{"id":117120,"date":"2015-01-10T08:43:47","date_gmt":"2015-01-10T08:43:47","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/01\/identifier-les-reformes-necessaires-et-sy-attaquer\/"},"modified":"2023-08-23T23:15:15","modified_gmt":"2023-08-23T21:15:15","slug":"reformbedarf-identifizieren-und-angehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/01\/reformbedarf-identifizieren-und-angehen\/","title":{"rendered":"Reformbedarf identifizieren und angehen"},"content":{"rendered":"<p>Ein internationaler Vergleich verschiedener Wohlstandsstatistiken zeigt klar: Die Schweiz ist eines der wohlhabendsten L\u00e4nder der Erde. Beispielsweise zeigt der breit angelegte Index der OECD zum gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wohlbefinden deutlich, dass die Schweiz bez\u00fcglich Lebensstandard in vielen Bereichen im internationalen Vergleich obenaus schwingt.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Auch die Wirtschaftsleistung, mit welcher der Wohlstand erarbeitet wird, kann sich sehen lassen. Laut den Daten des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) produziert die Schweizer Volkswirtschaft derzeit j\u00e4hrlich mit \u00fcber 81\u2009000 US-Dollar ein ausgesprochen hohes Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Kopf (siehe Grafik 1). Hinzu kommt, dass die Schweiz auch in den verschiedensten Ranglisten zur Wettbewerbsf\u00e4higkeit f\u00fchrende Pl\u00e4tze einnimmt.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Dabei verf\u00fcgt die Schweiz \u2013 anders als andere wohlhabende L\u00e4nder \u2013 \u00fcber keine nennenswerten nat\u00fcrlichen Rohstoff&shy;quellen. In wirtschaftspolitischen Diskussionen kann daher nicht genug betont werden, dass die hohe Wirtschaftsleistung und der damit verbundene Wohlstand in der Schweiz nicht selbstverst\u00e4ndlich sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<div class=\"legacy_chart chart--normal\" id=\"chart_95943_de\"><\/div>\n        \n<script>\n        $(function () {\n            $('#chart_95943_de').highcharts({\n                chart: {\n                    type: 'column',\n\t\t\t\t    style: {\n\t\t\t\t\t\tfontFamily: 'IBM Plex Sans Condensed, sans-serif',\n\t\t\t\t\t\tfontSize: '15px',\n\t\t\t\t    },\n                },\n                title: {\n                    text: ''\n                },\n                xAxis: {\n                    title: { text: \"\" },\n                    categories: [\"Norwegen\",\"Schweiz\",\"D\\u00e4nemark\",\"Schweden\",\"USA\",\"Niederlande\",\"Finnland\",\"\\u00d6sterreich\",\"Irland\",\"Belgien\",\"Deutschland\",\"Frankreich\",\"Grossbritannien\",\"Japan\",\"Italien\",\"Spanien\"],\n                },\n                yAxis: {\n                    title: { text: \"\" },\n                },\n                plotOptions: {\n                    \n                },\n                exporting: {\n                    sourceHeight: 600,\n                },\n                series: [{ name: \"BIP\",data: [100578,81276,59129,58014,53000,50815,49055,49038,48607,45537,44999,44098,39371,38467,34714,29150]}, ],\n\t\t\t\tcolors: [ '#5a7298', '#f07c2c', '#66b6bc', '#fbc65f', '#8a2a1d', '#2d5b52']\n            });\n        });\n\t\t<\/script>\n    <div class=\"legacy_chart legacy_chart__print chart--normal\" id=\"chart_95943_de_p\"><\/div>\n        \n<script>\n        $(function () {\n            $('#chart_95943_de_p').highcharts({\n\t\t\t\tchart: {\n                    type: 'column',\n\t\t\t\t    style: {\n\t\t\t\t\t\tfontFamily: 'IBM Plex Sans Condensed, sans-serif',\n\t\t\t\t\t\tfontSize: '15px',\n\t\t\t\t    },\n                },\n                title: {\n                    text: ''\n                },\n                