{"id":116054,"date":"2015-06-24T16:42:21","date_gmt":"2015-06-24T16:42:21","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/06\/2015-07-yesin-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:13:24","modified_gmt":"2023-08-23T21:13:24","slug":"2015-07-yesin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/06\/2015-07-yesin\/","title":{"rendered":"Geringere Kapitalstr\u00f6me in die und aus der Schweiz als bisher angenommen"},"content":{"rendered":"<p>Internationale Kapitalfl\u00fcsse sorgen einerseits f\u00fcr eine weltweite finanzielle Integration und k\u00f6nnen sich daher positiv auf das Wirtschaftswachstum und die Risikostreuung auswirken. Andererseits k\u00f6nnen sie aber auch dazu f\u00fchren, dass bestimmte Schwachstellen wie ausgepr\u00e4gtere Konjunkturzyklen, finanzielle und makro\u00f6konomische Instabilit\u00e4t sowie Banken-, Staatsschulden- oder W\u00e4hrungskrisen noch mehr ins Gewicht fallen. Die Fachliteratur zeigt in der Tat: Grosse Schwankungen der internationalen Kapitalfl\u00fcsse k\u00f6nnen sich massiv in der inl\u00e4ndischen Konjunktur niederschlagen. Die geldpolitischen Entscheidungstr\u00e4ger sind daher grunds\u00e4tzlich auf Beobachtungen der Kapitalflusstrends angewiesen.<\/p>\n<p>Die weltweite Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 hatte massive Schwankungen der internationalen Kapitalfl\u00fcsse zur Folge. Die Summe der Bruttokapitalabfl\u00fcsse aus 172\u00a0L\u00e4ndern ging von nahezu 21% des globalen BIP im Jahr 2007 auf blosse 2% im n\u00e4chsten Jahr zur\u00fcck. Es handelte sich dabei nicht um die ersten rezessionsbegleitenden Schwankungen von Mittelfl\u00fcssen. W\u00e4hrend der weltweiten Finanzkrise fielen sie allerdings volatiler aus als je zuvor.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Als die Krise einsetzte, thematisierten die Finanzpresse und verschiedene internationale Organisationen mehr als einmal die Zufl\u00fcsse in als sichere H\u00e4fen geltende Finanzpl\u00e4tze.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> H\u00e4ufig wurde hierbei das Argument angef\u00fchrt, dass derartige Zufl\u00fcsse in die Schweiz Schwankungen in bestimmten makro\u00f6konomischen und finanziellen Indikatoren ausl\u00f6sten und insbesondere die Aufwertung des Frankens zu verantworten h\u00e4tten. Bis anhin wurden weder die Vermutung von Zufl\u00fcssen in sogenannte sichere H\u00e4fen in weltweit turbulenten Zeiten noch die empirischen Verbindungen zwischen Kapitalfl\u00fcssen und Wechselkursen rigoros analysiert. Eine k\u00fcrzlich erschienene Studie der Autorin dieses Beitrags hat einen ersten Schritt in diese Richtung gemacht: Sie nutzt Zahlungsbilanzstatistiken, um die Schwankungen der Kapitalfl\u00fcsse in die Schweiz und aus der Schweiz vor und nach der Finanzkrise zu ermitteln.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Mithilfe eines einfachen statistischen Ansatzes wurden dabei Kapitalzufl\u00fcsse und \u2011abfl\u00fcsse in die Schweiz \u2013 beziehungsweise aus der Schweiz \u2013 zwischen dem 1.\u00a0Quartal\u00a02000 und dem 2.\u00a0Quartal\u00a02014 identifiziert. Die Analyse identifiziert insbesondere Zeitr\u00e4ume, in denen die Kapitalzufl\u00fcsse in die Schweiz aussergew\u00f6hnlich hohe bzw. niedrige Werte aufwiesen (Ausreisser nach oben oder Spitzenwerte bzw. Einbr\u00fcche), sowie Zeitr\u00e4ume, in denen die Kapitalabfl\u00fcsse aus der Schweiz ungew\u00f6hnlich hoch oder ungew\u00f6hnlich gering ausfielen (Flucht bzw. K\u00fcrzung der abfliessenden Mittel). Aus Gr\u00fcnden der Vollst\u00e4ndigkeit weist die Studie auch Zeitr\u00e4ume aus, in denen die Nettomittelfl\u00fcsse Extremwerte verzeichneten (mehr Details in <em>Kasten 2<\/em>).