{"id":116947,"date":"2015-02-26T09:23:47","date_gmt":"2015-02-26T09:23:47","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/02\/volatilite-sur-les-marches-agricoles-quelles-en-sont-les-causes\/"},"modified":"2023-08-23T23:15:22","modified_gmt":"2023-08-23T21:15:22","slug":"ursachen-von-preisvolatilitaet-auf-agrarmaerkten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/02\/ursachen-von-preisvolatilitaet-auf-agrarmaerkten\/","title":{"rendered":"Ursachen von Preisvolatilit\u00e4t auf Agrarm\u00e4rkten"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren kam es auf den Agrarm\u00e4rkten zu heftigen Preisausschl\u00e4gen. Hohe Preisvolatilit\u00e4t<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>\u00a0mit extremen Preisspitzen ist jedoch unerw\u00fcnscht, denn sie kann das Verschuldungsrisiko in der Landwirtschaft erh\u00f6hen und den Zugang zu Nahrungsmitteln auf dem Markt gef\u00e4hrden.&#13;<br \/>\nAuf der Produzentenseite kann die Volatilit\u00e4t die langfristige Investitionst\u00e4tigkeit beeintr\u00e4chtigen, wenn eine hohe Unsicherheit \u00fcber k\u00fcnftige Preisentwicklungen besteht und keine geeigneten Risikomanagementinstrumente wie Lagerhaltung, Terminb\u00f6rsen oder langfristige Liefervertr\u00e4ge verf\u00fcgbar sind. Dies ist typischerweise bei Kleinbauern in Entwicklungsl\u00e4ndern der Fall. Auf der Konsumentenseite sind naturgem\u00e4ss \u00e4rmere Haushalte betroffen, die einen hohen Anteil des verf\u00fcgbaren Einkommens f\u00fcr Lebensmittel ausgeben m\u00fcssen. Insbesondere Preissteigerungen k\u00f6nnen problematische Auswirkungen auf die Ern\u00e4hrungssicherheit armer Bev\u00f6lkerungsschichten haben, denn sie zwingen zur Reduktion des Konsums oder zur Umstellung auf billigere, aber weniger nahrhafte Lebensmittel.&#13;<br \/>\nGesamtwirtschaftliche Auswirkungen von hohen Preisschwankungen k\u00f6nnen sich in L\u00e4ndern ergeben, die stark vom Import oder Export von Agrarg\u00fctern abh\u00e4ngig sind. Grosse Schwankungen bei Weltmarktpreisen wirken sich in solchen L\u00e4ndern unmittelbar auf das Wirtschaftswachstum aus.&#13;<\/p>\n<h2><b>Politische Eingriffe k\u00f6nnen &shy;Preis&shy;ausschl\u00e4ge verst\u00e4rken<\/b><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen (NGOs) vertreten die Auffassung, dass das starke Anwachsen von indexorientierten Finanzprodukten im Agrarg\u00fcterhandel, welche auf steigende Agrarpreise setzen, sowie Spekulationen im Allgemeinen die Hauptverantwortung f\u00fcr die Ern\u00e4hrungskrise des letzten Jahrzehnts tragen. Etliche Banken haben sich deshalb auf Druck von NGOs hin bereits aus dem aktiven Handel mit Agrarg\u00fctern zur\u00fcckgezogen und nutzen diesen nur noch f\u00fcr das passive Absichern von Risiken bei Kapitalanlagen.&#13;<br \/>\nIm Folgenden werden die Inkonsistenzen dieser Annahmen gezeigt, indem die realwirtschaftlichen Treiber der Preisvolatilit\u00e4t beleuchtet werden. Dabei wird ersichtlich, dass politische Eingriffe Preisausschl\u00e4ge verst\u00e4rken k\u00f6nnen. Dies ist dann der Fall, wenn der Staat die Risiken der privaten Akteure \u00fcbernimmt und somit private Risikomanagementinstrumente ersetzt. Eine solche Verdr\u00e4ngung von Privatsektoraktivit\u00e4ten kann zu Fehlanreizen bei Agrarinvestitionsentscheiden f\u00fchren und verzerrt dadurch das globale Angebot, die Nachfrage und das Ausmass der Lagerhaltung. Grunds\u00e4tzlich ist wirtschaftliche Isolation mit einer h\u00f6heren Rohstoffpreisvolatilit\u00e4t und Integration in den Weltmarkt mit weniger Preisvolatilit\u00e4t verbunden.&#13;<\/p>\n<h2><b>Entwicklung der Preisvolatilit\u00e4t \u00fcber die letzten 50 Jahre\u00a0<\/b><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nPreisvolatilit\u00e4t und insbesondere extreme Preisspitzen erh\u00f6hen die Unsicherheit in Bezug auf das real verf\u00fcgbare Einkommen und stehen im besonderen Fokus der Politik. Im Unterschied dazu signalisieren steigende Preistrends eine zunehmende Knappheit von Lebensmitteln \u00fcber die mittlere und lange Frist (siehe <i>Grafik 1<\/i> und<i> Kasten 1<\/i>).