{"id":117097,"date":"2015-01-22T13:25:16","date_gmt":"2015-01-22T13:25:16","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/01\/positive-effekte-einer-vollstaendigen-stommarktoeffnung\/"},"modified":"2023-08-23T23:15:49","modified_gmt":"2023-08-23T21:15:49","slug":"positive-effekte-einer-vollstaendigen-stommarktoeffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/01\/positive-effekte-einer-vollstaendigen-stommarktoeffnung\/","title":{"rendered":"Positive Effekte einer vollst\u00e4ndigen Stommarkt\u00f6ffnung"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-title\"><a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/01\/meister.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-22186\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/01\/meister.jpg\" alt=\"meister\" width=\"798\" height=\"564\" \/><\/a><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"article-title\">\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"article-title\"><span class=\"text__legend\">Eine vollst\u00e4ndige Strommarkt\u00f6ffnung in der Schweiz f\u00fchrt nicht generell zu tieferen Preisen bei den Endverbrauchern. Hingegen ist mit einer st\u00e4rkeren Konvergenz der Energietarife zu rechnen. Keystone<\/span><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"article-title\">Strom aus der Steckdose ist ein homogenes Gut. Bei seiner Nutzung lassen sich durch den Endverbraucher keine Qualit\u00e4tsunterschiede feststellen. Die Mikro\u00f6konomie l\u00e4sst daher einen hohen Grad an Preiswettbewerb erwarten: Konsumenten w\u00e4hlen den Anbieter mit dem tiefsten Preis. In der Praxis l\u00e4sst sich dies nur teilweise feststellen. Erfahrungen aus Europa zeigen, dass die Kunden h\u00e4ufig bei ihrem bisherigen Versorger bleiben. 2013 wechselten nur gerade knapp 6% der Haushalte in der EU-28 ihren Anbieter. <a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>\u00a0Daraus l\u00e4sst sich aber keineswegs schliessen, dass Stromverbraucher grunds\u00e4tzlich tr\u00e4ge sind und ihrem Versorger quasi freiwillig Preissetzungsspielraum einr\u00e4umen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Erfahrungen im ge\u00f6ffneten europ\u00e4ischen Strommarkt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGenerell zeigen die Erfahrungen, dass die Wechselraten h\u00f6her sind, je l\u00e4nger ein Markt liberalisiert ist und je gr\u00f6sser die Einsparpotenziale sind. Die Einsparpotenziale beziehen sich dabei auf die Energie im Gesamttarif der Stromrechnung. Weil die Energie im europ\u00e4ischen Durchschnitt nur etwa 40% der Stromrechnung ausmacht (der Rest besteht aus Netz und Abgaben), f\u00fchren tiefere Energiepreise zu einer unterproportionalen Senkung des Rechnungsbetrags. Dies wird durch die wachsende Abgabenlast akzentuiert: Trotz sinkender Grosshandelspreise sind die Gesamttarife f\u00fcr Haushalte seit 2007 etwa in Deutschland, Frankreich und Italien fast kontinuierlich gestiegen (siehe Grafik 1).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/01\/meistergrafik.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-22187\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/01\/meistergrafik.jpg\" alt=\"meistergrafik\" width=\"786\" height=\"646\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr einen Haushalt sind jedoch die absoluten Einsparm\u00f6glichkeiten ausschlaggebend. Und diese werden durch die H\u00f6he des Stromverbrauchs und den Tarif f\u00fcr die Energie bestimmt. Verbraucher mit Elektroheizung oder elektrisch betriebener W\u00e4rmepumpe ben\u00f6tigen mehr Strom in ihrem Energiemix als etwa ein Haushalt mit \u00d6l- oder Gasheizung. Wegen des h\u00f6heren Anteils Energiekosten in ihrer Stromrechnung sind bei ihnen Preissensitivit\u00e4t und Bereitschaft zum Anbieterwechsel tendenziell h\u00f6her, da die m\u00f6glichen Einsparungen eher allf\u00e4llige Wechselkosten \u00fcbertreffen. 