{"id":116505,"date":"2015-05-22T16:00:38","date_gmt":"2015-05-22T16:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/05\/le-point-de-vue-de-lindustrie-pharmaceutique-sur-le-franc-fort\/"},"modified":"2023-08-23T23:14:16","modified_gmt":"2023-08-23T21:14:16","slug":"frankenstaerke-eine-sicht-der-pharmaindustrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/05\/frankenstaerke-eine-sicht-der-pharmaindustrie\/","title":{"rendered":"Frankenst\u00e4rke \u2013 eine Sicht der Pharmaindustrie"},"content":{"rendered":"<p>Im Januar 2015 hat sich der Franken nach der Aufgabe des Mindestkurses zeitweise gegen\u00fcber dem Euro um bis zu 20 Prozent aufgewertet. Der Grund hierf\u00fcr ist immer noch derselbe wie im Jahr 2011, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestkurs einf\u00fchrte: Unsicherheit dominiert weiterhin die Finanzm\u00e4rkte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Jahr 2011 waren die globalen Auswirkungen der Finanzkrise von zentraler Bedeutung, was sich auch in schw\u00e4cheren Dollar und Pfund auswirkte. Heute ist die Krise namentlich in der Eurozone nicht ausgestanden, was sich in fehlendem Vertrauen in den Euro \u00e4ussert. Leider ist weder die Griechenland-Frage gekl\u00e4rt, noch sind die wirtschaftlichen Probleme in weiteren EU-Peripherie-L\u00e4ndern nachhaltig gel\u00f6st. Investoren reagieren auf diese Unsicherheit und fliehen heute wie 2011 in einen sicheren Hafen, wie ihn der Franken bietet. Das f\u00fchrt zu einer massiven Aufwertung gegen\u00fcber dem Euro.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Grosskonzerne sp\u00fcren Hebeleffekt<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nJe h\u00f6her der Anteil an Ausfuhren in den Euroraum und der Kostenanteil in der Schweiz, umso gr\u00f6sser ist der unmittelbare Handlungsbedarf f\u00fcr Exportunternehmen. Viele Unternehmen haben bereits beim letzten Aufwertungs-Schock im Jahr 2011 reagiert und ihre Lieferkette optimiert, um n\u00e4her an eine \u201enat\u00fcrliche\u201c W\u00e4hrungsabsicherung zu kommen, bei welcher die Anteile von Kosten und Ertr\u00e4gen in allen W\u00e4hrungsr\u00e4umen \u00e4hnlich sind. Die meisten Unternehmen sind aber noch weit davon entfernt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Pharmaindustrie ist als Exportmotor der Schweizer Volkswirtschaft stark betroffen. Gegen\u00fcber dem Vorjahr nahmen die Exporte um 3,6% zu und beliefen sich auf \u00fcber 66 Mrd. Franken. Damit machen sie rund ein Drittel des Exportvolumens der Schweiz aus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSelbst f\u00fcr einen global aufgestellten Schweizer Grosskonzern wie Novartis sind die Effekte der Frankenst\u00e4rke sp\u00fcrbar: W\u00e4hrend aufgrund der geringen Gr\u00f6sse des Schweizer Marktes im Vergleich zum Rest der Welt nur 1 bis 2 Prozent des Umsatzes in Franken generiert werden, fallen immer noch \u00fcber 10 Prozent der Kosten in dieser W\u00e4hrung an. Daraus ergibt sich ein deutlicher Hebeleffekt bei Wechselkursver\u00e4nderungen: Eine Aufwertung des Frankens beeintr\u00e4chtigt das operative Ergebnis umso st\u00e4rker, je gr\u00f6sser die Differenz zwischen Kosten und Ertr\u00e4gen in Franken ausf\u00e4llt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nViele Firmen haben bereits in den ersten zwei Monaten nach dem SNB-Entscheid aufgrund der Wechselkursentwicklung einen Stellenabbau angek\u00fcndigt. Schweizweit wurde \u00fcber alle Branchen hinweg schon Anfang M\u00e4rz ein Abbau von 1500 Stellen gemeldet. Da die Auftragsb\u00fccher jedoch im ersten Quartal vielfach noch voll waren, setzten viele Firmen als unmittelbare Reaktion auf Mehrarbeit oder Lohnk\u00fcrzungen, anstatt zur Kurzarbeit zu greifen. Der flexible Schweizer Arbeitsmarkt macht solche L\u00f6sungen m\u00f6glich.