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/02\/23_Aerni_Schluep_gra1.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-10891 size-full\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/02\/23_Aerni_Schluep_gra1.png\" alt=\"23_Aerni_Schluep_gra1\" width=\"2108\" height=\"1936\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm die Entwicklungen der letzten Jahre besser zu verstehen, bietet sich ein langfristiger Vergleich der Preisvolatilit\u00e4ten an. Zentral ist dabei die Frage, ob sich die Preisvolatilit\u00e4ten bei Agrarg\u00fctern massgeblich verst\u00e4rkt haben und ob diese mit der sogenannten Finanzialisierung zusammenh\u00e4ngen. Darunter versteht man im aktuellen Kontext die Verbreitung neuer Finanzinstrumente sowie die zunehmende Bedeutung von institutionellen Investoren, welche in Agrarrohstoffindexfonds investieren. Die Preisvolatilit\u00e4t wird anhand eines Variationskoeffizienten<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>\u00a0gemessen.&#13;<br \/>\nAm volatilsten waren in der Vergangenheit die \u00d6l- und Zuckerpreise (siehe <i>Grafik 2<\/i>).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/02\/23_Aerni_Schluep_gra2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10894\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/02\/23_Aerni_Schluep_gra2.png\" alt=\"23_Aerni_Schluep_gra2\" width=\"2202\" height=\"2156\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZwischen den Jahren 2000 und 2010 waren die Preisvolatilit\u00e4ten bei \u00d6l und Agrarg\u00fctern zwar insgesamt sehr hoch, aber in der historischen Perspektive nicht aussergew\u00f6hnlich.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>\u00a0Die h\u00f6chsten Preisvolatilit\u00e4ten wurden bei Reis und Weizen in den 1970er-Jahren und bei Mais in den 1980er-Jahren aufgezeichnet. Demgegen\u00fcber setzte der Investorenzustrom aber erst nach der Jahrtausendwende ein. In den Jahren 2010 bis 2014 bildete sich die hohe Volatilit\u00e4t bei den aufgef\u00fchrten Produkten wieder zur\u00fcck. Generell zeigt sich: Auf kurze Perioden mit hoher Volatilit\u00e4t folgten bisher meist lange Phasen mit tiefer Volatilit\u00e4t. Zudem traten die Perioden hoher Volatilit\u00e4t zeitgleich mit tiefen Lagerbest\u00e4nden auf.&#13;<\/p>\n<h2><b>Preisvolatilit\u00e4t ist charakteristisch f\u00fcr Agrarm\u00e4rkte<\/b><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie meisten Agrarm\u00e4rkte zeichnen sich generell durch ein hohes Mass an Volatilit\u00e4t aus. Daf\u00fcr sind Natureinfl\u00fcsse verantwortlich: Die landwirtschaftliche Produktion schwankt stark von Periode zu Periode wegen nat\u00fcrlicher Schocks wie Wetterver\u00e4nderungen oder Sch\u00e4dlings- und Krankheitsbefall. Der erwartete Anstieg von Extremwetterereignissen durch den Klimawandel schafft zus\u00e4tzliche Unsicherheit bez\u00fcglich k\u00fcnftiger Ertr\u00e4ge in der Landwirtschaft und tr\u00e4gt somit auch zu verst\u00e4rkter Preisvolatilit\u00e4t bei.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNebst den Natureinfl\u00fcssen gibt es einen weiteren Grund f\u00fcr die starken Preisschwankungen: Die Preisreaktion auf Ver\u00e4nderungen bei Angebot und Nachfrage auf Agrarm\u00e4rkten ist relativ unelastisch. Dies liegt unter anderem an den langen Produktionszyklen und der Tatsache, dass sich Konsumenten auch bei hohen Preisen mit Lebensmitteln versorgen m\u00fcssen. Geringe Elastizit\u00e4ten von Angebot und Nachfrage f\u00fchren dazu, dass die Preise kurzfristig besonders stark auf kleine Mengen\u00e4nderungen reagieren (siehe <i>Kasten 2<\/i>).