2013 lagen bei europ\u00e4ischen Haushalten mit einem Jahresverbrauch von 4000 kWh die m\u00f6glichen j\u00e4hrlichen Einsparungen durch Anbieterwechsel (vom Standardversorger zum g\u00fcnstigsten Anbieter) zwischen 16 Euro (Griechenland) und 378 Euro (Deutschland). Die Kundenwechselrate war in Griechenland praktisch null; in Deutschland betrug sie 6%. In Portugal dagegen erreichte sie einen Wert von 27%, obschon das Einsparpotenzial nur etwa 50 Euro betrug. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr Italien (8%, 50 Euro). Die hohe Preissensitivit\u00e4t in den beiden L\u00e4ndern d\u00fcrfte nicht zuletzt eine Folge der Wirtschaftskrise sein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSowohl tiefe Wechselraten als auch geringe Einsparpotenziale m\u00fcssen nicht zwingend die Folge eines Mangels an Wettbewerb sein. Im Gegenteil: Sie k\u00f6nnten theoretisch auch auf eine besonders ausgepr\u00e4gte Konkurrenz hinweisen, bei der die Energietarife aller Anbieter in Richtung ihrer Grenzkosten tendieren, also gegen das Niveau der Grosshandelspreise (Bertrandwettbewerb). Die tiefen Preisunterschiede bei den Anbietern schm\u00e4lern dann die Anreize, den Anbieter zu wechseln. Umgekehrt kann es auch in einem wettbewerblichen Markt gewisse Preisdifferenzen geben. Solche sind vor allem dann m\u00f6glich, wenn es den Anbietern gelingt, ihr Produkt zu differenzieren und mit einem Mehrwert zu vermarkten (siehe Kasten 1).&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Heterogene Stromtarife in der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweizer Strompreise sind im landesweiten Vergleich durch ausserordentlich grosse Differenzen gepr\u00e4gt. Der Energietarif f\u00fcr einen mittleren Haushalt (Kategorie H4: 4500 Kilowattstunden pro Jahr; 5-Zimmer-Wohnung mit Elektroherd und Tumbler) liegt etwa zwischen 1 und 12 Rappen pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Am Spotmarkt wurden Grund- und Spitzenlast f\u00fcr das Marktgebiet Schweiz 2013 bei 5,5 bzw. 6,8 Rappen gehandelt, in den ersten elf Monaten 2014 bei 4,4 bzw. 5,3 Rappen. Die Differenzen bei den Haushaltstarifen sind ein Resultat des fehlenden Marktes. W\u00e4hrend einzelne Gemeindeversorgungen in Bergkantonen Ertr\u00e4ge aus Wasserzinsen \u00fcber g\u00fcnstigere Energietarife an ihre Kunden weitergeben und diese faktisch subventionieren, bezahlen Verbraucher in anderen Regionen im Regime der Gestehungskostenregulierung \u00fcberdurchschnittlich hohe Tarife. Versorger k\u00f6nnen allf\u00e4llige h\u00f6here Kosten eigener oder beschaffter Produktion an die Endkunden \u00fcberw\u00e4lzen. Da die Gestehungskosten heimischer Wasser- und Kernkraft derzeit oft \u00fcber den Preisen im Stromgrosshandel liegen, bezahlen die in der Grundversorgung \u00abgefangenen\u00bb kleinen Kunden tendenziell einen Zuschlag.