<\/p>\n<h2><strong>Kein sprunghafter Anstieg privater Kapitalzufl\u00fcsse in die Schweiz<\/strong><\/h2>\n<p><em>Abbildung 1<\/em> zeigt die Zufl\u00fcsse an privatem Kapital in die Schweiz mit ihren Ausreissern nach oben und unten. In der Zeit vor der Krise wurden beispielsweise vier Ausreisser nach oben (1. Quartal 2004, 2. Quartal 2005, 3. Quartal 2005 und 1. Quartal 2006) und ein Einbruch (4.\u00a0Quartal\u00a02005) verzeichnet. Im Verlauf der anschliessenden Finanzkrise erreichten die Zufl\u00fcsse von privatem Kapital im ersten Quartal 2007 erneut einen Spitzenwert. Im zweiten Quartal 2008 erfolgte ein Einbruch.<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 1: Private Kapitalzufl\u00fcsse in die Schweiz (in&nbsp;% des BIP)<\/strong><a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/06\/Yesin_Abb_1_DE1.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-23931\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/06\/Yesin_Abb_1_DE1-1170x501.png\" alt=\"Yesin_Abb_1_DE\" width=\"1170\" height=\"501\" \/><\/a><\/h3>\n<p><span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Ye\u015fin (2015) \/ Die Volkswirtschaft<\/span><\/p>\n<p>Nach der Finanzkrise wurde dagegen noch ein einziger Ausreisser nach oben im dritten Quartal 2011 registriert, ebenso ein einziger Einbruch im vierten Quartal 2012. Im Vorfeld der Finanzkrise wurden somit relativ h\u00e4ufig Ausreisser nach oben verzeichnet, seit dem zweiten Quartal 2008 aber liegt ihre Verteilung im Grossen und Ganzen im normalen Bereich. Nur w\u00e4hrend eines einzigen Schl\u00fcsselereignisses \u2013 der zweiten Staatsschuldenkrise der Eurozone im dritten Quartal 2011 \u2013 rissen die privaten Kapitalzufl\u00fcsse nach oben aus (siehe <em>Kasten 3<\/em>).<\/p>\n<p>Verglichen mit den vor der Krise verzeichneten Ausreissern sind diese Zufl\u00fcsse jedoch von relativ geringem Umfang. Anhand der Zahlungsbilanzdaten l\u00e4sst sich die Vermutung nicht erh\u00e4rten, dass seit der Krise vermehrt Mittel in den sicheren Hafen Schweiz geflossen sind. Das Gegenteil ist der Fall: Durchschnittlich fliesst seit der Krise weniger Kapital in die Schweiz, zudem sind diese Zufl\u00fcsse weniger volatil.<\/p>\n<h2><strong>Seit der Krise versiegen die Abfl\u00fcsse<\/strong><\/h2>\n<p><em>Abbildung 2<\/em> zeigt die Abfl\u00fcsse von privatem Kapital aus der Schweiz mit ihren Fluchten und K\u00fcrzungen. In der Zeit vor der Finanzkrise wurden beispielsweise vier F\u00e4lle von Kapitalflucht (1. Quartal 2004, 2. Quartal 2005, 3. Quartal 2005 und 1. Quartal 2006) verzeichnet, in zwei F\u00e4llen kam es zu K\u00fcrzungen (4. Quartal 2005 und 4. Quartal 2006). Im Verlauf der Krise kamen die Abfl\u00fcsse von privatem Kapital im ersten Quartal 2007 erneut einer Flucht gleich. Im zweiten Quartal 2008 erfolgte eine K\u00fcrzung.<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2: Private Kapitalabfl\u00fcsse aus der Schweiz (in&nbsp;% des BIP)<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/06\/Yesin_Abb_2_DE1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-23932\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/06\/Yesin_Abb_2_DE1-1170x485.png\" alt=\"Yesin_Abb_2_DE\" width=\"1170\" height=\"485\" \/><\/a><\/p>\n<p><span class=\"text__legend text__quelle--ground\">Quelle: Ye\u015fin (2015) \/ Die Volkswirtschaft<\/span><\/p>\n<p>Seit der Krise wurde allerdings nur ein Extremwert in Form einer Flucht (im 3. Quartal 2013) beobachtet. Im Vorfeld der Finanzkrise wurden somit relativ h\u00e4ufig private Kapitalfluchten verzeichnet, seit dem zweiten Quartal 2008 aber liegt ihre Verteilung im Grossen und Ganzen im normalen Bereich.