{"id":115966,"date":"2015-06-24T17:02:31","date_gmt":"2015-06-24T17:02:31","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/06\/2015-07-schneider-ammann\/"},"modified":"2023-08-23T23:13:19","modified_gmt":"2023-08-23T21:13:19","slug":"2015-07-schneider-ammann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/06\/2015-07-schneider-ammann\/","title":{"rendered":"\u00abMan sollte auch im h\u00f6heren Alter mit der Weiterbildung nicht aufh\u00f6ren\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Die Lage von \u00e4lteren Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt wird in der \u00d6ffentlichkeit rege diskutiert. Wie wichtig ist diese Altersgruppe f\u00fcr Sie?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr mich als Wirtschafts- und Arbeitsminister ist priorit\u00e4r, dass m\u00f6glichst alle Menschen in unserem Land eine Arbeit und damit eine Perspektive haben. Heute sind bereits 28% der Erwerbst\u00e4tigen \u00fcber 50 Jahre alt. Deshalb ist es wichtig und richtig, dass wir uns intensiv mit ihrem Verbleib im Erwerbsleben und der raschen Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt nach einem Jobverlust auseinandersetzen. Das Thema der \u00e4lteren Arbeitnehmenden ist auch ein wichtiger Pfeiler der von mir im 2011 lancierten Fachkr\u00e4fteinitiative. Die Schweiz braucht Fachkr\u00e4fte \u2013 \u00e4ltere Arbeitnehmende bringen Erfahrung und Wissen mit.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Im April fand die erste nationale Konferenz zum Thema \u00ab\u00c4ltere Arbeitnehmende\u00bb statt. Wie sch\u00e4tzen Sie den Nutzen dieser Veranstaltung ein?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Ziel dieser Konferenz war es, sich \u00fcber die Schwerpunkte des Themas zu verst\u00e4ndigen. Die Schweiz macht in verschiedenen Bereichen schon vieles richtig: Wir haben eine hohe Erwerbsquote auch bei den \u00e4lteren Arbeitnehmenden. Punktuell kann man aber noch mehr f\u00fcr die Arbeitsmarktintegration \u00e4lterer Menschen tun. Das haben mir auch die Gespr\u00e4che mit Einzelpersonen und Organisationen gezeigt, die ich zwei Wochen vor der Konferenz f\u00fchrte. Ich wollte direkt von ihnen ihre Eindr\u00fccke und Forderungen h\u00f6ren. Dabei habe ich auch gesp\u00fcrt, wie schwierig es f\u00fcr den Einzelnen ist, nicht mehr gefragt zu sein im Arbeitsmarkt. Das m\u00fcssen wir wo m\u00f6glich \u00e4ndern. An der Konferenz wurde dann eine gemeinsame Schlusserkl\u00e4rung verfasst. Darin gibt es einen Analyseteil sowie eine Auflistung der verschiedenen Massnahmen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Wie geht es weiter?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIch will nichts besch\u00f6nigen: Es war nicht einfach, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Alle Akteure haben auch ihre eigenen Interessen. Umso wichtiger ist es, dass sich Bund, Kantone und Sozialpartner \u2013 das sind der Arbeitgeberverband, der Gewerkschaftsbund, der Gewerbeverband und Travailsuisse \u2013 auf eine gemeinsame Schlusserkl\u00e4rung einigen konnten. Ich erwarte von allen Akteuren, dass sie am selben Strick ziehen. Im kommenden April, also in einem Jahr, werden wir uns wieder treffen und eine erste Bilanz der Massnahmen ziehen. Alle haben sich bereit erkl\u00e4rt, den vorgeschlagenen Weg zu gehen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Besteht zwischen Sozialpartnern, Bund und Kantonen Einigkeit betreffend die Analyse?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Statistiken belegen klar, dass die Lage der \u00e4lteren Arbeitnehmenden grunds\u00e4tzlich gut ist. Die Arbeitsmarktintegration von Personen ab 50 ist nicht nur im internationalen Vergleich, sondern auch im Vergleich zu anderen Altersgruppen sehr gut. Dass \u00e4ltere Arbeitnehmende teilweise in einer sehr schwierigen Lage sind, ist weder zu ignorieren noch zu relativieren. Jedes Einzelschicksal ist schwierig, deshalb braucht es gemeinsames Handeln. Die Teilnehmenden sind sich im Grundsatz einig in den Erkenntnissen aus den statistischen Analysen. Bei den Interpretationen gibt es aber Differenzen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Sie haben drei Handlungsfelder definiert, um die Situation f\u00fcr \u00e4ltere Arbeitnehmende zu verbessern. Das erste heisst: bestehende Vorteile st\u00e4rken. Wer muss was dazu beitragen?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nWie betont, ist die Situation von \u00e4lteren Arbeitnehmenden in der Schweiz im internationalen Vergleich gut. Diesen Zustand gilt es weiter zu st\u00e4rken. Was sich bew\u00e4hrt, muss beibehalten und verbessert werden. Zu den St\u00e4rken der Schweiz geh\u00f6rt das gut ausgebaute Berufsbildungssystem. Es richtet sich nach den Bed\u00fcrfnissen des Arbeitsmarktes. Berufliche Weiterbildung und die h\u00f6here Qualifizierung von Erwachsenen ist heutzutage ein Must. Erwachsene ohne nachobligatorischen Bildungsabschluss sind weniger gut in den Arbeitsmarkt integriert und laufen erh\u00f6hte Gefahr, arbeitslos zu werden. Deswegen m\u00fcssen wir nebst dem Zugang zu Weiterbildungsangeboten auch den Zugang zur beruflichen Grundbildung im Erwachsenenalter gew\u00e4hrleisten.