserung des Qualit\u00e4tsmanagements in der Produktion und somit auch f\u00fcr Fortschritte in der Unfallverh\u00fctung, bei der Arbeitssicherheit und dem Gesundheitsschutz.<\/p>\n<p>Der diesj\u00e4hrige, vom Seco organisierte, tripartite Besuch stellt eine begr\u00fcssenswerte Form dar, das Freihandelsabkommen m\u00f6glichst sinnvoll zu konkretisieren und zu einer Verbesserung der Bedingungen der chinesischen Arbeitnehmenden beizutragen. Es ist zu hoffen, dass ein Austausch in dieser Form auch in Zukunft regelm\u00e4ssig stattfinden wird. Der SGB jedenfalls wird weiterhin seinen Beitrag dazu leisten und dieses und andere Abkommen kritisch beobachten und begleiten.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Franz Ebert et al., Social Dimensions of Free Trade Agreements, Genf 2015.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Vgl. dazu ILO, Eine Faire Globalisierung \u2013 Chancen f\u00fcr alle schaffen, Genf 2004.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Sustaining Competitive and Responsible Enterprises (Score). Vgl. Artikel von Val\u00e9rie Berset Bircher und Karin Federer in dieser Ausgabe.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Bestehend aus den Sozialpartnern und dem Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die langj\u00e4hrige Forderung der internationalen Arbeitsorganisation (ILO), Sozialstandards in Freihandelsabkommen zu integrieren, findet zusehends Geh\u00f6r. 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