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Im Moment Theorie: Wechselkurs als Spiegel der Kaufkraft<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTrotz aller Bem\u00fchungen der Unternehmen stellt sich aber die Frage, ob und allenfalls wie der Staat seine Unternehmen im Streben nach Wettbewerbsf\u00e4higkeit unterst\u00fctzen kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAus Sicht einer Volkswirtschaft \u2013 und erst recht ihrer Industrie \u2013 ist der richtige Wechselkurs derjenige, der die relative Produktivit\u00e4t des Inlands gegen\u00fcber dem Ausland widerspiegelt. In der Praxis wird hierf\u00fcr oft der Kaufkraftparit\u00e4ten-Wechselkurs (<em>Purchasing Power Parity; PPP<\/em>) hinzugezogen. Dieser fiktive Wechselkurs sorgt daf\u00fcr, dass ein Warenkorb in verschiedenen W\u00e4hrungsr\u00e4umen dasselbe kostet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs ist klar: Auch bei einem PPP-Wechselkurs werden Unternehmen in Konkurs gehen und Strukturwandel weiter stattfinden. Aber insofern die Kaufkraftparit\u00e4t die Produktivit\u00e4t widerspiegelt, ist dieser internationale Wettbewerb fair, und im Schnitt kann eine Volkswirtschaft gut damit umgehen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>\u201eIn the long run we are all dead\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nProblematisch wird es, wenn wegen anderer Gr\u00fcnde \u2013 im vorliegenden Fall wegen der Finanzm\u00e4rkte \u2013 die Differenz zum PPP-Wechselkurs so gross wird, dass Exportunternehmen gegen\u00fcber ihrer ausl\u00e4ndischen Konkurrenz nicht mehr wettbewerbsf\u00e4hig sind. Im ersten Quartal 2015 war dieser Abstand massiv: Die schlagartige Aufwertung des Frankens hat wieder zu einer starken \u00dcberbewertung gemessen an der Differenz zur Kaufkraftparit\u00e4t gef\u00fchrt (siehe <em>Abbildung<\/em>). In der langen Frist ist zwar wieder eine gewisse Gegenbewegung zu erwarten, aber es besteht die Gefahr, dass industrielle Arbeitspl\u00e4tze bis dahin unwiederbringlich verloren gegangen sind \u2013 obwohl sie bei einem fairen Wechselkurs durchaus wettbewerbsf\u00e4hig gewesen w\u00e4ren. Oder wie einst der britische \u00d6konom John Maynard Keynes trocken bemerkte: \u201eIn the long run we are all dead.\u201c&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Wechselkurs Franken &#8211; Euro&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<pre><a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch2015\/05\/wechselkurs-franken-euro\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-22345 size-full\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/05\/mumenthaler.png\" alt=\"mumenthaler\" width=\"1176\" height=\"836\" \/><\/a>&#13;\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Macrobond, Berechnungen Economiesuisse \/ Die Volkswirtschaft<\/span><\/pre>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: F\u00fcr die Zeit vor der Einf\u00fchrung des Euros 2002 handelt es sich in der Abbildung um einen durchschnittlichen Wechselkurs der am europ\u00e4ischen W\u00e4hrungssystem beteiligten W\u00e4hrungen.<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Wirtschaft und Staat m\u00fcssen sich erg\u00e4nzen <\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei der Suche nach Handlungsempfehlungen ist es wichtig, Wechselkursausschl\u00e4ge nach ihren Ursachen zu unterscheiden. Weicht ein Wechselkurs nicht gravierend von der Kaufkraftparit\u00e4t ab und bleiben somit Kursausschl\u00e4ge gering, k\u00f6nnen Unternehmen gut auf die Ver\u00e4nderungen reagieren. So kann die Wirtschaft eine konstante Aufwertung mit Innovations- oder Produktivit\u00e4tsmassnahmen auffangen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWenn sich Wechselkurse jedoch stark von der Kaufkraftparit\u00e4t entfernen, sind kurzfristige Reaktionsm\u00f6glichkeiten beschr\u00e4nkt. Je nach gesamtwirtschaftlicher Lage k\u00f6nnen dies Kurzarbeit oder l\u00e4ngere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn sein, aber auch Entlassungen oder Verlagerungen von Standorten ins Ausland. Schlagartige Aufwertungen k\u00f6nnen dadurch also deutliche Bremsspuren in der Wirtschaft hinterlassen. Das Problematische daran ist: Firmen, die aufgrund der Wechselkurssituation Standorte oder Arbeitspl\u00e4tze verlagern, bauen diese kaum wieder in der Schweiz auf, wenn sich das W\u00e4hrungsumfeld bessert.