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine vollst\u00e4ndige Strommarkt\u00f6ffnung in der Schweiz w\u00fcrde daher nicht generell zu tieferen Preisen bei den Endverbrauchern f\u00fchren. Hingegen ist mit einer st\u00e4rkeren Konvergenz der Energietarife zu rechnen. Das Ausmass der Tarifver\u00e4nderung h\u00e4ngt wesentlich vom bisherigen Gesch\u00e4ftsmodell des Versorgers ab. In vielen F\u00e4llen beschafft dieser bereits heute die Energie am Markt und gibt Preisvorteile an seine Kunden weiter. Tarifsenkungen d\u00fcrften sich am ehesten bei vertikal integrierten Versorgern mit eigener, teurer Produktion manifestieren. Allerdings sinken die Energietarife auch im Wettbewerb nicht g\u00e4nzlich auf das Niveau des Grosshandelspreises. Schliesslich beinhalten sie nicht nur die Kosten f\u00fcr die Energie, sondern auch jene f\u00fcr die Beschaffungs- und Vertriebsprozesse sowie einen Gewinnaufschlag, der bei geringer Wechselbereitschaft der Kunden tendenziell gr\u00f6sser ist. Ein Vergleich mit Deutschland zeigt, dass die Energietarife (Endverbrauchertarif exkl. Netz und Abgaben) f\u00fcr Haushalte in Bern auf einem \u00e4hnlichen Niveau sind wie jene im liberalisierten deutschen Markt (siehe Grafik 1). Wie in Deutschland d\u00fcrften auch Schweizer Kunden eine relativ geringe Wechselbereitschaft aufweisen \u2013 besonders zu Beginn der Markt\u00f6ffnung. Der Effekt wird durch den etwas h\u00f6heren Wohlstand in der Schweiz eher verst\u00e4rkt. Umgekehrt ist der durchschnittliche Stromverbrauch der Haushalte h\u00f6her als in Deutschland, wodurch h\u00f6here Einsparpotenziale entstehen. In eine \u00e4hnliche Richtung weist die wachsende Verbreitung von W\u00e4rmepumpen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAllerdings sind tiefere Endverbrauchertarife nicht das prim\u00e4re Ziel einer Liberalisierung. <a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>\u00a0Schliesslich sind zu tiefe, subventionierte Preise volkswirtschaftlich ebenso sch\u00e4dlich wie \u00fcberh\u00f6hte Monopoltarife. Sie schm\u00e4lern Investitions- und Effizienzanreize und schaffen ungewollte Umverteilung. Warum sollten grosse Stromverbraucher \u00fcber einen zu g\u00fcnstigen Tarif belohnt werden? Die vollst\u00e4ndige Liberalisierung korrigiert verzerrte Preissignale, die heute aufgrund der bestehenden Zweiteilung des Marktes existieren. Wegen des wachsenden Anteils fluktuierender erneuerbarer Energie wird zudem eine Flexibilisierung des Konsums als Beitrag zur Systemstabilit\u00e4t immer wichtiger. Voraussetzung daf\u00fcr sind aber nicht nur smarte Technologien, sondern ebenso smarte Tarifmodelle. Und diese wiederum m\u00fcssen eng an die Spotmarktpreise gekoppelt werden (z. B. Real-Time-Pricing). Das aber setzt zwingend voraus, dass auch kleine Verbraucher Zugang zum Markt erhalten.&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Unbegr\u00fcndete Angst vor \u00abschmutzigem\u00bb Strom<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVor dem Hintergrund der tiefen Preise im europ\u00e4ischen Grosshandel bef\u00fcrchten viele Politiker und Umweltverb\u00e4nde eine Zunahme des Imports von \u00abschmutzigem\u00bb Strom und damit eine Gefahr f\u00fcr die im Inland politisch beschlossene Energiewende (siehe Kasten 2). Etwas verk\u00fcrzt ausgedr\u00fcckt, glauben sie, dass Verbraucher durch die Liberalisierung preissensitiver werden und als g\u00fcnstigsten Anbieter ein Kohlekraftwerk im Ausland w\u00e4hlen. Der h\u00f6here Verbrauch an ausl\u00e4ndischem Kohlestrom verdr\u00e4ngt gem\u00e4ss dieser Vorstellung das \u00absaubere\u00bb, aber teurere Angebot der inl\u00e4ndischen Anbieter. Das ist falsch: Aufgrund der tiefen Grenzkosten von Wasser- und Kernkraftwerken produzieren diese Anlagen bei praktisch jedem (positiven) Preis. Tiefere Grosshandelspreise schm\u00e4lern daher nicht die Produktionsanreize, sondern reduzieren einzig den Deckungsbeitrag. W\u00fcrden