{"id":117043,"date":"2015-02-02T17:20:24","date_gmt":"2015-02-02T17:20:24","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/02\/une-croissance-economique-selective-et-temporaire\/"},"modified":"2023-08-23T23:15:09","modified_gmt":"2023-08-23T21:15:09","slug":"selektives-und-zeitlich-beschraenktes-wachstum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/02\/selektives-und-zeitlich-beschraenktes-wachstum\/","title":{"rendered":"Selektives und zeitlich beschr\u00e4nktes Wachstum"},"content":{"rendered":"<p>Wachstum muss selektiv und zeitlich beschr\u00e4nkt erfolgen. Zu dieser Einsicht kommen wir, wenn wir nicht durch eine ideologisch gef\u00e4rbte, sondern durch eine rationale Brille schauen.&#13;<\/p>\n<h2>Geld und Kredit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWenn wir die Bedeutung, aber auch die Grenzen des Wirtschaftswachstums erkennen wollen, m\u00fcssen wir die Verbindung zwischen Geld und Kredit verstehen. Vereinfacht gesagt basieren unsere modernen Volkswirtschaften auf einer ununterbrochenen Rezyklierung von Bankkrediten und der damit verbundenen Geldsch\u00f6pfung. Staat und Privatwirtschaft verschulden sich bei den Gesch\u00e4ftsbanken und diese wiederum bei der Zentralbank. Jede Gesch\u00e4ftsbank leiht ihren Kunden in Form von verzinslichen Darlehen ein Vielfaches der \u00abGeldbasis\u00bb, die sie bei der Zentralbank zur Deckung ihrer Zahlungen bezieht. Diese Kreditvergabe der Gesch\u00e4ftsbanken ist das Instrument, das unsere modernen Volkswirtschaften gew\u00e4hlt haben, um je nach Land bis zu 97% des Geldes zu schaffen, das in Form von Buchgeld in Umlauf ist. Dieses zirkuliert durch \u00dcberweisungen zwischen den Wirtschaftsakteuren (Nichtbanken).&#13;<br \/>\nDieses System ist eine st\u00e4ndige Wette auf k\u00fcnftiges Wachstum, denn das Wachstum erm\u00f6glicht es erst, die gew\u00e4hrten Kredite (Kreditsumme und Zinsen) zur\u00fcckzuzahlen und das Alltagsleben zu finanzieren. Das wichtigste \u2013 und manchmal einzige \u2013 Kriterium f\u00fcr die Vergabe von Krediten ist eine m\u00f6glichst hohe Rendite f\u00fcr die Bank. Somit muss das verschuldete Unternehmen mit seinem k\u00fcnftigen Umsatzwachstum daf\u00fcr sorgen, dass es die gesamten Verbindlichkeiten inklusive Zinsen zur\u00fcckzahlen kann. In unserer Volkswirtschaft ist nur deshalb Geld in Umlauf, weil gen\u00fcgend Banken Jahr f\u00fcr Jahr damit rechnen, dass die meisten Schuldner in der Lage sein werden, mehr als den bezogenen Kredit zur\u00fcckzuzahlen. Somit besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Geldsch\u00f6pfung der Banken und dem Nominalwachstum der Unternehmen. L\u00f6hne, Sozialleistungen und andere Einnahmen, die uns mit gen\u00fcgend finanziellen Mitteln versorgen, um den Alltag problemlos zu meistern und alles Notwendige zu kaufen (von medizinischen Leistungen \u00fcber H\u00e4user bis zu Aktien), sind eigentlich rezyklierte Bankkredite. Eine solche Erneuerung ist jedoch nur m\u00f6glich, wenn auch die Zinsen auf die Kredite bezahlt werden. Das funktioniert nur so lange, wie die T\u00e4tigkeit der Schuldner expandiert.