{"id":115709,"date":"2015-07-23T16:59:26","date_gmt":"2015-07-23T16:59:26","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/07\/2015-08-09-falkinger-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:12:57","modified_gmt":"2023-08-23T21:12:57","slug":"2015-08-09-falkinger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/07\/2015-08-09-falkinger\/","title":{"rendered":"Finanzen \u00fcberschatten das \u00f6konomische Denken"},"content":{"rendered":"<p>Die Finanzwirtschaft hat in der \u00d6konomie an Gewicht gewonnen. Das zeigt sich zum Beispiel an den L\u00f6hnen und Profiten, die im Finanzsektor entstehen, an der Absorption qualifizierter Arbeitskr\u00e4fte, der Zahl der gehandelten Produkte oder am Nominalwert der Transaktionen relativ zum Bruttoinlandprodukt. \u00abFinanzialisiert\u00bb hat sich auch das \u00f6konomische Denken, insbesondere die Sicht auf wirtschaftliche St\u00f6rungen: Liquidit\u00e4t und Erwartungsmanagement stehen im Zentrum der Ursachensuche, geldpolitische Instrumente erscheinen als die L\u00f6sung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDieser Fokus auf die Finanzm\u00e4rkte wird der Volkswirtschaftslehre nicht gerecht, wie ein Blick in die Geschichte des \u00f6konomischen Denkens erkennen l\u00e4sst. Die folgende Betrachtung konzentriert sich auf Themen, welche die Entwicklung der modernen Volkswirtschafslehre massgeblich bestimmt haben.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Der Markt und sein Versagen: Selbststeuerung oder Intervention<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Begr\u00fcnder der klassischen National\u00f6konomie, Adam Smith (1723\u20131790), hat die Idee ausgearbeitet, dass Individuen bei freier Entfaltung ihrer Kr\u00e4fte und Antriebe auf M\u00e4rkten ohne zentrale Steuerung zu einem guten Ganzen finden. Sie sind dabei motiviert durch Eigenliebe, aber auch zu Empathie f\u00e4hig und mit einem gewissen Pflichtgef\u00fchl ausgestattet. In der Folge hat David Ricardo (1772\u20131823) die Idee auf das Zusammenspiel von L\u00e4ndern ausgeweitet und ist so ein Pionier des freien internationalen Handels geworden. \u00dcber L\u00e9on Walras (1834\u20131910) wurde dieser Entwicklungsstrom fortgef\u00fchrt und in der rigorosen Formulierung der allgemeinen Gleichgewichtstheorie durch Kenneth Arrow (*1921) und Gerard D\u00e9breu (1921\u20132004) zu einem vorl\u00e4ufigen Abschluss gebracht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas zentrale Ergebnis daraus sind die Haupts\u00e4tze der Wohlfahrts\u00f6konomie. Sie k\u00f6nnen als Antwort auf den Streit zwischen Markt- und Planwirtschaft gesehen werden, der als Mises-Lange-Kontroverse in die Geschichte eingegangen ist \u2013 benannt nach den Kontrahenten Ludwig von Mises (1881\u20131973) auf der Marktseite und Oskar Lange (1904\u20131965) auf der Planseite. Grob gesprochen besagen diese Lehrs\u00e4tze: In einer \u00aberstbesten\u00bb Welt sind die Systeme austauschbar, beide f\u00fchren zu einem effizienten Ergebnis. Erstbeste Welt heisst, dass man eine wohlwollende und perfekt informierte Planbeh\u00f6rde mit vollst\u00e4ndigen M\u00e4rkten und freiem Wettbewerb vergleicht, in denen es keine Marktmacht oder Informationsprobleme gibt. Die reale Welt sieht selbstverst\u00e4ndlich anders aus. Das Ringen um den richtigen Blick auf das Wirtschaftssystem findet somit auf dem Feld der Unvollkommenheiten statt.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Beschr\u00e4nktes Wissen: Informationsverarbeitung durch Marktpreise<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine grundlegende Unzul\u00e4nglichkeit der menschlichen Natur ist das beschr\u00e4nkte Wissen. Der \u00f6sterreichische \u00d6konom Friedrich von Hayek (1899\u20131992) hat dargelegt, dass die Preisbildung am Markt als dezentraler Mechanismus der Informationsverarbeitung verstanden werden kann. Da das Wissen \u00fcber W\u00fcnsche und F\u00e4higkeiten bei den Individuen liegt, ist es effizient, sie mit diesem Wissen auf die Marktgegebenheiten reagieren zu lassen, die in den Preisen zum Ausdruck kommen. Wenn die individuellen Reaktionen im Aggregat zu Widerspr\u00fcchen f\u00fchren, werden sich die Preise anpassen, bis das verstreute Wissen korrekt eingesammelt