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Tr\u00e4gheit (\u201eStickiness\u201c) der Wettbewerbsf\u00e4higkeit f\u00fchrt zwar dazu, dass es einiges braucht, bis etablierte Unternehmen Arbeitspl\u00e4tze oder Standorte verlagern. Aber wenn der ber\u00fchmte Tropfen das Fass zum \u00dcberlaufen bringt \u2013 wie bei einer solch starken und kurzfristig erfolgten \u00dcberbewertung \u2013, dann kann dies zu heftigen Reaktionen und unwiederbringlichen Verlusten f\u00fchren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSeit der Finanzkrise sind beim Franken beide Tendenzen sichtbar. Es gibt eine fundamentale Aufwertung (in der <em>Abbildung<\/em> durch den PPP-Wechselkurs dargestellt) und ein deutliches \u00dcberschiessen der nominalen Wechselkurse, die nur durch den Einsatz der Untergrenze von 1.20 Franken zum Euro w\u00e4hrend dreier Jahre kontrolliert wurde. Da der Franken vor allem wegen seiner Rolle als sicherer Anlagehafen \u00fcberbewertet ist, ist eine baldige Ann\u00e4herung des nominalen Kurses zum Euro an die Kaufkraftparit\u00e4ten unwahrscheinlich.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWenn die Wirtschaft ihre Hausaufgaben macht, kann sie der fundamentalen Aufwertung begegnen. Die Unternehmen haben in den letzten Jahren \u2013 und vor allem auch seit 2011 \u2013 in dieser Hinsicht bereits viel verbessert. Die Erfahrung zeigt: Eine auf Dauer starke W\u00e4hrung f\u00fchrt zu Produktivit\u00e4tssteigerungen, weil man sich fit trimmen muss. Kommt es hingegen zu schlagartigen Ver\u00e4nderungen, kann die Politik unterst\u00fctzend wirken. Nicht nur mit vor\u00fcbergehenden Massnahmen wie Kurzarbeit, sondern vielmehr, indem sie die Pfeiler der Wettbewerbsf\u00e4higkeit st\u00fctzt und ausbaut.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Politik muss Wettbewerbsf\u00e4higkeit st\u00e4rken<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweizer Wirtschaft kann in diesem schwierigen Umfeld nur mithalten, wenn die Rahmenbedingungen laufend verbessert werden. Um die Nachteile aufzuwiegen, welche durch die Wechselkursentwicklung entstehen, m\u00fcssen die Vorteile des Standorts Schweiz weiter ausgebaut werden. F\u00fcr die Pharmaindustrie mit ihrer bedeutenden Forschung und den langen Produktzyklen stehen die langfristige Steigerung der Innovation und der Produktivit\u00e4t in den Abl\u00e4ufen im Mittelpunkt, um sich auf dem Weltmarkt zu behaupten. Entsprechend ergeben sich bei den Rahmenbedingungen \u2013 neben der unver\u00e4ndert wichtigen Bedeutung der Exzellenz von Bildung und Forschung \u2013 die folgenden drei Priorit\u00e4ten: Marktzugang, Steuerpolitik und Erhaltung des flexiblen Arbeitsmarkts.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBeim Marktzugang geht es sowohl um den Zutritt internationaler Talente in die Schweiz als auch um den Zugang von Schweizer Produkten in internationale M\u00e4rkte. Die pharmazeutische Industrie, deren Grundlage Innovation ist, muss die qualifiziertesten K\u00f6pfe weltweit rekrutieren k\u00f6nnen, um lokal zu forschen. In diesem Punkt kann man bereits heute auf zuk\u00fcnftige Wettbewerbsnachteile hinweisen. Dazu geh\u00f6ren die vom Bund beschlossene K\u00fcrzung der Drittstaatenkontingente und die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Es ist zu hoffen, dass in beiden F\u00e4llen mit Augenmass gehandelt wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Art, wie die Initiative umgesetzt wird, wird dar\u00fcber entscheiden, wie der Zugang zum bedeutenden europ\u00e4ischen Markt in den n\u00e4chsten Jahren aussehen wird. Die bilateralen Vertr\u00e4ge haben sich bisher bew\u00e4hrt und sollten nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. So erleichtert beispielsweise das Abkommen \u00fcber die technischen Handelshemmnisse den Austausch mit der EU erheblich, indem nicht jede Produktionsst\u00e4tte und -charge<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> doppelt oder gar mehrfach gepr\u00fcft werden muss.