{"id":116898,"date":"2015-03-01T12:00:00","date_gmt":"2015-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/03\/orjales-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:14:45","modified_gmt":"2023-08-23T21:14:45","slug":"orjales","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/03\/orjales\/","title":{"rendered":"Unterst\u00fctzung der Entwicklungsl\u00e4nder bei Steuerreformen: Modalit\u00e4ten, Chancen und Herausforderungen"},"content":{"rendered":"<p>Die Krise hat gezeigt, dass eine nachhaltige Entwicklungspolitik in erster Linie vom Steuersystem abh\u00e4ngt. Dieses muss gen\u00fcgend Einnahmen generieren, damit die Entwicklungsprogramme und die Armutsbek\u00e4mpfung m\u00f6glichst autonom finanziert werden k\u00f6nnen. In den L\u00e4ndern s\u00fcdlich der Sahara machen Steuereinnahmen zurzeit weniger als 17% des Bruttoinlandprodukts (BIP) aus\u00a0\u2013 in den OECD-L\u00e4ndern sind es rund 34%. Hilfe von aussen ist daher unerl\u00e4sslich, damit die Millennium-Entwicklungsziele vielleicht doch noch erreicht werden k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDoch es geht hier nicht nur um finanzielle Aspekte. Die im Steuerbereich getroffenen Entscheidungen wirken sich auch massgeblich auf das Funktionieren des Staates aus. Das Steuersystem steht im Mittelpunkt des Sozialpaktes und stellt ein zentrales Element f\u00fcr eine wirksame Verwaltung der \u00f6ffentlichen Gelder dar. Dank einer Vertiefung des Dialogs zwischen Staat und Steuerpflichtigen erhalten die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger mehr Mitsprache bei der Gestaltung des Staatswesens.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Steuerdialog ist f\u00fcr eine gute Regierungsf\u00fchrung wesentlich, denn er sensibilisiert den Staat f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse und Forderungen der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. So zeigen k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte Studien,<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> dass Steuerreformen weitere, umfassendere Reformen im Bereich der \u00f6ffentlichen Finanzen nach sich ziehen k\u00f6nnen. Die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, welche die Steuerlast mittragen, setzen sich n\u00e4mlich st\u00e4rker damit auseinander, wie der Staat die \u00f6ffentlichen Gelder verwaltet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Reform eines Steuersystems ist nicht immer einfach. Neben politischen und administrativen Widerst\u00e4nden und Hindernissen braucht es bedeutende Investitionen in Informationstechnologie und sehr gute Fachkompetenz. Gerade in den Entwicklungsl\u00e4ndern fehlen diese jedoch meistens. Das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) unterst\u00fctzt \u2013 wie andere Agenturen auch \u2013 immer h\u00e4ufiger die Finanzministerien und Steuerverwaltungen von L\u00e4ndern, die solche Reformen durchf\u00fchren m\u00f6chten. Diese Unterst\u00fctzung kann bilateral, multilateral oder regional sein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>Tabelle 1: Steuereinnahmen und Entwicklungshilfe in&nbsp;% des BIP<\/strong>&#13;<\/p>\n<table style=\"border-color: #ffffff; background-color: #d1e6de;\" border=\"0\" width=\"709\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"2\">&#13;<\/p>\n<tbody>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td rowspan=\"2\" width=\"170\">Einkommensklasse<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td style=\"border-color: #ffffff; width: 170px;\" colspan=\"2\" width=\"170\">Steuereinnahmen \/ BIP<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td style=\"border-color: #ffffff; width: 170px;\" colspan=\"2\" width=\"227\">Entwicklungshilfe \/ BIP<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"85\"><strong>2000<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"85\"><strong>2011<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"123\"><strong>2000<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"104\"><strong>2011<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"170\">L\u00e4nder mit h\u00f6herem Einkommen<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"85\">35%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"85\">34%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"123\">0%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"104\">0%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"170\">L\u00e4nder mit mittlerem Einkommen&#13;<br \/>\n(oberer Bereich)<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"85\">26%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"85\">27,8%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"123\">4,5%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"104\">5%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"170\">L\u00e4nder mit mittlerem Einkommen&#13;<br \/>\n(unterer Bereich)<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"85\">21,2%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"85\">22,3%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"123\">10,9%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"104\">7,9%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"170\">L\u00e4nder mit niedrigem Einkommen<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"85\">12,8%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"85\">16,4%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"123\">11,5%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"104\">12,7%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tbody>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/table>\n<p>&#13;<br \/>\nQuelle: IWF, Abteilung f\u00fcr Fiskal-Angelegenheiten (FAD) \/ Die Volkswirtschaft&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<\/p>\n<h2>Eine lange Liste von Herausforderungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine der gr\u00f6ssten Herausforderungen, mit der sich die Steuerverwaltungen konfrontiert sehen, besteht darin, dass die Steuerpflichtigen nur sehr ungern Steuern zahlen. Sie sind \u2212 oft berechtigterweise \u2013 der Meinung, dass die Beamten korrupt seien und die Regierung systematisch einen Teil der \u00f6ffentlichen Einnahmen veruntreue. Tats\u00e4chlich geh\u00f6ren die Steuer- und Zollbeh\u00f6rden zu den korruptesten staatlichen Institutionen. Daraus ergeben sich zwei Probleme: Einerseits reduzieren Bestechungs- und Schmiergelder die Einnahmen der \u00f6ffentlichen Hand, und andererseits verlieren die Steuerpflichtigen das Vertrauen in das System, sodass Steuerhinterziehung zur Regel wird. Beide Ph\u00e4nomene verst\u00e4rken sich gegenseitig und f\u00fchren zu deutlichen Mindereinnahmen des Staates.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Globalisierung und die weltweite Mobilit\u00e4t von Kapital und Arbeit erschweren die Aufgabe der Steuerverwaltungen zus\u00e4tzlich. Da sich die T\u00e4tigkeit multinationaler Unternehmen auf mehrere L\u00e4nder erstreckt, erlangt die internationale Zusammenarbeit in Steuerfragen eine neue Dimension. Die Entwicklungsl\u00e4nder m\u00fcssen die Doppelbesteuerung vermeiden, um potenzielle Investoren anzuziehen. Gleichzeitig m\u00fcssen sie darauf achten, dass aggressive Steueroptimierungen nicht zu einer doppelten Steuerbefreiung f\u00fchren. Hier sind komplexe, sorgf\u00e4ltig abgewogene Entscheidungen zu treffen. Das setzt fundiertes Know-how im Bereich Verrechnungspreise voraus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Management nat\u00fcrlicher Ressourcen stellt eine weitere Herausforderung dar. L\u00e4nder, die \u00fcber Bodensch\u00e4tze und Erd\u00f6lvorkommen verf\u00fcgen, m\u00fcssen Systeme einf\u00fchren, mit denen sie daraus gerechte Einnahmen erzielen k\u00f6nnen. Der \u00abRessourcenfluch\u00bb<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> ist nicht einfach ein theoretisches Konzept: Die Entwicklungsl\u00e4nder mit den gr\u00f6ssten Vorkommen an nat\u00fcrlichen Ressourcen verf\u00fcgen h\u00e4ufig \u00fcber die \u00e4rmste Bev\u00f6lkerung. In mancherlei Hinsicht wird das Management der nat\u00fcrlichen Ressourcen f\u00fcr viele dieser L\u00e4nder in den kommenden Jahrzehnten die wichtigste Aufgabe darstellen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin weiteres Hindernis, das es zu \u00fcberwinden gilt, ist die extreme Komplexit\u00e4t der Steuergesetzgebungen sowie \u00fcberm\u00e4ssige Steuerbefreiungen und Vorzugsbehandlungen. Oft sind diese auf politischen Druck hin entstanden und wirtschaftlich ungerechtfertigt. Das bedeutet nat\u00fcrlich nicht, dass jede Steuererleichterung schlecht ist. Viele sind durchaus legitim, da sie sich positiv auf die Besch\u00e4ftigung, die Investitionst\u00e4tigkeit und somit auf das Wachstum auswirken. Die Schwierigkeit besteht darin, die kurz- und mittelfristigen Vor- und Nachteile gegeneinander abzuw\u00e4gen. Dies verlangt sehr spezifische Fachkompetenzen, die in den Verwaltungen der Entwicklungsl\u00e4nder leider erst sehr selten vorhanden sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese vielf\u00e4ltigen Herausforderungen zeigen, wie wichtig die St\u00e4rkung des rechtlichen Rahmens sowie der Fachkompetenzen der Steuer- und Zollbeh\u00f6rden ist. Die Entwicklungsagenturen haben diese Bed\u00fcrfnisse jedoch noch nicht vollends erkannt. F\u00fcr entsprechende Programme stehen gerade einmal 0,1% der gesamten \u00f6ffentlichen Entwicklungshilfe zur Verf\u00fcgung. Dies ist ein sehr bescheidener Betrag, wenn man bedenkt, welche zentrale Rolle das Steuersystem f\u00fcr die wirtschaftliche und die soziale Entwicklung eines Staates spielt.&#13;<\/p>\n<h2>M\u00f6glichkeiten, die es zu nutzen gilt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus zahlreichen Gr\u00fcnden sollten wir jedoch optimistisch bleiben. So betrachten die Regierungen der Entwicklungsl\u00e4nder die Mobilisierung interner Einnahmen inzwischen aus einem neuen Blickwinkel. Aufgrund der Unsicherheit infolge der Wirtschaftskrise setzt sich die Meinung immer st\u00e4rker durch, dass ein koh\u00e4renter Rechtsrahmen sowie eine moderne und effiziente Steuerverwaltung f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung unerl\u00e4sslich sind (siehe <i>Kasten 1).<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf nationaler Ebene hat die Aufgabe der Zolltarife und -abgaben zugunsten einer fl\u00e4chendeckenden Mehrwertsteuer im Zuge der Handelsliberalisierung zu einer gr\u00f6sseren Steuertransparenz beigetragen. Die Einf\u00fchrung der Mehrwertsteuer hat auch dazu gef\u00fchrt, dass der private Sektor und der Staat direkt interagieren. Das hat sich trotz einiger Schwierigkeiten als positiv erwiesen. So hat sich inzwischen ein Dialog \u00fcber die Schwierigkeiten des Privatsektors etabliert. Zudem konnten grundlegende Reformen zur Ankurbelung des Wachstums umgesetzt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Die Schw\u00e4chen der Steuerpolitik beheben<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Entwicklungsagenturen konzentrieren sich vorab auf die Schaffung eines soliden Rechtsrahmens, der den internationalen Best Practices entspricht. Dabei gibt es kein perfektes System, und jeder souver\u00e4ne Staat kann abh\u00e4ngig von seinen politischen Entscheiden und seiner Wirtschaft einen anderen Ansatz w\u00e4hlen. Dennoch gibt es eine Reihe von Grunds\u00e4tzen und Standards, die unabh\u00e4ngig vom Kontext G\u00fcltigkeit haben. Allgemein anerkannt ist zum Beispiel, dass die Steuerpolitik nicht ausschliesslich auf die Mobilisierung von Steuereinnahmen hinwirken darf, sondern auch f\u00fcr eine gerechtere Einkommensverteilung sorgen muss, ohne