und der Markt im Gleichgewicht ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn Fortf\u00fchrung der Hayek\u2019schen Idee von M\u00e4rkten als dezentralem Mechanismus der Informationsverarbeitung hat die moderne Finanztheorie das Konzept informationseffizienter Finanzm\u00e4rkte entwickelt. Freie Arbitrage f\u00fchrt demnach zu einer Koordination der Meinungen im Einklang mit dem insgesamt vorhandenen Wissen. Doch auch der Preismechanismus kann gest\u00f6rt sein. Die Debatte, ob diese St\u00f6rungen durch Intervention behoben werden sollen oder Interventionen gerade die Selbstheilung durch den Markt verhindern, gewinnt neue Brisanz. Marktungleichgewichte sind einerseits Ausl\u00f6ser f\u00fcr Preisanpassungen und ein wichtiger Input f\u00fcr die Informationsgewinnung. Andererseits sind sie Ausdruck daf\u00fcr, dass etwas schiefl\u00e4uft: Es gibt \u00fcbervolle Lager oder Warteschlangen, Arbeitslosigkeit oder Inflation, Finanzmarktblasen und Finanzkrisen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Theorie der effektiven Nachfrage<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer britische \u00d6konom John Maynard Keynes (1883\u20131946) hat sehr fr\u00fch die problematische Rolle des Marktes aufgezeigt, welche dieser f\u00fcr die Koordination von Wissen und Meinungen spielt. So werden Gesch\u00e4fte auf Grundlage von Konventionen und einer allgemeinen Erwartungshaltung bez\u00fcglich der Zukunft get\u00e4tigt. Das f\u00fchrt zu Herdeneffekten, die durch stabilisierende Fiskal- und Geldpolitik im Zaum gehalten werden sollen. Falls die Erwartungen pessimistisch sind, halten die Wirtschaftsakteure grosse Summen liquider Mittel, statt in reale Projekte zu investieren. In so einer Situation ist die Geldpolitik machtlos und Ankurbelung durch staatliche Investitionen gefragt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKeynes hat damit, zusammen mit seinem polnischen Zeitgenossen Michal Kalecki (1899\u20131970), die Theorie der effektiven Nachfrage begr\u00fcndet, die dem Say\u2019schen Gesetz f\u00fcr die kurze Frist seine G\u00fcltigkeit abspricht. Das Gesetz, benannt nach Jean-Baptiste Say (1767\u20131832), besagt: Jedes Angebot schafft seine Nachfrage. So bestimmen insbesondere die Ersparnisse die Investitionen. Denn niemand w\u00fcrde auf etwas verzichten, wenn dahinter nicht der Wunsch st\u00fcnde, etwas nachzufragen. Demgegen\u00fcber betont die Theorie der effektiven Nachfrage, dass nicht der Wunsch, sondern die Kaufkraft \u00fcber die tats\u00e4chliche Nachfrage entscheidet, und der Wunsch zu sparen erst durch reale Investitionen realisiert werden kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie auf den rationalen Erwartungsmodellen basierende moderne Makro\u00f6konomie hat den geldpolitischen Teil der keynesianischen Stabilisierungspolitik akribisch verarbeitet und mit Erfolg zu einem wirksamen Mittel der Moderation von Schwankungen in normalen Zeiten ausgebaut. In ausgepr\u00e4gten Krisenzeiten best\u00e4tigt sich jedoch: Geldpolitik allein hat einen zweifelhaften Nutzen. In einer Liquidit\u00e4tsfalle bl\u00e4ht das zus\u00e4tzlich in Umlauf gebrachte Geld eher die Spekulationskasse auf, als dass damit reale Investitionsprojekte der Firmen angestossen werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Entwicklung des makro\u00f6konomischen Denkens im 20. Jahrhundert waren zyklische Ungleichgewichte zentral. F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis grundlegenderer Strukturbr\u00fcche, wie sie in den letzten Jahren sichtbar geworden sind, lohnt es sich deshalb, zu den Grundfragen der klassischen Politischen \u00d6konomie zur\u00fcckzukehren.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Was ist Wohlstand, und wie wird er geschaffen?<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Die Urspr\u00fcnge der modernen Volkswirtschaftslehre sind gepr\u00e4gt von den Fragen: Was ist Wohlstand, wer schafft ihn, wozu dient er, und wie wird er verteilt?<\/span> Aus merkantilistischer Sicht misst sich Wohlstand am Verm\u00f6gen, insbesondere am Besitz von Gold, Edelmetallen und anderen Werten. Diese dienen der Finanzierung eines feudalen Lebensstils und der Macht des Landes. Denn der Erwerb von Verm\u00f6gen ist ein Nullsummenspiel. Was die eine Nation gewinnt, verliert die andere.