&#13;<\/p>\n<h2>Selektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInnerhalb dieses Systems w\u00e4re es grunds\u00e4tzlich denkbar, dass die Banken konsequent selektiv vorgehen. Sie k\u00f6nnten Unternehmen, Branchen und Kreditlaufzeiten nach strengen Kriterien so ausw\u00e4hlen, dass das geschaffene Wachstum den Bed\u00fcrfnissen der Allgemeinheit entspricht. Die Entscheidungstr\u00e4ger der \u00f6ffentlichen Hand\u00a0\u2013 St\u00e4dte, Kantone, Regionen, Staaten, supra- und internationale Organisationen\u00a0\u2013 k\u00f6nnten zudem klare und verbindliche Priorit\u00e4ten und Kriterien dar\u00fcber festlegen, in welche Richtung das Wirtschaftswachstum gehen soll. Denn der Zyklus \u00abKredit\u00a0\u2013 Verschuldung \u2013 Wachstum\u00bb existiert zwar tats\u00e4chlich. Keineswegs in Stein gemeisselt ist jedoch, dass er unterschiedslos s\u00e4mtliche T\u00e4tigkeiten umfassen muss. Was in einer Volkswirtschaft wie stark und wie lange wachsen soll, bevor Stagnation und R\u00fcckgang folgen, k\u00f6nnen wir gemeinsam selber bestimmen.&#13;<br \/>\nDer Mechanismus der Geldsch\u00f6pfung durch verzinsliche Bankschulden ist gleichzeitig n\u00fctzlich und gef\u00e4hrlich: n\u00fctzlich deshalb, weil er es den Banken erm\u00f6glicht, das Wachstum dort zu begleiten, wo sie es f\u00fcr besonders lukrativ halten. Gef\u00e4hrlich ist der Mechanismus, weil die in Gang gesetzte \u00abWachstumsspirale\u00bb in den betroffenen Branchen oder Unternehmen stets auch eine gewisse Unbeweglichkeit mit sich bringt: Sowohl die Bank als auch der Schuldner sind n\u00e4mlich daran interessiert, dass dieser seine T\u00e4tigkeit weiterf\u00fchrt oder ausbaut. Deshalb ist der Einfluss der Geldsch\u00f6pfung durch Bankkredite auf die Ausrichtung und die Art des Wachstums nicht zu untersch\u00e4tzen.&#13;<\/p>\n<h2>Kreditvergabe nach Rendite-Risiko-Verh\u00e4ltnis<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nHeute wird bei der Vergabe von Bankkrediten \u2013 und somit auch bei der Ausrichtung des Wirtschaftswachstums \u2013 nicht selektiv vorgegangen. Hauptkriterium ist die Rentabilit\u00e4t der finanzierten Projekte im Verh\u00e4ltnis zu den damit verbundenen Risiken. Die Gewinnmaximierung ist jedoch nicht der einzige Aspekt, der eine Rolle spielt. Der Bankensektor muss sich n\u00e4mlich an aufsichtsrechtliche Vorschriften halten, die in der Schweiz oder international gelten und die Stabilit\u00e4t des Bankensektors gew\u00e4hrleisten sollen. Diese Vorschriften setzen den Banken Grenzen bei den eingegangenen Risiken und stellen Mindestanforderungen an ihre Liquidit\u00e4t. Sie geben somit einen Rahmen f\u00fcr die Art des Wachstums vor, das eine Bank mit ihren Leistungen unterst\u00fctzen darf.&#13;<br \/>\nDiese aufsichtsrechtlichen Vorschriften wirken sich zwar massgeblich auf die Rentabilit\u00e4t der Banken aus und sind deshalb auch Zielscheibe von intensivem Lobbying, sie geben aber keine pr\u00e4zise, selektive \u00abWirtschaftslandschaft\u00bb vor. De facto werden im geltenden System der Geldsch\u00f6pfung s\u00e4mtliche T\u00e4tigkeiten als kreditw\u00fcrdig erachtet, die gen\u00fcgend Gewinn versprechen. Somit d\u00fcrfen alle T\u00e4tigkeiten zeitlich unbeschr\u00e4nkt wachsen, f\u00fcr die eine Nachfrage besteht, die so lukrativ und solvent ist, dass die Kredite zur\u00fcckgezahlt und erneuert werden k\u00f6nnen. Die einzige Beschr\u00e4nkung f\u00fcr das Wachstum eines Unternehmens oder einer Branche ist unter diesem Blickwinkel die Dauer, \u00fcber die ein Unternehmen unter Ber\u00fccksichtigung der eingegangenen Risiken Gewinn erwirtschaftet. Implizit wird dabei angenommen, dass die maximale Rentabilit\u00e4t des Bankensektors (unter Voraussetzung eines optimalen Risikomanagements) so lange gew\u00e4hrleistet ist, wie eine gen\u00fcgend grosse Nachfrage der Konsumenten nach dem Produkt eines Unternehmens besteht.