die Verbraucher aufgrund der Markt\u00f6ffnung tats\u00e4chlich mehr Strom im Ausland einkaufen, dann w\u00fcrden Schweizer Produzenten ihre Energie exportieren. Die vollst\u00e4ndige Liberalisierung hat deshalb weder einen Einfluss auf die Produktion im Inland noch auf die Importe. Hingegen w\u00fcrden Schweizer Anbieter (und damit auch die Produzenten) durch den Wettbewerb gezwungen, ihre Energie den Endverbrauchern zu tieferen, am (europ\u00e4ischen) Grosshandel orientierten Preisen abzurechnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDaraus l\u00e4sst sich ableiten, dass die vollst\u00e4ndige Liberalisierung per se die Handelsstr\u00f6me nicht beeinflusst. Nach wie vor bestimmt in erster Linie die (technische) Verf\u00fcgbarkeit der Kern- und vor allem der Wasserkraftwerke den Importbedarf: Wenn im Sommer die Produktion der Wasserkraftwerke gross ist, exportiert die Schweiz; im Winter dagegen ist das Land auf Importe angewiesen. Eine von verschiedener Seite geforderte Besteuerung von Stromimporten w\u00fcrde daran nichts Grundlegendes \u00e4ndern. Auswirkungen h\u00e4tte dies vor allem auf das Preisniveau im Schweizer Markt. Eine als Lenkungssteuer getarnte Importabgabe h\u00e4tte h\u00f6here Grosshandelspreise zur Folge, was bestehenden inl\u00e4ndischen Kraftwerken Renten bescheren w\u00fcrde. Daneben w\u00fcrde eine Importabgabe die Effizienz des Handels beeintr\u00e4chtigen und gar perverse Produktions- und Investitionsanreize vermitteln.&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Investitionsanreize haben wenig mit Liberalisierung zu tun<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMan k\u00f6nnte einwenden, dass die tiefen Preise im Stromgrosshandel die Anreize reduzieren, im Inland in zus\u00e4tzliche erneuerbare Energien zu investieren. Das trifft zwar zu, doch hat dieses Argument nichts mit dem Grad der Strommarktliberalisierung zu tun, sondern mit den tiefen Grosshandelspreisen. Auch ohne Liberalisierung w\u00fcrden die tiefen europ\u00e4ischen Preise die Investitionsanreize im Inland ausschalten. Ein einfaches Gedankenspiel illustriert dies: Kann ein angenommener Schweizer Monopolist den Preis gegen\u00fcber den Verbrauchern nach Belieben bestimmen, dann w\u00e4hlt er den gewinnmaximierenden Monopolpreis. Selbst dann hat er Anreize, seine Kosten so tief als m\u00f6glich zu halten, um den Gewinn zu maximieren. Kann er zwischen teuren eigenen Investitionen und g\u00fcnstiger Beschaffung im Ausland w\u00e4hlen, wird er sich f\u00fcr die zweite Variante entscheiden. Das bedeutet, dass in erster Linie der Preis im Grosshandel die Investitionsanreize im Inland bestimmt. Will die Politik unbedingt \u00absaubere\u00bb inl\u00e4ndische Stromerzeugung f\u00f6rdern, dann braucht es unabh\u00e4ngig vom Grad der Liberalisierung ein F\u00f6rderinstrument. Wenig geeignet sind Subventionen oder landesspezifische Lenkungssteuern auf Produktion und Import, da sie Wettbewerb, Handel und Produktionsanreize verzerren. Weniger problematisch sind Lenkungssteuern bei Verbrauchern \u2013 sie f\u00fchren zu einem \u00e4hnlichen Resultat wie das von Avenir Suisse als Alternative zur Kostendeckenden Einspeiseverg\u00fctung (KEV) vorgeschlagene Quotenmodell. <a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Markt und Innovation<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch im Strommarkt geht die Liberalisierung mit Effizienz- und Wohlfahrtsgewinnen einher. Grunds\u00e4tzlich gilt, dass solche positiven Effekte umso gr\u00f6sser sind, je konsequenter und marktn\u00e4her