xAxis: {\n                    title: { text: \"\" },\n                    categories: [\"Norwegen\",\"Schweiz\",\"D\\u00e4nemark\",\"Schweden\",\"USA\",\"Niederlande\",\"Finnland\",\"\\u00d6sterreich\",\"Irland\",\"Belgien\",\"Deutschland\",\"Frankreich\",\"Grossbritannien\",\"Japan\",\"Italien\",\"Spanien\"],\n                },\n                yAxis: {\n                    title: { text: \"\" },\n                },\n                plotOptions: {\n                    \n                },\n                exporting: {\n                    sourceHeight: 600,\n                },\n                series: [{ name: \"BIP\",data: [100578,81276,59129,58014,53000,50815,49055,49038,48607,45537,44999,44098,39371,38467,34714,29150]}, ],\n\t\t\t\tcolors: [ '#5a7298', '#f07c2c', '#66b6bc', '#fbc65f', '#8a2a1d', '#2d5b52']\n            });\n        });\n\t\t<\/script>\n    &#13;<\/p>\n<h2>Erfolg dank guten Rahmenbedingungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Entwicklung sind vielf\u00e4ltig.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Ausser Zweifel steht jedoch, dass die Rahmenbedingungen, welche der Staat f\u00fcr wirtschaftliches Handeln setzt, eine zentrale Rolle einnehmen. Behindern staatliche Regelungen die \u00f6konomische Entwicklung zu stark, wird dies rasch einen direkten Einfluss auf den Wohlstand der Bev\u00f6lkerung haben. Sind die staatlichen Rahmenbedingungen geschickt gesetzt, sind die Aussichten hingegen vielversprechend. Insbesondere der Wettbewerb zwischen den wirtschaftlichen Akteuren ist die zentrale Triebfeder f\u00fcr eine prosperierende und nachhaltige Entwicklung einer Volkswirtschaft.&#13;<br \/>\nMit Blick auf das letzte Jahrzehnt l\u00e4sst sich sagen, dass die Schweiz mehrheitlich eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik betrieben hat. Die Schweizer Wirtschaft hat sich nach der Finanzkrise \u00e4usserst rasch erholt und danach erstaunlich gut entwickelt.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Insbesondere, wenn man sich die Situation bei den europ\u00e4&shy;ischen Nachbarn vor Augen f\u00fchrt, vermag die Leistung der Schweizer Volkswirtschaft zu beeindrucken.&#13;<br \/>\nEs ist eine \u00f6konomische Binsenweisheit, dass sich der aktuelle Zustand nicht ohne Weiteres in alle Zukunft fortschreiben l\u00e4sst. Die Strukturen in der Weltwirtschaft ver\u00e4ndern sich mit den aufstrebenden Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) rasant; die Beziehungen der Schweiz zu den wichtigsten Handelspartnern \u2013 wie z.\u2009B. zur EU \u2013 werden stetig auf die Probe gestellt; der technologische Fortschritt ist rasant. An diesen Entwicklungen muss sich eine Volkswirtschaft permanent ausrichten und entsprechend ihre Strukturen anpassen. Dies kann jedoch nur geschehen, wenn das regulatorische Korsett nicht zu eng geschn\u00fcrt ist und wirtschaftspolitische Reformen massvoll, aber stetig vorgenommen werden.&#13;<\/p>\n<h2>Ziele der Wachstumspolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDies war und ist auch der Landesregierung bewusst. Der Bundesrat legt schon seit einiger Zeit grossen Wert auf eine langfristig ausgerichtete und wettbewerbsfreundliche Wirtschaftspolitik. Insbesondere nach der anhaltenden Wachstumsschw\u00e4che der 1990er-Jahre hat sich der Bundesrat mit verschiedenen wirtschaftspolitischen Reformprojekten auseinandergesetzt, von welchen er sich eine positive Wirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes erhoffte. Unter dem Titel \u00abWachstumspolitik\u00bb wurden verschiedene Massnahmen subsumiert, welche in der langen Frist insbesondere das Wachstum der Arbeitsproduktivit\u00e4t erh\u00f6hen sollen.