{"id":116414,"date":"2015-05-22T17:07:27","date_gmt":"2015-05-22T17:07:27","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/05\/en-economie-aussi-il-existe-une-sorte-de-pesanteur\/"},"modified":"2023-08-23T23:13:54","modified_gmt":"2023-08-23T21:13:54","slug":"es-gibt-auch-in-wirtschaftlichen-dingen-so-etwas-wie-schwerkraft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/05\/es-gibt-auch-in-wirtschaftlichen-dingen-so-etwas-wie-schwerkraft\/","title":{"rendered":"\u00abEs gibt auch in wirtschaftlichen Dingen so etwas wie Schwerkraft\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Herr Brill, Sie sind seit Kurzem CEO bei Wellershoff &amp; Partners. Was sind die Herausforderungen?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAls bisheriger Chef\u00f6konom und Gr\u00fcndungspartner habe ich die Firma mit aufgebaut. Nun r\u00fccken nebst der volkswirtschaftlichen Analyse andere Aspekte in den Vordergrund: Was braucht es f\u00fcr einen m\u00f6glichst guten Gesch\u00e4ftsablauf? Aber nat\u00fcrlich auch: Wie entwickelt man das Unternehmen weiter, wie setzt man die Strategie am besten um? Die jetzige Situation ist anspruchsvoll f\u00fcr viele unserer Kunden. Aus Firmensicht ist es eine interessante Zeit \u2013 weil so viel passiert.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Haben Sie mehr Auftr\u00e4ge seit dem 15. Januar, als der Euromindestkurs aufgehoben wurde?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nKurzfristig gab es mehr Auftr\u00e4ge, da die Verunsicherung gestiegen war. Unsere bestehenden Kunden hatten wir bereits vor so einer Situation gewarnt.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Was raten Sie einer Exportfirma, die unter der Frankenst\u00e4rke leidet?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nPrinzipiell kann man sagen: Exportunternehmen, die haupts\u00e4chlich in den Euroraum exportieren, sollten derzeit keine zus\u00e4tzliche W\u00e4hrungsabsicherung betreiben. Das verursacht nur Kosten. Die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr eine weitere, deutliche Frankenaufwertung scheint derzeit eher gering. Gleichzeitig muss ein solches Unternehmen schauen, dass es \u00fcber die Runden kommt. Gem\u00e4ss den Erfahrungen nach dem Ausbruch der europ\u00e4ischen Schuldenkrise k\u00f6nnen zum Beispiel tempor\u00e4re Preisnachl\u00e4sse gew\u00e4hrt werden.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Was sagen Sie den Finanzinstituten?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDenen raten wir explizit, Fremdw\u00e4hrungsanlagen aufzubauen. Insbesondere Europositionen finden wir da interessant. Der Franken ist auch gegen\u00fcber vielen anderen W\u00e4hrungen sehr stark. Zum Beispiel gegen\u00fcber skandinavischen W\u00e4hrungen wie der norwegischen Krone, aber auch eine diversifizierte Auswahl an Schwellenlandw\u00e4hrungen bietet sich an.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Das raten Sie in der Hoffnung, dass sich die Euroschw\u00e4che wieder legt?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nGenau. Ich beziehe mich aber nicht auf das Prinzip Hoffnung. Denn es geht immer um eine Abw\u00e4gung von Chancen und Risiken. In der aktuellen Situation ist es wirklich mal interessant, ohne W\u00e4hrungsabsicherung im gr\u00f6sseren Stil im Ausland zu investieren.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Gibt es noch weitere Empfehlungen?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa. Die mediale Diskussion hat sich ja sehr stark auf die Exportindustrie konzentriert. In der Schweiz gibt es aber auch viele Importeure. Und denen raten wir, sich jetzt gegen eine Aufwertung des Euros abzusichern.