&#13;<\/p>\n<h2>Selbstverst\u00e4rkendes Wachstum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine solvente Nachfrage ist dann vorhanden, wenn die Konsumenten ihre Ausgaben finanzieren k\u00f6nnen, sei dies durch Einkommen (Lohn, Kapitalertr\u00e4ge, Sozialleistungen) oder durch Kredite. Diese Eink\u00fcnfte fallen nur regelm\u00e4ssig an, wenn die Wirtschaft als Ganzes, also ohne selektive Unterscheidung und Auswahl, gen\u00fcgend kr\u00e4ftig w\u00e4chst. Wichtig ist daf\u00fcr, dass Unternehmen und Staaten weiterhin m\u00f6glichst vielen Personen einen Lohn bezahlen k\u00f6nnen. Alle aktuellen und k\u00fcnftigen Wirtschaftst\u00e4tigkeiten sind von der Verf\u00fcgbarkeit finanzieller Mittel abh\u00e4ngig, d.\u2009h. von ausreichenden Krediten und zuverl\u00e4ssigen Wachstumsprognosen. Weil die gesamte Wirtschaft involviert ist, bleibt das Bruttoinlandprodukt (BIP), eine nicht selektive makro\u00f6konomische Gr\u00f6sse, der wichtigste Indikator f\u00fcr den allgemeinen Wohlstand.&#13;<br \/>\nEin steigendes oder \u2013 noch besser \u2013 ein immer kr\u00e4ftiger wachsendes BIP sorgt daf\u00fcr, dass keine schmerzhaften politischen Entscheidungen gef\u00e4llt werden m\u00fcssen: Die Steuereinnahmen wachsen ebenso wie die Einkommen nach Steuern, womit sich schwierige Abw\u00e4gungen er\u00fcbrigen. Alle gewinnen, denn wenn die einen mehr erhalten, geht dies nicht auf Kosten anderer. Konsensl\u00f6sungen finden sich leichter, und der soziale Friede stellt sich wie von selber ein. Alles beruht derzeit auf der impliziten Hypothese, dass die Wertsch\u00f6pfung fortw\u00e4hrend w\u00e4chst und der Mehrertrag auf Arbeit und Kapital aufzuteilen ist. Trotz grunds\u00e4tzlicher, struktureller Uneinigkeiten zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverb\u00e4nden \u00fcber den gerechten Verteilschl\u00fcssel herrscht ein breiter Konsens, dass Wachstum notwendig und w\u00fcnschbar sei. Denn stetig h\u00f6here Prim\u00e4reinkommen erm\u00f6glichen insbesondere, das Steuersubstrat zu erhalten oder sogar zu erweitern. Das gilt auch f\u00fcr die sekund\u00e4ren Einkommen aus Umverteilungsmechanismen.&#13;<\/p>\n<h2>Stetes Wachstum hat seinen Preis<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Bankensektor ist nur dann langfristig rentabel, wenn zur\u00fcckgezahlte Kredite unabl\u00e4ssig durch neue ersetzt werden. Wenn gleichzeitig zu viele Schuldner zahlungsunf\u00e4hig werden, kann das BIP stagnieren oder sogar schrumpfen, wie dies zwischen 2007 und 2009 der Fall war. Die Banken sind dann weniger gut in der Lage, neue Kredite auszugeben; die Unternehmen investieren zur\u00fcckhaltender, und die Innovation wird ged\u00e4mpft. Die Kapazit\u00e4t der Unternehmen, neues Personal einzustellen und Steuern zu zahlen, geht zur\u00fcck. Dies schl\u00e4gt sich auf das Wachstum der Einkommen nieder \u2013 und somit auf Konsum und Sparen.&#13;<br \/>\nDiese gegenseitige Abh\u00e4ngigkeit der Wirtschaftsakteure macht Wachstum zum politischen Gebot. S\u00e4mtliche Sektoren m\u00fcssen wachsen, da sie sich auf den Ertrag aus Arbeit und Kapital auswirken. Wachstum f\u00fchrt zudem zu steigenden Steuereinnahmen. Das st\u00e4rkt \u2013 wegen des Umverteilungseffekts \u2013 die Kaufkraft der Haushalte. Insbesondere die verschuldeten Haushalte profitieren stark davon. Dadurch wird verhindert, dass das unbewegliche System stagniert oder sogar einbricht. Dass das BIP w\u00e4chst, ist somit in unseren Volkswirtschaften grunds\u00e4tzlich zwingend. Wir befinden uns \u2013 kurz gesagt \u2013 in einem System, das \u00abWachstum um jeden Preis\u00bb erfordert.