{"id":117030,"date":"2015-02-06T10:45:02","date_gmt":"2015-02-06T10:45:02","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/02\/une-mega-etude-sur-les-liens-qui-unissent-le-prix-des-matieres-premieres-et-la-speculation-financiere\/"},"modified":"2023-08-23T23:15:01","modified_gmt":"2023-08-23T21:15:01","slug":"metastudie-wie-haengen-rohstoffpreise-und-finanzspekulation-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/02\/metastudie-wie-haengen-rohstoffpreise-und-finanzspekulation-zusammen\/","title":{"rendered":"Metastudie: Wie h\u00e4ngen Rohstoffpreise und Finanzspekulation zusammen?"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Juso-Initiative \u00abKeine Spekulation mit Nahrungsmitteln\u00bb wird das Thema der Rohstoffspekulation nicht zum ersten Mal Gegenstand der \u00f6ffentlichen Debatte. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Kontroverse fast so alt ist wie die Rohstoffm\u00e4rkte selbst. Sp\u00e4testens mit dem Aufkommen der Rohstofftermin- und Futuresm\u00e4rkte in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts betraten weitere Akteure den bis dahin von kommerziellen H\u00e4ndlern dominierten Markt. Diese waren haupts\u00e4chlich an den Preisschwankungen der Rohstoffe \u2013 und nicht an der Ware an sich \u2013 interessiert. Allein dieses Interesse setzte diese M\u00e4rkte einer starken Kritik aus. Neuen Aufschwung erreichte die Debatte vor einigen Jahren mit dem Wachstum indexorientierter Rohstoffanlagen, welches zeitlich mit dem Anstieg verschiedener Nahrungsmittelpreise zusammenfiel. Begleitet wurde die Debatte von einer wachsenden Zahl empirischer Untersuchungen \u00fcber den Zusammenhang zwischen Rohstoffpreisen und Spekulation, wobei der Stellenwert und die Bedeutung dieser Untersuchungen nun ihrerseits zu einem wesentlichen Thema der \u00f6ffentlichen Debatte geworden sind.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2><b>Eine weitere Metastudie?<\/b><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Auswertung der umfangreichen empirischen Literatur erscheint in der bisherigen Diskussion jedoch aus zwei Gr\u00fcnden unzureichend. Das erste Problem besteht darin, dass die verschiedenen Studien den Begriff der Spekulation unterschiedlich \u2013 respektive unterschiedlich genau \u2013 operationalisieren. Das zweite Problem ergibt sich aus den erheblichen qualitativen Unterschieden zwischen den Untersuchungen hinsichtlich der Nachvollziehbarkeit des methodischen Vorgehens und der Interpretation der Ergebnisse. Beide Aspekte erfordern, dass nicht nur die Schlussfolgerungen der Studien konsultiert werden d\u00fcrfen, sondern die detaillierten empirischen Ergebnisse analysiert werden m\u00fcssen. Dadurch unterscheidet sich die vorliegende Metastudie<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>\u00a0der Hochschule Luzern und der Universit\u00e4t Basel von anderen \u00dcbersichtsarbeiten. Die Studie verfolgt daher das Ziel, eine methodisch vertiefte Analyse eines breiten Spektrums von rund 100 publizierten und noch unver\u00f6ffentlichten<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>\u00a0neueren Arbeiten, die im Zusammenhang und im Nachgang zur Spekulationsdebatte der Jahre 2006 bis 2008 entstanden sind, vorzunehmen.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>Das Augenmerk liegt dabei auf Studien, die den Einfluss von Spekulation auf sechs m\u00f6gliche Fokusvariablen untersuchen:<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Rohstoff-Spot- und Futurespreisniveaus oder -trends;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Renditen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Risikopr\u00e4mien;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Futurespreisspreads;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Volatilit\u00e4t;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Spill-over-Effekte zwischen Finanzm\u00e4rkten und Rohstoffpreisen.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDabei ist es wichtig zu erw\u00e4hnen: Die erfassten Studien analysieren nicht nur Lebensmittelpreise oder Agrarrohstoffe, sondern den gesamten Rohstoffbereich, der potenziell durch Spekulation betroffen ist. Hinsichtlich der in der Literatur analysierten Preisdaten ist festzuhalten, dass der Fokus der Rohstoffpreise stets auf den Futuresm\u00e4rkten liegt. Wo Spotpreise analysiert werden, wird meistens der Nearby-Futures-Kontrakt herangezogen.