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Die Kritik war scharf, als die Nationalbank den Euromindestkurs am 15. Januar aufgehoben hat. Zwei Monate sp\u00e4ter findet laut einer Umfrage<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>die H\u00e4lfte der Wahlberechtigten diesen Schritt richtig. Wie erkl\u00e4ren Sie sich diesen erstaunlichen Sinneswandel?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDa spielen drei Faktoren eine Rolle. Erstens ist es der Nationalbank immer besser gelungen, zu erkl\u00e4ren, warum dieser Schritt unausweichlich war. Die erste Kommunikation war ja nicht ganz optimal. Es brauchte vielleicht auch ein bisschen Zeit, es ist ja kein einfaches Thema.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Und der zweite Punkt?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie bef\u00fcrchtete grosse Krise ist bisher ausgeblieben. Inzwischen haben wir erste Daten und Einsch\u00e4tzungen \u2013 und die sind gar nicht so schlecht. Der dritte Faktor ist der wichtigste: Eine Mehrheit der Befragten profitiert ja von den Eurorabatten. Ich als passionierter Velofahrer werde geradezu \u00fcbersch\u00fcttet mit Werbemails, die Eurorabatte von 20 Prozent versprechen. Im Hinterkopf denke ich mir: Ist das wirklich eine gute Entwicklung? Aber ehrlich gesagt: Ich f\u00fchle mich nicht schlecht dabei, wenn ich etwas g\u00fcnstiger bekomme, sondern freue mich sogar und denke, da bleibt mehr Geld \u00fcbrig f\u00fcr andere Dinge \u2013 zum Beispiel f\u00fcrs Restaurant.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Es gibt ja auch Stimmen, die sagen, die SNB solle eine andere W\u00e4hrungspolitik verfolgen. Es gibt D\u00e4nemark, das die Krone an den Euro anbindet. Oder Singapur steuert den Kurs \u00fcber einen W\u00e4hrungskorb. W\u00e4re das auch etwas f\u00fcr die Schweiz?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nZuerst muss man einen politischen Grundsatz kl\u00e4ren: Ist die Gesellschaft bereit, so ein zentrales Souver\u00e4nit\u00e4tsrecht abzugeben?&#13;<\/p>\n<h3><strong>K\u00f6nnen Sie das ausf\u00fchren?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEine eigenst\u00e4ndige Geldpolitik ist eine der wichtigsten Souver\u00e4nit\u00e4tsformen, die man in der Wirtschaftspolitik haben kann. Mit einer eigenen W\u00e4hrung kann man besser auf die heimische Wirtschaft einwirken, auch wenn man nat\u00fcrlich als kleine, offene Volkswirtschaft wie die Schweiz von den Entwicklungen im Ausland abh\u00e4ngig bleibt. Ausserdem: Der Hauptauftrag der SNB ist die Gew\u00e4hrung der Preisstabilit\u00e4t unter Ber\u00fccksichtigung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Im Nationalbankgesetz steht nichts \u00fcber die Aufhebung des freien Wechselkurses. Der Mindestkurs war meiner Einsch\u00e4tzung nach nur m\u00f6glich, indem kommuniziert wurde: Das ist eine tempor\u00e4re Notmassnahme.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Rechtlich gesehen w\u00e4re eine permanente Anbindung an andere W\u00e4hrungen also gar nicht m\u00f6glich. Und politisch?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIch bin jetzt seit 15 Jahren in der Schweiz und habe miterlebt, dass die Frage der nationalen Souver\u00e4nit\u00e4t wichtig ist. Gleichzeitig ist sie politisch aufgeladen. Trotzdem wird so eine Diskussion wohl immer wieder gef\u00fchrt werden. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass solche Massnahmen nicht nur Vorteile bringen, sondern auch Kosten verursachen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Welche konkreten Vorteile bietet denn die Unabh\u00e4ngigkeit? <\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nWir hatten in der Schweiz \u00fcber Jahrzehnte einen Zinsbonus. Dadurch konnten sich die Unternehmen zu tieferen Kosten finanzieren. Momentan mag das mehr als Fluch denn als Segen erscheinen, da die Zinsen negativ sind. Aber ich denke, es werden wieder Zeiten kommen, wo man diesen Vorteil wieder zu sch\u00e4tzen weiss.