&#13;<\/p>\n<h2>Grenzkosten \u00fcberwiegen Grenznutzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund dieses Systems stehen wir heute vor menschlichen, gesellschaftlichen und \u00f6kologischen Problemen, die angesichts empirischer Fakten kaum zu leugnen sind. Zahlreiche sozialpsychologische Studien zeigen, dass der unserem System eigene Wachstumsdruck nicht bewirkt, dass die Menschen entsprechend gl\u00fccklicher werden. Bereits ab einem relativ bescheidenen Niveau von materiellem Wohlstand \u00fcberwiegen die Kosten des Wachstums die zus\u00e4tzliche Lebensqualit\u00e4t bei Weitem:&#13;<br \/>\nDie menschlichen Kosten sind eine Folge des erbitterten Kampfs um Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Produktivit\u00e4t, da die Unternehmen kontinuierlich mehr verdienen m\u00fcssen, um ihre Kredite zur\u00fcckzuzahlen. Dies f\u00fchrt trotz steigendem BIP zu einer \u00dcberbelastung bei den Erwerbst\u00e4tigen und zu Frustration bei den Arbeitslosen.&#13;<br \/>\nDie gesellschaftlichen und \u00f6kologischen Kosten ergeben sich daraus, dass nat\u00fcrliche Ressourcen zunehmend ausgebeutet und verbraucht werden. Trotz effizienterer Nutzung sind die Anzeichen einer \u00f6kologischen Knappheit immer beunruhigender. Die viel beschworene \u00abEntkopplung\u00bb zwischen der Produktion von G\u00fctern und Dienstleistungen und dem Konsum von Ressourcen ist bestenfalls relativ. Langfristig gen\u00fcgt dies nicht, um die Biosph\u00e4re, von der alles menschliche Leben abh\u00e4ngt, zu sch\u00fctzen. Ein nicht selektives, zeitlich unbegrenztes \u00abgr\u00fcnes\u00bb Wachstum kann diesen Trend zwar verlangsamen. L\u00e4ngerfristig werden aber dieselben Probleme auftreten, wenn die Weltbev\u00f6lkerung weiter stark zunimmt. Die Ausbeutung der Ressourcen und die Verschmutzung von Boden und Wasser werden voranschreiten \u2013 trotz mehr Effizienz und \u00absauberer\u00bb Techniken.&#13;<\/p>\n<h2>Wachstum b\u00e4ndigen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus diesen Erkenntnissen ergeben sich gewisse Schlussfolgerungen. Einerseits sollten die Banken bei der Kreditvergabe wesentlich selektiver vorgehen. Dazu m\u00fcssen sie ihre Gesch\u00e4ftsmodelle in Richtung der Strategien \u00e4ndern, an denen sich bereits heute sozial und nachhaltig ausgerichtete Banken wie die Alternative Bank Schweiz orientieren.&#13;<br \/>\nStaatliche Entscheidungstr\u00e4ger und Regulierungsbeh\u00f6rden m\u00fcssten klare, verbindliche Priorit\u00e4ten und Kriterien zur qualitativen Ausrichtung des Wirtschaftswachstums festlegen. Die Banken k\u00f6nnten dann die Kredite und damit das Wachstum in Sektoren kanalisieren, die st\u00e4rker auf Qualit\u00e4t als auf Quantit\u00e4t setzen, ohne diese jedoch zu zwingen, l\u00e4nger wachsen zu m\u00fcssen, als es die nat\u00fcrlichen und menschlichen Grenzen zulassen.