&#13;<br \/>\nBereits zu dieser Zeit war f\u00fcr den Bundesrat klar, dass eine nachhaltige und langfristig orientierte Wirtschaftspolitik speziell auch die Qualit\u00e4t \u2013 und nicht die blosse Quantit\u00e4t \u2013 des Wirtschaftswachstums im Auge behalten soll. Die wirtschaftliche Leistung soll nicht nur durch mehr Besch\u00e4ftigung und Kapital erh\u00f6ht werden, sondern vor allem durch eine effizientere und produktivere Verwendung der Produktionsfaktoren. Dies sollte insbesondere durch eine Erh\u00f6hung der Wettbewerbsintensit\u00e4t im Binnenmarkt erfolgen.&#13;<br \/>\nGleichwohl wird heute \u2013 zumindest aus subjektivem Empfinden \u2013 der Begriff des Wirtschaftswachstums \u2013 vor allem die damit verbundenen \u00abNebenwirkungen\u00bb \u2013 in der \u00f6ffentlichen Diskussion kritischer beurteilt als auch schon. Ein Teil dieser Kritik zielt jedoch etwas am Thema vorbei. Der Themenbereich rund um das Stichwort \u00abDichtestress\u00bb bezieht sich vielmehr auf Fragen rund um das Bev\u00f6lkerungswachstum. Nichtsdesto&shy;trotz sind die politischen Entscheidungstr\u00e4ger stets gefordert, entsprechende Sorgen der Bev\u00f6lkerung aufzunehmen und sich damit ernsthaft auseinanderzusetzen.&#13;<\/p>\n<h2>Wachstumspolitik verzeichnet zwar einige Erfolge\u2009\u2026<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit seiner Wachstumspolitik konnte der Bundesrat verschiedene wirtschaftspolitische Erfolge verzeichnen. So wurden etwa f\u00fcr den Wirtschaftsstandort Schweiz mit zwei Reformen der Unternehmensbesteuerung (Unternehmenssteuerreform I und II) wichtige Weichenstellungen zur Steigerung der Standortattraktivit\u00e4t gestellt. Aus dem Blickwinkel der Binnenmarktpolitik war die Revision des Binnenmarktgesetzes wichtig. F\u00fcr die Exportwirtschaft von Bedeutung ist die zielstrebige Ausweitung des Netzes von Freihandelsabkommen, welche den Unternehmen die M\u00f6glichkeit bietet, ihre Auslandm\u00e4rkte zu diversifizieren. Ein besonderer Stellenwert kommt der Einf\u00fchrung der Schuldenbremse und insbesondere der damit verbundenen mittel- und langfristigen Finanzplanung zu, welche die Vermeidung wiederkehrender struktureller Defizite zum Ziel hat.&#13;<\/p>\n<h2>\u2026\u2009jedoch sind viele Reformen\u00a0auf halber Strecke stehen geblieben<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNebst den erfreulichen Erfolgen wurde jedoch auch eine Reihe von Reformmassnahmen lanciert, welche es aus verschiedenen Gr\u00fcnden bisher nicht bis zur erfolgreichen Implementierung geschafft haben. Zu nennen sind beispielsweise die Einf\u00fchrung eines Einheitssatzes bei der Mehrwertsteuer, die 11. AHV-Revision, die vollst\u00e4ndige \u00d6ffnung des Elektrizit\u00e4tsmarktes, die Lockerung des Monopols der Post f\u00fcr Briefe bis 50 Gramm oder eine Verkehrsfinanzierung, die verst\u00e4rkt die Verursacher der Kosten in die Pflicht nimmt.&#13;<br \/>\nZusammenfassend ist zu sagen, dass die Wachstumspolitik einige wichtige Impulse f\u00fcr die Entwicklung der schweizerischen Volkswirtschaft ausgel\u00f6st hat. In einer Gesamtbetrachtung ist die Bilanz zur Umsetzung der zahlreichen wachstumspolitischen Massnahmen allerdings durchzogen, wie auch Tabelle 1 zeigt.<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/02\/Tabelle_Jaeggi_1_DE.