<\/p>\n<p>Keines der bedeutenden Ereignisse fiel mit einer K\u00fcrzung oder einer Kapitalflucht zusammen. Einzig das durch den damaligen Fed-Vorsitzenden Bernanke eingeleitete <em>Tapering<\/em> kann als Vorl\u00e4ufer einer Kapitalflucht aus der Schweiz im dritten Quartal 2013 eingestuft werden. Im Vergleich zu anderen Kapitalfluchten vor der Finanzkrise fiel diese jedoch eher gering aus. Analog zu den Kapitalzufl\u00fcssen sind die Kapitalabfl\u00fcsse aus der Schweiz seit der Krise geringer, zudem sind diese Abfl\u00fcsse bedeutend weniger volatil.<\/p>\n<h2><strong>Nettomittelfl\u00fcsse sind seit der Krise \u00e4usserst volatil<\/strong><\/h2>\n<p>W\u00e4hrend die Zu- und Abfl\u00fcsse von privatem Kapital seit der Finanzkrise im Schnitt zur\u00fcckgegangen sind und seither auch weniger volatil ausfallen, zeigt sich bei den Nettomittelfl\u00fcssen des privaten Kapitals ein v\u00f6llig anderes Muster. <em>Abbildung 3<\/em> illustriert die Nettomittelfl\u00fcsse einschliesslich anormaler Ausreisser nach oben und unten. Im gesamten Beobachtungszeitraum finden sich zahlreiche derartige Ausreisser. Bemerkenswerterweise fallen die durchschnittlichen Nettomittelfl\u00fcsse seit der Krise geringer und zudem \u00e4usserst volatil aus. Zwei der bedeutendsten Ereignisse, die erste und die zweite Schuldenkrise in der Eurozone, fielen zeitlich mit anormal geringen Nettomittelfl\u00fcssen zusammen. Ferner wurden nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im 4. Quartal 2008 und im 1. Quartal 2009 zwei anormal geringe Werte erreicht.<\/p>\n<p>Bemerkenswerterweise lassen sich die anormal geringen Nettomittelzufl\u00fcsse nicht auf ausgepr\u00e4gt hohe Zufl\u00fcsse von privatem Kapital zur\u00fcckf\u00fchren. Tats\u00e4chlich d\u00fcrften der R\u00fcckgang der Kapitalabfl\u00fcsse sowie ihre geringere Korrelation mit den Kapitalzufl\u00fcssen diese Entwicklung massgeblich bestimmen.<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 3: Nettomittelfl\u00fcsse (privates Kapital) in die und aus der Schweiz (in&nbsp;% des BIP)<\/strong><\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/06\/Yesin_Abb_3_DE1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-23933\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/06\/Yesin_Abb_3_DE1-1170x509.png\" alt=\"Yesin_Abb_3_DE\" width=\"1170\" height=\"509\" \/><\/a><\/p>\n<p><span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Ye\u015fin (2015) \/ Die Volkswirtschaft<\/span><\/p>\n<h2><strong>Kapitalverkehrskontrolle ist der falsche Ansatz<\/strong><\/h2>\n<p>Die Studie zeigt: Die Finanzkrise hat sich in den Kapitalzufl\u00fcssen und -abfl\u00fcssen in die und aus der Schweiz deutlich niedergeschlagen. Die Studie widerlegt aber die g\u00e4ngige Annahme, dass die Schweiz als sicherer Hafen verst\u00e4rkt Mittel angezogen habe. Dennoch verhalten sich die Nettomittelfl\u00fcsse inzwischen \u00e4usserst volatil. Diese Ergebnisse werfen mehrere Fragen auf:<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li>Mit welchen geldpolitischen Instrumenten kann der Volatilit\u00e4t der Nettomittelfl\u00fcsse begegnet werden? Die Studienerkenntnisse lassen vermuten, dass Kapitalverkehrskontrollen neuer ausl\u00e4ndischer Investitionen in der Schweiz dieses Ziel verfehlen d\u00fcrften.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li>Welches sind die Verbindungen zwischen Mittelfl\u00fcssen und den finanziellen bzw. makro\u00f6konomischen Indikatoren in der Schweiz? L\u00e4sst sich insbesondere eine empirische Beziehung zwischen den Mittelfl\u00fcssen und dem Frankenkurs nachweisen? In der Literatur finden sich Koinzidenzen zwischen einem Anstieg der Nettomittelfl\u00fcsse und einer Aufwertung der W\u00e4hrung von Schwellenl\u00e4ndern mit Zahlungsbilanzdefiziten. Es lassen sich in der Literatur aber auch andere massgebliche Wechselkursfaktoren nachweisen, die eventuell eine gr\u00f6ssere Rolle als die Mittelfl\u00fcsse an sich spielen.