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Die Nationalbank hat also am 15. Januar im Gesamtinteresse gehandelt. <\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa, denn eine Geldpolitik, die nur auf die Interessen einiger Branchen ausgerichtet ist, dient dem Gesamtinteresse nicht. Wir haben beim Mindestkurs gesehen: Die Kosten k\u00f6nnen erheblich sein. Stichwort Buchverluste auf den Devisenreserven. Die Bewirtschaftung und irgendwann einmal auch der Abbau der hohen Devisenreserven werden die Mammutaufgabe der n\u00e4chsten Jahre sein. Die Mindestkurspolitik wird die Geldpolitik der Nationalbank noch auf Jahre begleiten.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Welche L\u00f6sungsans\u00e4tze gibt es da?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEhrlich gesagt, nicht so viele. Denn die Schweizerische Nationalbank kann im Vergleich zur US-Notenbank weniger unabh\u00e4ngig handeln. Das Problem ist: Die Devisenreserven schr\u00e4nken die Nationalbank noch st\u00e4rker ein als bisher: Sie ist durch die hohen Euroreserven in grossem Mass von der Europ\u00e4ischen Zentralbank abh\u00e4ngig.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Dennoch hat die Nationalbank eine zus\u00e4tzliche Aussch\u00fcttung von einer Milliarde Franken an Bund und Kantone beschlossen, das macht f\u00fcrs Gesch\u00e4ftsjahr 2014 insgesamt zwei Milliarden. <\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas muss man schon kritisch hinterfragen. Die Eigenkapitaldeckung ist bei den gegenw\u00e4rtigen Devisenkursen sehr d\u00fcnn. In den Minuten nach der Aufhebung des Mindestkurses, als es zu heftigen Ausschl\u00e4gen bei den Kursen kam, lag sogar eine Unterdeckung vor.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Ist die am 24. April beschlossene Gewinnaussch\u00fcttung f\u00fcr dieses Jahr also eine Luxusl\u00f6sung?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIch f\u00fcrchte, das Thema Gewinnaussch\u00fcttung wird in den n\u00e4chsten Jahren in Anbetracht der Gr\u00f6sse der Devisenreserven vermehrt aufkommen. Derzeit weist die SNB etwa 520 Milliarden Franken Devisenreserven aus: Legt der Franken nur ein Prozent zu, schrumpfen die Devisenreserven um 5,2 Milliarden.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Sie haben in einer Regressionsanalyse festgestellt, dass nach einem Jahr rund ein Drittel der \u00dcberbewertung abgebaut ist. Nach zwei Jahren sind es bereits 60 Prozent und nach drei Jahren 80 Prozent. Heisst das, es ergibt sich alles von selbst?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n(lacht) Es gibt auch in wirtschaftlichen Dingen so etwas wie Schwerkraft. Dass mir der Begriff gef\u00e4llt, liegt vielleicht daran, dass ich auch Physik studiert habe. Im Ernst: Wir wissen leider nicht, wann sich diese Kr\u00e4fte wieder voll entfalten. Die Wirtschaft ist kein Labor.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Ihre Studie basiert auf Situationen in der Vergangenheit.<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEs gibt nicht viele M\u00f6glichkeiten, langfristig wirklich sauber zu erkl\u00e4ren, warum ein Wechselkurs in die eine oder in die andere Richtung geht. Als Einziges, was sogar empirisch bis ins 16. Jahrhundert zur\u00fcck funktioniert, haben wir die relative Inflationsentwicklung und daraus abgeleitet die Kaufkraftparit\u00e4t. Das ist zwar keine exakte Wissenschaft, bietet aber eine sehr verl\u00e4ssliche Orientierung.