&#13;<\/p>\n<h2><b>Wie Spekulation gemessen wird<\/b><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Begriff der Spekulation \u2013 im Sinne reiner Finanzinvestitionen \u2013 steht weder in der Theorie eindeutig fest, noch k\u00f6nnen die heterogenen Finanzgesch\u00e4fte hinsichtlich ihres spekulativen Charakters klar klassiert werden. Deshalb wird der in den einzelnen Arbeiten verwendete Begriff nicht hinterfragt, sodass grunds\u00e4tzlich eine <i>breite<\/i> Definition zugelassen wird. Dazu geh\u00f6rt, dass insbesondere auch indexierte Finanzgesch\u00e4fte als Spekulation betrachtet werden, was aufgrund ihres \u00f6konomischen Charakters nicht eindeutig ist.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> Allerdings unterscheidet sich der Begriff der Spekulation, wie er in der vorliegenden Literatur untersucht wird, deutlich vom begrifflichen Verst\u00e4ndnis der \u00f6ffentlichen Debatten, wo es h\u00e4ufig um Kursmanipulation, also strafrechtlich relevante Eingriffe in den Preisbildungsmechanismus geht. Diese Aspekte werden in der Metastudie ausgeblendet. Da sich die Messung der Spekulation zwischen den Studien erheblich unterscheidet, werden diese in drei Kategorien unterteilt: Die erste Kategorie schreibt bestimmte empirische Beobachtungen \u2013 wie Strukturbr\u00fcche oder ver\u00e4nderte Korrelationen \u2013 indirekt der Spekulation zu, ohne den Zusammenhang zu begr\u00fcnden. In der zweiten werden Variablen spezifiziert, die stellvertretend f\u00fcr spekulative Aktivit\u00e4t stehen. Beispiele f\u00fcr solche Variablen sind Aktien- oder \u00d6lpreise. Eine direkte Messung erfolgt in der dritten Kategorie, wo explizite Spekulationsmasse zur Anwendung kommen. Diese st\u00fctzen sich beispielsweise auf Positionsdaten wie die Klassifikation der Akteure in H\u00e4ndlergruppen durch die Aufsichtsbeh\u00f6rden oder B\u00f6rsen.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> Die empirischen Ergebnisse, die auf den ersten beiden Gruppen beruhen, lassen keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Verursachung der Spekulation zu. Sie sind beispielsweise ungeeignet zur Identifikation sch\u00e4dlichen Investorenverhaltens, unangemessener Handelspraktiken oder Produktspezifikationen, welche als Grundlage von Anpassungen oder regulatorischen Massnahmen dienen k\u00f6nnten. Dar\u00fcber hinaus verunm\u00f6glichen sie es, R\u00fcckschl\u00fcsse dar\u00fcber zu gewinnen, ob die beobachteten Effekte kausal von der Spekulation, von kommerziellen H\u00e4ndlern oder allenfalls von externen Schocks verursacht werden. F\u00fcr solche Folgerungen ist eine direkte Messung von Spekulation, wie sie in der dritten Gruppe erfolgt, unerl\u00e4sslich.&#13;<\/p>\n<h2><b>Einteilung der Arbeiten in Qualit\u00e4tskategorien<\/b><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZus\u00e4tzlich werden die untersuchten Arbeiten aufgrund einschl\u00e4giger wissenschaftlicher Kriterien in drei grobe Qualit\u00e4tskategorien (A f\u00fcr die beste Qualit\u00e4t sowie B und C) eingeteilt. Die Kriterien sind: methodische Angemessenheit, Klarheit der Datenspezifikation sowie Beurteilungsm\u00f6glichkeit bez\u00fcglich der statistischen und \u00f6konomischen Signifikanz der Resultate. Eine grobe methodische Triage erscheint unerl\u00e4sslich, insbesondere bei \u2013 aber nicht nur wegen \u2013 der Ber\u00fccksichtigung nicht publizierter Arbeiten.&#13;<\/p>\n<h2><b>\u00dcberblicksm\u00e4ssige Auswertung\u00a0<\/b><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus der <i>Tabelle 1<\/i> gehen die Hauptergebnisse der 99 Studien hervor, die insgesamt 126 Untersuchungsgegenst\u00e4nde (nachfolgend mit \u00abUntersuchungen\u00bb bezeichnet) beinhalten. F\u00fcr jede Untersuchung wird beurteilt, ob ein klar oder uneinheitlich<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a>\u00a0verst\u00e4rkender Einfluss der Spekulation gefunden wird \u2013 respektive kein bzw. ein uneinheitlich oder klar abschw\u00e4chender Einfluss. F\u00fcr 34 Untersuchungen kann aus verschiedenen Gr\u00fcnden keine Zuordnung erfolgen, entweder weil die Studien keine Schlussfolgerung zulassen oder die Nachvollziehbarkeit nicht gegeben ist.