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li>Folgen die Mittelfl\u00fcsse in andere Finanzpl\u00e4tze (und\/oder L\u00e4nder) mit \u00abkrisenfesten\u00bb W\u00e4hrungen nach der globalen Finanzkrise vergleichbaren Mustern?<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur Beantwortung dieser Fragen sind weitere Forschungen erforderlich.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Milesi-Ferretti und Tille (2011).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Vgl. Neil Dennis, Reality of Currency Wars Is Complex, Financial Times, 26. September 2011 und Haig Simonian, OECD Cautions on Swiss Euro Cap, Financial Times, 24. Januar 2012.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Ye\u015fin (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Internationale Kapitalfl\u00fcsse sorgen einerseits f\u00fcr eine weltweite finanzielle Integration und k\u00f6nnen sich daher positiv auf das Wirtschaftswachstum und die Risikostreuung auswirken. Andererseits k\u00f6nnen sie aber auch dazu f\u00fchren, dass bestimmte Schwachstellen wie ausgepr\u00e4gtere Konjunkturzyklen, finanzielle und makro\u00f6konomische Instabilit\u00e4t sowie Banken-, Staatsschulden- oder W\u00e4hrungskrisen noch mehr ins Gewicht fallen. 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D. in Economics, Senior Economist, Schweizerische Nationalbank, Internationaler Handel und Kapitalverkehr; Wirtschaftsdozentin, Universit\u00e4t Z\u00fcrich","seco_author_post_occupation_fr":"Conseill\u00e8re, Analyses de politique \u00e9conomique internationale, Banque nationale suisse (BNS), Zurich, et charg\u00e9e de cours en \u00e9conomie, Universit\u00e9 de Zurich","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"Geringere Kapitalstr\u00f6me in die und aus der Schweiz","post_lead":"Die Attraktivit\u00e4t der Schweiz als sicherer Hafen f\u00fcr ausl\u00e4ndische Gelder in Krisenzeiten ist ein viel zitiertes Thema der Finanzpresse und verschiedener internationaler Organisationen. Diese Wahrnehmung stimmt so jedoch nicht.","post_hero_image_description":"Der \u00e4gyptische Investor Samih Sawiris in Andermatt. Entgegen den Erwartungen: Seit der Finanzkrise fliesst durchschnittlich weniger Kapital in die Schweiz.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":[{"kasten_title":"Kasten 1: Hinweis","kasten_box":"Die im Artikel ge\u00e4usserten Gedanken entsprechen ausschliesslich der Meinung der Autorin und stimmen nicht notwendigerweise mit den Ansichten der Schweizerischen Nationalbank \u00fcberein. Der Beitrag basiert auf einer zuvor auf Voxeu.org in englischer Sprache ver\u00f6ffentlichten Kolumne."},{"kasten_title":"Kasten 2: Definitionen und Methode","kasten_box":"Die vorliegende Studie differenziert zwischen Mittelfl\u00fcssen, die von Anlegern mit Wohnsitz im Ausland ausgehen (Bruttokapitalzufl\u00fcsse), und Mittelfl\u00fcssen, die von Anlegern mit Wohnsitz im Inland ausgehen (Bruttokapitalabfl\u00fcsse). Positive Werte der Bruttokapitalzufl\u00fcsse zeigen einen Anstieg der Verbindlichkeiten der Schweiz gegen\u00fcber dem Ausland an, w\u00e4hrend positive Werte der Bruttokapitalabfl\u00fcsse eine Zunahme der Aktiven der Schweiz im Ausland anzeigen.\r\n\r\nNettomittelfl\u00fcsse dagegen stellen definitionsgem\u00e4ss die Differenz zwischen den Bruttomittelabfl\u00fcssen und -zufl\u00fcssen dar. Positive Werte zeigen einen Nettomittelabfluss aus der Schweiz an, negative Werte einen Nettomittelzufluss in die Schweiz.\r\n\r\nFerner umfasst der Begriff Bruttomittelzufl\u00fcsse Kapitalfl\u00fcsse, die von Privatpersonen oder von der \u00f6ffentlichen Hand stammen. Die Kapitalfl\u00fcsse der \u00f6ffentlichen Hand stammen aus dem \u00f6ffentlichen Sektor oder fliessen in diesen ein, w\u00e4hrend die Differenz zwischen diesen Mittelfl\u00fcssen und den Bruttomittelfl\u00fcssen als private Kapitalfl\u00fcsse bezeichnet wird. Insbesondere f\u00e4llt der Aufbau von Zentralbankreserven nicht unter die privaten Kapitalfl\u00fcsse.