&#13;<\/p>\n<h2><b>Die Rolle des technologischen Wandels<\/b><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNach dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben die Staaten verst\u00e4rkt in die \u00f6ffentliche Agrarforschung und -entwicklung investiert, um die Nahrungsmittelproduktion durch die F\u00f6rderung des technologischen Wandels zu erh\u00f6hen. Die daraus resultierende gr\u00fcne Revolution hat zu sinkenden Nahrungsmittelpreisen und geringeren Preisausschl\u00e4gen bei Grundnahrungsmitteln gef\u00fchrt, was sich positiv auf die Ern\u00e4hrungssicherheit armer Bev\u00f6lkerungsschichten auswirkte.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZugleich f\u00fchrte diese Entwicklung zu einem Strukturwandel, der die Erwerbsm\u00f6glichkeiten und somit die Kaufkraft in l\u00e4ndlichen Regionen steigerte. Verbesserte Kaufkraft wiederum verringert den unmittelbaren Effekt von Preisschwankungen auf die Nahrungsmittelverf\u00fcgbarkeit. Der Weg zu einer nachhaltigen Ern\u00e4hrungssicherung bedingt jedoch institutionelle Rahmenbedingungen wie zum Beispiel den effektiven Schutz von Eigentumsrechten. Das schafft nicht nur Anreize, in die Landwirtschaft zu investieren und die Produktivit\u00e4t zu steigern, sondern tr\u00e4gt langfristig auch zur Verringerung der Armut und zur umsichtigeren Nutzung nat\u00fcrlicher Lebensgrundlagen bei.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2><b>Preisspitzen und die Rolle der Lagerbest\u00e4nde im Verh\u00e4ltnis zum Konsum\u00a0<\/b><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Lagerf\u00e4higkeit von Getreide kann mithelfen, Preisschwankungen zu d\u00e4mpfen, sofern die Lagerbest\u00e4nde nicht unter ein kritisches Niveau fallen. Sind das Angebot und die eingelagerte Menge hoch, bewirkt eine moderate Reduktion des Angebots einen moderaten Preisanstieg, indem unbeschr\u00e4nkt auf Lager zur\u00fcckgegriffen werden kann. Fallen die Lager jedoch unter einen kritischen Schwellenwert, kann auch eine moderate Angebotsreduktion zu grossen Preisausschl\u00e4gen f\u00fchren, da die ausgleichende Wirkung der Lager entf\u00e4llt. Dies ist auf internationalen Agrarm\u00e4rkten ausgepr\u00e4gt, da dort nur ein kleiner Teil der Weltproduktion gehandelt wird \u2013 bei Reis sind es 6,9% der Weltproduktion, bei Mais 14% und bei Weizen 24%.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a>\u00a0W\u00e4hrend der Preishausse 2007\/2008 waren die Endlagerbest\u00e4nde an Nahrungsmitteln im Verh\u00e4ltnis zum Konsum besonders tief. In <i>Grafik 1<\/i> ist ersichtlich, wie tiefe Endlagerbest\u00e4nde im Verh\u00e4ltnis zum Konsum bei Weizen in den 1960er- und 1970er-Jahren sowie nach der Jahrtausendwende zu Preisspitzen gef\u00fchrt haben.&#13;<\/p>\n<h2><b>Reis- und Weizenmarkt und die Rolle \u00abpolitischer Volatilit\u00e4t\u00bb<\/b><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nReis und Weizen sind zentral f\u00fcr die globale Ern\u00e4hrungssicherheit.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a>Die Marktstrukturen bei den beiden Getreidearten unterscheiden sich dabei wesentlich. W\u00e4hrend Weizen zu den international am meisten gehandelten G\u00fctern geh\u00f6rt und Weizenpreise f\u00fcr bestimmte Qualit\u00e4tsstandards an B\u00f6rsenpl\u00e4tzen ausgew\u00e4hlt werden, wird Reis international nur in kleinen Mengen gehandelt. Reism\u00e4rkte sind fragmentiert, wenig standardisiert und durch politische Eingriffe gepr\u00e4gt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm die Ern\u00e4hrungssicherheit zu gew\u00e4hrleisten und politische Unruhen zu verhindern, versuchen Regierungen mit staatlichen Eingriffen stabile Preise und Mengen zu erreichen. Regierungen \u00fcbernehmen daher oft die Absicherung der Produzenten gegen\u00fcber Risiken, was erkl\u00e4rt, dass Terminb\u00f6rsen f\u00fcr Reis in Asien so gut wie inexistent sind. Die Preisvolatilit\u00e4t bei Reis kann somit kaum auf indexorientierte Finanzprodukte zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Im globalen Weizenmarkt ist der Investorenzustrom hingegen gross, weshalb an Terminb\u00f6rsen gehandelte Finanzprodukte\u00a0 den Weizenpreis potenziell beeinflussen k\u00f6nnten. Aus <i>Grafik 2<\/i> ist ersichtlich, dass die Preisvolatilit\u00e4ten auf dem Reismarkt dennoch ausgepr\u00e4gter sind als auf dem Weizenmarkt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDies hat mit \u00abpolitischer\u00bb Volatilit\u00e4t zu tun. Gemeint ist die Volatilit\u00e4t, die durch staatliche Eingriffe verursacht wird. W\u00e4hrend der Preishausse 2007\/2008 operierten viele Exportl\u00e4nder beispielsweise mit Exportverboten, um auf den Inlandm\u00e4rkten die Preisausschl\u00e4ge zu d\u00e4mpfen. Importl\u00e4nder senkten im Gegenzug Importz\u00f6lle f\u00fcr entsprechende Produkte oder griffen zu Subventionen (z. B. verbilligter Reis, Weizen und Mais in Indien) mit dem Ziel, im Inland die Situation zu beruhigen. Diese unkoordinierten Markteingriffe versch\u00e4rften die Situation jedoch, und die internationalen Preisausschl\u00e4ge fielen dadurch noch h\u00f6her aus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine Studie der Weltbank<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a>\u00a0untersuchte die Markteingriffe auf den globalen Getreidem\u00e4rkten f\u00fcr die Preishausse in den Jahren 2007\/2008. Bei Reis kann dabei ein Drittel des Preisanstiegs, bei Mais 11% und bei Weizen 7% auf Markteingriffe der beteiligten L\u00e4nder zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Die unkoordinierten staatlichen Handelseingriffe erwiesen sich somit als eher ungeeignet, um nationale Preise zu stabilisieren. Insbesondere f\u00fchrten die Massnahmen zu massiven Ausschl\u00e4gen bei den international gehandelten Preisen, da das Angebot stark verknappt wurde. Ein relativ freier internationaler Handel hingegen erwies sich bisher als probates Instrument, um die Preise bei exogenen Schocks (z. B. schlechte Ernte in einem wichtigen Exportland) zu stabilisieren.&#13;<\/p>\n<h2><b>Rolle der Spekulation?<\/b><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss heutigem Erkenntnisstand spricht wenig f\u00fcr die Auffassung, dass die Zunahme der Finanzspekulation in den letzten Jahren das Niveau beziehungsweise die Volatilit\u00e4t der Preise f\u00fcr Agrarg\u00fcter in die H\u00f6he trieb. Hierf\u00fcr waren vielmehr realwirtschaftliche Faktoren verantwortlich. Indexorientierte Anlagen im Agrarhandel k\u00f6nnen unter Umst\u00e4nden sogar die Kosten bei Absicherungsgesch\u00e4ften im physischen Handel reduzieren, die Volatilit\u00e4t d\u00e4mpfen und die Agrarterminm\u00e4rkte besser in die Finanzm\u00e4rkte integrieren.<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a>\u00a0Regulatorische Marktzutrittsbarrieren negieren diese Effekte hingegen. Wer den Hunger in der Welt wirksam bek\u00e4mpfen will, muss somit realwirtschaftlich daf\u00fcr Sorge tragen, dass das Angebot an Nahrungsmitteln mit der steigenden Nachfrage Schritt halten kann.<a href=\"#footnote_10\" id=\"footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor\">[10]<\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Volatilit\u00e4t zeigt die Schwankungsintensit\u00e4t z. B. einer Preiszeitreihe um ihren Mittelwert oder Trend an. Volatilit\u00e4t wird gemessen durch die Standardabweichung bzw. den Variationskoeffizienten.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Der Variationskoeffizient wird berechnet aus dem Quotienten von Standardabweichung und Mittelwert. Es wurden Preisdaten der Weltbank in realen 2010-US-Dollars verwendet.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Eine historische Studie zeigt, dass die hohe Rohstoffpreisvolatilit\u00e4t der letzten Jahre nichts Neues ist; siehe: David S. Jacks, Kevin H. O\u2019Rourke, and Jeffrey G. Willimason, 2011, Commodity Price Volatility and World Market Integration Since 1700, The Review of Economics and Statistics, 93(3): S.