{"id":117178,"date":"2014-12-17T11:11:33","date_gmt":"2014-12-17T11:11:33","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/12\/feuz-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:15:52","modified_gmt":"2023-08-23T21:15:52","slug":"feuz-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/12\/feuz-3\/","title":{"rendered":"Ein Aktionsplan zur F\u00f6rderung der Berufsbildung \u2013 das Beispiel des Kantons Neuenburg"},"content":{"rendered":"<p>Der Grosse Rat des Kantons Neuenburg verabschiedete 2006 eine \u00fcberparteiliche Motion, welche vom Staatsrat \u2013 der Exekutive des Kantons Neuenburg \u2013 verlangte, verschiedene Wege zur Unterst\u00fctzung der Berufslehre zu pr\u00fcfen.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Als Antwort darauf legte dieser im September 2011 einen umfangreichen Bericht zur Zukunft der Berufsbildung vor.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Innerhalb von acht Jahren soll die Zahl der Schulabg\u00e4ngerinnen und -abg\u00e4nger, welche sich f\u00fcr eine Berufsausbildung entscheiden, von 58% auf 68% (bei einem schweizerischen Durchschnitt von 72%) gesteigert werden. Der Anteil der Lehre im dualen System soll von 57% auf 80% (Durchschnitt Schweiz: 88%) steigen. Gem\u00e4ss Sch\u00e4tzungen zum Zeitpunkt des Erstellens des Berichts sollten 400 zus\u00e4tzliche Lehrstellen gen\u00fcgen, um die gesetzten Ziele zu erreichen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Bericht ging aus der konzertierten Arbeit einer Steuerungsgruppe hervor, die von Monika Maire-Hefti, Chefin des D\u00e9partement de l\u2019\u00e9ducation et de la famille (DEF), pr\u00e4sidiert wurde. Die Steuerungsgruppe, welcher alle Partner der Berufsbildung angeh\u00f6rten, befasste sich mit folgenden Themen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Unterst\u00fctzung der Unternehmen und Qualit\u00e4t der Lehre;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Schaffung von Lehrstellen in Betrieben;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Informationen f\u00fcr Jugendlichen, Ausbildner und Eltern;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Dualisierung der technischen Berufe;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Die \u00abStadt der Berufe\u00bb <i>(Cit\u00e9 des M\u00e9tiers).<\/i><\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Unterst\u00fctzung der Unternehmen und Qualit\u00e4t der Lehre<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Unternehmen profitieren von der Unterst\u00fctzung von <i>Berufsbildungsberatenden<\/i>. Deren Aufgabe ist es, die Organisation und die administrative Arbeit der Ausbildner zu erleichtern. Sie tragen zur Verbesserung der Ausbildung in den Betrieben bei und suchen L\u00f6sungen f\u00fcr gewisse Auszubildende. Ihre Pr\u00e4senz vor Ort sowie ihre Kompetenzen sollen verst\u00e4rkt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Lehrstellenentwicklung und -f\u00f6rderung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWenn die Ziele des Staatsrats einmal erreicht sind, wird es darum gehen, das Reservoir an Ausbildungspl\u00e4tzen zu halten. Einige Unternehmen stellen ihre Ausbildungst\u00e4tigkeit ein oder verschwinden, w\u00e4hrend andere neu entstehen oder neu Lehrstellen anbieten. Diese Fluktuationen sind aufmerksam zu verfolgen. Sowohl die Unternehmen wie auch die Verb\u00e4nde sind einzubeziehen. Organisierte Treffen erleichtern das Kn\u00fcpfen von Kontakten. Von den Beziehungen, die sich daraus ergeben k\u00f6nnen, werden letztlich alle Beteiligten profitieren.&#13;<\/p>\n<h2>Jugendliche und Erziehungsberechtigte im Fokus<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm die verst\u00e4rkenden Massnahmen von den neu zu ergreifenden abzugrenzen, wurden drei Zielgruppen identifiziert: die Eltern, die (zuk\u00fcnftigen) Ausbildner sowie die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler. Die Analyse zeigt, dass die Massnahmen vermehrt auf die Eltern auszurichten sind, zumal bis dahin wenig zu deren Gunsten unternommen worden ist. Dennoch spielen sie bei der Orientierung und der Berufswahl ihrer Kinder eine wichtige Rolle. Aus kulturellen oder sprachlichen Gr\u00fcnden kennen einige Eltern das schweizerische Bildungssystem nur schlecht. Deshalb erweist es sich als notwendig, an der Quelle anzusetzen.&#13;<\/p>\n<h2>Dualisierung der technischen Berufe<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie technischen Branchen stellen die St\u00e4rke des Kantons Neuenburg dar. Die Ziele des Staatsrates haben zu grunds\u00e4tzlichen \u00dcberlegungen in diesen Branchen gef\u00fchrt, f\u00fcr die ein grosses Angebot an Ausbildungen mit Eidgen\u00f6ssischem F\u00e4higkeitszeugnis (EFZ) an Vollzeitschulen im Kanton besteht. Je nach Branche werden folgende Dualisierungsstrategien verfolgt:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li><i>Uhrmacherei, Mikrotechnik:<\/i> In Anbetracht der Branchencharakteristika scheint die durchg\u00e4ngige Dualisierung der EFZ-Ausbildungen dieser Berufe (ausser Berufsmatura) m\u00f6glich, und zwar sowohl auf traditionellem Weg (mit\/ohne internem Lehrzentrum) als auch im externen Lehrzentrum oder im Unternehmen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li><i>Mechanik:<\/i> Trotz bedeutender Ausbildungskosten f\u00fcr die Unternehmen in den ersten zwei Lehrjahren scheint auch hier eine vollst\u00e4ndige Dualisierung machbar, dies unter den gleichen Bedingungen wie in der Uhrmacherei und Mikrotechnik.