\r\n<h6><strong>Vier extreme Schwankungstypen<\/strong><\/h6>\r\nBei den Bruttokapitalfl\u00fcssen lassen sich vier verschiedene extreme Schwankungstypen definieren:\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none;\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Ein <em>Ausreisser<\/em> nach oben entspricht einem sprunghaften Anstieg der Bruttokapitalzufl\u00fcsse (\u00absurge\u00bb).<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none;\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Ein <em>Einbruch<\/em> entspricht einem abrupten Versiegen der Bruttokapitalzufl\u00fcsse (\u00abstop\u00bb).<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none;\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Eine <em>Flucht<\/em> entspricht einem sprunghaften Anstieg der Bruttokapitalabfl\u00fcsse (\u00abflight\u00bb).<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none;\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Eine <em>K\u00fcrzung<\/em> entspricht einem abrupten Versiegen der Bruttokapitalabfl\u00fcsse (\u00abretrenchment\u00bb).<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;\r\n\r\nMit anderen Worten: Hinter den Ausreissern nach oben und den Einbr\u00fcchen stehen Anleger mit Wohnsitz im Ausland, w\u00e4hrend die einheimischen Anleger die Kapitalfluchten und -k\u00fcrzungen bestimmen. Die (im Original englische) Terminologie beruht auf Forbes und Warnock (2012).\r\n\r\n\u00abSprunghafte\u00bb Zunahmen oder Abnahmen von Mittelfl\u00fcssen lassen sich mithilfe eines einfachen statistischen Ansatzes definieren, wie etwa Cardarelli et al. (2010), Powell und Tavella (2012) und Ghosh et al. (2014) gezeigt haben. Der Ansatz umfasst zwei Schritte: Zun\u00e4chst werden anhand historischer Daten gegl\u00e4ttete Werte f\u00fcr die Mittelf\u00fcsse berechnet. Danach wird die \u2039normale\u203a Bandbreite f\u00fcr jeden Zeitraum wie folgt definiert: gegl\u00e4tteter Wert plus\/minus einen auf der historischen Volatilit\u00e4t beruhenden Grenzwert. Beobachtete Mittelfl\u00fcsse, die ausserhalb dieser \u2039normalen\u203a Bandbreite liegen, werden anschliessend als extreme Schwankungen eingestuft, d. h. als Ausreisser nach oben, Einbr\u00fcche, Fluchten oder K\u00fcrzungen.\r\n\r\nIn Ye\u015fin (2015) kommt ein rekursiver Hodrick-Prescott-Filter zur Berechnung der gegl\u00e4tteten Werte zur Anwendung. Anschliessend wird anhand des Trends die \u00abnormale\u00bb Bandbreite pro Quartal ermittelt +\/\u2013 dem 1,15-Fachen der Standardabweichung w\u00e4hrend der vorangegangenen zw\u00f6lf Quartale."},{"kasten_title":"Kasten 3: Die globale Finanzkrise 2007 und 2008 und einschneidende Ereignisse an den Finanzm\u00e4rkten","kasten_box":"Um die statistische Analyse im Kontext zu betrachten, wurde sie in drei Phasen gegliedert: Hierbei handelt es sich um den Zeitraum vor der Finanzkrise (1. Quartal 2000 bis 4. Quartal 2006), den Zeitraum der Finanzkrise (1. Quartal 2007 bis 2. Quartal 2009) und den Zeitraum nach der Finanzkrise (3. Quartal 2009 bis 2. Quartal 2014). Die Wahl der Anfangs- und Enddaten der Finanzkrise beruht auf der Krisen-Zeitleiste der Federal Reserve Bank of St. Louis.\r\n\r\nSenkrechte Linien in den Grafiken bezeichnen bedeutende Ereignisse, welche die Unsicherheit und Volatilit\u00e4t an den globalen Finanzm\u00e4rkten signifikant in die H\u00f6he trieben. Hierbei handelt es sich um den Zusammenbruch von Lehman Brothers im dritten Quartal 2008 [Lehman], die erste Staatsschuldenkrise in der Eurozone im zweiten Quartal 2010 [erste Eurozonenkrise] das erweiterte Rettungspaket f\u00fcr Griechenland zusammen mit der Krise bei der Schuldendecke in den USA im dritten Quartal 2011 [zweite Eurozonenkrise] und die Rede des damaligen Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke zum Thema Tapering im zweiten Quartal 2013 [Bernanke-Tapering]."