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Handlungsfelder: Marktzugang, Steuern und Arbeitszeiten<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch der Marktzugang zu Drittstaaten muss stetig durch multi- oder bilaterale Freihandelsabkommen ausgeweitet werden, um Diskriminierung schweizerischer Lieferungen zu verhindern. In allen Freihandelsabkommen muss jedoch sichergestellt sein, dass Innovationsleistungen durch einen starken und durchsetzbaren Schutz der Rechte am geistigen Eigentum in aller Form anerkannt werden. Das ist f\u00fcr die Pharmaindustrie besonders wichtig.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZudem ist die Steuerpolitik ein Pfeiler der Wettbewerbsf\u00e4higkeit. So muss das Steuerregime im Rahmen der Unternehmenssteuerreform III an internationale Standards angepasst werden, ohne dass die Schweiz ihre steuerliche Konkurrenzf\u00e4higkeit verliert. Entsprechend sind Ersatzmassnahmen f\u00fcr den Wegfall der kantonalen privilegierten Steuerregimes f\u00fcr Holdings, im Besonderen durch die geplanten Lizenzboxen, existenziell.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs geht dabei keineswegs um Geschenke an die Industrie, sondern schlicht um den Erhalt der steuerlichen Attraktivit\u00e4t und Konkurrenzf\u00e4higkeit unseres Landes. Bei den Lizenzboxen erscheinen zus\u00e4tzliche Abz\u00fcge f\u00fcr die Bereiche Forschung und Entwicklung sinnvoll. Zusammen mit einer sogenannten Inputf\u00f6rderung w\u00fcrde dadurch erm\u00f6glicht, dass Industrieunternehmen weiterhin im grossen Stil in der Schweiz forschen k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine weitere Priorit\u00e4t sollte schliesslich die Sicherung des flexiblen Arbeitsmarktes sein. Arbeitszeitregelungen stellen einen bisher ungel\u00f6sten Konflikt dar: Die flexiblen Realit\u00e4ten der heutigen Arbeitswelt haben sich von den strikteren Gesetzesvorgaben zur detaillierten Arbeitszeiterfassung entfernt. Lange konnte hier keine Einigung erzielt, im Februar 2015 jedoch ein Zwischenerfolg vermeldet werden. Unter Vermittlung von Bundesrat Johann Schneider-Ammann wurde ein Einigungsvorschlag der Sozialpartner pr\u00e4sentiert. Die vorgeschlagene L\u00f6sung des Problems auf Verordnungsstufe, wonach unter bestimmten Bedingungen auf die Arbeitszeiterfassung verzichtet werden kann, ist begr\u00fcssenswert und sollte alsbald in Kraft gesetzt werden.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Nicht zu vergessen: Branchenspezifische Regulierung<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei allen Bem\u00fchungen um Verbesserungen bei den generellen Regulierungen darf nicht vergessen werden: Der Erfolg einer Branche h\u00e4ngt wesentlich von den spezifischen Regulierungen ab. Dies betrifft von den Banken (Stichwort \u201etoo big to fail\u201c) \u00fcber die Uhrenindustrie (Stichwort \u201eSwissness\u201c) bis zum Pharmasektor s\u00e4mtliche Wirtschaftszweige.