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Physiokraten<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> haben dieser Bestandsbetrachtung den Kreislauf der Produktion gegen\u00fcbergestellt und betont, dass nur Produktion, in ihrem Fall die landwirtschaftliche Produktion, neuen Wohlstand schafft. Die klassischen \u00d6konomen Smith, Ricardo und Karl Marx (1818\u20131883) haben neben Grund und Boden die Arbeit und das Kapital (die in Form von Investitionsg\u00fctern akkumulierte vergangene Arbeit) als zentrale Produktionsfaktoren identifiziert. Damit wurden die Schaffung von Wohlstand und seine Verteilung in einen systematischen Zusammenhang gebracht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs ist das Verdienst von Smith, die gewaltige Energie von Arbeit und Kapital, angetrieben vom Wunsch nach Aufstieg und Besserung der Lebensverh\u00e4ltnisse, als Quelle des \u00abWohlstands der Nationen\u00bb erkannt und systematisch dargestellt zu haben. Auch die Verteilung des Wohlstands hat er klar angesprochen: \u00abKeine Gesellschaft<span style=\"color: #333333;\"> ka<\/span>nn gedeihen und gl\u00fccklich sein, in der der weitaus gr\u00f6sste Teil ihrer Mitglieder arm und ungl\u00fccklich ist.\u00bb<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDass die Schaffung von Wohlstand \u2013 zum Beispiel durch Handelsgewinne \u2013 nicht ohne Verteilungskonflikte vor sich geht, war auch Ricardo bewusst. Sein Einsatz f\u00fcr den Freihandel und gegen die Protektion der Landwirtschaft galt als Kampfansage an die Grundbesitzer. In voller Sch\u00e4rfe aber hat erst Marx die Entfesselung der produktiven Kr\u00e4fte mit der Verteilungsfrage in Verbindung gebracht. Ungerechte, ausbeuterische Verteilung f\u00fchrt in eine Systemkrise. Die Arbeiterbewegung und der moderne Sozialstaat haben dazu beigetragen, diese Systemkrise zu vermeiden. Die Globalisierungswelle in der zweiten H\u00e4lfte des neunzehnten Jahrhunderts und die protektionistische Gegenwelle im Vorlauf des Ersten Weltkriegs haben die Wechselbeziehung zwischen der Entfaltung der produktiven Kr\u00e4fte und den damit verbundenen Verteilungskonflikten stark ins Bewusstsein gehoben. Hundert Jahre sp\u00e4ter sehen wir erneut, dass unter der Oberfl\u00e4che der finanzwirtschaftlich orientierten Krisendiskussion die Grundfragen von Wachstum und Verteilung auf die wirtschaftspolitische Agenda dr\u00e4ngen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Die Zeit und ihr Takt<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Den Klassikern ging es um die lange Sicht.<\/span> Was sind die Antriebe der Menschen, was die Quellen von Wohlstand und Wachstum? Wie h\u00e4ngen Produktion und Verteilung zusammen? Das neoklassische Gleichgewicht ist relativ zeitlos. Wann der walrasianische Auktionator arbeitet und wie lange er braucht, um die gleichgewichtigen Marktpreise zu finden, bleibt weitgehend im Dunkel.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs war vor allem Alfred Marshall (1842\u20131924), der darauf hingewiesen hat, wie wichtig es ist, die Anpassungsprozesse im Auge zu behalten und sorgf\u00e4ltig zwischen \u00ablong run\u00bb, \u00abmedium run\u00bb und \u00abshort run\u00bb zu unterscheiden. Keynes hat dann die Bedeutung der kurzen Frist f\u00fcr makro\u00f6konomische Ungleichgewichte betont. Ironischerweise hat sich nicht nur die keynesianische Konjunkturtheorie der Idee des kurzfristigen Zyklus verschrieben, sondern auch ihre Kritiker sind im Denkmuster des transienten Schocks gefangen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInzwischen, im 21. Jahrhundert, sind dynamische, auf statistischen Prozessen beruhende Gleichgewichtsmodelle zu einem Industriestandard geworden. Man k\u00f6nnte meinen: Endlich wird die Zeit in der \u00d6konomie ernst genommen. Das Gegenteil scheint jedoch der Fall zu sein: <span style=\"color: #000000;\">Es herrscht Frequenzverwirrung; Hochfrequenz und Ewigkeit verbinden sich zu einer undurchsichtigen Allianz.