die Wirtschaftst\u00e4tigkeit dadurch allzu stark zu belasten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Entwicklungsagenturen bieten in der Regel gezielte fachliche Unterst\u00fctzung bei der Ausarbeitung von Gesetzesentw\u00fcrfen f\u00fcr Ausf\u00fchrungsbestimmungen. Im Idealfall st\u00fctzen sich diese Arbeiten auf Studien und Untersuchungen, mit denen die Hauptschw\u00e4chen des Steuersystems vorg\u00e4ngig identifiziert wurden. Es wird besonders darauf geachtet, dass Steuernischen f\u00fcr gewisse Steuerpflichtige beseitigt werden, die Mindereinnahmen f\u00fcr den Staat zur Folge haben. Die von den Entwicklungsagenturen finanzierten Expertinnen und Experten sind in der Regel hoch spezialisiert und werden f\u00fcr kurze Missionen vor Ort entsandt. Immer h\u00e4ufiger werden zur Begleitung der Reformen auch ortsans\u00e4ssige Allrounder angestellt; deren Einsatz erstreckt sich meistens \u00fcber mehrere Jahre.&#13;<\/p>\n<h2>Der IWF-Fonds zur Unterst\u00fctzung des Steuerbereichs<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Jahr 2010 hat der IWF ein ehrgeiziges Programm lanciert, das prim\u00e4r die Steuerpolitiken und -verwaltungen in den einkommensschwachen L\u00e4ndern st\u00e4rken soll. Mit Unterst\u00fctzung einer Gruppe von Geberl\u00e4ndern<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> will diese Initiative die Entwicklung einer dynamischen Wirtschaft und den Erhalt eines stabilen makro\u00f6konomischen Umfelds f\u00f6rdern. Das Programm bietet technische Unterst\u00fctzung bei der Neufassung oder der Revision von Gesetzen, bei institutionellen Reorganisationen oder bei der Optimierung von Steuererhebungssystemen. Im Rahmen dieses Programms wurde auch ein Diagnoseinstrument entwickelt, das <i>Tax Administration Diagnostic and Assessment Tool (Tadat).<\/i> Dieses Instrument soll im Laufe dieses Jahres eingef\u00fchrt werden und wird dazu beitragen, die Hauptschw\u00e4chen in der Funktionsweise der Steuerverwaltungen zu erkennen. Damit k\u00f6nnen die Priorit\u00e4ten f\u00fcr die technische Unterst\u00fctzung noch genauer eruiert und die verschiedenen Entwicklungsagenturen besser koordiniert werden.&#13;<\/p>\n<h2>St\u00e4rkung der Steuerverwaltung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nH\u00e4ufig wird gesagt, dass Gesetzgebungen nur so viel wert seien wie die Organisation, die f\u00fcr ihren Vollzug zust\u00e4ndig sei. Mehrere Entwicklungsagenturen haben ein pragmatisches Vorgehen gew\u00e4hlt und konzentrieren ihre Bem\u00fchungen auf die St\u00e4rkung der Steuerverwaltungen. Es wird darauf verzichtet, ehrgeizige Gesetzesreformen in Angriff zu nehmen, die in technischer Hinsicht zwar gerechtfertigt w\u00e4ren, \u00e4rgerlicherweise jedoch meist schon im Parlament scheitern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie St\u00e4rkung der Steuerverwaltungen erfolgt gew\u00f6hnlich in drei Etappen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li><i>Funktionelle Reorganisation der Einheiten zur Effizienzmaximierung.<\/i> So sind zum Beispiel Einheiten, die auf bestimmte Steuersubjekte spezialisiert sind (kleine, mittlere und grosse Steuerpflichtige), einer internen Organisation nach Steuerarten vorzuziehen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li><i>Ausstattung der Institution mit einer leistungsf\u00e4higen IT-Infrastruktur,<\/i> dank der die Steuerverfahren beschleunigt werden und gleichzeitig die Integrit\u00e4t des Systems gest\u00e4rkt wird.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li><i>Vertiefung der Fachkompetenzen<\/i> von Mitarbeitenden der Steuerverwaltungen und Optimierung des Personalmanagementsystems.