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Dennoch, wo sch\u00e4tzen Sie die Kaufkraftparit\u00e4t? <\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nVermutlich liegt sie bei etwa 1.27 Franken f\u00fcr einen Euro. Wir haben den Euro \u2013 basierend auf seinen Vorg\u00e4ngerw\u00e4hrungen \u2013 zur\u00fcckgerechnet bis 1980 und gesehen: Die aktuelle Situation ist einmalig: In der Vergangenheit war der Franken noch nie so stark entfernt von der Kaufkraftparit\u00e4t. Der Franken ist derzeit etwa 20 Prozent zu hoch bewertet. Das ist richtig viel. Unsere Analyse hat aber auch gezeigt, dass Fehlbewertungen lange anhalten k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>K\u00f6nnte es also l\u00e4nger dauern als die von Ihnen berechneten drei Jahre?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa, durchaus. Die Analyse hilft, uns auf die Zukunft vorzubereiten, erlaubt uns aber keine pr\u00e4zisen Prognosen. Wir empfehlen daher unseren Kunden, sich nicht auf die Scheingenauigkeit von Punktprognosen zu verlassen. Gerade in unsicheren Zeiten m\u00f6chte man aber\u2026&#13;<\/p>\n<h3><strong>\u2026Planungssicherheit.<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa. Was ich einfach sagen kann, ist: Es gibt eine viel gr\u00f6ssere Wahrscheinlichkeit, dass sich der Franken in den n\u00e4chsten zwei Jahren abschw\u00e4cht, als dass wir eine deutliche Aufwertung sehen werden. Daf\u00fcr sprechen sowohl \u00f6konomische als auch politische Faktoren. Dennoch kann ich nicht ausschliessen, dass eine Extremsituation nochmals extremer wird.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Sie sprechen von politischen Faktoren. Es kommt jetzt von allen Seiten die Forderung nach Erleichterungen und Konjunkturprogrammen. Kann man den betroffenen Branchen damit helfen?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIch bin da prinzipiell zur\u00fcckhaltend. Aktivismus ist in keiner Lebenslage gut. Klar war der 15. Januar ein Schock. Dennoch sind wir bis jetzt immer recht gut damit gefahren, eher weniger einzugreifen als zu viel. Leider verblasst die Erinnerung an die Finanzkrise 2009, als laut nach Konjunkturpaketen gerufen wurde. Die Schweiz hielt sich damals sehr stark zur\u00fcck.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Auch die Schweiz hat ein Stabilisierungsprogramm geschn\u00fcrt. <\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa, aber nur punktuell. Wichtig ist, dass solche Massnahmen \u2013 wie die Kurzarbeit \u2013 zeitlich beschr\u00e4nkt sind. Denn: Viel schwieriger ist es, eine Regel r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Es kommt aber noch ein weiterer Aspekt hinzu: Wieweit sind wir als Gesellschaft bereit, die Kosten f\u00fcr ein Konjunkturprogramm zu tragen? Wollen wir etwa den Tourismus unterst\u00fctzen, weil es nicht nur darum geht, Unternehmen am Leben zu erhalten, sondern weil auch andere Aspekte eine Rolle spielen. Da muss man transparent \u00fcber die tats\u00e4chlichen und potenziellen Kosten reden.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Bei den Konjunkturprognosen gibt es grosse Unterschiede. Insgesamt aber gehen alle Institute von einer mehr oder weniger starken Verlangsamung des Wachstums aus. Wie sch\u00e4tzen Sie die Situation ein: Kommt jetzt die Krise, oder kommt sie nicht?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr einige Branchen \u2013 etwa f\u00fcr den Tourismus \u2013 wird es sehr schwierig: Da fehlt das Fettpolster. Insgesamt denke ich aber, dass die Schweizer Wirtschaft mit einem blauen Auge davonkommt.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Was stimmt Sie so zuversichtlich?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nModerat zuversichtlich. (lacht) Im Gegensatz zur Situation im Jahr 2011, als wir mit dem ersten Frankenschock umgehen mussten, haben sich die Aussichten der wichtigsten europ\u00e4ischen Handelspartner deutlich verbessert. Es sieht wirklich gut aus, dass Europa endlich aus der Wirtschaftskrise findet. Insbesondere die Konjunkturumfragen der Europ\u00e4ischen Kommission stimmen zuversichtlich. Der Euroraum findet zur\u00fcck auf den Wachstumspfad. Die spanische Wirtschaft w\u00e4chst bereits wieder stark, bei anderen Sorgenkindern wie etwa Italien sieht es inzwischen auch besser aus. Die Nachfrage nach Schweizer Produkten m\u00fcsste in Europa also wieder ansteigen. Gerade, wenn sich der Franken in Zukunft tats\u00e4chlich abschw\u00e4chen wird. Da rate ich den Kunden, soweit m\u00f6glich tempor\u00e4r Preisnachl\u00e4sse zu gew\u00e4hren, um Marktanteile nicht zu verlieren.