\u00a0800\u2013813.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Julian M. Alston, William J. Martin, and Philip G. Pardey, 2014, Influences of Agricultural Technology on the Size and Importance of Food Price Variability, in: The Economics of Food Price Volatility, Jean-Paul Chavas, David Hummels and Brian D. Wright (eds.), The University of Chicago Press.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">ttp:\/\/perc.org\/articles\/ronald-coase-showed-how-free-markets-help-environment&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Kym Anderson, ed., 2009, Distortions to Agricultural Incentives: a Global Perspective, 1955\u20132007, New York: Palgrave Macmillan; Washington, D.C.: World Bank.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">In einem Projekt der Kommission f\u00fcr Technologie und Innovation (KTI) zur Finanzialisierung auf Agrarm\u00e4rkten am CCRS werden die Ursachen der Preisvolatilit\u00e4t auf dem Reis- und dem Weizenmarkt anhand eines dreiteiligen Forschungsansatzes untersucht. Das Projekt l\u00e4uft bis 2017.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Hans G. Jensen, and Kym Anderson, 2014, Grain Price Spikes and Beggar-Thy-Neighbor Policy Responses, a Global Economywide Analysis, Policy Research Working Paper 7007, World Bank Group, August.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">Nicole M. Aulerich, Scott H. Irwin, and Philip Garcia, 2014, Bubbles, Food Prices, and Speculation, in: The Economics of Food Price Volatility, Jean-Paul Chavas, David Hummels and Brian D. Wright (eds.), The University of Chicago Press.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_10\" class=\"footnote--item\">Matthias Georg Will, S\u00f6ren Prehn, Ingo Pies, Thomas Glauben, 2012, Schadet oder n\u00fctzt die Finanzspekulation mit Agrarrohstoffen? \u2013 Ein Literatur\u00fcberblick zum aktuellen Stand der empirischen Forschung, Diskussionspapier Nr. 2012-26, Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren kam es auf den Agrarm\u00e4rkten zu heftigen Preisausschl\u00e4gen. 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In der \u00f6ffentlichen Diskussion wird oft die \u00abFinanzialisierung\u00bb des Agrarhandels f\u00fcr die stark schwankenden Nahrungsmittelpreise verantwortlich gemacht. Dabei wird \u00fcbersehen, dass Preisbewegungen prim\u00e4r auf Ver\u00e4nderungen der Verf\u00fcgbarkeit von global handelbaren Nahrungsmitteln zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Diese realwirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse werden von der Politik und weniger von Finanzm\u00e4rkten, die diese prim\u00e4r nachbilden, beeinflusst. Nachhaltige Ern\u00e4hrungssicherung bedingt institutionelle Rahmenbedingungen, die Anreize schaffen, in die Landwirtschaft zu investieren, und den fairen Handel mit Agrarg\u00fctern erm\u00f6glichen.","post_hero_image_description":"Ein Arbeiter schleppt einen Reissack in einem Lagerhaus auf den Philippinen. 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Ethanol) sind zudem die Weltmarktpreise f\u00fcr Zucker und Mais auf ein Niveau gestiegen, wie man es seit der \u00d6lkrise in der ersten H\u00e4lfte der 1970er-Jahre nie mehr gesehen hat.&#13;\n&#13;\nInflationsbereinigt waren aber die Preisausschl\u00e4ge in den 1970er-Jahren bei Weizen, Mais und Reis gr\u00f6sser als im letzten Jahrzehnt. Weizen, Mais und Sojabohnen (nicht abgebildet) lassen sich in der Produktion substituieren. Entsprechend haben deren Preise die Tendenz, sich gemeinsam zu bewegen. Reis hat dagegen eine tiefere Substituierbarkeit, und die Preise entwickeln sich deshalb unabh\u00e4ngiger. Aus <i>Grafik\u00a01 <\/i>ist ebenfalls ersichtlich, dass bei \u00d6l (Energie) die Preisausschl\u00e4ge viel akzentuierter waren als auf den Agrarm\u00e4rkten.