die Reformen sind. W\u00e4hrend die Markt\u00f6ffnung f\u00fcr Grossverbraucher in jedem Fall als wichtiges Element einer Liberalisierung angesehen wird, besteht bei der Ausdehnung auf kleine Verbraucher zum Teil Skepsis. <a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>\u00a0Transaktionskosten und die geringe Wechselbereitschaft k\u00f6nnten \u2013 so die Bef\u00fcrchtung \u2013 die Vorteile f\u00fcr Haushalte schm\u00e4lern. Doch zeigen j\u00fcngere internationale Erfahrungen, dass auch kleine Verbraucher vermehrt von der M\u00f6glichkeit des Marktzugangs und damit verbundenen Kosteneinsparungen Gebrauch machen. Neue Technologien machen Tarifvergleiche und den Anbieterwechsel wesentlich einfacher. Daneben entwickeln sich nur in einem offenen Markt smarte Produkte und Tarifmodelle, deren Relevanz im Hinblick auf den wachsenden Anteil fluktuierender und dezentral produzierter Energie im System zunimmt.&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Differenzierungsstrategien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGerade weil Strom im technischen Sinn ein homogenes Gut darstellt, ist f\u00fcr die Energieversorger eine Differenzierungsstrategie schwierig. Beispielsweise kann der Anbieter A seinen Kunden keine h\u00f6here Versorgungssicherheit (zu einem entsprechend h\u00f6heren Tarif) anbieten als der Anbieter B, dessen Kunden am selben Verteilnetz angeschlossen sind. Verbreitet sind dagegen Stromprodukte, die nach ihrer Umweltvertr\u00e4glichkeit differenziert werden (Gr\u00fcnstrom). Obschon Befragungen h\u00e4ufig auf eine relativ hohe Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr \u00absauberen Strom\u00bb hinweisen, liegt die tats\u00e4chliche durchschnittliche Zahlungsbereitschaft bei den Konsumenten weit tiefer (vgl. z. B. Andor et al. 2014). Auf das beschr\u00e4nkte Produkt- bzw. Preisdifferenzierungspotenzial weisen zudem die tiefen Preise f\u00fcr Herkunftsnachweise (HKN), die einen separaten Handel des \u00fcber den Energiepreis hinausgehenden \u00abgr\u00fcnen Mehrwerts\u00bb an der B\u00f6rse m\u00f6glich machen. So werden etwa an der EEX HKN f\u00fcr alpine Wasserkraft f\u00fcr 2015 bei rund 0,5 Euro\/MWh bewertet, w\u00e4hrend Grundlast in Deutschland allgemein bei etwa 35 Euro\/MWh gehandelt wird. Aus Sicht der Versorger ist eine Produktdifferenzierung mittels B\u00fcndelung vielversprechender. Diese erh\u00f6ht nicht nur die Kundenbindung (etwa durch schwierigere Preisvergleichbarkeit und h\u00f6here Wechselkosten), sondern auch den durchschnittlichen Preis f\u00fcr die im B\u00fcndel zusammengefassten Einzelleistungen. Zum B\u00fcndel k\u00f6nnen neben Strom auch Telekom, Gas oder allgemein energiebezogene Services geh\u00f6ren \u2013 etwa im Bereich der Hausinstallation, des intelligenten Stromverbrauchs oder des Managements von dezentralen Erzeugungsanlagen (z. B. Betrieb und Direktvermarktung des erzeugten Stroms). Allerdings d\u00fcrfte es f\u00fcr kleinere Versorger schwierig sein, solche Leistungsb\u00fcndel erfolgreich zu vermarkten. Auch werden mit zunehmender Relevanz von smarten Applikationen neue Akteure auf den Markt dr\u00e4ngen, deren Kernkompetenz weniger in der Energie, sondern im Management von Daten und Prozessen liegt (z. B. Telekomunternehmen).