{"id":117125,"date":"2015-01-01T14:44:36","date_gmt":"2015-01-01T14:44:36","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/01\/vers-la-croissance-zero\/"},"modified":"2023-08-23T23:15:35","modified_gmt":"2023-08-23T21:15:35","slug":"der-weg-in-eine-wirtschaft-ohne-wachstum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/01\/der-weg-in-eine-wirtschaft-ohne-wachstum\/","title":{"rendered":"Der Weg in eine Wirtschaft ohne Wachstum"},"content":{"rendered":"<p>Energiearme, autofreie und selbstverwaltete Siedlungen wie die Kalkbreite in Z\u00fcrich sind zu st\u00e4dtischen Trendsettern geworden. Carsharing-Unternehmen und andere Formen des geteilten Konsums florieren. N\u00e4hateliers veredeln aus der Mode gekommene Kleider zu einzigartigen St\u00fccken. Gem\u00fcseanbau-Kollektive entwickeln sich zu Brutst\u00e4tten der Selbstversorgung. Im deutschsprachigen Raum haben sich \u00fcber 1500 Unternehmen dazu verpflichtet, f\u00fcr das Gemeinwohl anstatt f\u00fcr die Erh\u00f6hung ihres Gewinns zu <span class=\"recomDescriptiveWord\">wirtschaften<\/span> . Tausende Jugendliche haben mit Greenpeace Solaranlagen auf D\u00e4chern von \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden installiert und dabei die Vorteile einer sparsamen, erneuerbaren und dezentralen Energieversorgung kennengelernt. Immer mehr institutionelle und private Anleger entschliessen sich zudem im Rahmen der globalen \u00abFossil-Free-Divestment\u00bb-Kampagne dazu, in die Mineral\u00f6lwirtschaft investiertes Geld abzuziehen. All diese Projekte haben eines gemeinsam: Sie verzichten darauf, aus der Zerst\u00f6rung der Umwelt Profit zu schlagen.&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">In der Wachstumsspirale gefangen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nStaaten und politischen Parteien fehlt es hingegen an einer Vision, wie <span class=\"recomDescriptiveWord\">eine<\/span> Welt ohne diesen Zwang nach grenzenlosem Wachstum aussehen k\u00f6nnte. Wachstumskritische Widerstandsbewegungen wie \u00abOccupy\u00bb konnten zwar kurzfristig viele Menschen begeistern, sind aber rasch wieder aus unserem Blickfeld verschwunden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer deutsche Soziologe Harald Welzer erkl\u00e4rt, warum das so ist: Ohne <span class=\"recomDescriptiveWord\">eine<\/span> eigene Struktur der Produktion und des Konsums bleiben Protestbewegungen wirkungslos, da sie in der Wachstumsspirale gefangen bleiben. Demgegen\u00fcber zeichnet er den <span class=\"recomDescriptiveWord\">Weg<\/span> in <span class=\"recomDescriptiveWord\">eine<\/span>\u00abreduktive Moderne\u00bb: <span class=\"recomDescriptiveWord\">eine<\/span> Gesellschaft mit \u00aberheblich weniger Material- und Energieverbrauch, drastisch verringertem Konsum und deutlich erh\u00f6hter pers\u00f6nlicher Autonomie\u00bb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn <span class=\"recomDescriptiveWord\">eine<\/span> \u00e4hnliche Richtung weist der Schweizer Sozialethiker Hans Ruh mit seinem Konzept einer \u00abethischen Marktwirtschaft\u00bb. Die Zeit der globalen Konzepte sei vorbei oder noch nicht da, schreibt Ruh. Was uns bleibe, sei die sinnvolle, kreative, engagierte und bescheidene Gestaltung einer Zwischenzeit, einer \u00abBr\u00fcckenzeit\u00bb mit massvollem Wachstum. F\u00fcr Welzer und Ruh wird die Entwicklung einer zukunftsf\u00e4higen Gesellschaft von Menschen vorangetrieben, die es wagen, die Dinge, die wir im Alltag brauchen, radikal zu reduzieren, sie zu reparieren und zu teilen. Sie experimentieren nicht nur mit Materialien, Produktions- und Verkaufsketten, sondern probieren auch neue Formen des sozialen und politischen Lebens aus.&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Bausteine einer gelebten Gegenpraxis<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nParadoxerweise k\u00f6nnen solche Experimente \u2013 haben sie Erfolg \u2013 kontraproduktiv sein. Neue Formen der Tausch\u00f6konomie bergen die Gefahr eines \u00abReboundeffekts\u00bb, wenn sie f\u00fcr gedankenlosen und schnelllebigen Konsum genutzt werden. Und die boomende Share-Economy wird bereits von gewinnorientierten Unternehmen vereinnahmt. \u00abDer Wachstumskapitalismus expandiert gern auch in Bereiche, die zum Widerstand gegen ihn geschaffen wurden\u00bb, schreibt Welzer. Deshalb braucht es <span class=\"recomDescriptiveWord\">eine<\/span>politische Bewegung, die bereit ist, Konflikte auszutragen. Und Akteure, die Verbindungen zwischen den vielen Einzelinitiativen und den gesellschaftlichen Strukturen herstellen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Umweltorganisation Greenpeace versteht sich als<span class=\"recomDescriptiveWord\">eine<\/span> solche Akteurin. Nicht, dass ihr eigenes Wirken widerspruchsfrei w\u00e4re: Die Anspr\u00fcche eines schonenden Umgangs mit Ressourcen und diejenigen einer professionellen Kommunikation rund um den Globus sind oft nicht unter einen Hut zu bringen. Doch als einflussreiche Organisation kann sie von Politikern oder Wirtschaftskonzernen die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards einfordern. Gleichzeitig ist sie Teil einer weltweiten Bewegung: Millionen Menschen k\u00e4mpfen mit Greenpeace gegen die Zerst\u00f6rung der Umwelt. Zusammen mit den vielen anderen Bausteinen \u2013 seien es autofreie Siedlungen, Kleiderveredelungsl\u00e4den, Gem\u00fcseanbau-Gemeinschaften oder Ans\u00e4tze einer Gemeinwohl\u00f6konomie \u2013 bilden sie erste Grundrisse einer Zukunft ohne Wachstumszwang.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Energiearme, autofreie und selbstverwaltete Siedlungen wie die Kalkbreite in Z\u00fcrich sind zu st\u00e4dtischen Trendsettern geworden. Carsharing-Unternehmen und andere Formen des geteilten Konsums florieren. N\u00e4hateliers veredeln aus der Mode gekommene Kleider zu einzigartigen St\u00fccken. Gem\u00fcseanbau-Kollektive entwickeln sich zu Brutst\u00e4tten der Selbstversorgung. 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Versus, Z\u00fcrich 2011.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":117128,"main_focus":[156647,157268],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"15699","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5532466478fe0"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117125"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4137"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117125"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117125\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126959,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117125\/revisions\/126959"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157268"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156647"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4137"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117125"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=117125"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=117125"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=117125"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=117125"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=117125"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}