&#13;\n&#13;\nDie Wechselwirkungen zwischen den Agrar- und den Energiem\u00e4rkten haben sich infolge der verst\u00e4rkten Nutzung von Agrarrohstoffen f\u00fcr die Energieerzeugung intensiviert. Dies ist weitgehend auf gesetzliche Regelungen (z. B. verpflichtende Ziele zur Biotreibstoffnutzung in den USA und der EU) und entsprechende St\u00fctzungsmassnahmen zur\u00fcckzuf\u00fchren."},{"kasten_title":"Preistransmission und Saisonalit\u00e4t","kasten_box":"Wenn Indexspekulation f\u00fcr den Hunger verantwortlich w\u00e4re, m\u00fcsste als Voraussetzung daf\u00fcr eine \u00dcbertragung von Preisschwankungen von der internationalen auf die nationale Ebene stattfinden k\u00f6nnen. Fallstudien des International Food Policy Research Institute (IFPRI) konnten in Afrika s\u00fcdlich der Sahara jedoch nur f\u00fcr 13 der insgesamt 62 Preisserien, die \u00fcber vier bis sieben Jahre beobachtet wurden, solche Preistransmissionseffekte feststellen.<sup>a<\/sup> Dieser Umstand r\u00fchrt daher, dass Mais als Grundnahrungsmittel in vielen afrikanischen L\u00e4ndern wenig gehandelt wird.&#13;\n&#13;\nEine \u00f6konometrische Untersuchung<sup>b<\/sup>\u00a0 monatlicher Nahrungsmittelpreise der Weltbank in drei ostafrikanischen Staaten (Malawi, Tansania und Uganda) zeigt, dass zwischen 20% und 40% der Gesamtvolatilit\u00e4t bei Nahrungsmittelpreisen in diesen L\u00e4ndern auf die Saisonalit\u00e4t zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Saisonal wiederkehrende Preisbewegungen erkl\u00e4ren massgeblich, warum Preisschwankungen innerhalb dieser L\u00e4nder substanziell h\u00f6her sind als auf internationaler Ebene (Mais war in Spitzenmonaten 30% bis 50% teurer als in Tiefpreisphasen). Diese Tatsache wurde bisher in der \u00f6ffentlichen Diskussion um Hunger und Spekulation kaum thematisiert. Die Preisvolatilit\u00e4t k\u00f6nnte durch die Erm\u00f6glichung einer weniger saisonal bedingten Nahrungsmittelverf\u00fcgbarkeit (sogenanntes Consumption Smoothing) ged\u00e4mpft werden. N\u00f6tig w\u00e4ren ein besserer Zugang zu Finanzm\u00e4rkten, bessere Lagerhaltungsbedingungen auf lokaler Ebene, eine Reduktion der Transportkosten (bessere Infrastruktur) oder eine Zunahme des innerafrikanischen Handels.&#13;\n&#13;\na) Nicholas Minot, 2011, Transmission of World Food Price Changes to Markets in Sub-Saharan Africa. IFPRI Discussion Paper 01059. Washington, DC: International Food Policy Research Institute.&#13;\n&#13;\nb) Jonathan Kaminski, Luc Christiaensen, Christopher L. Gilbert. 2014. The End of Seasonality? New Insights from Sub-Saharan Africa, Poli"}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":116950,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":116954,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"10887","post_abstract":"","magazine_issue":"20150301","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/54eec9a14eaf0"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/116947"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3350"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=116947"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/116947\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126937,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/116947\/revisions\/126937"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4140"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3350"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/33753"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=116947"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=116947"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=116947"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=116947"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=116947"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=116947"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}