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Weiterbildungsprogramme<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie von den Entwicklungsagenturen finanzierten Weiterbildungsprogramme sind sehr unterschiedlich ausgestaltet. Die Programme f\u00fcr <i>hoch spezialisierte Mitarbeitende<\/i> umfassen gew\u00f6hnlich im Ausland stattfindende, l\u00e4ngere Weiterbildungen an Fachinstituten. Dazu geh\u00f6ren h\u00e4ufig auch Praktika in ausl\u00e4ndischen Steuerverwaltungen. Sie sollen vertiefte Kenntnisse \u00fcber moderne Konzepte und Techniken vermitteln. Problematisch ist allerdings, dass so geschulte Mitarbeitende die Verwaltung h\u00e4ufig verlassen und sich eine besser bezahlte Stelle im Privatsektor suchen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nProgramme zur <i>Vermittlung von Basiskompetenzen<\/i> finden in der Regel vor Ort mithilfe lokaler Expertinnen und Experten statt, die extra daf\u00fcr ausgebildet wurden. Sie sind k\u00fcrzer, werden daf\u00fcr aber regelm\u00e4ssig abgehalten. Sie decken die wichtigsten Bed\u00fcrfnisse ab und sprechen einen grossen Personenkreis an.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Entwicklungsagenturen versuchen immer h\u00e4ufiger, die Thematik des <i>Personalmanagements und der Weiterbildung in einem weiter gefassten Rahmen<\/i> anzugehen. Dabei geht es nicht einzig um die Ausbildung von kompetentem Personal, sondern auch darum, die erworbenen Kenntnisse innerhalb der Institution zu bewahren. Deshalb umfassen diese Programme die Einf\u00fchrung von Pl\u00e4nen f\u00fcr die Laufbahnentwicklung und von leistungsbasierten Verg\u00fctungssystemen. Der Fokus wird immer h\u00e4ufiger auf Systeme f\u00fcr das Wissensmanagement gelegt, um das Know-how innerhalb der Organisation zu erhalten. Relativ neu, aber vielversprechend sind zudem Methoden, mit denen auf institutioneller Ebene der Widerstand gegen\u00fcber Ver\u00e4nderungen erfolgreich bek\u00e4mpft werden kann.&#13;<\/p>\n<h2>Das kooperative Lernen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Steuerverwaltungen der Entwicklungsl\u00e4nder sind sich der regionalen Unterschiede bewusst, und sie m\u00f6chten weiterhin unabh\u00e4ngig bleiben. Sie haben deshalb regionale Strukturen f\u00fcr den Informations- und Erfahrungsaustausch geschaffen, die auch der Organisation von auf ihre spezifischen Bed\u00fcrfnisse ausgerichteten Weiterbildungsprogrammen dienen. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das 2008 gegr\u00fcndete und gr\u00f6sstenteils durch seine Mitglieder finanzierte <i>African Tax Administration Forum (Ataf),<\/i> dem inzwischen 35 afrikanische L\u00e4nder angeh\u00f6ren. Da in diesem Forum das kooperative Lernen <i>(Peer Learning)<\/i> im Vordergrund steht, fungiert es als regionale Plattform zur Erarbeitung gemeinsamer Standpunkte. Diese sogenannte S\u00fcd-S\u00fcd-Kooperation bietet zahlreiche Vorteile. So erlaubt sie L\u00e4ndern, die sich mit \u00e4hnlichen Herausforderungen konfrontiert sehen, im Hinblick auf eine gemeinsame, auf regionaler Ebene reproduzierbare L\u00f6sung zusammenzuarbeiten. Eine Steuerverwaltung, die in einem spezifischen Bereich gute Resultate erzielt hat, kann ihr Know-how somit den Nachbarl\u00e4ndern zur Verf\u00fcgung stellen oder sogar eigene Fachkr\u00e4fte f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum entsenden.&#13;<\/p>\n<h2>Definition der f\u00fcr Steuerreformen erforderlichen Grunds\u00e4tze<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs ist zwar noch ein wenig fr\u00fch, um sich zu den Auswirkungen der in den letzten Jahren lancierten Initiativen zu \u00e4ussern. Dennoch l\u00e4sst sich bereits eine Reihe von Grunds\u00e4tzen ableiten, die f\u00fcr jede Steuerreform als Richtschnur dienen k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt beispielsweise, dass es wichtig ist, den Reformprozess angemessen zu strukturieren und zu unterteilen. Zun\u00e4chst gilt es, die Hauptschw\u00e4chen des Systems zu beheben; erst danach k\u00f6nnen komplexere Themen in Angriff genommen werden. Die Reformen d\u00fcrfen \u00fcberdies