&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Strom- und CO2-Preise in Europa<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie tiefen Strompreise in Europa sind auch ein Resultat der tiefen CO2-Zertifikatspreise. Die europ\u00e4ische Klimapolitik, die im Wesentlichen auf der finanziellen Belastung des CO2-Ausstosses basiert, entfaltet im Moment kaum Wirkung. CO2-Emissionszertifikate f\u00fcr 2016 werden derzeit bei einem Preis von etwa 7 Euro pro Tonne gehandelt. Damit Zertifikate den CO2-Ausstoss tats\u00e4chlich reduzieren, m\u00fcsste ihr Preis so hoch sein, dass sie die (variablen) Kosten der Kohlekraftwerke \u00fcber jene der Gaskraftwerke heben (Fuel-Switch) \u2013 oder mittelfristig andere erneuerbare Energien konkurrenzf\u00e4hig machen. Eine Simulation illustriert, dass bei den derzeitigen Kohle- und Gaspreisen im Terminmarkt f\u00fcr 2016 die variablen Kosten eines effizienten Steinkohlekraftwerks erst dann \u00fcber jene eines modernen Gaskraftwerks steigen, wenn der CO2-Preis bei knapp 50 Euro pro Tonne liegt. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Schw\u00e4che und der Ukraine-Krise erscheint jedoch eine deutlich striktere Klimapolitik mittels CO2-Zertifikaten in Europa vorerst wenig realistisch: Die Stromgrosshandelspreise k\u00f6nnten sich fast verdoppeln, und die Abh\u00e4ngigkeit von russischem Gas w\u00fcrde steigen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">ACER (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Joskow (2008).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Meister (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Joskow (2008).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; &#13; Eine vollst\u00e4ndige Strommarkt\u00f6ffnung in der Schweiz f\u00fchrt nicht generell zu tieferen Preisen bei den Endverbrauchern. 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Bef\u00fcrchtet werden etwa anhaltend hohe Tarife f\u00fcr kleine Verbraucher oder eine Zunahme von g\u00fcnstig importiertem \u00abschmutzigem\u00bb Strom. Beide Effekte sind in einem funktionierenden Strommarkt nicht zu erwarten. Zudem beseitigt eine vollst\u00e4ndige Liberalisierung ineffiziente Preisverzerrungen und schafft sinnvolle Verbrauchsanreize.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":[{"kasten_title":"Kasten 1","kasten_box":"<h6>Differenzierungsstrategien<\/h6>&#13;\n<h6><\/h6>&#13;\nGerade weil Strom im technischen Sinn ein homogenes Gut darstellt, ist f\u00fcr die Energieversorger eine Differenzierungsstrategie schwierig. Beispielsweise kann der Anbieter A seinen Kunden keine h\u00f6here Versorgungssicherheit (zu einem entsprechend h\u00f6heren Tarif) anbieten als der Anbieter B, dessen Kunden am selben Verteilnetz angeschlossen sind. Verbreitet sind dagegen Stromprodukte, die nach ihrer Umweltvertr\u00e4glichkeit differenziert werden (Gr\u00fcnstrom). Obschon Befragungen h\u00e4ufig auf eine relativ hohe Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr \u00absauberen Strom\u00bb hinweisen, liegt die tats\u00e4chliche durchschnittliche Zahlungsbereitschaft bei den Konsumenten weit tiefer (vgl. z.B. Andor et al. 2014). Auf das beschr\u00e4nkte Produkt- bzw. Preisdifferenzierungspotenzial weisen zudem die tiefen Preise f\u00fcr Herkunftsnachweise (HKN), die einen separaten Handel des \u00fcber den Energiepreis hinausgehenden \u00abgr\u00fcnen Mehrwerts\u00bb an der B\u00f6rse m\u00f6glich machen. So werden etwa an der EEX HKN f\u00fcr alpine Wasserkraft f\u00fcr 2015 bei rund 0,5 Euro\/MWh bewertet, w\u00e4hrend Grundlast in Deutschland allgemein bei etwa 35 Euro\/MWh gehandelt wird. Aus Sicht der Versorger ist eine Produktdifferenzierung mittels B\u00fcndelung vielversprechender. Diese erh\u00f6ht nicht nur die Kundenbindung (etwa durch schwierigere Preisvergleichbarkeit und h\u00f6here