&#13;<\/p>\n<h3><b>Studienergebnisse zum Einfluss von Spekulation<\/b><\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<table style=\"height: 266px;\" width=\"892\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">&#13;<\/p>\n<thead>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<th valign=\"middle\"><b>Ergebnis-Indikator<\/b><\/th>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\"><b>klar verst\u00e4rkend<\/b><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\"><b>uneinheitlich verst\u00e4rkend<\/b><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\"><b>kein Einfluss<\/b><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\"><b>uneinheitlich abschw\u00e4chend<\/b><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\"><b>klar abschw\u00e4chend<\/b><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\"><b>keine Angaben<\/b><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;\n<\/thead>\n<p>&#13;<\/p>\n<tbody>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<th valign=\"middle\"><b>Anzahl Untersuchungen\u00a0<\/b>(insgesamt 126)<\/th>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\">13<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\">19<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\">29<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\">19<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\">12<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\">34<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<th valign=\"middle\"><b>Untersuchungen mit direkter &shy;Messung<\/b>(insgesamt 61)<\/th>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\">9<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\">4<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\">14<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\">15<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\">10<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td valign=\"middle\">9<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tbody>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/table>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Anmerkung: <\/i>Von 126 Untersuchungen finden 32 (13 + 19) einen verst\u00e4rkenden Einfluss von Spekulation und 31 (19 + 12) einen abschw\u00e4chenden. Von 61 Untersuchungen mit direkter Messung finden 13 (9 + 4) einen verst\u00e4rkenden und 25 (15 + 10) einen abschw\u00e4chenden Einfluss. Quelle: Haase, Seiler, Zimmermann (2015) \/ Die Volkswirtschaft Von den 92 Untersuchungen, bei denen eine Zuordnung m\u00f6glich ist, finden 29 keinen, 32 einen klar oder uneinheitlich verst\u00e4rkenden Effekt und 31 einen uneinheitlichen oder klar abschw\u00e4chenden Einfluss. Somit scheinen die Ergebnisse auf den ersten Blick keine eindeutige Schlussfolgerung zuzulassen. Eine Unterteilung der Auswertungen gem\u00e4ss den Fokusvariablen<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a>\u00a0(hier nicht dargestellt)<a href=\"#footnote_10\" id=\"footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor\">[10]<\/a>\u00a0zeigt, dass sich die meisten Studien mit Preis- (32) und Volatilit\u00e4tseffekten (29) besch\u00e4ftigen, w\u00e4hrend der Einfluss auf Spreads (4) und Risikopr\u00e4mien (9) \u2013 was \u00f6konomisch zumindest ebenso bedeutungsvoll w\u00e4re \u2013 im Hintergrund steht.&#13;<\/p>\n<h2><b>Direkte Messungen mit gr\u00f6sserer Aussagekraft<\/b><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei der genaueren Interpretation der Ergebnisse muss als Erstes die <i>Messmethode<\/i> der Spekulation beachtet werden: Es f\u00e4llt auf, dass bei jenen Untersuchungen, die einen abschw\u00e4chenden Einfluss finden, die Spekulation in 81% der F\u00e4lle direkt gemessen wird, w\u00e4hrend bei den Untersuchungen mit verst\u00e4rkenden Effekten eine direkte Messung in lediglich 41% der F\u00e4lle erfolgt. Dies schm\u00e4lert die Aussagekraft bei letzteren erheblich. Die Ergebnisse werden zudem hinsichtlich <i>\u00f6konomischer Relevanz<\/i> und <i>statistischer Signifikanz<\/i> untersucht. Bei 50% der 32 Untersuchungen, die verst\u00e4rkende Effekte finden, kann keine \u00f6konomische Relevanz dokumentiert werden, bei 14 ein kleiner Einfluss und lediglich bei 2 ein mittlerer bis grosser. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die abschw\u00e4chenden Effekte. Die h\u00f6chste Anzahl von Untersuchungen mit einem statistisch signifikant verst\u00e4rkenden Einfluss der Spekulation findet man bei den Spill-over-Effekten (35% von 20), gefolgt von den Risikopr\u00e4mien (33% von 9) und der Volatilit\u00e4t (24% von 19). Die geringste Anzahl findet man bei den Preiseffekten (16% von 32). Bei den (hier nicht gezeigten) Resultaten f\u00e4llt auf: Gerade unter den h\u00e4ufig diskutierten Agrarprodukten wie Weizen oder Mais werden kaum signifikante Effekte gefunden. Diese treten h\u00e4ufiger bei Baumwolle oder sojabasierten Produkten auf. Beschr\u00e4nkt man sich auf die mit A klassifizierten Untersuchungen, reduziert sich die Auswahl auf 61 Untersuchungen, von denen 22 keinen, 13 einen verst\u00e4rkenden und 23 einen abschw\u00e4chenden Einfluss finden, w\u00e4hrend 3 Untersuchungen nicht zuzuordnen sind. Werden dar\u00fcber hinaus nur jene Untersuchungen ber\u00fccksichtigt, die Spekulation direkt messen, verbleiben 39 Untersuchungen: Davon finden 11 keinen, 7 einen verst\u00e4rkenden und 19 einen abschw\u00e4chenden Einfluss, w\u00e4hrend 2 nicht zuzuordnen sind.&#13;<\/p>\n<h2><b>Schlussfolgerungen<\/b><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWerden methodische Fragen ausgeblendet, gewinnt man den Eindruck, dass die Zahl der Studien, welche abschw\u00e4chende und verst\u00e4rkende oder gar keine Effekte finden, sich etwa die Waage halten. Unter Ber\u00fccksichtigung der Art der Spekulationsmessung sowie der methodischen Angemessenheit, basierend auf einschl\u00e4gigen wissenschaftlichen Kriterien, \u00e4ndert sich das Bild zugunsten abschw\u00e4chender Effekte. Dies gilt auch f\u00fcr den Einfluss auf Spill-over-Effekte und Volatilit\u00e4ten, welche in deutlich mehr F\u00e4llen nachgewiesen wurden als der Einfluss auf Preise. Nicht direkt den vorliegenden Kategorien zuzuordnen sind jene Untersuchungen, wo aufgrund desaggregierter Handelsstatistiken das zyklische Verhalten einer grossen Population von Akteuren analysiert wird. Welche Verhaltensmuster dabei als spekulativ gelten sollen, steht nicht unbedingt im Zentrum dieser Untersuchungen. Viel zentraler scheint: Die Finanzm\u00e4rkte erm\u00f6glichen eine hohe Heterogenit\u00e4t des Verhaltens der Akteure, was letztlich die Voraussetzung eines funktionierenden Rohstoffmarktes ist.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Ausgel\u00f6st wurde die Debatte im deutschsprachigen Raum durch Ingo Pies und Koautoren, welche 35 Studien ausgewertet hatten und zum Schluss gekommen waren, dass die wissenschaftliche Literatur mehrheitlich keine Evidenz f\u00fcr einen sch\u00e4dlichen Einfluss der Spekulation findet. Ihren deutlichsten Niederschlag findet die Rezeption der umfangreichen empirischen Literatur bei Weed (Studie von Markus Henn: Evidence on the Negative Impact of Commodity Speculation by Academics, Analysts and Public Institutions, 10. April 2014), Alliance Sud (Studie von Markus Mugglin im Auftrag von Alliance Sud, M\u00e4rz 2014) oder der Juso Schweiz (Papier: Ist die Finanzspekulation mit Agrarrohstoffen sinnvoll?).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Der vorliegende Beitrag stellt eine erste Auswertung der Metastudie im Rahmen der Kommission f\u00fcr Technologie und Innovation (KTI) des Bundes unter dem Thema \u00abRohstoffinvestitionen\u00bb 2014\u20132016 dar. KTI-Projekt 16864.1PFES-ES.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Es werden (etwa im Unterschied zu Pies et al 2012) ausdr\u00fccklich auch nicht publizierte Arbeiten in die Studie einbezogen, da bei der derzeitigen Debatte zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen durchwegs auch auf unver\u00f6ffentlichte Arbeiten verwiesen wird. Allerdings werden nur unver\u00f6ffentlichte Arbeiten seit 2010 ber\u00fccksichtigt. Zudem ist zu erw\u00e4hnen, dass verschiedene Untersuchungen im Namen von Organisationen (Weltbank, Unctad, EZB u. a.) erschienen sind, bei welchen der Publikationsstatus nicht eindeutig feststeht.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Diese Jahre kennzeichnen den starken Preisanstieg vieler Rohstoffe, v. a. von Nahrungsmitteln, sowie das Wachstum der indexierten Rohstoffinvestitionen. Die meisten der untersuchten Arbeiten wurden deshalb 2009 oder sp\u00e4ter publiziert. Nur sechs Arbeiten, welche eine verwandte Fragestellung mit fr\u00fcheren Daten analysieren, wurden auch ber\u00fccksichtigt, die erste mit Publikationsjahr 2002.