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Was tr\u00e4gt der Bund dazu bei? <\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Berufsabschluss erh\u00f6ht in der Schweiz die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb soll beispielsweise der Zugang f\u00fcr Erwachsene zur beruflichen Grundbildung erleichtert werden:\u00a0Das Staatssekretariat f\u00fcr Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) f\u00f6rdert zusammen mit den Verbundpartnern die Entwicklung erwachsenengerechter Bildungsangebote, die zu Berufsabschl\u00fcssen f\u00fchren. Wichtig ist es auch, die Zielgruppen direkt anzusprechen. Zudem m\u00fcssen Personen, die an einer Qualifizierung interessiert sind, beraten werden. Nicht zu vergessen ist auch die Finanzierung der beruflichen Grundbildung von Erwachsenen. Diese muss sichergestellt werden.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Zum zweiten Handlungsfeld \u2013 einstellen und halten: Was ist zu tun, damit die \u00e4lteren Menschen so lange wie m\u00f6glich, bestenfalls bis zum ordentlichen Rentenalter oder dar\u00fcber hinaus im Arbeitsprozess bleiben?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00c4ltere Stellensuchende sind zum Teil negativen Vorurteilen ausgesetzt, welche ihre Einstellung in den Unternehmen behindern. Das darf nicht sein. Deshalb ist die Sensibilisierung von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und der \u00d6ffentlichkeit wichtig. Wir haben zudem an der Konferenz beschlossen, dass die \u00f6ffentlichen und privaten Arbeitgeber in Stelleninseraten wo m\u00f6glich auf die Angabe des Lebensalters verzichten. Ich wehre mich aber gegen tiefe Eingriffe in den Arbeitsmarkt. Ein weitgehender K\u00fcndigungsschutz ab einem gewissen Alter ist kontraproduktiv, weil er die Einstellungschancen von Personen dieser Altersgruppe massiv erschweren w\u00fcrde. Das liberale System mit der bew\u00e4hrten Sozialpartnerschaft ist ein Schweizer Trumpf, den wir nicht aufs Spiel setzen d\u00fcrfen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Was wird sonst noch konkret unternommen?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEs soll ebenfalls gepr\u00fcft werden, ob die Berufs-, die Studien- und die Laufbahnberatung bei ihren Dienstleistungen gegen\u00fcber \u00e4lteren Arbeitnehmenden noch optimiert werden k\u00f6nnten. In diesem Zusammenhang ist das SBFI bereit, Pilotprojekte in diesem Bereich zu pr\u00fcfen und zu unterst\u00fctzen, wie es im Berufsbildungsgesetz auch vorgesehen ist. Wie Sie sehen, braucht es den Willen aller Beteiligten \u2013 Sozialpartner, Betroffene und Staat \u2013, um wirklich Fortschritte zu erreichen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Zum dritten Handlungsfeld \u2013 wiedereingliedern und soziale Absicherung: Welche Rolle spielen da die Sozialversicherungen, und wird das koordiniert mit der Altersvorsorge 2020?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00c4ltere Stellensuchende brauchen im Durchschnitt mehr Zeit als j\u00fcngere Personen, bis ihnen der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt gelingt. Entsprechend geb\u00fchrt den \u00e4lteren Stellensuchenden bei der \u00f6ffentlichen Stellenvermittlung besondere Aufmerksamkeit. Dar\u00fcber hinaus wird die Integration \u00e4lterer Arbeitnehmender auch dadurch gest\u00e4rkt, dass in der Altersvorsorge der Schweiz finanzielle Anreize bestehen, bis zum ordentlichen Rentenalter erwerbst\u00e4tig zu bleiben. Die Anreize wurden in den letzten Jahren bereits verst\u00e4rkt. Die Anreize zur Erwerbst\u00e4tigkeit bis ins Pensionsalter und dar\u00fcber hinaus sollen unter anderem auch im Rahmen der Reform der Altersvorsorge 2020 weiter erh\u00f6ht werden, indem beispielsweise die nach dem ordentlichen Rentenalter bezahlten Beitr\u00e4ge an die AHV zu einer Verbesserung der AHV-Rente f\u00fchren k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Herr Bundesrat, kennen Sie pers\u00f6nlich \u00e4ltere Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt M\u00fche bekunden?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa. Ich kenne \u00e4ltere Menschen, die den Job verloren haben und Schwierigkeiten haben oder hatten, einen neuen zu finden. Dieses Thema war auch aktuell, als ich selber noch Unternehmer war. Ich habe auch immer wieder geholfen, \u00e4ltere Stellenlose zu vermitteln. F\u00fcr die Betroffenen und ihr Umfeld ist es sehr schwierig. Umso wichtiger ist das Engagement, um \u00e4ltere Arbeitslose, die \u00fcber viel Erfahrung und Wissen verf\u00fcgen, wieder in den Arbeitsmarkt zu bringen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Was raten Sie den Betroffenen?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIch rate jedem und jeder, sich bereits in jungen Jahren weiterzubilden und damit auch im h\u00f6heren Alter nicht aufzuh\u00f6ren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSchriftliches Interview:\u00a0 Susanne Blank, Chefredaktorin \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Lage von \u00e4lteren Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt wird in der \u00d6ffentlichkeit rege diskutiert. Wie wichtig ist diese Altersgruppe f\u00fcr Sie? &#13; F\u00fcr mich als Wirtschafts- und Arbeitsminister ist priorit\u00e4r, dass m\u00f6glichst alle Menschen in unserem Land eine Arbeit und damit eine Perspektive haben. 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