Wechselkosten), sondern auch den durchschnittlichen Preis f\u00fcr die im B\u00fcndel zusammengefassten Einzelleistungen. Zum B\u00fcndel k\u00f6nnen neben Strom auch Telekom, Gas oder allgemein energiebezogene Services geh\u00f6ren \u2013 etwa im Bereich der Hausinstallation, des intelligenten Stromverbrauchs oder des Managements von dezentralen Erzeugungsanlagen (z.B. Betrieb und Direktvermarktung des erzeugten Stroms). Allerdings d\u00fcrfte es f\u00fcr kleinere Versorger schwierig sein, solche Leistungsb\u00fcndel erfolgreich zu vermarkten. Auch werden mit zunehmender Relevanz von smarten Applikationen neue Akteure auf den Markt dr\u00e4ngen, deren Kernkompetenz weniger in der Energie, sondern im Management von Daten und Prozessen liegt (z.B. 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Eine Simulation illustriert, dass bei den derzeitigen Kohle- und Gaspreisen im Terminmarkt f\u00fcr 2016 die variablen Kosten eines effizienten Steinkohlekraftwerks erst dann \u00fcber jene eines modernen Gaskraftwerks steigen, wenn der CO2-Preis bei knapp 50 Euro pro Tonne liegt. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Schw\u00e4che und der Ukraine-Krise erscheint jedoch eine deutlich striktere Klimapolitik mittels CO2-Zertifikaten in Europa vorerst wenig realistisch: Die Stromgrosshandelspreise k\u00f6nnten sich fast verdoppeln, und die Abh\u00e4ngigkeit von russischem Gas w\u00fcrde steigen."},{"kasten_title":"Kasten 3","kasten_box":"<h6>Literatur<\/h6>&#13;\n<ul>&#13;\n\t<li>Agency for the Cooperation of Energy Regulators ACER (2014): Annual Report on the Results of Monitoring the Internal Electricity and Natural Gas Markets in 2013. Ljubljana\/Br\u00fcssel.<\/li>&#13;\n\t<li>Andor, Mark A., Manuel Frondel und Colin Vance (2014): Hypothetische Zahlungsbereitschaft f\u00fcr gr\u00fcnen Strom: Bekundete Pr\u00e4ferenzen privater Haushalte f\u00fcr das Jahr 2013. In: Perspektiven der Wirtschaftspolitik. Band 15, Heft 4, Seiten 355\u2013366. \u2013 Meister, Urs (2014): Grundlegende Reform der KEV<\/li>&#13;\n\t<li>Wie erneuerbare Energien besser in den Strommarkt integriert werden k\u00f6nnen. Avenir Standpunkte 3. Avenir Suisse, Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n\t<li>Joskow, Paul (2008), Lessons Learned From Electricity Market Liberalization, in: Energy Journal, Special Issue: Papers in Honor of David Newberry, S. 9\u201341.<\/li>&#13;\n<\/ul>"}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":117100,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"22176","post_abstract":"","magazine_issue":"2015\/1","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/555f121c327e6"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117097"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3104"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117097"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117097\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126955,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117097\/revisions\/126955"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4133"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3104"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117097"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=117097"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=117097"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=117097"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=117097"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=117097"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}