<\/span> Es ist nicht immer klar, welche spezifischen Prozesse untersucht werden: Sind es Kursschwankungen, Konjunkturzyklen, Finanzzyklen, Wachstums- und Entwicklungsprozesse, Bubbles oder Strukturbr\u00fcche? Dasselbe gilt f\u00fcr den jeweiligen Takt: Sind Mikrosekunden, Tage, Quartale, Jahre, Dekaden, Generationen, Jahrhunderte oder \u00c4onen die relevante Frequenz?&#13;<\/p>\n<h2><strong>Strukturbr\u00fcche sind f\u00fcr Analyse zentraler als die Finanzkrise<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Lichte der Geschichte des \u00f6konomischen Denkens ist die Betrachtung der Welt mit der Brille des Finanzmarkts und der Geldpolitik einseitig, ebenso die Fixierung auf Zyklen oder tempor\u00e4re Schocks. Besonders fragw\u00fcrdig erscheint die Tendenz, aktuelle St\u00f6rungen allein der Finanzkrise im Jahr 2007 zuzuschreiben. Immerhin sind seitdem bald zehn Jahre vergangen, und schon 1997 oder in den Jahren 2000 und 2001 wurde die Welt durch Finanzkrisen geschockt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Geschichte der Volkswirtschaftslehre regt an, die St\u00f6rungen in einem gr\u00f6sseren Kontext zu sehen und in eine l\u00e4ngerfristige Entwicklung einzuordnen. Dadurch werden grundlegendere Strukturver\u00e4nderungen sichtbar, ohne deren Verst\u00e4ndnis keine nachhaltige Krisenbew\u00e4ltigung gelingen wird. Konzentrieren wir uns dazu auf westliche Industriel\u00e4nder und auf die Zeit nach dem letzten grossen Einschnitt, der sogenannten Erd\u00f6lkrise in den Siebzigerjahren, die ja auch mit einem Paradigmenwechsel in Wissenschaft und Politik verbunden ist, markiert durch das Schlagwort \u00absupply-side economics\u00bb. Was also sind grundlegende Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZum einen hat sich der Wachstumspfad im Vergleich zu den drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg verlangsamt. Parallel dazu ist die Inflation moderat geworden oder gar verschwunden. Zum andern sind durch Deregulierung und Privatisierung \u2013 einschliesslich der Transformation von Planwirtschaften in Richtung Marktsystem \u2013 grosse Best\u00e4nde von Ressourcen und Realkapital auf den Markt gekommen. Das hat den Erwerb und Handel mit Eigentumsrechten attraktiv gemacht, den Finanzmarkt stimuliert und einer merkantilistischen Vorstellung von Reichtum Auftrieb verschafft.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDar\u00fcber hinaus hat in den letzten 40 Jahren eine starke Globalisierung stattgefunden, die nicht nur die G\u00fcterm\u00e4rkte, sondern auch die Faktorm\u00e4rkte und den Geldmarkt erfasste. Wanderungen von Personen sind nicht gleich G\u00fcterstr\u00f6men und der freie internationale Handel mit Eigentumsrechten greift direkt in den souver\u00e4nen Gestaltungsspielraum eines Landes ein. Gleichzeitig haben sich grosse Leistungsbilanzungleichgewichte aufgebaut. Der dem wirtschaftspolitischen Ziel des aussenwirtschaftlichen Gleichgewichts entsprechende Wechsel von Defizit- und \u00dcberschussperioden wurde abgel\u00f6st durch ein anhaltendes Muster von Schuldner- und Gl\u00e4ubigerl\u00e4ndern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch die Verteilung der Einkommen hat sich substanziell ge\u00e4ndert. Die Ungleichheit am oberen Ende der Verteilung ist stark angestiegen, und in wichtigen Industriel\u00e4ndern sind die Medianl\u00f6hne gesunken, zuletzt auch die Lohnquoten. Das alles wurde \u00fcberlagert vom disproportionalen Wachstum der Finanztransaktionen im Vergleich zur realen Dynamik. Schliesslich haben Bankenkrisen und die Rettung von Banken mit staatlichen Mitteln vor Augen gef\u00fchrt, dass die Selbstheilungskr\u00e4fte des Marktes gerade im vermeintlich effizienten Finanzmarkt nicht wirken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDeshalb braucht es eine R\u00fcckkehr zum realen Blick auf die Welt. <span style=\"color: #000000;\">Der Wunsch, reich zu werden in Form von Geld oder Optionen auf zuk\u00fcnftige Werte, schafft keinen \u00abWohlstand von Nationen\u00bb. <\/span>Zukunft wird durch reale W\u00fcnsche und reale Anstrengungen geschaffen. Die entscheidenden Fragen lauten: Was sind die grossen Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche der Zukunft, die wir oder unsere Kinder durch Investitionen und Wachstum befriedigen wollen? Welche Finanzdienstleistungen brauchen wir, um Ressourcen und Investitionsg\u00fcter den gew\u00fcnschten k\u00fcnftigen Verwendungen zuzuf\u00fchren? Wie gelingt es, alle an den Fr\u00fcchten des Wachstums teilhaben zu lassen, damit sie motiviert sind, ihre Leistung einzubringen?