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-10041 size-full\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2015\/02\/Tabelle_Jaeggi_1_DE.png\" alt=\"Tabelle_Jaeggi_1_DE\" width=\"1566\" height=\"2338\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Verhindern von Verschlechterungen und \u00dcberregulierungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie vergangenen Jahrzehnte haben damit deutlich gezeigt, dass es tiefgreifende wirtschaftspolitische Reformmassnahmen in der Schweiz grunds\u00e4tzlich schwer haben. Dies ist jedoch nicht pauschal als negativ zu bewerten. Die Konstanz der Rahmenbedingungen kann auch die Planungs- und Rechtssicherheit f\u00fcr die Unternehmen erh\u00f6hen und \u2013 sofern sie noch angemessen sind \u2013 zur guten Wirtschaftsentwicklung beitragen. Gleichzeitig k\u00f6nnen auch zahlreiche kleinere Schritte ans Ziel f\u00fchren. In den letzten Jahren sind jedoch einige Entwicklungen hinzugekommen, die nicht nur ein Weiterkommen an sich erschweren, sondern auch den bestehenden Rechtsrahmen infrage stellen.&#13;<br \/>\nZu nennen sind hierbei in erster Linie die zahlreich eingereichten Volksinitiativen mit einem wirtschaftspolitischen Hintergrund. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise die 1:12-Initiative, die Masseneinwanderungs&shy;initiative, die Mindestlohninitiative, die Initiative f\u00fcr ein bedingungsloses Grundeinkommen oder die Ecopop-Initiative. Allen Initiativen gemein ist, dass sie ein eigenes und zumindest aus Sicht der Initianten erstrebenswertes Ziel verfolgen. Unabh\u00e4ngig davon k\u00f6nnen sie jedoch den bestehenden wirtschaftspolitischen Rahmen stark verschlechtern. Im Speziellen sind beispielsweise die bilateralen Vertr\u00e4ge I durch die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative gef\u00e4hrdet. Deren K\u00fcndigung w\u00fcrde nicht nur zu einem erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden f\u00fcr die Schweiz f\u00fchren, sondern auch den bisher sicheren und stabilen Rechtsrahmen f\u00fcr die Schweizer Unternehmen zerst\u00f6ren.&#13;<br \/>\nEbenfalls als ein Beispiel unter vielen zu erw\u00e4hnen sind die derzeitigen Regulierungsbestrebungen im Finanzsektor. Auf der gesamten Welt versuchen Gesetzgeber, ihre Lehren zu ziehen und die Finanzkrise regulatorisch zu meistern. So wurde in den letzten Jahren weltweit eine wahre Flut an neuen Bestimmungen erlassen, um die Stabilit\u00e4t im Finanzsektor zu erh\u00f6hen. Wenig beachtet wurde aber, dass durch viele Projekte auch die Kosten f\u00fcr Unternehmen und Kunden angestiegen sind. Derzeit ist es nur schwer absehbar, welche mittel- bis langfristigen Konsequenzen dies auf die Struktur, die Produktivit\u00e4t und das langfristige Wachstum der Branche haben wird.&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaftspolitischer\u00a0Reformbedarf vorhanden<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie eingangs erw\u00e4hnt, steht die Schweiz im Vergleich mit dem Ausland derzeit ausgezeichnet da. Doch wie kann sie ihre volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern und sich fit f\u00fcr den zunehmenden internationalen Wettbewerb machen? Eine pragmatische Perspektive ist die, dass zumindest Handlungsfelder f\u00fcr Reformen zahlreich vorhanden sind. In der Folge werden einige Bereiche kurz angesprochen.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Wettbewerb im Binnenmarkt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZuerst gilt es, den Fokus auf den Binnenmarkt zu richten. Grunds\u00e4tzlich ist es nicht \u00fcberraschend, dass die Produktivit\u00e4t im Binnensektor dem \u00e4usserst produktiven Exportsektor hinterherhinkt. Die export&shy;orientierten Unternehmen m\u00fcssen sich im internationalen Wettbewerb mit zahlreichen Konkurrenten beweisen, w\u00e4hrend in zahlreichen Binnensektoren nicht der gleiche Wettbewerbsdruck herrscht. Zu nennen sind beispielsweise die Netzwerkinfrastrukturen wie z.\u2009B. Bahn, Telekommunikation, Post, Gas oder Strom, welche sich mehrheitlich direkt oder indirekt im Staatsbesitz befinden und nur teilweise dem Wettbewerb ausgesetzt sind.