{"id":116204,"date":"2015-06-24T16:00:20","date_gmt":"2015-06-24T16:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/06\/oui-a-une-harmonisation-equitable\/"},"modified":"2024-09-10T11:16:48","modified_gmt":"2024-09-10T09:16:48","slug":"2015-07-buetikofer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/06\/2015-07-buetikofer\/","title":{"rendered":"Ja zu einer fairen Harmonisierung"},"content":{"rendered":"<p>Das schweizerische Bauhauptgewerbe besch\u00e4ftigt rund 100\u2018000 Mitarbeitende in \u00fcber 5000 Firmen und erarbeitet einen j\u00e4hrlichen Umsatz von \u00fcber 20 Milliarden Franken. Gut die H\u00e4lfte davon stammt von der \u00f6ffentlichen Hand. Der gr\u00f6sste Teil der Bauunternehmungen \u2013 mit rund vier F\u00fcnfteln der Arbeitnehmenden \u2013 ist im Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) zusammengeschlossen.<\/p>\n<h2><strong>Harmonisierung des Beschaffungsrechts n\u00f6tig<\/strong><\/h2>\n<p>Das schweizerische Beschaffungswesen erweist sich heute trotz WTO-Abkommen als uneinheitlich, stark f\u00f6deralistisch und wenig transparent. Der SBV begr\u00fcsst deshalb die Bem\u00fchungen von Bund und Kantonen, ein einheitliches Beschaffungsrecht zu erarbeiten. Die Baumeister unterst\u00fctzen die vorliegenden Entw\u00fcrfe des Bundesgesetzes \u00fcber das \u00f6ffentliche Beschaffungswesen sowie den weitgehend gleichen Entwurf einer Interkantonalen Vereinbarung \u00fcber das \u00f6ffentliche Beschaffungswesen.<\/p>\n<p>Sie sind logisch aufgebaut, \u00f6ffnen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr neue L\u00f6sungen wie das Dialogverfahren und stecken einen vern\u00fcnftigen Rechtsrahmen ab. Doch bereitet der Bauwirtschaft nicht in erster Linie die Gesetzgebung, sondern die Menschen, welche sie anwenden, Schwierigkeiten. Zum Teil sind erhebliche Schw\u00e4chen bei der Projektierung, der Ausschreibung, der Vergabe und in der Ausf\u00fchrung auszumachen. Dies f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig zu Zeit- und Preisdruck, zu M\u00e4ngeln, Nachtragsforderungen, Rechtsstreitigkeiten und letztlich zu teureren Bauwerken.<\/p>\n<h2><strong>Faire Ausschreibungen zentral<\/strong><\/h2>\n<p>Die Bauunternehmungen verlangen von der \u00f6ffentlichen Bauherrschaft die Einhaltung von Transparenz, Wettbewerb, Wirtschaftlichkeit, Gleichbehandlung und Effektivit\u00e4t.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Zwar ist es f\u00fcr die Vergabestelle bequem, den Auftrag an die Anbieterin mit dem tiefsten Preis zu vergeben. Doch damit ist die Aufgabe in der Regel nicht gel\u00f6st.<\/p>\n<p>Im Rahmen einer durchdachten, fairen Ausschreibung ist der Zuschlag der Anbieterin mit dem g\u00fcnstigsten (vorteilhaftesten) Angebot zu erteilen. Verhandlungsrunden zur Ermittlung des tiefsten Angebotspreises haben deshalb keine Berechtigung und werden konsequenterweise abgelehnt.<\/p>\n<p>In den Entw\u00fcrfen aber sehen sowohl der Bund als neu auch die Kantone solche Verhandlungen vor. Dies verleitet \u00f6ffentliche Bauherren, ihre Nachfragemacht auszun\u00fctzen. Eine besondere Verantwortung kommt der \u00f6ffentlichen Bauherrschaft bei der Durchsetzung der Arbeits- und Arbeitsschutzbedingungen zu. Indem Anbieterinnen sorgf\u00e4ltig und verantwortungsvoll ausgew\u00e4hlt werden, lassen sich Lohndumping oder Verst\u00f6sse gegen die Arbeitssicherheitsbestimmungen vermeiden. Der Kanton Thurgau beispielsweise tut dies mit sogenannten St\u00e4ndigen Listen seit Jahren erfolgreich. F\u00fcr die Baufirmen ist die vorgesehene Regelung der Angebots\u00f6ffnungen<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> inakzeptabel. Sie verlangen, dass Offerten rasch nach deren Eingang ge\u00f6ffnet und die Anbietenden informiert werden. So werden die Ressourcen der wenig aussichtsreichen Anbieterinnen nicht unn\u00f6tig blockiert.<\/p>\n<p>Zusammenfassend bedarf das schweizerische Beschaffungswesen im Wesentlichen keiner neuen Vorschriften, die bestehenden m\u00fcssten nur konsequent umgesetzt werden. Die neue, von Bund und Kantonen vorgeschlagene harmonisierte L\u00f6sung ist in diesem Sinn grunds\u00e4tzlich zu begr\u00fcssen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Das \u00f6ffentliche Beschaffungswesen sollte sich an den zehn Postulaten des SBV orientieren; siehe Positionspapier 2010 Zielf\u00fchrende Ausschreibungen und faire Vergaben unter www.baumeister.ch&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Art. 41 VE-B\u00f6B.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das schweizerische Bauhauptgewerbe besch\u00e4ftigt rund 100\u2018000 Mitarbeitende in \u00fcber 5000 Firmen und erarbeitet einen j\u00e4hrlichen Umsatz von \u00fcber 20 Milliarden Franken. 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