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Wie sieht es bei der Arbeitslosigkeit aus? M\u00fcssen wir uns auf einen starken Anstieg einstellen?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIch denke nicht. Abgesehen von einzelnen Branchen erwarte ich keinen dramatischen Anstieg. Das Problem liegt eher beim Besch\u00e4ftigungswachstum, das war ein wesentlicher Treiber des Wachstums in den letzten Jahren. In Kombination mit der Zuwanderung. Kurzfristig wird weiterhin der Privatkonsum die Konjunkturst\u00fctze sein, da wir von g\u00fcnstigen Importpreisen profitieren. Langfristig haben wir die Herausforderung, den Investitionsstandort attraktiv zu halten. Und auch von politischer Seite gibt es etwa im Nachzug der Masseneinwanderungsinitiative Unsicherheiten.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Die SNB hat ja mit der Aufhebung des Mindestkurses auch Negativzinsen eingef\u00fchrt. Was sind die Nebenwirkungen?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBetroffene Banken stehen vor einem Dilemma: Gebe ich die Negativzinsen an meine Kunden weiter? Dann riskiere ich, dass mir die Kunden davonlaufen&#8230;&#13;<\/p>\n<h3><strong>&#8230;und das Geld unter die Matratze legen.<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nVielleicht in einem ersten Schritt noch zu einer anderen Bank, die es noch nicht macht. Wenn eine Bank die Negativzinsen aber nicht weitergibt, dann ist es schwieriger, Eigenkapital aufzubauen. Denn es fehlt ja schon mal das Geld, das sie an die SNB in Form der Negativzinsen abgibt. Wenn die Kunden das Geld nun tats\u00e4chlich unter die Matratze legen, w\u00e4re das ein absurder Bank-Run: Die Leute ziehen nicht das Geld ab, weil die W\u00e4hrung an Wert verliert, sondern wegen zu hoher Kosten. Zudem f\u00fchren Negativzinsen zu unerw\u00fcnschten Nebenwirkungen. Eine Pensionskasse k\u00f6nnte versucht sein, anderswo h\u00f6here Risiken einzugehen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Werden uns diese Negativzinsen noch lange begleiten?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIch f\u00fcrchte, wir m\u00fcssen uns noch auf absehbare Zeit damit auseinandersetzen. Es gibt Faktoren, welche die Negativzins-Politik beeinflussen. Etwa, wenn die EZB aufh\u00f6rt, Negativzinsen zu verlangen. Es sieht momentan aber nicht danach aus. Das grosse Anleihenkaufprogramm ist zumindest bis September 2016 terminiert. Ein zweiter Faktor ist der Wechselkurs. Die Grundvoraussetzung w\u00e4re, dass sich der Franken abschw\u00e4cht. Je schneller das geht, umso eher wird die Nationalbank dieses Instrument fallen lassen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Es dauert also noch Jahre.<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJahre nicht gerade, aber Monate. Wobei bei dieser Einsch\u00e4tzung tats\u00e4chlich auch ein gewisses Mass an Hoffnung mitschwingt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Interview: Susanne Blank, Chefredaktorin \u201eDie Volkswirtschaft\u201c.<\/span><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Die Umfrage wurde durch das Forschungsinstitut GFS Bern im M\u00e4rz 2015 im Rahmen des Wahlbarometers gemacht.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Brill, Sie sind seit Kurzem CEO bei Wellershoff &amp; Partners. 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