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der Pharmaindustrie gibt es diesbez\u00fcglich durchaus gegens\u00e4tzliche Bestrebungen zu konstatieren. Einerseits hat das Parlament mit dem Masterplan zur F\u00f6rderung der biomedizinischen Forschung einen weitblickenden und ambitionierten Plan vom Bundesrat gefordert. Er tr\u00e4gt in der Diskussion des Heilmittelgesetzes mit zus\u00e4tzlichen Anreizen zur Erforschung vernachl\u00e4ssigter Krankheiten und p\u00e4diatrischer Indikationen bereits erste Fr\u00fcchte. Andererseits hat der Bundesrat jedoch mit der Krankenversicherungsverordnung in den letzten Jahren hinsichtlich der Preisfestsetzung und insbesondere der Preis\u00fcberpr\u00fcfung von Medikamenten nur auf den Auslandpreisvergleich gesetzt, obwohl das Krankenversicherungsgesetz auch den therapeutischen Quervergleich vorsieht. Das gilt es in der aktuellen Revision der Verordnung nachhaltig zu korrigieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) betont immer wieder,<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> dass die Schweiz keine Industriepolitik mache und richtigerweise auf die Unterst\u00fctzung von einzelnen Branchen durch Subventionen verzichte. Die Regierung setzt sich vielmehr f\u00fcr eine St\u00e4rkung des Wettbewerbs und der allgemeinen Rahmenbedingungen ein. Genau deswegen w\u00e4re es aber auch widersinnig, wenn die eine Hand des Staates versucht, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit mit allgemeinen Regulierungen zu f\u00f6rdern, w\u00e4hrend die andere Hand des Staates diesen Effekt mit branchenspezifischer Regulierung zunichtemacht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWird bei der Regulierung spezifischer Branchen auch die Auswirkung auf deren Wettbewerbsf\u00e4higkeit geb\u00fchrend ber\u00fccksichtigt, entspricht dies einer \u201esmarten\u201c Industriepolitik, welche die ganze Volkswirtschaft st\u00e4rkt.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Denn nur wenn Wirtschaft und Staat gemeinsam am selben Strick ziehen, kann die momentane \u00dcberbewertung des Frankens bew\u00e4ltigt und der Werkplatz Schweiz f\u00fcr die Zukunft gesichert werden.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Mumenthaler und von Schnurbein (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Unter einer Produktionscharge wird die Gesamtheit s\u00e4mtlicher Einheiten von z. B. Medikamenten verstanden, die in einem sogenannten Chargenprozess (oder einer Losfertigung) produziert werden. Diese wurden unter gleichen Bedingungen erzeugt, hergestellt oder verpackt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Vgl. WBF (2014), S. 78.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Vgl. Mumenthaler (2012).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Januar 2015 hat sich der Franken nach der Aufgabe des Mindestkurses zeitweise gegen\u00fcber dem Euro um bis zu 20 Prozent aufgewertet. 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The Stickiness of National Competitiveness: Implications for Switzerland and Beyond, Die Aussenwirtschaft.<\/li>&#13;\n\t<li>Eidgen\u00f6ssisches Departement f\u00fcr Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF): Bericht des Bundesrats vom 16.04.2014 in Erf\u00fcllung des Postulats Bischof (11.3461), Eine Industriepolitik f\u00fcr die Schweiz.<\/li>&#13;\n<\/ul>&#13;\n&nbsp;","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":116508,"main_focus":[156623,157252],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":116512,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"17916","post_abstract":"Seit die Nationalbank die Untergrenze von 1.20 Franken zum Euro aufgehoben hat, m\u00fcssen exportorientierte Unternehmen wieder mit einer l\u00e4nger dauernden \u00dcberbewertung des Frankens rechnen. Der Kurs hat sich stark von der Kaufkraftparit\u00e4t entfernt. Dies betrifft insbesondere auch die Pharmaindustrie, bestreitet sie doch ein Drittel der gesamten Schweizer Exporte. Problematisch daran ist: Der Frankenkurs wird weniger durch fundamentale Werte getrieben als durch Finanzmarkttrends. Es ist daher herausfordernd, der Aufwertung nur mit Produktivit\u00e4tsgewinnen zu begegnen. Zur Sicherung des Werkplatzes Schweiz k\u00f6nnen allenfalls kurzfristige Massnahmen helfen. 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