&#13;<br \/>\nEbenfalls grosses Reformpotenzial besteht im Abbau von Z\u00f6llen und Importquoten, welche die einheimische Landwirtschaft unvermindert stark von der ausl\u00e4ndischen Konkurrenz abschotten. Dies k\u00f6nnte zum Abbau der Hochpreisinsel Schweiz beitragen. Diese Insel wollte der Bundesrat auch mit dem Cassis-de-Dijon-Prinzip bek\u00e4mpfen, indem in der EU zugelassene Produkte automatisch auch in der Schweiz zugelassen werden k\u00f6nnen. Jedoch verw\u00e4sserten zahlreiche Ausnahmen das Prinzip stark, sodass zahlreiche technische Handelshemmnisse weiterhin bestehen und zur Abschottung des Schweizer Marktes beitragen. Im Fr\u00fchjahr 2015 wird der Nationalrat voraussichtlich dar\u00fcber entscheiden, ob auch Lebensmittel grunds\u00e4tzlich vom Geltungsbereich des Cassis-de-Dijon-Prinzips ausgenommen werden sollen.&#13;<\/p>\n<h2>Staatsbetriebe konkurrenzieren Private<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBisher wenig beachtet wurde die Vielzahl staatlicher Betriebe, welche ihren Auftrag ausgeweitet haben oder breit interpretieren und damit in Konkurrenz zu privaten Anbietern stehen. Erfreulich dabei ist zumindest, dass die staatlichen Unternehmen durch die Konkurrenz aus der Privatwirtschaft effizienter arbeiten, als wenn sie \u00fcber ein staatliches Monopol verf\u00fcgten. Andererseits verf\u00fcgen staatliche Unternehmen in kompetitiven M\u00e4rkten teilweise \u00fcber Garantien oder Subventionen und tragen dadurch ein geringeres unternehmerisches Risiko. Die Kosten eines Scheiterns k\u00f6nnten schlussendlich durch die Steuerzahler getragen werden. Dadurch erlangen entsprechende Unternehmen gegen\u00fcber privatwirtschaftlich organisierten Betrieben einen Wettbewerbsvorteil. Zu nennen w\u00e4ren beispielsweise die Kantonalbanken mit Staatsgarantie, Radio und Fernsehen, Geb\u00e4udeversicherungen, Meteorologiedienste oder Stromversorger.&#13;<\/p>\n<h2>Wildwuchs im Beihilfewesen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEbenfalls ein verzerrender Effekt auf den Wettbewerb ist feststellbar, wenn Unternehmen oder Branchen Subventionen oder andere Beihilfen erhalten. Aus Sicht einer aktiven Standortpolitik kann es attraktiv sein, Unternehmen mit dem Versprechen staatlicher Unterst\u00fctzungsleistungen anzusiedeln. Mittel- bis langfristig ist ein solches Vorgehen aus volkswirtschaftlicher Sicht hingegen negativ zu beurteilen, weil es einer Benachteiligung anderer Firmen gleichkommt und zu einem Abw\u00e4rtswettlauf staatlicher Ausgaben f\u00fchren kann. \u00d6konomisch gesehen, ist das Bereitstellen ausgezeichneter Rahmenbedingungen sinnvoller.&#13;<br \/>\nDie Schweiz verf\u00fcgt \u00fcber kein eigentliches Beihilferecht, welches alle Gebietsk\u00f6rperschaften mit einschliesst. Sie sind nur auf Bundesebene transparent, zum Beispiel f\u00fcr die Landwirtschaft. \u00dcberlegenswert w\u00e4re deshalb, ob im Bereich des Beihilfewesens zus\u00e4tzliche Transparenz geschaffen werden kann und wie sich volkswirtschaftlich ineffiziente Subventionen schrittweise reduzieren liessen.&#13;<\/p>\n<h2>Nicht ausgesch\u00f6pftes Potenzial\u00a0bez\u00fcglich Markt\u00f6ffnung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNebst der St\u00e4rkung des Wettbewerbs im Binnenmarkt besteht erhebliches Potenzial in der aussenwirtschaftlichen \u00d6ffnung der Schweiz. Sowohl mit dem Freihandelsabkommen als auch mit den bilateralen Vertr\u00e4gen mit der EU besitzt die Schweiz ein solides Fundament f\u00fcr den grenz\u00fcberschreitenden Handel mit ihren Nachbarn. Diese Beziehungen sind derzeit aber nicht nur durch die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative infrage gestellt; einen funktionierenden institutionellen Rahmen f\u00fcr die dynamische Rechtsanpassung, welcher laut der EU eine notwendige Bedingung f\u00fcr neue Vertr\u00e4ge darstellen soll, ist derzeit noch nicht absehbar. Zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeiten g\u00e4be es insbesondere im Bereich der Dienstleistungen. Dabei ist vor allem ein Abkommen \u00fcber den Austausch von Finanzdienstleistungen in j\u00fcngster Vergangenheit in den politischen Fokus ger\u00fcckt.