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Insgesamt werden 99 Studien ausgewertet. Wenn eine Studie mehrere Fokusvariablen analysiert, wird sie auf mehrere Untersuchungsgegenst\u00e4nde aufgeteilt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Siehe dazu Stoll\/Whaley (2011): Im Unterschied zur klassischen Spekulation sind Indexinvestitionen langfristig, d. h. nicht direktional orientiert und auf Diversifikation ausgerichtet; zudem wiesen sie keine Fremdfinanzierung auf.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Am meisten verbreitet sind die COT-Reports der U.S. Commodity Futures Trading Commission (CFTC).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">\u00abUneinheitlich\u00bb bedeutet, dass in einer (bereits kleinen) Teilmenge von Ergebnissen, z. B. f\u00fcr einzelne Rohstoffe oder Zeitperioden, signifikante Ergebnisse vorliegen.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">Neun Studien k\u00f6nnen keiner einzelnen Gruppe zugeordnet werden, geh\u00f6ren inhaltlich jedoch trotzdem in den Gegenstandsbereich der Metastudie.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_10\" class=\"footnote--item\">Die vollst\u00e4ndige Tabelle kann unter www.hslu.ch\/spekulation-rohstoffpreise eingesehen werden.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Juso-Initiative \u00abKeine Spekulation mit Nahrungsmitteln\u00bb wird das Thema der Rohstoffspekulation nicht zum ersten Mal Gegenstand der \u00f6ffentlichen Debatte. 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Eine Metastudie der Hochschule Luzern und der Universit\u00e4t Basel untersucht rund 100 Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang zwischen \u00adFinanzspekulation und Rohstoffpreisen befassen. Werden methodische Aspekte ber\u00fccksichtigt, zeigt sich: Finanzinvestitionen wirken sich, wenn \u00fcberhaupt, tendenziell abschw\u00e4chend auf Rohstoffpreise aus.","post_hero_image_description":"Finanzinvestition k\u00f6nnen d\u00e4mpfend auf Rohstoffpreise wirken. B\u00f6rsenh\u00e4ndler in New York.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":[{"kasten_title":"Literaturhinweise","kasten_box":"<ul>&#13;\n\t<li>Bass, H.-H. (2013): Finanzspekulation und Nahrungsmittelpreise, IWIM, Universit\u00e4t Bremen.<\/li>&#13;\n\t<li>Br\u00fcmmer B., Korn O., Schl\u00fcssler K., Jaghdani T. und Saucedo A. (2013): Volatility in the After Crisis Period \u2013 A Literature Review of Recent Empirical Research, Ulysses Working Paper Nr. 1, Universit\u00e4t G\u00f6ttingen.<\/li>&#13;\n\t<li>Pies I., Glauben T., Prehn S. und Will M. G. (2012): Alarm or Rather False Alarm? A Literature Review of Empirical Research Studies into Financial Speculation with Agricultural Commodities, IAMO Policy Brief N\u00b0 9, Universit\u00e4t Halle-Wittenberg.<\/li>&#13;\n\t<li>Stoll H. und Whaley R. (2011): Commodity Index Investing: Speculation or Diversification?, Journal of Alternative Investments 14 (Summer), S. 50\u201360.<\/li>&#13;\n<\/ul>"}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":117033,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":117037,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"11324","post_abstract":"","magazine_issue":"20150301","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/54f968f09efa4"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117030"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3601"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117030"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117030\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126948,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117030\/revisions\/126948"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3955"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3954"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3601"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/33842"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=117030"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=117030"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=117030"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=117030"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=117030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}