&#13;<br \/>\nDamit diese Sektoren bis zur Reife wachsen und gen\u00fcgend verkaufen k\u00f6nnen, m\u00fcssten die Prim\u00e4reinkommen teilweise von Arbeit und Kapital entkoppelt werden. Dies k\u00f6nnte grunds\u00e4tzlich auf zwei Arten geschehen:&#13;<br \/>\ndurch ein bedingungsloses Grundeinkommen, das j\u00e4hrlich \u00fcber eine einzig auf diesen Zweck begrenzte, zinslose staatliche Geldsch\u00f6pfung finanziert w\u00fcrde;&#13;<br \/>\noder durch zus\u00e4tzliches Geld, das bei Transaktionen zwischen Unternehmen und Privatpersonen in Form von zinslosen, \u00abgegenseitigen Krediten\u00bb (Mutual Credit) anstelle der heute \u00fcblichen verzinslichen Bankkredite ausgegeben w\u00fcrde.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSchliesslich m\u00fcsste unsere Gesellschaft in Lehrpl\u00e4nen und Erziehung vermehrt eine Kultur der \u00abGen\u00fcgsamkeit\u00bb vermitteln. Dann k\u00f6nnten sich Banken, Unternehmen und die Bev\u00f6lkerung mit weniger Gewinn und Konsum zufriedengeben als heute. Allenfalls w\u00e4re eine Reduktion der gesetzlich verankerten Arbeitszeit zu erw\u00e4gen, kombiniert mit einer Plafonierung der Produktivit\u00e4t.&#13;<\/p>\n<h2>Vereinbarkeit von Wachstum und Endlichkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNur wenn diese Punkte ber\u00fccksichtigt werden, ist Wachstum grunds\u00e4tzlich sinnvoll. Mit anderen Worten: Einzig ein selektives, zeitlich begrenztes mikro\u00f6konomisches Wachstum ist vereinbar mit einer Gesellschaft, die sich makro\u00f6konomisch der nat\u00fcrlichen und menschlichen Grenzen bewusst ist. Wachstum an sich ist nicht negativ, kann es aber werden, wenn es \u2013 wie in der aktuellen Logik der kontinuierlichen Verschuldung und des unbeschr\u00e4nkten Wachstumszwangs \u2013 zum alleinigen Ziel des Wirtschaftssystems erkl\u00e4rt wird.&#13;<br \/>\nZwar k\u00f6nnen wir auch den Weg des nicht selektiven, unabl\u00e4ssigen Wachstums blind weitergehen und die nat\u00fcrlichen und menschlichen Grenzen noch st\u00e4rker ausreizen. Dabei setzen wir uns jedoch zunehmenden Gefahren aus \u2013 insbesondere durch immer h\u00e4ufigere Asset-Preisblasen. In diesem Fall werden wir keine Wahl mehr haben, als das mikro\u00f6konomische Wachstum selektiver zu gestalten, zumal ein makro\u00f6konomischer, globaler Wachstumsstopp unausweichlich sein wird. W\u00e4re es nicht kl\u00fcger, Ver\u00e4nderungen einzuleiten, solange die Zeit noch nicht so gnadenlos dr\u00e4ngt?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wachstum muss selektiv und zeitlich beschr\u00e4nkt erfolgen. Zu dieser Einsicht kommen wir, wenn wir nicht durch eine ideologisch gef\u00e4rbte, sondern durch eine rationale Brille schauen.&#13; Geld und Kredit &#13; Wenn wir die Bedeutung, aber auch die Grenzen des Wirtschaftswachstums erkennen wollen, m\u00fcssen wir die Verbindung zwischen Geld und Kredit verstehen. 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In der Biologie besteht ein Lebenszyklus aus drei Phasen: Wachstum, Reife und Abbau. Somit ist das Wachstum nur ein Teil des Zyklus. Die Natur geht in der Frage, was sich entwickeln soll, selektiv vor \u2013 sowohl r\u00e4umlich als auch zeitlich. Dass die B\u00e4ume in den Himmel wachsen, ist bekanntlich ein Wunschtraum. Trotzdem entspricht ein grenzenloses Wachstum weiterhin der Idealvorstellung vieler einflussreicher Pers\u00f6nlichkeiten in Politik und Wirtschaft. Weshalb ist dies so? Und wie k\u00f6nnen wir das aktuelle System \u00e4ndern, ohne auf Wachstum grunds\u00e4tzlich verzichten zu m\u00fcssen?","post_hero_image_description":"Moderne Volkswirtschaften basieren auf fortlaufend rezyklierten Bankkrediten. 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