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li><i>Elektronik, Informatik:<\/i> Traditionelle EFZ-Ausbildungen eignen sich f\u00fcr diesen Bereich eher nicht. Es dr\u00e4ngt sich auf, die Ausbildungen vollst\u00e4ndig zu dualisieren. Als ideale L\u00f6sung k\u00f6nnte eine flexible Partnerschaft zwischen Berufsschule (erstes und zweites Lehrjahr) und Unternehmen (drittes und viertes Lehrjahr) infrage kommen.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDer \u00dcbergang mit der Reduktion der Studienpl\u00e4tze in den Berufsschulen und der Erh\u00f6hung der Anzahl Lehrstellen muss w\u00e4hrend der gesamten Dauer des Projekts sorgf\u00e4ltig orchestriert werden. Generell l\u00e4sst sich mit allen vorgeschlagenen Massnahmen die Anzahl Lernender im dualen System praktisch verdreifachen (von 21% auf 61%). Die verfolgte Strategie, die eine deutliche Steigerung des Anteils dualer Ausbildungen in den technischen Berufen zum Ziel hat, bedingt aber ein verst\u00e4rktes Engagement der Unternehmen. Zu diesem Zweck soll ein Anreizmodell geschaffen werden.&#13;<\/p>\n<h2>Eine \u00abStadt der Berufe\u00bb<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Konzept der <i>Cit\u00e9 des M\u00e9tiers<\/i> ist international bereits bekannt. Sein vorrangiges Ziel ist es, die verschiedenen Partner an einem realen oder virtuellen Ort zu vereinen und so der Berufsbildung neue Impulse zu geben. Als zentrale Anlaufstelle <i>(Guichet unique)<\/i> ist die Cit\u00e9 des M\u00e9tiers ganz auf die Bed\u00fcrfnisse der Nutzerinnen und Nutzer und deren Betreuung ausgerichtet. Das neue Konzept beruht auf der Vielfalt der Ansichten und Ans\u00e4tze sowie der Interaktion zwischen den erteilten Ausk\u00fcnften und den verf\u00fcgbaren Ressourcen. Der dem Publikum gewidmete Ort soll ein besseres Eingehen auf die Anliegen der Benutzenden erm\u00f6glichen sowie massgeschneiderte Ausk\u00fcnfte liefern. Zum Angebot geh\u00f6rt auch eine geeignete Dokumentation und der Zugang zu wichtigen Informationen bez\u00fcglich Ausbildung, Arbeitsmarkt und anderen Themen.&#13;<\/p>\n<h2>Zwischenbilanz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Bereich der dualen Lehre betrug die Anzahl der neuen Auszubildenden im Jahr 2013 1309 gegen\u00fcber 1269 im Vorjahr. Das ist ein Wachstum von 3,2%. Demgegen\u00fcber verzeichnete der Bereich der Vollzeitschule ein Minus von 9% (1150 gegen\u00fcber 1264). Die Tendenz, die sich aus diesen Zahlen ablesen l\u00e4sst, ist ganz im Sinne des Staatsrates: die Mehrkosten des postobligatorischen Bildungssystems im Kanton Neuenburg zu reduzieren, die mit dem zu grossen Anteil von Lehrg\u00e4ngen an Vollzeitschulen einhergehen. Das Ziel ist letztlich, auf ein Kostenniveau zu kommen, das dem der Mehrheit der Schweizer Kantone in etwa entspricht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas finanzielle Ziel ist wichtig. Die Neuenburger Regierung m\u00f6chte aber vor allem den Jungen die Chance geben, eine Qualit\u00e4tsausbildung zu absolvieren. Denn dies erm\u00f6glicht es ihnen, sich rasch in den Arbeitsmarkt zu integrieren, die Arbeitsmarktf\u00e4higkeit zu erh\u00f6hen oder h\u00f6here Studien in Angriff zu nehmen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch wenn die erste Bilanz positiv ausf\u00e4llt, sind wesentliche Anstrengungen n\u00f6tig, um die Berufsbildung bei den Unternehmen und den Jugendlichen noch beliebter zu machen. Die Partnerschaft zwischen dem Staat und den Wirtschaftskreisen hat sich als fruchtbar erwiesen und soll entsprechend weitergef\u00fchrt werden. Dank ihr lassen sich die ambitionierten Ziele erreichen, welche sich die Neuenburger Regierung im Bereich der Berufsbildung gesteckt hat.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Motion: Pour des places d\u2019apprentissage accessibles.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Der Bericht enth\u00e4lt einen detaillierten Aktionsplan mit ehrgeizigen Zielen. Der Bericht (Referenz 11.047) ist im Internet unter http:\/\/edudoc.ch\/record\/103628\/files\/11047_CE.pdf zu finden. Medienmitteilung: www.ne.ch > M\u00e9dias > Communiqu\u00e9s de presse > Archives > 2012 > 16.01.2012: \u00abConcr\u00e9tisation du plan d\u2019actions pour l\u2019avenir de la formation professionnelle. Vers un partenariat public-priv\u00e9 au service de la formation\u00bb.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Grosse Rat des Kantons Neuenburg verabschiedete 2006 eine \u00fcberparteiliche Motion, welche vom Staatsrat \u2013 der Exekutive des Kantons Neuenburg \u2013 verlangte, verschiedene Wege zur Unterst\u00fctzung der Berufslehre zu pr\u00fcfen. Als Antwort darauf legte dieser im September 2011 einen umfangreichen Bericht zur Zukunft der Berufsbildung vor. 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