nicht ausschliesslich auf eine Erh\u00f6hung der Steuereinnahmen abzielen, sondern m\u00fcssen der Transparenz des Systems sowie seinen Auswirkungen auf die Umverteilung Rechnung tragen. Der Einbezug der Zivilbev\u00f6lkerung in die Steuerdebatte ist ein zentrales Element, das nicht vergessen werden darf. In Zukunft wird die Zweckm\u00e4ssigkeit und Wirksamkeit der verschiedenen internationalen Initiativen anhand all dieser Elemente beurteilt werden m\u00fcssen \u2013 und nicht einzig anhand der H\u00f6he der zus\u00e4tzlichen Steuereinnahmen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Pritchard (2010).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">In der Wirtschaft wird damit ein spezifisches Problem der rohstoffreichen L\u00e4nder bezeichnet. Es besteht eine negative Beziehung zwischen dem Anteil der Rohstoffexporte am BIP und der Wachstumsrate. So besitzen Nigeria, der Kongo oder Angola zwar Rohstoffe im \u00dcberfluss, wachsen aber langsamer als rohstoff\u00e4rmere L\u00e4nder. Dieses Konzept wurde 1990 von Auty (1990) erstmals beschrieben.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Belgien, Deutschland, EU, Kuwait, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Schweiz.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Krise hat gezeigt, dass eine nachhaltige Entwicklungspolitik in erster Linie vom Steuersystem abh\u00e4ngt. Dieses muss gen\u00fcgend Einnahmen generieren, damit die Entwicklungsprogramme und die Armutsbek\u00e4mpfung m\u00f6glichst autonom finanziert werden k\u00f6nnen. In den L\u00e4ndern s\u00fcdlich der Sahara machen Steuereinnahmen zurzeit weniger als 17% des Bruttoinlandprodukts (BIP) aus\u00a0\u2013 in den OECD-L\u00e4ndern sind es rund 34%. 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Die j\u00fcngste Wirtschaftskrise und die finanziellen Schwierigkeiten, mit denen sich viele Geber von Entwicklungshilfe konfrontiert sehen, haben die Mobilisierung interner Ressourcen wieder st\u00e4rker ins Zentrum ger\u00fcckt. Auf Veranlassung der G-20 und der OECD haben die internationalen Finanzinstitutionen und die Entwicklungsagenturen ihre Bem\u00fchungen verst\u00e4rkt, um die Effizienz der Steuerpolitiken und -verwaltungen zu optimieren. Haushaltsautonomie wird damit zur unabdingbaren Voraussetzung f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklungspolitik.","post_hero_image_description":"Die \u00abGhana Revenue Authority\u00bb entstand mit Unterst\u00fctzung des Seco aus einer Fusion verschiedener Einheiten, die zuvor f\u00fcr die Steuereinsch\u00e4tzung und -erhebung zust\u00e4ndig gewesen waren.","post_hero_image_description_copyright_de":"Anton Ivanov \/ Shutterstock.com","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"<ul>&#13;\n\t<li>Auty, Richard (1990): Resource-Based Industrialization: Sowing the Oil in Eight Developing Countries, Oxford, Clarendon Press.<\/li>&#13;\n\t<li>Development Cooperation Directorate OECD\/Internationaler Fiskalpakt (2012): Principles for International Engagement in Supporting Developing Counties in Revenue Matters, Paris, August.<\/li>&#13;\n\t<li>Fjeldstad, Odd-Helge (2013): Taxation and Development: A Review of Donor Support to Strengthen Tax Systems in Developing Countries, Helsinki, Februar.<\/li>&#13;\n\t<li>IWF (2011): Revenue Mobilization in Developing Countries, Abteilung f\u00fcr Fiskal-Angelegenheiten, Washington DC., M\u00e4rz.<\/li>&#13;\n\t<li>Haldenwang, Christian von, und Ivanyna, Maksym (2011): Assessing the Tax Performance of Developing Countries, Discussion Paper 20\/2010, Deutsches Institut f\u00fcr Entwicklungspolitik.<\/li>&#13;\n\t<li>Michielse, Geerten und Thuronyi, Victor (2010): Overview of Cooperation on Capacity Building in Taxation, Paris, Oktober.<\/li>&#13;\n\t<li>Okonjo-Iweala, Ngozi (2013): Aid as a Catalyst for Domestic Resource Mobilization in Africa, Nigeria, Kommission der Afrikanischen Union, Juli.