<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Vorl\u00e4ufer der klassischen \u00d6konomen; Physiokratie (Herrschaft der Natur).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">\u00abNo society can surely be flourishing and happy, of which the far greater part of the members are poor and miserable.\u00bb An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations [1776], zitiert nach der von Edwin Cannan herausgegebenen Methuen University Paperbacks Fassung, S. 88.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Finanzwirtschaft hat in der \u00d6konomie an Gewicht gewonnen. Das zeigt sich zum Beispiel an den L\u00f6hnen und Profiten, die im Finanzsektor entstehen, an der Absorption qualifizierter Arbeitskr\u00e4fte, der Zahl der gehandelten Produkte oder am Nominalwert der Transaktionen relativ zum Bruttoinlandprodukt. \u00abFinanzialisiert\u00bb hat sich auch das \u00f6konomische Denken, insbesondere die Sicht auf wirtschaftliche St\u00f6rungen: Liquidit\u00e4t [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":4216,"featured_media":32375,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[69,66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[154],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":4216,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Professor f\u00fcr Finanzwissenschaft und Makro\u00f6konomie, Universit\u00e4t Z\u00fcrich.","seco_author_post_occupation_fr":"Professeur de sciences de la finance et de macro\u00e9conomie de l\u2019universit\u00e9 de Zurich","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"Finanzen \u00fcberschatten das \u00f6konomische Denken","post_lead":"Die Finanzm\u00e4rkte beherrschen die wissenschaftliche Debatte. Das ist einseitig, wie ein Blick auf die Geschichte des \u00f6konomischen Denkens zeigt.","post_hero_image_description":"Den Klassikern ging es um die lange Sicht: Was sind die Antriebe der Menschen, was die Quellen von Wohlstand und Wachstum?","post_hero_image_description_copyright_de":"Corbis","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":115712,"main_focus":[156602,157237],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"23175","post_abstract":"Wenn eine Krise lange dauert, ist es Zeit, sie in einen gr\u00f6sseren Kontext einzuordnen. In den letzten Jahrzehnten hat eine \u00abFinanzialisierung\u00bb der Wirtschaft und des \u00f6konomischen Denkens stattgefunden. Sie hat von den produktiven Quellen des Wohlstands, deren Untersuchung den Anfang der modernen Volkswirtschaftslehre markiert, abgelenkt und ein merkantilistisches Denken in finanziellen Werten reaktiviert. Die Besch\u00e4ftigung mit den Grundfragen der Volkswirtschaftslehre und ihrer Geschichte f\u00fchrt zur Schlussfolgerung: Es braucht eine R\u00fcckkehr zum realen Blick auf die Welt.","magazine_issue":"20150809","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20150724","original_files":[{"file":115724}],"external_release_for_author":"20150630","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/556857b453b6d"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115709"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4216"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=115709"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115709\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126816,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115709\/revisions\/126816"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4216"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157237"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156602"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32375"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=115709"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=115709"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=115709"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=115709"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=115709"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=115709"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}