},{"kasten_title":"Literatur","kasten_box":"<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none;\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Cardarelli, Roberto, Selim Elekdag und Kose, M. Ayhan (2010). Capital Inflows: Macroeconomic Implications and Policy Responses, Economic Systems, 34(4), 333\u2013356.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none;\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Forbes, Kristin J. und Warnock, Francis E. (2012). Capital Flow Waves: Surges, Stops, Flight, and Retrenchment, Journal of International Economics, 88(2), 235\u2013251.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none;\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Ghosh, Atish R., Mahvash S. Quereshi, Jun Il Kim und Zalduendo, Juan (2014). Surges, Journal of International Economics, 92(2), 266\u2013285.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none;\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Milesi-Ferretti, Gian Maria und Tille, Cedric (2011). The Great Retrenchment: International Capital Flows During the Global Financial Crisis, Economic Policy, 26(66), 285\u2013342.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none;\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Powell, Andrew und Tavella, Pilar (2012). Capital Inflow Surges in Emerging Economies: How Worried Should LAC Be?, IDB Working Paper Series, No. IDB-WP-326, Inter-American Development Bank.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none;\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Ye\u015fin, P\u0131nar (2015). Capital Flow Waves to and from Switzerland Before and After the Financial Crisis, Schweizerische Zeitschrift f\u00fcr Volkswirtschaft und Statistik, 151(1), 27\u201375.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;"},{"kasten_title":"Von der Forschung in die Politik","kasten_box":"Die \u00abVolkswirtschaft\u00bb und die Schweizerische Gesellschaft f\u00fcr Volkswirtschaft und Statistik verbessern den Wissenstransfer von der Forschung in die Politik: Aktuelle wissenschaftliche Studien mit einem starken Bezug zur schweizerischen Wirtschaftspolitik erscheinen in einer Kurzfassung in der \u00abVolkswirtschaft\u00bb."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":116057,"main_focus":"","serie_email":null,"frontpage_slider_bild":116061,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"20829","post_abstract":"Die weltweite Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 hatte massive Schwankungen der internationalen Kapitalfl\u00fcsse zur Folge. Mithilfe eines einfachen statistischen Ansatzes identifiziert die vorliegende Studie extreme Schwankungen der Mittelzufl\u00fcsse und -abfl\u00fcsse in die und aus der Schweiz \u2013 einer kleinen, offenen Wirtschaft, die \u00fcber einen Finanzplatz und eine als sicherer Hafen geltende W\u00e4hrung verf\u00fcgt. Die Analyse kommt zum Schluss, dass sich die Kapitalzufl\u00fcsse und -abfl\u00fcsse nach der Krise aussergew\u00f6hnlich stark abschw\u00e4chten und weniger volatil ausfielen. Im Gegensatz hierzu zeigten sich die Nettomittelfl\u00fcsse deutlich volatiler und wiesen h\u00e4ufig extreme Schwankungen auf. Die extremen Schwankungen der Nettomittelfl\u00fcsse werden jedoch nicht durch hohe Kapitalzufl\u00fcsse ausgel\u00f6st. Ursache scheinen vielmehr geringere Kapitalabfl\u00fcsse, welche weniger stark mit den Zufl\u00fcssen korrelieren, zu sein. Daher w\u00fcrden Kapitalverkehrskontrollen neuer ausl\u00e4ndischer Investitionen in der Schweiz die gew\u00fcnschte Wirkung \u2013 die Eind\u00e4mmung der Schwankungen der Nettomittelfl\u00fcsse \u2013 verfehlen. 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