<\/li>&#13;\n\t<li>Pritchard, Wilson (2010): Taxation and State Building: Towards a Governance Focused Tax Reform Agenda, Working Paper 341, Institute of Development Studies.<\/li>&#13;\n\t<li>Sengupta, Abhijit (2007): Determinants of Tax Revenue Efforts in Developing Countries, IMF Working Paper 07\/184, FMI , Washington, DC., Juli.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Das Global Tax Simplification Program","kasten_box":"Das Global Tax Simplification Program ist Teil der Anstrengungen zur Optimierung der Effizienz der Steuerverwaltungen. Es wurde 2007 von der Weltbank mit Unterst\u00fctzung von Grossbritannien und der Schweiz ins Leben gerufen und soll Regierungen, welche die Steuergesetze und -verfahren f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen vereinfachen m\u00f6chten, spezialisierte technische Unterst\u00fctzung bieten. Das Programm verfolgt zwei Ziele: Das Programm stellt den Regierungen Instrumente zur Verf\u00fcgung, mit denen sie Schl\u00fcsselfragen angehen k\u00f6nnen, die sich im Zusammenhang mit der Vereinfachung der Verwaltungsverfahren stellen. Dabei soll gleichzeitig eine stabile Einkommensquelle garantiert werden.&#13;\n<ul>&#13;\n\t<li>Reduktion der Kosten zur Konformit\u00e4tsangleichung an die Regelungen, um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des privaten Sektors zu verbessern;<\/li>&#13;\n\t<li>Verbreiterung der Steuerbasis, indem alle Hindernisse f\u00fcr die Normalisierung der Unternehmen des informellen Sektors beseitigt werden.<\/li>&#13;\n<\/ul>"},{"kasten_title":"Reform des Steuersystems und der Steuerverwaltung in Ghana","kasten_box":"In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterst\u00fctzt das Seco die ghanaischen Beh\u00f6rden bei der Umsetzung einer umfassenden Reform ihres Steuersystems. Das 2008 lancierte Programm verfolgt haupts\u00e4chlich zwei Ziele: Zum einen sollen die verschiedenen, f\u00fcr die Festsetzung und die Erhebung der Steuern zust\u00e4ndigen Instanzen zu einer einzigen Einrichtung fusioniert werden in eine allgemeine Steuerverwaltung. Zum anderen geht es darum, eine Spezialabteilung zu schaffen, die Studien und Analysen im Steuerbereich erarbeitet. Ihre Aufgabe besteht darin, der Regierung eine strategische Ausrichtung bei der Umsetzung ihrer Steuer- und Haushaltspolitik zu geben. Das Programm umfasst auch einen Ausbildungsplan f\u00fcr die Mitarbeitenden. Dieser sieht kurze Schulungen und l\u00e4ngere Praktika in verschiedenen Bereichen vor: von IT-Kenntnissen bis hin zu risikobasierten Steuerpr\u00fcfungen."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":116901,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":116905,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"2971","post_abstract":"","magazine_issue":"20140601","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":"20150403","original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/54914057c30c7"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/116898"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4069"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=116898"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/116898\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126933,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/116898\/revisions\/126933"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4069"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/33698"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=116898"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=116898"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=116898"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=116898"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=116898"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=116898"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}