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a>&#13;<br \/>\nGanz grunds\u00e4tzlich werden die M\u00f6glichkeiten zur weiteren \u00d6ffnung auch durch die defensive Haltung begrenzt, welche die Schweiz bei der Liberalisierung des Agrarhandels einnimmt. Diese Haltung schr\u00e4nkt nicht nur die Exportperspektiven des Agrar- und Lebensmittelsektors ein. Sie behindert auch Verhandlungen mit anderen wirtschaftlich wichtigen Partnern. Eine der gr\u00f6ssten Herausforderung f\u00fcr die Handelspolitik stellen schliesslich die laufenden Verhandlungen zwischen der EU und den USA f\u00fcr eine transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) dar. Ein solches Abkommen h\u00e4tte zweifelsohne einen signifikanten Einfluss auf die Schweiz und ihre Exportindustrie.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit: Es g\u00e4be viel zu tun<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Schweiz geht es derzeit ausgezeichnet. Dies sollte jedoch nicht dazu f\u00fchren, dass man sich auf den Lorbeeren ausruht und Reformen vernachl\u00e4ssigt. Wie das Beispiel verschiedener EU-L\u00e4nder eindr\u00fccklich zeigt, ist es in konjunkturell schwachen Zeiten keineswegs einfacher, Strukturreformen durchzusetzen. Im Gegenteil, die wirtschaftspolitischen Vers\u00e4umnisse in den guten Zeiten wiegen nun doppelt schwer. Im Gegensatz zu vielen europ\u00e4ischen Staaten verf\u00fcgt die Schweiz \u00fcber eine gute Ausgangslage. Diese muss aber genutzt werden. Nur so kann der Wohlstand der Bev\u00f6lkerung nachhaltig erhalten und wom\u00f6glich sogar weiter gesteigert werden.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe dazu www.oecdregionalwellbeing.org.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Z.\u2009B. Nr. 1 im WEF Global Competitiveness Index 2014\u20132015, Nr. 2 im IMD World Competitiveness Scoreboard 2014, Nr. 1 im Innovation Union Scoreboard 2014 der Europ\u00e4ischen Kommission.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe dazu z.\u2009B. Breiding R.J. und Schwarz G. (2011): Wirtschaftswunder Schweiz, Verlag NZZ, Z\u00fcrich, oder Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (2002): Der Wachstumsbericht. Determinanten des Schweizer Wirtschaftswachstums und Ansatzpunkte f\u00fcr eine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik, Grund\u00adlagen der Wirtschaftspolitik Nr. 3D.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Vgl. dazu den Artikel von Frank Schmidbauer auf S. 4 ff. in dieser Ausgabe.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Siehe dazu den Bericht \u00abGrundlagen f\u00fcr die Neue Wachstumspolitik\u00bb auf www.seco.admin.ch.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Expertengruppe zur Weiterentwicklung der Finanzmarktstrategie. Schlussbericht. 1. Dezember 2014.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein internationaler Vergleich verschiedener Wohlstandsstatistiken zeigt klar: Die Schweiz ist eines der wohlhabendsten L\u00e4nder der Erde. Beispielsweise zeigt der breit angelegte Index der OECD zum gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wohlbefinden deutlich, dass die Schweiz bez\u00fcglich Lebensstandard in vielen Bereichen im internationalen Vergleich obenaus schwingt. 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